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	<title>wienerpost &#187; Social Media</title>
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		<title>Heute Facebook, morgen die Welt</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Jul 2010 22:07:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir rücken alle näher zusammen: Mit der universellen Verfügbarkeit des „Gefällt mir“-Knopfes revolutioniert Facebook-Gründer Mark Zuckerberg das Web. Zum Guten?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wir rücken alle näher zusammen: Mit der universellen Verfügbarkeit des „Gefällt mir“-Knopfes revolutioniert Facebook-Gründer Mark Zuckerberg das Web. Zum Guten?</p></blockquote>
<div id="attachment_4485" class="wp-caption aligncenter" style="width: 580px"><a rel="attachment wp-att-4485" href="http://www.wienerpost.at/2010/07/heute-facebook-morgen-die-welt/like-button/"><img class="size-full wp-image-4485" title="like button" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/07/like-button.jpg" alt="" width="570" height="340" /></a><p class="wp-caption-text">© Renate Stoica</p></div>
<p style="text-align: left;"><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Zuckerberg">Mark Zuckerbergs</a> allabendlichen Gute-Nacht-Dialog</strong> mit seinem <a href="http://www.flickr.com/photos/96575205@N00/4360682759/in/set-72157623241489811/">selbstgenähten Kuschel-Darth-Vader</a> stelle ich mir in etwa so vor wie die berühmten Schlussworte aus der<a href="http://www.youtube.com/watch?v=U4Rl83wK1VE"> Serie „Pinky &amp; Brain“</a>:<br />
&#8220;Komm jetzt“, sagt der Zuckerbub vor dem Zu-Bett-Gehen, „Wir müssen uns auf morgen Abend vorbereiten.&#8221; – „Was machen wir denn morgen Abend, Mark?&#8221;, fragt Darth Vader, der die Antwort eigentlich kennen müsste. – „Dasselbe wie jeden Abend, Darth. Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen.&#8221;<br />
Dann legt der Zuckerbub den schwarzen Kapuzenpulli feinsäuberlich ans Fussende seines Bettes (ich stell mir da ein hübsches Geek-Bettzeug vor, vielleicht mit einem Todesstern drauf) und entschlummert mit kindlichem Seufzer in die Welt seiner Träume.<br />
Unter Facebook-blauem Himmel grasen dort die Farmville Schafe und fragen “Welche Seifensorte bist du?“. Rasch einen Glückskeks geöffnet, ah da steht es ja: „Das ganze Web <span style="text-decoration: line-through;">gehört</span> gefällt dir!“</p>
<p style="text-align: left;"><strong>So ähnlich muss es wohl gewesen sein</strong>, in der Nacht bevor Zuckerberg beschloss, seinen „Gefällt mir“-Knopf aus den facebook-basierten Fesseln zu befreien und als Applikation wwweltweit zur Verfügung zu stellen. Aber lasst uns einen Schritt zurück gehen: Was ist dieser Knopf und was kann er?</p>
<p><strong>Wer auf Facebook ist</strong> – das sind inzwischen <a href="http://digitalaffairs.at/facebook-userzahlen-oesterreich/">fast 2 Millionen Österreicher</a> – kennt ihn längst: Ein kleiner blauer Daumen, eine „Thumbs-Up“-Geste, die symbolisiert: Mir gefällt das! „Das“ kann dabei recht vielfältig ausfallen, sei es eine gewitzte Wortmeldung, ein Video, ein Urlaubsfoto, kurz: Ich kann jeder Art von Content durch einen simplen Klick meine Wertschätzung ausdrücken. Aber warum eigentlich nur auf Facebook? Was, wenn mir ein Artikel in der <a href="http://www.huffingtonpost.com/">Huffington Post</a> oder der <a href="http://www.faz.net/s/homepage.html">FAZ</a> oder  – um es mal eine Nummer kleiner zu geben – im Blog meiner Schwester gefällt? Eben dafür hat Zuckerberg eine Lösung gebastelt: Seit Ende April bietet eine kleine Erweiterung jedem User die Möglichkeit, den identen „Gefällt mir“-Knopf auf seiner eigenen Website oder dem eigenen Blog zu integrieren. Ja mehr noch, wird der Knopf dort geklickt, sendet er ein Signal an Facebook, sodass auch innerhalb der Facebook-Community jeder sehen kann, wie super beliebt meine Website ist!</p>
