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	<title>wienerpost &#187; Wirtschaft</title>
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		<title>Hey, Big Spender!</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 08:00:28 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der amerikanische Milliardär Warren Buffet hat einen Großteil seines Vermögens gespendet. Jetzt fordert er die Reichsten der Reichen auf, es ihm gleich zu tun. (Text: Verena Eissner-Eissenstein / Foto: trackrecord, flickr)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Der amerikanische Milliardär Warren Buffet hat einen Großteil seines Vermögens gespendet. Jetzt fordert er die Reichsten der Reichen auf, es ihm gleich zu tun. (Text: Verena Eissner-Eissenstein / Foto: trackrecord, flickr)</p></blockquote>
<div id="attachment_4577" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a rel="attachment wp-att-4577" href="http://www.wienerpost.at/2010/07/hey-big-spender/warren-buffet/"><img class="size-full wp-image-4577" title="warren buffet" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/07/warren-buffet.jpg" alt="" width="600" height="454" /></a><p class="wp-caption-text">Warren Buffet ist CEO des von ihm aufgebauten Unternehmens Berkshire Hathaway und laut „Forbes“ (2010) drittreichster Mann der Welt.</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p><strong>„Viel Geld schmerzt, also spende ich es“</strong><br />
US-Investmentlegende Warren Buffett, einer der reichsten Männer der Welt (geschätzte 47 Milliarden Dollar), verblüfft mit einer für Normalsterbliche kaum nachvollziehbaren Erkenntnis: „Es ist schmerzlich auf so viel Geld zu sitzen. Aber noch schmerzlicher ist es, etwas Dummes damit anzustellen.“ 2006 ging er deshalb mit gutem Beispiel voran und begann, einen Großteil seines Vermögens – kolportiert wird eine Summe von bis zu 38 Milliarden Dollar – diversen Stiftungen zu vermachen. Am Hungertuch nagen muss der 79-Jährige dennoch nicht. Bei feinen Diners mit den wohlhabendsten Familien Amerikas starten er und sein Freund Bill Gates nun den Aufruf, doch ebenfalls mindestens 50 Prozent ihres Geldes für karitative Zwecke herzugeben. Vier Milliardäre sollen ihrem Vorschlag zugestimmt haben.</p>
<p>Weiterlesen? Fortune: <a href="http://features.blogs.fortune.cnn.com/2010/06/16/gates-buffett-600-billion-dollar-philanthropy-challenge/">The $600 billion challenge</a></p>
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		<title>Der begnadete Mistkerl</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 18:00:38 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ein lumpiger Dollar Jahresgehalt... Der wahrscheinlich am schlechtesten bezahlte Chef der Welt ist gleichzeitig auch der erfolgreichste. Und der fieseste sowieso. Apple-Gründer Steve Jobs, eine Nahaufnahme. (Text: Rainer Himmelfreundpointner / Illustrationen: Blagovesta Bakardjieva)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Ein lumpiger Dollar Jahresgehalt&#8230; Der wahrscheinlich am schlechtesten bezahlte Chef der Welt ist gleichzeitig auch der erfolgreichste. Und der fieseste sowieso. Apple-Gründer Steve Jobs, eine Nahaufnahme. (Text: <a href="http://www.be24.at/blog/author/rainer_himmelfreundpointner">Rainer Himmelfreundpointner</a> / Illustrationen: <a href="http://www.blagovesta.net/">Blagovesta Bakardjieva</a>)</p></blockquote>
<div id="attachment_4557" class="wp-caption aligncenter" style="width: 640px"><a rel="attachment wp-att-4557" href="http://www.wienerpost.at/2010/07/der-begnadete-mistkerl/steve-jobs/"><img class="size-full wp-image-4557" title="steve jobs" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/07/steve-jobs.jpg" alt="" width="630" height="840" /></a><p class="wp-caption-text">Marketing Genie: Was Jobs auch anfasst - es produziert Gold. WIENER-Illustratorin Blagovesta Bakardjieva hat ihn mit seinen schillerndsten Produkten dargestellt.</p></div>
<p><strong>Schon mal von dem Management-Buch „The No Asshole Rule“ gehört?</strong> Der Autor Robert Sutton landete damit in den USA einen Bestseller. Und er war ganz erstaunt, wie sehr sich die Leute für Mistkerle interessieren. „Sobald bekannt wurde, dass ich über Arschlöcher schreibe“, so der Professor der renommierten kalifornischen Stanford-Universität, „erzählten mir die Leute aus dem Silicon Valley freiwillig fürchterliche Geschichten über Steve Jobs. Diese Menschen hatten echt Angst vor ihm. Sie weinten und schrien. Jobs hat sie in einen grauenvollen Zustand versetzt. Vor allem in den frühen Jahren seiner Apple-Zeit.“</p>
<p><strong>Etwa so:</strong> Jobs feuert einen jungen Mitarbeiter, weil er ihm das falsche Mineralwasser bringt. Jobs überrascht ein Entwicklungsteam in einer Sitzung, da ihm etwas nicht passt, fragt willkürlich nach Namen, und wirft die Hälfte der Leute im Angesicht der restlichen Kollegen hinaus. Alle verstehen diese Botschaft – und hackeln daraufhin rund um die Uhr.</p>
<p><strong>Wenn man dem mittlerweile verstorbenen Jef Raskin</strong>, der an der Erfindung des Apple-Macintosh-Computers beteiligt war, glaubt, war Jobs auch ein lausiger Manager.<br />
In einem internen Memo schrieb er zusammen gefasst, dass Jobs …</p>
<p>… dauernd wichtige Meetings verpasse;<br />
… ohne nachzudenken wirre, absurde Entscheidungen fälle;<br />
… niemandem zuhöre und Entscheidungen – einmal so, einmal so – ex cathedra treffe</p>
<p><strong>„Heute findet er die Farbe Weiß super“</strong>, berichtet ein Apple-Manager, „also arbeitet das Design-Team mit dieser Vorgabe. Zwei Wochen später wirft er alles über den Haufen und das Team hinaus, weil er plötzlich Schwarz für toll hält“.</p>
<p><strong>Überdies war und ist Jobs offenbar</strong> ein nahezu manischer Geheimnistuer und Kontroll-Freak. Die Anekdoten darüber sind Legion. Apple-Leute fürchten sich immer noch vor dem „One Infinite Loop“, dem Antreten in Jobs’ Büro. Um das zu vermeiden, werden selbst von hochrangigen Mitarbeitern nicht nur (sowieso irreführende) Presseaussendungen, sondern auch interne E-Mails an Kollegen vor dem Versenden peinlichst kontrolliert und privat abgesprochen: ob man etwas so oder so sagen, dies oder das schreiben könne. Im Unternehmen gibt es ein geflügeltes Wort: „Du kannst alles machen, was du willst. An deinem letzten Tag bei Apple.“</p>
<p><strong>Nicht umsonst hängt in Steve Jobs Büro</strong> bis heute ein US-Plakat aus dem Zweiten Weltkrieg. Titel: „Loose lips might sink ships“, was soviel heißt wie: Ein unachtsames Wort kann Schiffe zum Sinken bringen. Für jeden der weltweit knapp 40.000 Apple-Mitarbeiter und tausende Lieferanten ist damit klar: Wehe, es dringt irgendwas Unerwünschtes oder zum falschen Zeitpunkt nach außen. Dieses Gesetz ist erbarmungslos.</p>
<p><strong>Denn Steve Jobs denkt in anderen Kategorien.</strong> Seine Vorbilder sind Leonardo da Vinci, Albert Einstein oder Isaac Newton. Sein Wunsch ist es, wie diese die Welt zu verändern. Das ist ihm mit erstaunlichem Erfolg gelungen. Und zwar in einer affenartigen Geschwindigkeit – eine Story wie von einem anderen Stern:</p>
<p><strong>Geboren 1955 im kalifornischen San Francisco</strong> als uneheliches Kind eines unvorsichtigen Studentenpärchens, das ihn sofort zur Adoption freigab. Aufgewachsen im kalifornischen Mountain View als Sohn von Clara und Paul Jobs, einem Automechaniker. Das College bereits nach einem Semester geschmissen. Lieber im Homebrew Computer Club herumgehangen, genauso wie der extrem talentierte Nerd Steve Wozniak. Einen Auftrag von Atari für die Entwicklung des Computerspiels „Breakout“ an Land gezogen, das Wozniak in nur vier Tagen programmierte. 5000 Dollar abgecasht, seinem Kumpel aber nur 500 bezahlt. Jobs flunkerte, er hätte nur 1000 Dollar bekommen. Aber er hatte seine wahre Bestimmung gefunden – Computer und Marketing.</p>
<p><strong>1976 gründete er gemeinsam mit</strong> Wozniak und Ronald Wayne die Apple Computer Company. Jobs hatte dafür seinen VW-Bus, Wozniak einen Texas-Instruments-Taschenrechner verhökert. Bald darauf kam mit dem „Apple I“ der erste Heimcomputer der Welt unter dem Logo mit dem angebissenen Apfel (bite) für 666,66 Dollar auf den Markt. Das war die Grundlage für Steven Paul Jobs’ Werdegang zum absoluten Säulenheiligen der Computerindustrie, überflügelt nur von seinem befreundeten Erzrivalen, Microsoft-Boss Bill Gates.</p>
<p><strong>Ein paar Jahre lang experimentierten</strong> die High-Tech-Pioniere mehr oder weniger erfolgreich (immerhin gelang 1980 die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft) mit verschiedenen Apple-Versionen herum. Bis diese Produktlinie 1984 zugunsten des vorrangig von Jef Raskin entwickelten Macintosh – der erste kommerziell erfolgreiche Heimcomputer mit einer grafischen Benutzeroberfläche – aufgegeben wurde. Für mehr als eine Generation von Menschen sind die Dutzenden von Mac-Versionen zum unverzichtbaren Bestandteil ihres täglichen Lebens geworden wie die Morgentoilette oder der Gang aufs Klo.</p>
<p><strong>Längst ist Apple mit Produkten wie</strong> „iTunes“, „iPods“, „iPads“ oder „iPhones“ in fast alle Bereiche der Kommunikationsindustrie vorgedrungen. Mit bemerkenswerter Fortune: 2009 verzeichnete das inzwischen börsenotierte Unternehmen einen Umsatz von rund 43 Milliarden Dollar und einen Gewinn von etwa 8,3 Milliarden. Laut der US-Marktforschungsgruppe Milward Brown liegt der Wert von Apple bei 83,15 Milliarden Dollar. Steve Jobs hält als größter Einzelaktionär 5,5 Millionen Aktien oder 0,64 Prozent der Anteile der Firma.</p>
<p><strong>Doch nicht bei allem, wo Apple draufsteht,</strong> steckt auch Jobs dahinter. Bereits 1985 musste er das Unternehmen nach einem internen Machtkampf verlassen und gründete die „NeXT Computer Company“. Die NeXT-Workstation – ein eleganter schwarzer Kubus – war zwar technisch ihrer Zeit voraus. Immerhin programmierte der Internet-Pionier Tim Berners Lee auf so einem Ding die ersten World-Wide-Web-Versionen. Aber kommerziell war ihm damit kein rasender Erfolg beschieden. Es sei denn, man sieht von der Tatsache, ab, dass Jobs den Laden im Jahr 1996 um 402 Millionen Dollar an Apple verscherbelte und damit wieder in die Führungsetage seiner alten Firma einzog.</p>
<p><strong>Dazwischen hat er 1986</strong> – so im Vorbeigehen, wie es den Anschein hat – die „Pixar Inc.“ (ursprünglich ein Teil der Grafik-Abteilung von Lucas-Film, für die er George Lucas läppische fünf Millionen Dollar über den Tisch rieb) ins Leben gerufen. Keine zehn Jahre später landete Pixar mit dem Animationsfilm „Toy Story“ einen Welthit. Es folgten Blockbuster wie „Find Nemo“, „Ratatouille“ oder der Oscar-prämierte Streifen „Oben“. Kurzum: 2006 wurde das Studio für satte 7,4 Milliarden Dollar an den Unterhaltungsmulti Walt Disney weitergereicht. Seither ist der fast fanatische Vegetarier und bekennende Zen-Buddhist Jobs mit sechs Prozent der größte Einzelaktionär von Disney.</p>
<p><strong>Dieser Mann hat etwas von Howard Hughes</strong>, dem legendären Pionier der Luftfahrt-Industrie. Wenn er will, kann Jobs mit seinem Charme und schauspielerischem Markteting-Talent ein weltweites Publikum in seinen Bann ziehen. Berühmt sind seine Auftritte bei diversen Branchen-Messen, um persönlich ein neues Apple-Trum vorzustellen. Ein Ereignis, dem die globale Apple-Fan-Gemeinde wochenlang entgegen fiebert. Jobs schafft es immer wieder mühelos, jeden Hollywood-Star an die Wand zu spielen. Er macht das so: Eine Bühne mit XXXL-Screen wie für einen Rolling-Stones-Auftritt. Ein Presenter – besser: Einpeitscher – mit Scientology-Rhetorik. Eine Light-Show, die sich gerade mal Michael Jackson leisten konnte. Und nun kommt – gottgleich – ER. Lockerer Schritt. Coole Levis 501, leicht ausgewaschen. Dunkelblaues T-Shirt. Drei-Tage-Bart. Zahnarzt-Zähne. Gejohle, das zeitgleich auf You Tube zu hören und sehen ist. Dann nimmt ER das Mikro und sagt: „I have some really great stuff to show you today!“ Oder so. Und die Menge flippt aus, rennt zum nächsten Apple-Store und legt wie auf Befehl erhebliche Summen für ein neues „Kultteil“ mit dem Apfel-Logo ab. So geschehen am letzten Juni-Wochenende dieses Jahres, als innerhalb von drei Tagen nicht weniger als 1,7 Millionen iPhones4 über den Tresen gingen.</p>
<p><strong>Solche Shows gibt ER allerdings nicht mehr so oft.</strong> Beobachter meinen, dass sich sein unberechenbares Temperament seit der Heirat mit Laurene Powell und dank seiner drei Kinder, die er mit ihr aufzieht, gekühlt habe. Außerdem hätte ihn sein Gesundheitszustand demütiger gestimmt. 2004 wurde Jobs ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernt. Voriges Jahr wurde ihm wegen einer Hormonerkrankung die Leber transplantiert. John Warnock, ein langjähriger Freund, fast eine Vater gur für Jobs, meint hingegen: „Ich dachte, Steve wäre nach seinem Misserfolg mit NeXT deutlich verträglicher geworden. Aber inzwischen sehe ich das nicht mehr so.“</p>
<p><strong>Vieles deutet darauf hin</strong>, dass Steve Jobs im Grunde – abgesehen seiner Familie und engsten Freunden gegenüber – nach wie vor ein außergewöhnlicher, stinkreicher Mistkerl ist. Jüngstes Indiz dafür: Die Markteinführung des iPhones4 Ende Juni. Die Version dieses smarten Handys wurde um etliche Features und technische Spielereien erweitert. Coolstes Gadged: die Empfangsantenne, im Grunde nichts anderes als ein Stück Metall. Statt es im Gehäuse des hippen Teils – wie üblich – zu platzieren, hat es Apple silbrig glänzend an den schlanken Randbereichen appliziert. Das sieht zwar ziemlich cool aus, hat aber einen blöden Nachteil. Die meisten Menschen greifen Handys immer noch mit Daumen und wenigstens ein, zwei Fingern auf beiden Seiten an. Sobald sie leicht schwitzen, was im Sommer o vorkommt, berühren sie unabsichtlich das gar so lässige Antennen-Material. Folge eins: deutlicher Abfall der Empfangsqualität. Folge zwei: jede Menge aufgebrachter E-Mails und negative Schlagzeilen.</p>
<p><strong>Am 28. Juni 2010</strong> äußerte ER sich angeblich per E-Mail mit der lapidaren Auforderung: „Haltet das Ding einfach anders rum. Es gibt kein Empfangsproblem. Stay tuned.“ Auch wenn nicht bewiesen ist, das Jobs tatsächlich hinter der Mail steckt – ähnlich schauen würde es ihm.</p>
<p>P.S: Mittlerweile hat Apple auch offiziell reagiert und ein Problem eingestanden. Was genau die Ursache sein könnte, ist noch Gegenstand von Tests – und wilder Diskussionen unter Fans und Kritikern von legendary Mr. Jobs …</p>
<div>
<hr /></div>
<p><strong>DIE FAKTEN: Steve Paul Jobs</strong></p>
<ul>
<li>Geburtstag: 24. Februar 1955</li>
<li>Geburtsort: San Francisco</li>
<li>Leibliche Eltern: Joanne Simpson und (vermutlich)<br />
Abdulfattha Jandali, Politikprofessor aus Syrien</li>
<li>Adoptiveltern: Paul und Clara Jobs, beide verstorben</li>
<li>Ausbildung: High School, ein Semester Reed Colllege</li>
<li>Familienstand: Verheiratet seit 1991 mit Laurene Powell<br />
(geboren 1964)</li>
<li>Kinder: Lisa Brennan-Jobs (geboren 1978, gemeinsam mit<br />
seiner früheren Freundin Chris-Ann Brennan), Reed (geboren<br />
1991), Erin-Siena (geboren 1995) und Eve (geboren 1998)<br />
mit seiner Frau Laurene</li>
<li>Beruf: Vorstandsvorsitzender von Apple,<br />
Aufsichtsrat von Walt Disney</li>
<li>Vermögen: 5,6 Milliarden Dollar laut Forbes-Ranking 2010.136-reichster Mensch der Welt</li>
<li>Jahresgehalt: 1 Dollar</li>
<li>Politische Orientierung: Demokrat</li>
<li>Religion: Zen Buddhismus</li>
<li>Lieblingsorte: Yosemite, Paris, Route I-280 bei Stanford</li>
<li>Lieblingsmusiker: Bob Dylan, Joan Baez, Beatles,<br />
Grateful Dead</li>
<li>Lieblingsmöbel: eine 100.000-Dollar Stereoanlage</li>
<li>Lieblingskunst: Fotografie, japanische Drucke</li>
<li>Lieblingsessen: rohe Karotten, Sushi</li>
</ul>