<p><strong>Die Euphorie war entsprechend groß. </strong>Das Leben im Web funktioniert, wie es so schön heißt, über Liebe und Links. Das ist die Währung der <a href="http://garyvaynerchuk.com/post/226157962/the-thank-you-economy-the-world-of-content-is">„Thank You“-Economy</a>: Ich verlinke dich, du verlinkst mich. Ich empfehle dich weiter, du erwiderst den Gefallen. Nur so kann es gelingen, Oberwasser im unfasslich großen Datenmeer zu erlangen, nur so kann meine Website überhaupt wahrgenommen werden – von Menschen ebenso wie Suchmaschinen.<br />
Und nun stieg er also herab, Gott Zuckerberg, teilte das Datenmeer und drückte jedem Nutzer einen Kompass in die Hand. Endlich Schluss mit der Orientierungslosigkeit! Endlich Schluss mit dem mühevollen Jappeln um Liebe und Links. Voilà, der „Gefällt mir“-Knopf!<br />
Dass die Nadel dieses Kompasses unweigerlich gen Facebook zeigt, muss uns nicht weiter bekümmern&#8230; Oder doch?</p>
<p><strong>Noch ein Schritt zurück:</strong> Was macht Facebook da eigentlich? Facebook sammelt Daten. Logisch, ist ja sein Kerngeschäft. Bislang innerhalb der eigenen vier Wände, aber das reicht längst nicht mehr. Man will nicht bloß das größte Social Network sein. Man will der größte Player im Netz sein und schickt vorsorglich schon mal eine Warnung an Google: <a href="http://www.wired.com/epicenter/2009/10/facebook-social-2/">„The future is social, not search!”</a></p>
<p><strong>Für die User bedeutet das, vieles wird einfacher.</strong> Das Netz rückt näher zusammen. Es wird leichter seine Aktivitäten und Vorlieben mit Freunden zu teilen. Es wird leichter, sich zu vernetzen.<br />
Schwieriger wird es, auf seine Privatsphäre zu achten, die entsprechenden Vorkehrungen lassen sich zwar auf Facebook einstellen, dies jedoch zunehmend komplexer und undurchschaubarer. Den meisten Usern – und das ist ja auch die Absicht dahinter – ist das zu anstrengend. Die versuchen’s erst gar nicht.</p>
<p><strong><a href="http://www.google.com/corporate/tenthings.html">„Do no evil“</a> mag zwar Googles Firmenphilosophie sein</strong>, die von Facebook ist es aber garantiert nicht. Milchgesicht Zuckerberg glaubt nicht an Privatsphäre, das hat er wieder und wieder bewiesen. Dennoch: Die Apokalypse droht nicht. “In der häufig die Gemüter erhitzenden Datenschutzdebatte wird eines ganz gerne übersehen“, meint Web-Profi <a href="http://blog.datenschmutz.net/bio/#toc-ich-uber-mich">Ritchie Pettauer</a>, „Ohne Datenaustausch keine Kommunikation.“ (<a href="http://blog.datenschmutz.net/2010-04/und-schon-ist-man-nicht-mehr-herr-seiner-daten/">Originalzitat: hier</a>) Sprich: Vorsicht, ja; Panik, bitte nicht!</p>
<p><strong>Für die Werber bedeutet der webweite „Gefällt mir“-Knopf</strong> ein Eldorado der Präferenz-Analyse! Personalisierte Werbung ohne Ende. Da liegt das Geld, das weiß Zuckerberg – und die werbetreibende Wirtschaft weiß es ebenso. „Personalized media“ ist das Gebot der Stunde. Das bedeutet nicht nur Werbung, sondern auch Websites, die sich je nach Besucher anders aufbauen. Franz mit Heimwerker-Vorlieben bekommt ein anderes Layout und andere Inhalte serviert als Karl, der auf Hardrock steht. Dafür braucht Franz nicht einmal auf den „Gefällt mir“-Knopf bei <a href="http://www.hilti.at/holat/">Hilti</a> klicken, denn ist der Knopf bei Hilti einmal installiert, kann Facebook auch das „Vorbeigehen“ daran erfassen. Klicken ist Kür, längst nicht mehr Pflicht. Franz hinterlässt seine Duftmarkierung unbewusst auf jeder mit Knopf versehenen Seite. Und Milliarden an Firmen scharen in den Starlöchern um ihre Werbe-Dollar an den punktgenau anvisierten Mann zu bringen. Zuckerberg muss nur die Hand aufhalten.</p>