<blockquote><p>Erschienen im WIENER 348 / August 2010</p></blockquote>
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		<title>Trendmodell &#8220;Coworking&#8221;: Arbeit sucht (Frei-)Raum!</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Jul 2010 20:42:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Digitale Boheme hat ein neues Steckenpferd: Coworking. Ein Hype aus Amerika oder eine echte Alternative zu herkömmlichen Arbeits(raum)konzepten? Spätestens im August werden wir es wissen: Da eröffnet in Wien "Sektor 5", ein Coworking Space nach internationalem Modell. Yves Schulz ist einer der Betreiber. Was Coworking für ihn bedeutet, hat er für wienerpost in einem Gastbeitrag zusammengefasst.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Die Digitale Boheme hat ein neues Steckenpferd: Coworking. Ein Hype aus Amerika oder eine echte Alternative zu herkömmlichen Arbeits(raum)konzepten? Spätestens im August werden wir es wissen: Da eröffnet in Wien <a href="http://www.sektor5.at/wp/?page_id=619">&#8220;Sektor 5&#8243;</a>, ein Coworking Space nach internationalem Modell. Yves Schulz ist einer der Betreiber. Was Coworking für ihn bedeutet, hat er für <strong>wienerpost</strong> in einem Gastbeitrag zusammengefasst. (Text: <a href="http://twitter.com/yvendive">Yves Schulz</a> / Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/coworkcentral/">CoworkCentral</a>, Flickr)</p></blockquote>
<p><a rel="attachment wp-att-4257" href="http://www.wienerpost.at/2010/07/coworking/cowork-central/"><img class="alignleft size-medium wp-image-4257" title="Cowork Central" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/07/Cowork-Central-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Coworking">Coworking</a> entstand in Amerika</strong> als Antwort auf die sich geänderten Anforderungen einer stetig steigenden Anzahl  von mobilen Arbeitern. Hochflexible Fachkräfte, die sich nicht festlegen können oder wollen, ein Büro zu mieten und für die eine Bürogemeinschaft ebenso nicht in Frage kommt, weil diese die geforderte Flexibilität nicht erfüll kann. Dazu kommt der Aspekt des „Allein-Daheim-Arbeiten“, bei dem der soziale Kontakt, das Reden, kurz der persönliche Austausch fehlt.</p>
<p><strong>Auf der Suche nach Alternativen</strong> führte dies zu dem Versuch in öffentlichen Räumen wie Kaffeehäusern (<a href="http://www.helge.at/wlan/">mit freiem WLAN</a>) zu arbeiten. Dort ist man dann zwar nicht mehr allein, aber doch wieder für sich, da dort kein Austausch stattfindet, die soziale Interaktion fehlt. So entstanden aus den Notwendigkeiten Tisch, Stuhl, Laptop, WLAN und soziale Interaktion im Kontext des gemeinsamen Arbeitens <a href="http://coworking.de/">die ersten Coworking Spaces</a>, um eine funktionale Umgebung anzubieten. Coworking im Sinne von „Gemeinsam-Arbeiten“ ist aber nicht nur auf Coworking Spaces beschränkt. Coworking kann in jedem Raum stattfinden, der diese Bedürfnisse erfüllt. Das heisst: Es finden sich beliebig viele, mobile Arbeiter zusammen und vereinbaren einen Zeitpunk und einen Ort (Kaffeehaus, Wohnung etc.), um dort den ganzen Tag gemeinsam zu arbeiten, jeder an seinem eigenen Projekt, abschließend mit einem gemeinsam verbrachten Abend.</p>
<p><strong>Diese Treffen nennen sich &#8220;Jellies&#8221;</strong> und stellen die ursprünglichste Form des Coworkings dar. Bei Jellies finden Leute aller Bereiche zusammen, Journalisten, Blogger oder Tennislehrer, die an diesem Tag einfach ihre Buchhaltung machen wollen. Das spiegelt auch den Anspruch von Coworking wieder: Jeder kann teilnehmen; keiner wird ausgeschlossen. Die Diversifikation aus so vielen Bereichen wie möglich schafft eine inspirierende und kreative Atmosphäre für jeden und es entstehen Synergien, die auf ‚normalem’ Wege nicht entstehen würden. Coworking ist darauf angewiesen, viele Menschen aus verschiedenen Sparten für gemeinsames Arbeiten zu begeistern. Außerdem spiegelt diese Form des Arbeitens viel der eigenen Einstellung zu Arbeit und Leben der jeweiligen &#8220;Coworker&#8221; wider.</p>
<p><strong>Coworking Spaces</strong> sind sogenannte <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Third_place">&#8220;3rd Places&#8221;</a>, an denen soziales Leben mit Arbeit verbunden wird. Sie sind die konsequenteste Antwort auf die Ansprüche von flexiblen Arbeitern in einer sich verändernden Arbeitswelt. So sind aktuell 60% aller Unternehmen in Europa Einzelunternehmen ohne eigene Angestellte; ein Trend, der sich zeichnet seit einiger Zeit auch in Österreich abzeichnet. Tendenz wachsend. Die ‚Finanzkrise’ hat diese Entwicklung katalytisch beeinflusst, Unternehmen sind mehr und mehr bestrebt, ihren Mitarbeiterstamm zu verkleinern und Tätigkeiten auf flexible Arbeiter auszulagern.</p>
<p><strong>Das alles ist nur ein kleiner Ausschnitt</strong> aus dem, was Coworking ist, was es bedeutet, welchen Stellenwert es einnehmen wird. Er lässt vermuten und hoffen, dass Coworking nicht nur ein Trend ist, sondern zu einem festen Bestandteil in unserer Arbeitswelt wird. An dieser Stelle bleibt mir nur noch, das Buch <a href="http://wirnennenesarbeit.de/index.html?nr=20060928113212">„Wir nennen es Arbeit“ von Holm Friebe und Sascha Lobo</a> zu empfehlen, das die Hintergründe der sich abzeichnenden Änderungen der Arbeitswelt sehr gut beleuchtet. Mehr Informationen finden sich auf <a href="http://www.sektor5.at/wp/?page_id=619">unserer Website</a>! <em>[Anm.: und vielleicht im September-WIENER ;)]</em></p>
<p><code><script src="http://ws.amazon.de/widgets/q?ServiceVersion=20070822&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=V20070822/DE/wwwwienerpost-21/8001/59891bdc-bffc-424c-9292-0f4694f088cd" type="text/javascript"> </script> <noscript><A HREF="http://ws.amazon.de/widgets/q?ServiceVersion=20070822&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=V20070822%2FDE%2Fwwwwienerpost-21%2F8001%2F59891bdc-bffc-424c-9292-0f4694f088cd&#038;Operation=NoScript" mce_HREF="http://ws.amazon.de/widgets/q?ServiceVersion=20070822&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=V20070822%2FDE%2Fwwwwienerpost-21%2F8001%2F59891bdc-bffc-424c-9292-0f4694f088cd&amp;Operation=NoScript">Amazon.de Widgets</A></noscript></code></p>
<p><strong>Weiterlesen?</strong></p>
<ul>
<li>FOCUS (21.6.2010): <a href="http://www.focus.de/finanzen/karriere/existenzgruendung/tid-18375/coworking-spaces-zehnerkarte-fuers-buero_aid_511859.html">&#8220;Zehnerkarte fürs Büro&#8221;</a></li>
<li>Financial Times Deutschland (30.6.2010): <a href="http://www.ftd.de/karriere-management/management/:coworking-einsame-freiberufler-arbeiten-zusammen/50132996.html">&#8220;Einsame Freiberufler arbeiten zusammen&#8221;</a></li>
<li>ZDF (20.2.2010): <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/1/0,3672,8037985,00.html">&#8220;Der gemietete Kollege&#8221;</a></li>
<li>The new York Times (20.2.2008): <a href="http://www.nytimes.com/2008/02/20/business/businessspecial2/20cowork.html?_r=2&amp;ex=1361250000&amp;en=dbd589ebb73df147&amp;ei=5090&amp;partner=rssuserland&amp;emc=rss&amp;oref=slogin">&#8220;They&#8217;re Working on Their Own, Just Side by Side&#8221;</a></li>
<li>Read Write Web (14.6.2010): <a href="http://www.readwriteweb.com/start/2010/06/co-working-sites-in-your-city.php">&#8220;Co-Working Sites in Your City&#8221;</a></li>
</ul>
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		<title>Lechts &amp; Rinks</title>
		<link>http://www.wienerpost.at/2010/04/lechts-rinks/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 07:30:40 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Polemik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus dem Archiv gekramt, aber immer noch aktuell:
Am 1. Mai marschiert die Sozialdemokratie - aber wohin? Gewerkschaf­ten und Arbeitnehmerverbände schützen eine Welt, die nicht mehr existiert. Inzwischen zerstört der schrankenlose Finanzmarkt unsere Gesellschaf­t. 
Es ist Zeit f­ür eine neue Linke. Eine WIENER-Polemik von Manfred Klimek. (Ursprünglich erschienen im WIENER 311 / Mai 2007)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Aus dem Archiv gekramt, aber immer noch aktuell:</p>
<p><strong>Am 1. Mai marschiert die Sozialdemokratie &#8211; aber wohin?</strong> Gewerkschaf­ten und Arbeitnehmerverbände schützen eine Welt, die nicht mehr existiert. Inzwischen zerstört der schrankenlose Finanzmarkt unsere Gesellschaf­t. Es ist Zeit f­ür eine neue Linke. <em>Eine WIENER-Polemik von <a href="http://www.be24.at/blog/author/manfred_klimek">Manfred Klimek</a>. </em>(Ursprünglich erschienen im WIENER 311 / Mai 2007)</p></blockquote>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_2053" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><strong><strong><img class="size-medium wp-image-2053" title="adamr_stone" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/05/adamr_stone-225x300.jpg" alt="cc by admr.stone" width="225" height="300" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">cc by admr.stone</p></div>
<p><strong>Frankfurt, etwas abseits des Bankenviertels.</strong> Vor dem Italiener, bei dem auch lebenslustige Intellektuelle wie Michel Friedmann oder die Suhrkamp-Clique gerne Platz nehmen, feiert eine Gemeinschaft von Dreißigjährigen ihre Erfolge. Vierzehn Männer und zwei Frauen. Sie sind Mitte Dezember aus London eingeflogen, allesDeutsche, die bei großen Banken im Fonds- und Investementsektor arbeiten, bei Deutsche Bank und Dresdner-Kleinwort- Wasserstein, bei Merrill-Lynch und bei der Commerzbank beispielsweise, anerkannte Konzerne, die das Geld von Millionen verwalten. Die Banker haben ihre Boni ausbezahlt bekommen, Schecks, die meist sechsstellig sind. Zuzüglich zum fünfstelligen Gehalt. Flaschen werden geöffnet: Moet-Chandon Rosé 1995 und Sassicaia 1999. Beides in der Doppelmagnum, King Size. Es wird über Ausgaben gesprochen, darüber, wie man diese Beträge der Volkswirtschaft wieder einverleiben könne. „Schließlich“, so einer der Banker, „soll der Girokontobesitzer auch was von haben.“ Also wird der neue 911er angeschafft und dann nach London verfrachtet. Auch das zehnte Le-Corbusier-Möbel wird geordert und der Weinkeller erweitert. Ein Haus soll gebaut werden, südlich von Stuttgart, nur beste Architektur; ein Ferrari schwebt jemandem vor – doch dafür gibt es Gelächter. Diese Phase, so wird dem Jüngsten der Runde signalisiert, haben die meisten hier schon hinter sich. Und das rote Rennvehikel wieder verkauft. Derart Dreistes darf man sich nur noch in New York leisten, im egalistischen und neidzerfressenen Deutschland sehen es die Bosse nicht so gerne, wenn ihre erfolgreichen Mitarbeiter mit Gewinnen protzen.</p>
<p><strong>Tja, und was war das Schwerste</strong>, das sie zuletzt entscheiden mussten? „Als ich dazu riet, diese Firma zu schließen“, sagt einer, „den Zweigbetrieb in Hessen, also hier um die Ecke, wo ich aufgewachsen bin.“ Man hat die Manufaktur nicht einmal nach Fernost verlagert, sie war in den Sanierungsmaßnahmen generell als unnötig aufgefallen, als Kostenfaktor, den man samt und sonders ausgliedern konnte. Die Rendite der belgischen Mutter hat sich dadurch um eineinhalb Prozentpunkte verbessert. Von 8,4 Prozent auf 9,9 Prozent, also knapp vor der magischen Zehn, die eine Investmentbank dieser Größe von ihrer Beteiligung erwartet. Wie viele Arbeitsplätze das gekostet hat? „Nicht allzu viele, so etwa hundertvierzig.“ Noch gut versteckbar im Sozialstaat. Aber es hat wehgetan, weil es um die Ecke war, weil man auch ein paar der Entlassenen entfernt kannte. Und weil man weiß, dass deren Kredit für Haus und Auto wohl jetzt nicht so schnell zurückgezahlt werden kann. Aber dann ist das auch schon wieder vergessen, man denkt an seinen Porsche und freut sich der eigenen Leistung. Schulterzuckend. So geht Kapitalismus: Sterben und neues Leben. So ging Kapitalismus über Jahre: Strukturkrisen, Wirtschaftskrisen, Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit, diesen folgend Förderprogramme, Innovation, Aufschwung, Beschäftigung. Dann fielen die Schranken und in den Achtzigern schritt man zu den ersten großen Filetierungen und Fusionen, durchgeführt von Investmentbankern à la Gordon Gekko (Michael Douglas im Film „Wall Street“), die Betriebe zu Tode sanieren und Mitarbeiter auf die Straße jagen. Doch aus der Asche entstand Neues, neue Beschäftigung wurde kreiert, neue Technik geboren. Auch heute entsteht Neues. Aber nicht mehr dort, wo das Alte weggeräumt wurde. Und das ist nicht unbedingt ungerecht. Ungerecht ist aber, dass man die Leute, die auf dem Schutt des Alten sitzen, weiter von Stabilität träumen lässt.</p>
<p><strong>Zurück zu den fröhlichen Bankern</strong> beim Frankfurter Italiener. Wer sind für sie die erfolgreichsten Menschen dieser Tage? „Steve Jobs“, sagt einer, „weil er bei Apple seine Idee von Company realisiert und Kohle einfährt.“ „Diese YouTube-Typen“, sagt ein anderer, „die nun irre Kohle für ihr Portal kassiert haben.“ „Martin Bower“, ein Dritter, „der verstorbene Wirtschaftsideologe von McKinsey, der Beraterfirma. Denn der hat den Weg für uns freigeschaufelt.“ Wer hat an jemanden gedacht, der Soziales statt Ökonomisches leistet? Keiner. „Soziales“, sagt einer, „dafür ist doch der Staat da, oder?“ Jetzt nur raus hier und weiter. Knapp vierhundert Meter zu Fuß, an einem der Bankentürme, liegen die Verlierer im warmen Eingang herum. Schlafsack und Alkohol. Was haben sie früher gearbeitet? „Drechsler“, sagt der eine, „drüben im Osten.“ Arbeitslos. Dann in den Westen übersiedelt, Job in der Maschinenbauindustrie, Arbeitsplätze aus Kostengründen ab nach Tschechien, Frau weg, Wohnung weg. Dazwischen noch ein bisschen schlecht bezahlter Wachdienst. Jetzt hier vor der Bank. „Ist doch was“, sagt er, „immerhin schlafe ich im Eingang meines Instituts.“ Das Konto hat er immer noch und zeigt die EC-Karte. „Wenn mir einer blöd kommt, dann zieh ich die raus und sage, ich bin Kunde.“ Der Selbstbedienungsbereich hat 24 Stunden geöffnet. Krass, wie nahe sich die beiden Lebenswelten gekommen sind. Hier reich, dort arm. Dicht an dicht. Und niemand wundert sich, dass diese Wange-an-Wange-Situation keine Spannungen auslöst, keine Unruhen provoziert – ja nicht einmal eine Zunahme derKriminalität. Die Gesellschaft hat sich mit diesen Verhältnissen abgefunden, ist zugerichtet. Vor zwanzig Jahren stand noch ein Puffer zwischen den Extremen, zu dem sich auch schlecht verdienende Arbeitnehmer zählen durften: die Mittelschicht, die heute erodiert. Es ist eine Gemengelage wie geschaffen für die Linke. Ihre eigentliche Klientel, jene, die zwischen den Stühlen stehen, wächst ständig. Jede Menge „neue Verlierer“, „Working Poor“, „Prekaristen“, „Kreative Einkommenslose“, „Ausgesteuerte“, „Unterschicht“. Diesen stehen zur Konfrontation die Gewinner der Globalisierung und des Finanzmarktkapitalismus gegenüber. Und jene dazwischen, die abgesichert wohlerworbene Arbeitsrechte genießen, werden rasch weniger. Das merken diese und wähnen sich im Abstieg. Ein bedrohlich starkes Heer von Ruhiggestellten, das nur auf einen Aufruf wartet. Doch Links macht keinen Mucks.</p>
<p><strong>Links kann nicht aufmucken</strong>, denn die Funktionäre der klassischen Linken und ihrer Parteien wissen, dass Umverteilung und soziale Gerechtigkeit diesmal auch ihre Klientel zur Kasse bitten würde, jene, die in den abgesicherten Sektoren arbeiten. Jene unter Kündigungsschutz, jene mit garantieren Lohnerhöhungen, jene mit Bonuszahlungen, jene mit Gratis-Kuraufenthalten, jene mit Sonderurlauben und jene mit extra bezahlten, monatlichen Gender-Mainstreaming-Seminaren (um nur eine Idiotie unter hunderten aufzuzählen). Und auch jene, die es sich im ökonomischen Systemerhalter-Sektor bequem gemacht haben, z.B. Trainer und Berater. All jenen droht die Beschneidung ihrer Errungenschaften, sollte eine linke Partei – ihrer Pflicht gemäß – die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft innerhalb dieses Systems und mit den Mitteln dieses Systems ausgleichen wollen. Deswegen stellt die Linke die „neuen Verlierer“ außerhalb ihres Systems, diskreditiert sie – wie etwa die Freiberufler des kreativen Sektors – als unsolidarisch, wenn sie sich aus der brutal unsolidarischen Sozialversicherung ausklinken wollen. Die alte sozialdemokratische Linke ist Teil der Reaktion geworden. Zeit für eine neue Linke. Doch wer soll sich dort einfinden? Welche Ziele soll sie haben? Was bleibt Fundament, wer wird Architekt des neuen Hauses? Die alte Linke entstand aus der Arbeiterbewegung und speiste sich aus den Gewerkschaften. Die Protestbewegung der 68er spülte auch jede Menge junge Bürgerliche unter die Kernwählerschaft