<p><strong>Wir werden alle verfacebooked.</strong> Was das konkret für die Zukunft des Webs bedeutet, lässt sich schwer abschätzen. Aus einem Netz der Vielen wird, das zeichnet sich ab, ein Netz einiger weniger. Eine Daten-Oligarchie.<br />
<a href="http://www.wired.com/">WIRED</a>, Leitmedium in Sachen Netzkultur, bringt es auf den Punkt: „Die Frage der Zukunft wird sein, ob du Facebook benützt oder ob Facebook dich benützt.“</p>
<div>
<hr /></div>
<p><strong>Weiterlesen?</strong> <a href="http://www.wired.com/epicenter/2010/05/facebook-rogue/">&#8220;Facebook’s Gone Rogue; It’s Time for an Open Alternative&#8221;</a> (WIRED, 7.5.2010)</p>
<blockquote><p>Erschienen im WIENER 347 / Juli 2010</p></blockquote>
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		<title>&#8220;Interaktivität erfüllt die Versprechungen der Moderne und der Erleuchtung&#8221;: Christa Sommerer über Interfaces und Kunst</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Apr 2010 13:01:40 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit der rasanten Entwicklung allgegenwärtiger Telekommunikationstechnologien nimmt die Interfacetechnologie immer mehr Einfluss auf unser Leben. Von der Gesichtserkennung, Fingerabdruckauswertung bis hin zum Nacktscanner und der Vorratsdatenspeicherung, unser Leben wird immer mehr messbar und damit auch kontrollierbar. Die Reaktion von Meinungsmachern in Politik, Feuilleton und Boulevard sind hinlänglich bekannt. Im Rahmen des Ernst Mach Forums ergriff Christa Sommerer das Wort für die KünstlerInnen-Perspektive. Ihre Positionsbestimmung hat sie freundlicher Weise dem WIENER zur Verfügung gestellt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der rasanten Entwicklung allgegenwärtiger Telekommunikationstechnologien nimmt die Interfacetechnologie immer mehr Einfluss auf unser Leben. Von der Gesichtserkennung, Fingerabdruckauswertung bis hin zum Nacktscanner und der Vorratsdatenspeicherung, unser Leben wird immer mehr messbar und damit auch kontrollierbar. Die Reaktion von Meinungsmachern in Politik, <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,661307,00.html">Feuilleton</a> und <a href="http://www.wienerpost.at/2010/04/maybrit-illner-wie-gefahrlich-ist-das-internet/">Boulevard</a> sind hinlänglich bekannt. Im Rahmen des <a href="http://www.wienerpost.at/2010/04/wissenschaft-im-dialog-media-brain/">Ernst Mach Forums</a> ergriff <a href="http://www.interface.ufg.ac.at/christa-laurent/">Christa Sommerer</a> das Wort für die KünstlerInnen-Perspektive. Ihre Positionsbestimmung hat sie freundlicher Weise dem WIENER zur Verfügung gestellt.</p>
<blockquote><p>Dr. Christa Sommerer, Professor for Interface Culture Institute for Media University of Art and Design / Linz: <strong>&#8220;Statement für das Ernst Mach Forum in der Akademie der Wissenschaften in Wien am  28.4.2010&#8243;</strong></p></blockquote>
<div id="attachment_2144" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-2144" title="sommerer eselat" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/04/sommerer-eselat-300x199.jpg" alt="cc by eSel.at" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">cc by eSel.at</p></div>