und in den folgenden Siebzigerjahren wurde es schick, links zu wählen. Große Kanzlerfiguren (Brandt, Palme, Kreisky) schufen stabile Mehrheiten, „a working class hero was something to be“ (Lennon). Die ökologisch orientierte, bürgerlich-linke Wertegemeinschaft der Grünen zog zudem Wähler aus dem christlichbürgerlichen Spektrum zu den Linken ab, die wiederum von den zunehmend Verunsicherten der bröselnden Kernwählerschaft in Richtung rechtsaußen verlassen wurde. Das Wahlvolk war in Bewegung geraten. Und ist bis heute nicht gewillt stehen zu bleiben. Mit der wirtschaftlichen Globalisierung, der Flexibilisierung der Arbeitnehmerheere und der Entregionalisierung des Individuums hat sich auch wieder eine neue Protestbewegung formiert, eine Generation ohne bestimmendes Jahr, deren beste Zeiten auch schon vorüber scheinen. Sie arbeiten in NGOs und bei Attac, sie sind Teil einer neuen digitalen Geringverdiener-Elite. Doch zur Unterwanderung der traditionellen Linken und ihrer Parteien waren sie nicht in der Lage. Das liegt auch daran, dass die Linken der Achtziger- und Neunzigerjahre bei den Medien oder in der Werbung Karierre machten, anstatt weiter ihrer Partei zu dienen, die sie nun – wenn überhaupt – nur mehr als Wähler unterstützen. An ihre Stelle traten zweitklassige Diener des Sozialismus, die außerhalb der Organisation wohl nirgendwo Karriere machen würden. Sie sind schwach und könnten vom Sockel gestoßen werden. Doch das geschieht nicht.</p>
<p><strong>Die verwundete und siechende Sozialdemokratie</strong>, diezunehmend zur Bürgerlichkeit tendierenden Grünen (die sich gleichfalls von den neuen Miserablen abwenden), warten auf einen Dolchstoß der Befruchtung. Doch die Generation Linke, die diese Erneuerung traditionell durchführen soll, wendet sich von der gängigen Politik ab und sucht ihr Heil in bewusst außenstehenden Bünden und Organisationen. Eine Partei ist bislang nicht daraus entstanden. Es ist auch schwer, die neue Klientel in ihrer Mannigfaltigkeit unter einen Hut zu bringen. Einerseits entpolitisierteModernitätsverlierer, andererseits akademische Praktikanten, beide ohne Zukunftsaussichten. Achtundsechzig fanden Arbeiterschaft und Studenten noch leicht zusammen. Die einen wollte am Ertrag des Kapitalismus partizipieren, die anderen die Gesellschaft liberalisieren. Die Regel war einfach: Zuerst wurden die Futtertröge der Working- Class gefüllt, dann sagte diese auch zu jeder Erneuerung (Feminismus, sexuelle Befreiung, Antiautorität, Pazifismus) Ja und Amen. Erst das Fressen, dann die Moral.</p>
<p><strong>Die Regel wäre heute die gleiche.</strong> Erst muss man wieder die Bedürfnisse der Massen nach Sicherheit decken (Arbeitsplatzbeschaffung und arbeitslose Grundsicherung) und danach mit ihrem Einverständnis die vor dreißig Jahren begonnenenReformen der Gesellschaft weg vom Kollektiven hin zum Individuellen zu Ende bringen. Und es wird notwendig, den Sozialismus wieder mit seinen Anfängen zu konfrontieren, mit dem Eigentlichen der Bewegung, den Verkündungen der Bergpredigt im Neuen Testament, der Gleichheit des Individuums im Sinne der amerikanischen Verfassung und der Deklaration der Menschenrechte in der Französischen Revolution. Der alte Sozialismus ist tot, denn er hat alles erreicht, was zu erreichen war (Aufstieg des Vierten Standes und Wohlstand der Massen im Sozialstaat), der archaische Sozialismus aber lebt – denn seine Ziele sind stets aufs Neue zu erreichen, da sie unausweichlich mit den Interessen der Mächtigen kollidieren.</p>
<p><strong>Wer ist der Feind des neuen Sozialismus</strong>, wer profitiert von den global liberalisierten Strukturen des Kapitalismus? Es sind erstaunlich viele. War es früher der Firmenpatriarch oder der Großgrundbesitzer, der sich als Teil des Adels oder des Bürgertums mit dem Segen der Kirche das Recht der Knechtung herausnahm, so ist heute jeder Arbeitnehmer, der in abgesicherter Position für seine Altersvorsorge in einen Hedge-Fonds einzahlt, am Untergang einst sicher scheinender Gesellschaftsstrukturen beteiligt – also Frau und Mann von nebenan. Auch wider eigenes Wissen. Denn so sehr ein Kapitalmarkt eine offene Gesellschaft, die ihre Risiken kennt, bereichern kann, so sehr zerstört der absichtlich von der Leine gelassene (wiewohl durchwegs demokratisierte) Finanzmarkt das Soziale unserer Kultur. Kurzfristige Erträge und fast irreale Renditevorschreibungen machen jedes nachhaltige und vernünftige Wirtschaften unmöglich.Währungsspekulationen zwingen Volksgemeinschaften zwar oft zu schmerzhaften, wenngleich sinnvollen Reformen, zerstören mithin aber auch gewachsene Kulturen und fördern das Aggressionspotenzial innerhalb der Gemeinschaften. Ein neuer Sozialismus hat also viele Aufgaben. Er muss denLeuten Brot geben und Sinn vermitteln, er muss Arbeit sichern, so weit dies noch möglich ist, er muss die Gesellschaft befrieden und das Spirituelle des Ideologischen auf positive Weise wiederbeleben. Er muss das Individuum in seiner Ausprägung stützen und dennoch seine kollektivistische Ader anzapfen. Ein neuer Sozialismus kann sich viele Namen geben, etwa „Kooperativismus“, oder „Basisdemokratie“, er muss es nur schaffen, den in das kranke System stützend eingebundenen Mittelstand auf seine Seite zu ziehen. Dann wird es ein paar Banker weniger geben, die abends in Frankfurt darüber nachdenken, wie man die Arbeitslosigkeit Dritter in einen eigenen Porsche verwandelt. Unabhängig davon scheint es möglich, dass auch der Finanzmarkt an die Wand fährt und die Globalisierung von anderen Kräften als jenen des Kapitalismus (dessen Dynamik aber immerbahnbrechend bleibt) beherrscht wird. Die eine Ordnung geht, eine andere Ordnung kommt: die Französische Revolution 1789, der bürgerlichnationale Aufstand 1848, die Oktoberrevolution 1917, die nationalsozialistische Machtübernahme 1933, die angloamerikanische Zwangsdemokratisierung 1945-48, der Fall des Kommunismus 1989. Der sich beschleunigende Zeitlauf weist für die entwickelten Gesellschaften auf eine schnelle Abfolge von kurzer, heftiger Instabilität und gleichfalls kurzer Stabilität hin. Augenblicklich drängen neue Volkswirtschaften – ehemals Dritte Welt – in unsere einst gesicherten Schlüsselindustrien und vernichten Teile des Arbeitsmarktes. Den Profit dieses ungleichen Wettbewerbs nehmen die Konzerne mit, die, wie schon erwähnt, von den Finanzmärkten zu immer höheren Renditen gedrängt werden. Ein neuer Sozialismus muss also auch ein internationaler Sozialismus sein, denn gleiche Sozialstandards lassen sich nur mehr auf transnationaler Ebene herstellen. Für diese Standards werden die neuen Volkswirtschaften Teile ihrer Lohnflexibilität opfern müssen. Und wir werden auf Teile unserer Errungenschaften verzichten, vor allem auf die „wohlerworbenen Rechte“. Das wird jene, die auf diesen wohlerworbenen Rechten ein zurückgelehntes und gesichertes Leben führen, am härtesten treffen; von ihnen – darunter auch nicht wenige Sozialdemokraten und Grüne – ist Widerstand gegen einen neuen Sozialismus zu erwarten, sie werden ihre alte Klienten-Solidarität gegen einen gerechten Egalismus mit Krallen und Klauen verteidigen. So ist es auch nicht absurd, dass ein neuer Sozialismus einen Spruch wie „Weniger Staat und mehr privat“ auf seine Fahnen schreiben kann, wenn der Staat doch nur eine systemerhaltende Gruppe und einige Profiteure bedient. Und nicht mehr seiner Aufgabe nachkommt, durch die Subvention von Bildung und der Herstellung von echter Chancengleichheit für eine Befreiung aus miserablen Umständen zu sorgen.</p>
<p><strong>So ist es gleichfalls nicht absurd</strong>, dass ein neuer Sozialismus die Freiheit vor die Gleichheit stellt, und die Brüderlichkeit vor die Solidarität. Die Gleichheit der Bessergestellten und die Solidarität der Abgesicherten war immer schon eine Selbstverständlichkeit. Der neue Sozialismus wird den Fünften Stand vertreten, jene, die heute überraschend oder erwartet, unschuldig oder selbst verschuldet zwischen den Stühlen stehen. Das ist inzwischen etwa ein Viertel der Bevölkerung (und gefühlt noch etwa zehn Prozent mehr). Jene warten nur auf Ideologie und Zündfunke. Die Sozialdemokratie, das hat man gerade wieder gesehen, hat für diese Leute nur alte Westen im Schrank. Sie selbst trägt neue Kleider, wer schneidert nun den Blaumann der Bettelmönche?</p>
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		<title>Gepflegte Beziehungen</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 06:30:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Riese BMW hat’s vorgehüpft, die Klein-Unternehmer ziehen nach: Social Media Marketing als neue Wunderwaffe. Braucht jetzt jede Firma eine Facebook-Seite? Der WIENER hat sich umgesehen und nachgefragt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Riese BMW hat’s vorgehüpft, die Klein-Unternehmer ziehen nach: Social Media Marketing als neue Wunderwaffe. Braucht jetzt jede Firma eine Facebook-Seite? Der WIENER hat sich umgesehen. (Printversion erschienen im WIENER Nr.342/Jänner 2010)</p></blockquote>
<p>„Tarte ist gut, Crème brûlée ist gut, Nougat ist gut. Wie gut muss dann erst eine Nougat-Crème-brûlée-Tarte sein? In zwei Stunden werden wir es wissen.“ twittert <a href="https://www.xing.com/profile/Michael_Vesely">Michael Vesely</a>. Und um ganz sicher zu gehen, dass nun wirklich jeder seiner <a href="http://twitter.com/reisingers">600 Follower</a> auf die Tastatur sabbert, stellt er noch rasch einen Schnappschuss auf Facebook: <a href="http://twitpic.com/bsoo8">„Das Warten der Schokopuddinge auf die Mittagsgäste“</a>. Mehr kann man wirklich nicht tun.</p>
<p><a href="http://www.cafe-reisinger.at/">Reisinger’s</a> ist ein winziges Lokal im Textilviertel. Mit zwanzig Gästen ist es bereits überfüllt. Dass sich diese zwanzig hier regelmäßig einfinden, dafür sorgt Wirt Vesely mit Charme, Humor und Social Media Marketing. „Wer, wenn nicht Lokale sollen twittern?“, sagt er, „Wir twittern unser Mittagsmenü und haben so zumindest einmal täglich etwas Sinnvolles mitzuteilen. Das ist mehr als viele andere.“</p>
<div id="attachment_836" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/socialmedia.jpg"><img class="size-medium wp-image-836 " title="socialmedia" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/socialmedia-300x198.jpg" alt="Beziehungspflege online (Foto: knallgrau / Marketing Review St. Gallen)" width="300" height="198" /></a><p class="wp-caption-text">Beziehungspflege online (Grafik: vi knallgrau / Marketing Review St. Gallen)</p></div>
<p>Veselys Geheimnis? Authentizität, denn glatt gebügelte Corporate-Speak-Ergüsse interessieren niemanden: Social Media Marketing ist Dialog, nicht Keilerei. Das klar definierte Ziel: Kundenbindung vor Kundengewinnung. Wer das beherzigt, knackt nicht gleich den Jackpot, hat aber zumindest mal einen Fuß in der Tür.</p>
<p>„Durch Twitter, Facebook und Co. haben wir einen konstanten Dialog mit unseren Gästen. Wir forcieren das auch, etwa durch Abstimmungen bezüglich Speiseplan oder Veröffentlichen von Rezepten auf Gästewunsch.“</p>
<p>Gerade für Klein- und Mittelunternehmen, für Nahversorger wie Reisinger’s ist Social Media Marketing attraktiv: es kostet nichts, ist aber – richtig genutzt – effektiv.</p>
<p>Ja klar, oft grenzt es an Selbstausbeutung, was Zeit und persönliches Engagement anbelangt, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. In Schulungen zum Thema wird an dieser Stelle dann immer gerne auf das Bilderbuch-Beispiel <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Gary_Vaynerchuk">Gary Vaynerchuk</a> verwiesen. Tun wir hiermit auch: Herr Vaynerchuk leitet einen Online Weinhandel (<a href="http://winelibrary.com/">winelibrary.com</a>). Keine sonderlich originelle Idee, denn das Netz beheimatet Millionen zunächst hoffnungsvoller, dann hoffnungsloser Weinhändler. Aber die „Wine Library“ ist anders: Sie hat innerhalb der letzten fünf, sechs Jahre den Umsatz verzehnfacht. Wie? Durch <a href="http://tv.winelibrary.com/">Wine Library TV</a>, einem weinseligen Video-Podcast, der Dank seiner täglichen Updates zum Community-Magneten avancierte. Kostenpunkt? Null. Bilanz: 50 Millionen Dollar.</p>
<p>„Das Potential ist enorm“, weiß Social Media Profi <a href="http://www.sierralog.com">Dieter Rappold</a> (siehe untenstehendes Interview bzw. Videointerview <a href="http://www.wienerpost.at/2009/11/interview-mit-dieter-rappold-teil-2/">hier</a>), „Aber der deutschsprachige Raum ist da sehr konservativ und zurückhaltend.“ Das Problem liegt jedoch weniger darin, dass Facebook und Konsorten hier unbekannt wären, als in einer Scheu, sich in diesem neuartigen Ökosystem zu bewegen. Das Tool muss letztlich auch zur Unternehmenskultur und zum Selbstverständnis eines Betriebs passen. Wer versucht, im Web 2.0 auf die gleiche Art und Weise zu kommunizieren, wie in der „alten Welt“, in der Welt des klassischen Marketings wird scheitern. Denn das ist nicht mehr, was Konsumenten wollen. Dialog auf Augenhöhe heißt die Zauberformel – und daran beißen sich oft gerade die Werbe-Yuppies und PR-Tussen die gebleachten Zähne aus. Rappold: „Wenn ich aber möchte, dass sich jemand für meine Arbeit interessiert, muss ich mich grundlegend verändern.“</p>
<p>Eine platte, massenmediale Botschaft, mittels Hilti in Zielgruppenhirne gebohrt, wird von Webcommunities im besten Fall ignoriert. Gesucht wird Content statt Slogans. Will ich als Firma im Social Web mitspielen, muss ich bereit und fähig sein, diesen relevanten Content anzubieten: <em>Something to talk about.</em> Das ist der Anfang; der Rest ist Beziehungspflege.</p>
<p>Beziehungen sind es, die Content Gehör verschaffen.</p>
<p>Denn tatsächlich steht Content (und durchaus auch relevanter) im Netz unbegrenzt zur Verfügung. War früher der mediale Platz zur Vermittlung von Botschaften eng und entsprechend umkämpft, so lässt der Onlinebereich aufatmen: Platzprobleme unbekannt. Begrenzt ist hingegen die Aufmerksamkeit der User &#8211; rar und ausschließlich durch Beziehungspflege zu erreichen.</p>
<div id="attachment_830" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/himbeertarte.jpg"><img class="size-medium wp-image-830   " title="himbeertarte" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/himbeertarte-300x225.jpg" alt="Himbeertarte auf Facebook. Das ist irgendwie.... gemein... " width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Himbeertarte auf Facebook. Das ist irgendwie.... gemein...  (Foto: ©Reisingers)</p></div>
<p>„Sollen wir dir ein Stück Himbeer-Tarte samt Prosecco für heute Abend reservieren, Kerstin?“ fragt Vesely via Facebook einen Stammgast und liefert gleich den Augenzeugenbericht aus Reisingers Küche: „Noch wabbelt die heiße Füllung ein bisserl, aber in einer knappen Stunde ist sie schnittfest.“ Beziehungspflege in Reinkultur. Ein Händchen dafür braucht es halt. Es liegt nicht jedem.</p>
<p>Gegenbeispiel gefällig?</p>
<p><a href="http://www.jack-wolfskin.com">Jack Wolfskin</a>, Hersteller von Outdoor- und Trekking-Bekleidung, wurde jüngst zum Buhmann der Szene. Ein Elefant im Glasfaserleitungsladen. Was war geschehen? Einige User hatten ihre selbstgestrickten Mützen und Co. auf einem Amateur-Handarbeitsportal zum Verkauf angeboten. Dabei war das Strickmuster ein Tierpfotenabdruck, in dem Jack Wolfskins Rechtsanwälte meinten, das Firmenlogo wiederzuerkennen. Mehr war nicht nötig, um die geballte Maschinerie an <a href="http://www.werbeblogger.de/2009/10/17/jack-wolfskin-eroeffnet-den-abmahn-herbst/">Abmahnungen, Klagdrohungen und anderen Grauslichkeiten</a> loszutreten. Sprich: So ziemlich das Gegenteil von Dialog auf Augenhöhe.</p>
<p>Das Ergebnis fiel jedoch etwas anders aus, als von der Anwaltsarmee erwartet: Schneller als man „tweet this“ sagen kann, organisierte sich ein breit angelegter Protest. Wer „Jack Wolfskin“ in Google eingab, erhielt auf den ersten Ergebnisseiten Dutzende sehr negative Meldungen über die Marke und den Umgang mit Kunden. Am Ende des Tages sah sich Jack Wolfskin gezwungen, zurückzurudern und sich mit den Betroffenen zu einigen.</p>
<p>Tja, Pech: Kunden, die sich organisieren können, haben Macht. Interaktionen, die nicht auf Hausverstand und Menschlichkeit basieren, können im Netz entsprechend viel Schaden für eine Marke anrichten. Aber getreu dem Sprichwort „one man&#8217;s trash is another man&#8217;s treasure“: wo abmahnen versagt, funktioniert mitspielen.</p>
<p>„Fight H1N1 &#8211; esst mehr Schweinefleisch!“, twittert Vesely. Und kann sich darauf  verlassen, dass die Kunden dieser Aufforderung nachkommen werden. In <a href="http://www.cafe-reisinger.at">seinem Lokal</a>.</p>
<hr size="2" /><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_832" class="wp-caption alignleft" style="width: 213px"><strong><strong><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/rappold-dominik.jpg"><img class="size-medium wp-image-832" title="rappold-dominik" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/rappold-dominik-203x300.jpg" alt="Dieter Rappold in seiner Agentur (Foto: Dominik Gubi)" width="203" height="300" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Dieter Rappold in seiner Agentur (Foto: Dominik Gubi)</p></div>
<p><strong>Interview: „<em>BEING CONNECTED</em> IST DIE NEUE KILLERAPPLIKATION“</strong></p>