<p><strong>Mit der rasanten Entwicklung</strong> mobiler Telekommunikations-Technologien, ubiquitärer und verteilter Computersysteme, intelligenter Räume sowie tragbarer und versteckter Sensorik, nimmt die Interfacetechnologie immer mehr Einfluss auf unser Leben. Von der Gesichtserkennung, Fingerabdruckauswertung bis hin zum Nacktscanner und der Vorratsdatenspeicherung, unser Leben wird immer mehr messbar und damit auch kontrollierbar. Soziale Netze und der daraus entstehende soziale Druck beeinflussen verstärkt unseren Tagesablauf und unsere Kommunikationsformen.</p>
<p><strong>KünstlerInnen beschäftigten sich schon seit den 1960er Jahren</strong> mit Kommunikation und sozialer Interaktion. Sie untersuchten kritisch wie z.B. das Film und Fernsehen unsere Leben veränderte und welche neuen Formen der Interaktion und auch Machtstrukturen dadurch entstanden[1]. Künstlergruppen wie etwa Ant Farm [2] thematisieren die zunehmende Kommerzialisierung durch das Fernsehen, z.B. in der Performance “Media Burn&#8221; von 1975 wo ein umgebauter Cadillac in eine Wand brennender Fernsehgeräte rast (zu sehen derzeit als Dokumentation in der ausgezeichneten Ausstellung Changing Channels – Kunst und Fernsehen1963-1987 im <a href="http://www.mumok.at/programm/ausstellungen/">Museum Moderner Kunst, </a>Stiftung Ludwig in Wien). Zahlreiche KünstlerInnen der 1960er Jahre, wie etwa Yoko Ono, Peter Weibel und Valie Export, experimentierten mit partizipatorischen Systemen, wo die BesucherInnen als TeilnehmerInnen des Kunstwerkes dies massgeblich mitbeeinflussen konnten.</p>
<p><strong>Auch heute sind KünstlerInnen gefragt</strong> sich mit der verstärkten Technisierung und Überwachbarkeit unsere Welt auseinanderzusetzen. Im Bereich der Medienkunst und speziell der interaktiven Kunst untersuchen KünstlerInnen seit Jahren wie Interfacetechnologien sich auf unsere Leben auswirken, welche sozialen Interaktionsformen daraus entstehen und wie dies künstlerisch dargestellt und umgewandelt werden kann. Von interaktiven Installationen, zu tragbarer Mode, von künstlerischen Spielen bis hin zu interaktiven Räumen und Oberflächen, das Spektrum des Einsatzgebietes von interaktiven Gestaltungsmöglichkeiten scheint schier unerschöpflich. [3,4]</p>
<p><strong> Im Jahr 2001 meinte Lev Manovich</strong>, ein bekannter Medientheoretiker, in seinem Buch „The Language of New Media,“ [5] dass sich eine neue Sprache des <strong>Kulturellen Interface</strong> entwickeln wird, so wie die Sprache des Kinos vor etwa 100 Jahren entstand.  Heute gestalten KünstlerInnen z.B. interaktive Szenarios wo durch das Berühren echter Pflanzen künstliche Pflanzen an Projektionsflächen wachsen, wo medienarchäologische Geräte wie Schreibmaschinen oder alte Radiogräte durch interaktive Technologien neu adaptiert werden, wo interaktive Kleidung verwendet wird um dadaistische Tonlandschaften und Performances zu kreieren, Installationen wo Gehirnstrommessungen als Kontroller für ein Ping-Pongspiel fungieren, wo neuartige taktile und multimodale Musikinstrumente gestaltet werden, Filmsequenzen durch das Interagieren mit verschiedenen Schnittstellen neu zusammengesetzt werden, telematische Arbeiten Raum und Zeitverbindungen auflösen oder Arbeiten die die ständig steigende Überwachung durch ubiquitäre Sensorsysteme thematisieren [6].</p>