<p>Er betreut BMW, MINI und die Voestalpine: New-Media-Profi <a href="http://www.sierralog.com/">Dieter Rappold</a> über einen unterschätzen Wachstumsmarkt. (Das <span style="text-decoration: underline;"><a href="../2009/11/interview-mit-dieter-rappold-teil-2/">Video zum Interview finden Sie hier</a>)</span></p>
<p><strong>Kann man den Zeit- und Geldaufwand einer Social Media Kampagne abschätzen? </strong></p>
<p>Man muss Social Media Maßnahmen immer im Kontext sehen, z.B. indem man sich anschaut, was man bereits heute in anderen Kanälen investiert: Wie viel Werbemittel? Wie viel Zeit? Wie viel erreicht man damit?<br />
Erst dann würde ich Schritt für Schritt verschiedene Pilotprojekte im Bereich Social Media machen und versuchen, einen Vergleich zu ziehen: Was kommt an messbarem Erfolg dabei heraus? Kann ich das Ergebnis in Beziehung setzen zu meinen alten Währungen, zu meinen klassischen Investitionen?</p>
<p><strong>Wie ist denn der Erfolg messbar?</strong></p>
<p>Der Erfolg ist vor allem dann messbar, wenn ich mir über meine Ziele bewusst bin. Die Ziele können sehr unterschiedlich sein &#8211; Markenbekanntheit oder Bekanntheit für ein Produkt steigern, mein Kundenservice verbessern etc.<br />
Wenn ich meine Ziele klar definiert habe, kann ich Kennzahlen entwickeln, anhand derer sich der Erfolg messen lässt. Geht es z.B. darum, die Bekanntheit zu steigern, dann wäre es sinnvoll, zu schauen, wie oft in Google nach meiner Marke gesucht wird. Zwei Monate später – nach Einsatz der Maßnahmen – schaue ich mir an, wie sich das Volumen der Suchmaschinenzugriffe verändert hat. Das ist ein guter Indikator, um Erfolg messbar zu machen.</p>
<p><strong>Internationale Konzerne wie Ikea oder Coca Cola inszenieren massive Social Media Kampagnen. Verschläft Österreich diese Entwicklung?</strong></p>
<p>Österreich hinkt im Bereich Online-Werbung generell sehr stark hinterher. Wir hatten 2008 etwa 3,5% Spendings im Onlinebereich. Das ist sehr wenig, wenn man bedenkt, dass Märkte wie Großbritannien hier bereits bei 25% liegen. Dort waren sogar erstmals die Online Spendings größer als die TV Spendings. Das kommt einem Erdbeben gleich: Das Geld geht dorthin, wo die Aufmerksamkeit der User ist.<br />
Die Menschen in Großbritannien sind aber nicht viel anders als hier. Das heißt über kurz oder lang müssen sich auch in Österreich mehr Budgets in Richtung online verschieben. Selbst wir mehr Beharrungswiderstände haben und bei uns alles ein bisschen länger dauert&#8230;</p>
<p><strong>Aber Online Werbung ist nicht gleichbedeutend mit Social Media&#8230;</strong></p>
<p>Nein, das Geld geht auch in klassisches Banner Advertising und in Suchmaschinenmarketing.<br />
Aber es gibt eine Studie aus den USA, die besagt, dass der Bereich Social Media Marketing bis zum Jahr 2014 der am stärksten wachsende Bereich sein wird – mit einer jährlichen Wachstumsrate von 30%. Da geht es um Milliardenbeträge.</p>
<p><strong>Ihr Kunde BMW gilt diesbezüglich als Best Practice Beispiel: Was wurde da gemacht?</strong></p>
<p>BMW hat 2005 begonnen, erste Projekte im Blog Bereich zu machen. Blogs sind ja die Urform und Wurzel dessen, was wir heute unter Web 2.0 zusammenfassen. Die Themen wurden dann weiterentwickelt via Podcasting, Videocasting – die gesamte Breite in Richtung Social Media. Da sind Dutzende Projekte entstanden; etwa der <a href="http://www.youtube.com/BMWSauberF1">YouTube-Channel von BMW</a>, der inzwischen der weltweit erfolgreichste unter den Automobilmarken ist. In den letzten zwei, drei Jahren sind etwa 300 Online-Spots für diesen Kanal produziert worden. Der nächste Schritt ist jetzt, unsere Aktivitäten auf Facebook und Twitter auszubreiten. Von der Zentrale klar gesteuert, aber in Integration und Kommunikation mit den Märkten und einzelnen Händlern lokal vor Ort. Gerade für ein Unternehmen wie BMW gibt es enorme Potentiale. Man darf nie vergessen: „Being Connected“ ist <em>DIE</em> neue Killerapplikation. Warum sind 300 Millionen Nutzer auf Facebook? Weil es um Connection, um Verknüpfung geht. Wer diese Kernfunktion gut nützt, gewinnt.</p>
<blockquote><p><strong>DIE FAKTEN</strong></p>
<p><strong>Dieter Rappold</strong>, 31, Geschäftsführer von <a href="http://www.knallgrau.at">VI Knallgrau</a>, Agentur für New Media Solutions. Wunderwuzzi, „High Potential“ und Web2.0-Prediger. Bloggt unter <a href="http://www.sierralog.com">www.sierralog.com</a></p>
<p><strong>Michael Vesely</strong>, 52, ist Eigentümer, <a href="http://www.cafe-reisinger.at">Wirt</a> und IT-Profi (u.a. Präsident von <a href="http://www.future-network.at/">&#8220;Future Network&#8221;</a>, Netzwerk für IKT und Business-Entscheider)</p></blockquote>
<p>Nachtrag: Am 22. Dezember zeigt Reisinger&#8217;s wie Social Media Marketing &#8220;in real life&#8221; funktioniert und lädt Twitterer und solche, die es werden wollen zu einem &#8220;Twittagessen&#8221;.<br />
Anmelden kann man sich <a href="http://twittagessen.de/events/496">hier</a>.</p>
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		<title>Grenzen setzen: Die Lehre aus der Krise</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 18:36:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Havas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Er will sich nicht darauf verlassen, dass die Banken-Bosse aus der Krise gelernt haben. Er will sie an die Kandare nehmen - mit neuen, scharfen Regeln. Der Gouverneur der Nationalbank, Ewald Nowotny, im WIENER-Interview.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_586" class="wp-caption alignleft" style="width: 245px"><strong><strong><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/nowotny.jpg"><img class="size-medium wp-image-586" title="nowotny" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/nowotny-235x300.jpg" alt="Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny (Foto: Ingo Pertramer)" width="235" height="300" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny (Foto: Ingo Pertramer)</p></div>
<p><strong>Ist die Krise vorbei, sind wir noch mittendrin oder stehen wir doch erst am Anfang?</strong></p>
<p>Nun, es war eine wirklich schwere und gefährliche Krise mit Ausgangspunkt auf der Finanzseite. Mit einer Reihe von Ursachen wie Fehlentwicklungen im Bankenbereich durch mangelnde Regulierung. Das hat bis zur Gefahr einer Funktionsunfähigkeit des ganzen Bankwesens geführt. Durch einen Massiveinsatz der Notenbanken und der Finanzpolitik ist es gelungen, diese gefährliche Situation zu überwinden. Die Finanzkrise dürfte heute überstanden sein. Die Krise hat sich aber in den realwirtschaftlichen Sektor verlagert, mit einem weltweiten Rückgang des Wirtschaftswachstums. Da dürfte jetzt aber auch der Tiefpunkt erreicht sein, und wir stehen nun am Beginn eines – sehr langsamen – Aufschwungs. Das heißt, dass etwa Arbeitslosigkeit und Budgetdefizite noch weiter steigen werden. Das Ärgste dürfte jedoch überstanden sein, aber bis zu einer kompletten Normalisierung wird es noch einige Zeit dauern.</p>
<p><strong>Was meinten Sie mit gefährlicher Situation?</strong></p>
<p>Eine Weltwirtschaftskrise wie in den 1930er Jahren.<br />
Damals haben Notenbanken und Finanzwesen falsch reagiert und massenweise Bankenzusammenbrüche zugelassen. Das hat zu einem massiven Einbruch der Wirtschaft und zu Massenarbeitslosigkeit geführt. Im aktuellen Krisenfall war das Grundthema aller Finanzpolitiker jenes, dass wir eine Krise wie in den  1930er Jahren um jeden Fall verhindern müssen.<br />
Das ist auch gelungen. Insofern war das vergangene Jahr eines der wenigen Beispiele, wo die Wirtschaftspolitik aus der Vergangenheit gelernt hat.</p>
<p><strong>Aber hat sie wirklich gelernt? Es sieht so aus, als würde man jetzt einfach weitermachen wie vorher.</strong></p>
<p>Ich glaube, die Wirtschaftspolitik hat gelernt.<br />
Ob die Banker gelernt haben, das wird sich erst zeigen. Wobei man nicht zu sehr auf einen Lernprozess der Banker vertrauen sollte, sondern es braucht eine bessere, umfassendere Regulierung.</p>
<p><strong>Kann die Politik oder können Regierungen das überhaupt? Oder sind die nicht alle sowieso in der Geiselhaft der Konzerne und Großunternehmen?</strong></p>
<p>Natürlich gibt es Lobbys. Aber es wäre zu pessimistisch gedacht, dass wir wirklich nur mehr fremdgesteuert wären. Es gibt auch schon konkrete Vorschläge für neue Regulierungen, für bessere Aufsichtsverfahren. Aber das sind natürlich alles mühsame Prozesse. Wir werden als Ergebnis keine perfekte Welt haben, aber doch eine bessere.</p>
<p><strong>Im letzten WIENER meinte Kurt Rothschild, man könne durchaus auch radikalere Dinge andenken. Wie die Rückkehr zu reinen Regionalbanken, das Verstaatlichen von Banken&#8230;</strong></p>