<p><strong>Wir leben in einer Welt der ständigen Erreichbarkeit</strong>, der ständig verfügbaren Informationen und des konstanten Reagieren-müssens. Die Geschwindigkeit mit der Aktionen und Reaktionen vom Individuum gefordert werden nimmt stetig zu und die in der Moderne begonnene Beschleunigung unseres Lebens durch technische Hilfsmittel erreicht immer neue Höhepunkte.  Die soziale und gesellschaftliche Revolution die diese neuen Interfaces und neuen Kommunikationsformen hervorrufen, verlangen also eine dringende künstlerisch kritische Auseinandersetzung, um diese Technologien auch emotional verdaubar zu machen und um uns die Chance zu geben sich diesen neuen Anforderungen zu stellen.</p>
<p><strong>Gijs van Oonen</strong>, ein dänischer Medienphilosoph, konstatiert dass die neuen technologischen Prozesse sich auch physisch auf unsere Körper auswirken, er nennt dies die „Interactive Metal Fatique“ [7]. Er bezieht sich dabei auch auf Walter Benjamin der schon vor Jahren konstatierte dass mit der Beschleunigung auch ein Verlust an Konzentration einhergeht (die Erfahrung wird zum Erlebnis).</p>
<p><strong>Die in der industriellen Revolution</strong> begonnene und in den 1960er Jahren weitergeführten Beschleunigungstendenzen werden in den 1990er Jahren technisch ausgebaut und Hochgeschwindigkeitsinteraktivität wird nun die allgemeine Norm. Auch durch die neuen partizipatorischen Systeme und Sozialen Netwerke, wie etwa Twitter oder Facebook,  ergeben sich weitere Phasenverschiebungen: nun kann jeder seine Meinung demokratisch kundtun oder durch soziale-kreative Softwares auch selbst zum potenziellen Co-Produzenten werden. Weibel sagt: „Im Zeitalter des Youtube.com, Flickr.com, MySpace.com, and Second Life verlieren KünstlerInnen ihr Monopol auf Kreativität. Durch neueste Medien kann heute jeder künstlerisch kreativ sein.“ [8]</p>
<p><strong> Interaktivität erfüllt damit die Versprechungen der Moderne und der Erleuchtung</strong>, da Emanizipation, Partizipation und Aktion als generelle Prinzipien von sozialer Anerkennung und Verantwortung gehandelt werden. Der Preis dieser Befreiung ist laut Gijs van Oonen jedoch ein „Overburdening of the Senses“, also eine Sensorielle Überforderung, da wir nicht mehr Herr alle dieser komplexen Entscheidungen und Konsequenzen sein können. Dadurch dass der Mensch die von ihm geschätzten Ideale nach Emanzipation, Meinungsäusserung und konstanter Beteiligung erfüllen möchte, dies jedoch aufgrund der geforderten Geschwindigkeit und ansteigenden Fülle zeitlich nicht mehr schafft, ergibt sich laut Gijs van Oonen eine Tendenz des Resignierens und der „Interactive Metal Fatique.“ „Too much of a good thing becomes bad for us,“ sagt Gijs van Oonen. Oder wie Hartmund Rosa schreibt, die Modernität ist charakterisiert durch die Veränderungen der Zeitstruktur, wo Bewegung, Geschwindigkeit und Effizient zu vorangingen Qualitäten werden (Ausschöpfungsgrad).</p>
<p><strong> Wo stehen jedoch hier die KünstlerInnen ?</strong> Auf der einen Seite leben wir in einer Welt die es uns erlaubt diese neue Interaktionsformen entscheidend mitzugestalten und mitzuprägen, auf der anderen Seite muss eine kritische Auseinandersetzung mit den  neuen Kommunikationsformen und dem Einmarsch der Sensortechnologie in unser tägliches Leben mit einer gewissen Distanz und einem künstlerischen Blick begegnet werden. Auch die derzeit vorherrschenden Ideale von Effizienz und maximaler Geschwindigkeit verlangen eine kritische künstlerische Durchleuchtung.</p>
<p><strong> Das Gehirn ist ein sozial formbares Organ</strong>, eine erfahrungsgesteuerte Gefühls- und Wertezentrale mit rationaler Teilkontrolle. Es verarbeitet ständig Sinnenswahrnehmungen und ist als ultimatives Interfaces für unser soziales Handeln verantwortlich. Als KünstlerInnen entscheiden wir mit, welche Formen der Sinnenswahrnehmungen wir anbieten und hoffen auf den Austausch und den Feeback unseres Publikums. Im Sinne der Memetheorie von Blackmoore [9] und Dawkins, geben wir Kunstmeme weiter und hoffen dass diese weitreichend kopiert werden und das einen oder andere <a href="http://www.wienerpost.at/2009/12/memes/">neue kulturelle Meme</a> erzeugen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Referenzen: </span></p>
<ol>
<li>Matthias Michalka (ed.), Changing Channels, Art and Television 1963-1987, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien, 2010</li>
<li>i.d. p.215 ff.</li>
<li>Christa Sommerer, Laurent Mignonneau, Dorothée King (eds.) Interface Cultures- Artistic Aspects of Interaction, August 2008, Transcript Verlag</li>
<li> Christa Sommerer, Lakhmi C. Jain, Laurent Mignonneau,(Eds.) The Art and Science of Interface and Interaction Design, 2008. Springer Verlag, XIV, 190 p. 69 illus. Hardcover, Studies in Computational Intelligence, Volume 141</li>
<li> Lev Manovich, The Language of New Media (Cambridge, MA: The MIT Press, 2001) 93.</li>
<li>Interface Cultures Lab an der Kunstuniversität Linz, http://www.interface.ufg.ac.at und Sommerer&amp;Mignonneau’s Webseite: http://www.interface.ufg.ac.at/christa-laurent/index.html</li>
<li>Gijs van Oenen, Interactieve metaalmoeheid. In: Filosofie &amp; Praktijk, 30/1, 2009, 5-18</li>
<li>Peter Weibel, YOU_niverse, exhibition catalogue, Sevilla: Bienal de Arte Contemporaneo de Sevilla,, Fundacionbiacs, 2008, pp. 16-26</li>
<li>Susan Blackmore, Die Macht der Meme. Die Evolution von Kultur und Geist,” Spektrum Akademischer Verlag.</li>
</ol>
<p><strong>Radiotipp: Die Diskussion &#8220;Media Brain&#8221; im Rahmen des Ernst Mach Forums ist heute abend auch auf Ö1 zu hören: <a href="http://oe1.orf.at/programm/235937">&#8220;Dimensionen&#8221;, 19.06h</a></strong></p>
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		<title>The F-Word</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 08:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[04 Digital World]]></category>
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		<description><![CDATA[Im digitalen Kosmos ist der Trend du Jour oft passé, ehe die Druckerschwärze des WIENERs die Chance hat, zu trocknen. Das schmerzt. Außer der Trend heißt Foursquare.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Im digitalen Kosmos ist der Trend du Jour oft passé, ehe die Druckerschwärze des WIENERs die Chance hat, zu trocknen. Das schmerzt. Außer der Trend heißt <a href="http://foursquare.com/">Foursquare</a>.</em></p>
<p><strong><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/03/foursquare_logo_girl1.png"><img class="alignleft size-medium wp-image-1287" title="foursquare_logo_girl" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/03/foursquare_logo_girl1-300x141.png" alt="foursquare_logo_girl" width="300" height="141" /></a>Foursquare kann man nicht verstehen</strong>, wenn man es nicht selber probiert, nein, gelebt hat. Hat man es selber gelebt, kann man es erst recht nicht verstehen. Man kann drauf abstürzen, sicherlich. So wie auf einen Doppler picksüßen Erbeerwein vom Diskonter. Aber verstehen? Niemals.<br />
Es ist der erste Trend, bei dem ich inständig hoffe, dass er Geschichte ist, noch ehe dieses Heft erscheint. Schätze mal, diese Hoffnung ist vergebens, denn laut Gerüchteküche wird dem Erdbeerwein 2010 ein Webbie-Award winken. Na dann, Prost!</p>