<p>Das sind interessante Gedanken. Aber ich halte sie ehrlich gesagt nicht für sehr realistisch. In der Krise ist es ja auch tatsächlich zum Teil zu massiven Verstaatlichungen gekommen, gerade auch in den USA. Aber das ist kein Dauerinstrument, es ist ein Kriseninstrument. Auf Dauer wären starke Regulierungsmechanismen wichtiger.</p>
<p>Es scheint derzeit so, wenn Institutionen schlechter funktionieren, wenn sie sich zu sehr vom Staat abkoppeln, siehe ÖBB .</p>
<p><strong>Ist in der letzten Zeit vielleicht zu stark privatisiert worden?</strong></p>
<p>Es gibt in der wirtschaftshistorischen Welt in Sachen Verstaatlichung Wellenbewegungen. In den letzten Jahren war die Tendenz zur Deregulierung und Privatisierung in manchen Bereichen überzogen. Gerade im Bankensektor. Je nachdem hat sich die Bankenkrise in den einzelnen Ländern durchaus unterschiedlich ausgewirkt.<br />
Die USA hatten als Folge einer massiven Deregulierungspolitik, die verbunden war mit ideologischen Vorstellungen, eine massive Krise. Schon das Nachbarland Kanada hat eine wesentlich stärkere Regulierungspolitik und eine wesentlich geringere Krise erlebt. Diese Dinge sind nicht quasi wie Naturgewalten, sondern haben schon zu tun mit wirtschaftspolitischer Gestaltung.</p>
<p><strong>War das alles wirklich so unvorhersehbar? Es gab doch immer wieder Warner etwa aus Nicht-Regierungsorganisationen, zum Beispiel Attac&#8230; Haben die, die es wissen hätten sollen, es nicht gewusst?</strong></p>
<p>Es hat warnende Stimmen gegeben, dass sich hier Ungleichgewichte und Blasen entwickeln. Der Punkt war eben der, welche Schlussfolgerungen ziehe ich daraus. Gerade in einem sehr profitgesteuerten System, wie dem amerikanischen Bankensystem, hat natürlich die Tendenz bestanden es quasi zu weit zu treiben. Der damalige Generaldirektor der Citibank Charles Prince sagte: Solange die Musik spielt, muss man tanzen. Das hat sich als Fehler erwiesen. Sein Argument war, hätte ich es nicht gemacht, wären meine Gewinne geringer gewesen und meine Aktionäre hätten mich verjagt. Das Problem war daher, dass überzogene Gewinnerwartungen das Handeln der Manager bestimmten. Das ist sicherlich eine der Lehren, die wir aus dieser Krise ziehen müssen.</p>
<p><strong>Hilft diese Krise dem scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch von neuen Wirtschaftsmächten wie China?</strong></p>
<p>Asien hat sich aktuell sicherlich sehr viel besser geschlagen und hat daher einen Wettbewerbsvorteil, und der wird auch genutzt. Es gibt einen unübersehbaren Bedeutungszuwachs der ostasiatischen Staaten, auch einen entsprechenden Zuwachs an Selbstbewusstsein. Von den zehn größten Banken der Welt sind vier bereits chinesische Banken. Da ist schon ein Strukturwandel unterwegs, den wir in den einzelnen Auswirkungen wahrscheinlich derzeit noch gar nicht abschätzen können.</p>
<p><strong>War die Krise in Österreich so stark wie in anderen Ländern? Oder hat man sich mehr zu Tode gefürchtet?</strong></p>
<p>Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen haben uns vergleichsweise weniger getroffen. Die österreichischen Banken waren nicht so stark in sogenannte „toxic assets” engagiert, waren aber natürlich betroffen von den allgemeinen Auswirkungen. Hier haben wir als Notenbank massiv und rasch reagiert und de facto eine Zeit lang den<br />
Geldmarkt ersetzt und die Banken gestützt. Dadurch hat in Österreich kein einziger Sparer auch nur einen Euro verloren. Für Österreich war es auch von enormem Vorteil, dass wir Mitglied der Eurozone sind. Weil wir damit nicht Opfer spekulativer Attacken sein können. Gerade jetzt hat sich gezeigt, dass selbst Staaten, die eine gesunde Wirtschaftspolitik betreiben, wie zum Beispiel Dänemark oder Schweden, auch massiven Attacken ausgesetzt waren und letztlich auch unterstützt werden<br />
mussten. Hier hat sich für Österreich als kleines Land der Euro als Schutzschild enorm bewährt.</p>
<p><strong>Werden diese ganzen undurchsichtigen Finanzmodelle wieder aufblühen?</strong></p>
<p>Es gibt immer eine Art Spiel zwischen Regulatoren und sehr findigen und gut bezahlten Investmentbankern, die neue Modelle entwickeln. Unser Weg wird jener sein, zu erzwingen, dass, je komplexer und je schwieriger solche Modelle sind, eine umso höhere Kapitalhinterlegung erforderlich ist. Damit es nicht mehr möglich ist bei geringem Eigenkapital große Räder zu drehen.</p>
<p><strong>Wer bezahlt die Krise? Sollte das nicht die Finanzwirtschaft tun, etwa durch Tranksaktionssteuern anstelle im Nachhinein den unschuldigen Steuerzahler zu belasten, um die Defizite auszugleichen?</strong></p>
<p>Hätte man nicht interveniert, wäre es eine Weltwirtschaftskrise geworden, die alle mitgerissen hätte. Daher lautet die Frage eher: Wer zahlt für die Krisenvermeidung? Denn die war im Interesse aller. Wir sehen in allen Staaten, dass als Folge der Krise die Staatsdefizite massiv hinaufgehen. Das ist in der Krise auch notwendig, aber nicht als Dauerzustand. Die Fragen nach dem Bezahlen für die Krise wird dann eintreten, wenn es darum geht, diese Budgetdefizite abzubauen. Und da geht’s letztendlich um die Entscheidung, inwieweit man das über die Ausgabenseite, bzw. inwieweit man das über die Eingabenseite macht.</p>
<p><strong>Was soll ein normaler Sparer oder auch Anleger tun? Gold kaufen? Sparbücher anlegen? Oder trotzdem wieder am Aktienmarkt oder in andere Formen investieren?</strong></p>
<p>Es steht mir nicht zu, als Notenbankgouverneur Anlagetipps zu geben. Allerdings habe ich eine sehr klare Meinung, dass die Inflationsfurcht, die von manchen genährt wird, zumindest im Euro-Raum nicht berechtigt ist. Die Zielsetzung der europäischen Zentralbank ist breite Stabilität.</p>
<p><strong>Wo legen Sie selbst Ihr Geld an?</strong></p>
<p>Ich bin vor kurzem erfreulicherweise Großvater geworden und habe meiner Familie beim Erwerb einer Wohnung geholfen. Das ist die schönste Geldanlage, die man sich überlegen kann.</p>
<p><strong>Sie haben einen bekannt wechselvollen Werdegang, vom Universitäts- bis zum Bankensektor und politischem Engagement. Sie konnten die Wirtschaft von ganz verschiedenen Seiten sehen und mitgestalten. Was war am interessantesten?</strong></p>
<p>Man muss Unterscheiden zwischen Spaß und interessant. Persönlich am wohlsten habe ich mich immer in meiner Arbeit als Wissenschafter gefühlt. Am interessantesten ist sicherlich die Aufgabe, die ich jetzt hier habe. Es natürlich schon faszinierend, eine solche makroökonomische Herausforderung hautnah zu erleben. Insbesondere, weil ich ja eben nicht nur Gouverneur der Österreichischen Nationalbank bin, sondern in dieser Funktion auch Mitglied des Rates der Europäischen Zentralbank und daher in einem der wichtigsten geldpolitischen Entscheidungsgremien der Welt mitwirken kann. Das ist schon eine sehr faszinierende Aufgabe. Es ist zwar nicht so, dass ich unbedingt das Abenteuer suche, aber wenn es kommt, bin ich bereit, mich damit auseinanderzusetzen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die BAWAG-Aufgabe war ja sicher auch nicht unspannend.</strong></p>
<p>Ja. Aber auch da habe ich die Spannung nicht gesucht, aber man kann es sich nicht immer aussuchen.</p>
<p><strong>Es gibt ja immer wieder Leute, die sagen, das mit dem Geldmarkt kann überhaupt nie wirklich gut funktionieren. Kehren wir doch zurück zum Tauschhandel.</strong></p>
<p>Das sind zwar liebenswerte Ideen, aber sie sind meines Erachtens völlig unrealistisch und auch nicht wünschenswert. Geschichtlich gesehen sind Hochkulturen immer mit entwickelten Geldmärkten verbunden. Nur durch den Geldmarkt ist eine arbeitsteilige Wirtschaft in größerem Maße möglich. Ich würde sagen, Geldmärkte sind ein wichtiger Teil der Kulturleistung, aber sie müssen eben kontrolliert werden.</p>
<p><strong>Ihre Funktion läuft bis 2013. Planen Sie darüber hinaus Gouverneur zu bleiben? Oder gibt es andere politische oder sonstige Funktionen, die Sie noch anstreben würden?</strong></p>
<p>Historischgesehen haben Notenbanker eine erfreulich hohe Lebenserwartung. Aber wie ich das nutze, dafür habe ich noch Zeit zu überlegen. Aber Ich fühle mich jetzt hier sehr wohl und zähle im internationalen Vergleich eher zu den jüngeren Zentralbankern.</p>
<blockquote><p><strong>DIE FAKTEN</strong><br />
Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, 65, geboren in Wien, verheiratet, ein Sohn, ist seit September 2008 Gouverneur der <a href="http://www.oenb.at">Österreichischen Nationalbank</a> und Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank. Davor war er (unter anderem) Generaldirektor der BAWAG P.S.K.-Gruppe, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat und Vorsitzender des Finanzausschusses, ordentlicher Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie deren Vizerektor.</p></blockquote>
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