<p><strong>Klingen tut’s cool.</strong> Eine „geobasierte mobile Applikation“ ist Foursquare. Twitter meets GPS. Stadtführer meets Social Network.<br />
Ich lade mir also die erdbeerig süße kleine App aufs Smartphone und kann meine Stadt besser kennen lernen, kann im Urlaub die heißestes Lokaltipps checken und jederzeit wissen, ob Freunde in der Nähe sind und schnell mit ins Hawelka auf einen Verlängerten gehen wollen. Und dafür, dass ich diese <em>Serviceleistung</em> in Anspruch nehme, muss ich nichts zahlen, sondern werde reich belohnt: Mit Punkten und Medaillen, Ruhm und Ehre. Und mit dem Amt des Bürgermeisters. <em>Honi soit qui mal y pense.</em></p>
<p><strong>Schöne neue Foursquare-Welt.</strong> Ich gehe nicht mehr schnöde zum Kirchenwirt, ich krieg dafür ein veritables Goldsternderl, weil ich so brav war und dem Programm meinen aktuellen Standort gefüttert habe.<br />
Na, wer regrediert da nicht sofort zum Volksschüler und hofft, dass die Frau Lehrerin ihn lieb hat? Wer bekommt da nicht Lust, sich ständig selbst zu verorten und seine Whereabouts auf Google Maps zu markieren?</p>
<p><strong>Bin gerade Ecke</strong> Neubaugasse / Mariahilferstraße. Parke jetzt in der Tiefgarage vom Gerngross ein. „Gratuliere!“, sagt Foursquare, „Sie sind der erste Mensch, der in dieser Tiefgarage parkt. Dafür bekommen sie den großen Entdecker-Orden! Wenn Sie hier das nächste Mal parken, werden Sie zum Bürgermeister ernannt!“</p>
<p><strong>Big Brother geht in Frühpension</strong> und bucht schon mal ein Ticket nach Florida. Hier wird er nicht mehr gebraucht. Wir erledigen den Job selber, Sternchen sammelnd.<br />
Ehrlich, ich warte auf die ersten Medienberichte von Bankräubern, die zuvor mal rasch in Foursquare eingeben, wo sie das Fluchtauto abgestellt haben. Oder stellen Sie sich mal vor, wie schnell die Saliera wieder aufgetaucht wäre&#8230;</p>
<div id="attachment_1288" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/03/foursquare.jpg"><img class="size-medium wp-image-1288" title="foursquare" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/03/foursquare-300x182.jpg" alt="Mein Account ist inzwischen inaktiv. Rückfälle aber nicht ausgeschlossen." width="300" height="182" /></a><p class="wp-caption-text">Mein Account ist inzwischen inaktiv. Rückfälle aber nicht ausgeschlossen.</p></div>
<p style="text-align: left;"><strong>Dabei läuft das Spielchen</strong> nicht ohne Bugs. Locations können mehrfach ins System eingetragen werden, etwa aufgrund divergierender Schreibweisen. Das sorgt für Verwirrung und Eintracht gleichermaßen, denn nur so ist es möglich, dass J. und ich zeitgleich Bürgermeisterinnen der U-Bahn Station Landstraße sind. Wir regieren in friedlicher Koexistenz, jede in ihrem eigenen (Tippfehler-induziertem) Paralleluniversum.<br />
Mit M. hingehen ist friedliche Koexistenz undenkbar. Das lässt sein Y-Chromosom nicht zu! Wochenlang lieferten wir uns ein erbittertes Gefecht um die Herrengasse, zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, dem anderen sein Bürgermeisteramt abzuluchsen &#8211; durch schieres Hinfahren, Einloggen und Ätsch-Bätsch-Sagen. Zugegeben, die Reibungswärme hatte etwas ungemein Erotisierendes. Aber was ungemein Blödes hatte es auch.</p>
<p><strong>Weltweit spielen derzeit</strong> 170.000 Hardcore-Nerds Foursquare. Das klingt wenig, aber wer die Dynamik des Web2.0 kennt, weiß, dass es ausreicht, um zur Pandemie zu werden. Ein paar Psychotricks, eine Prise Gruppendruck und wer will nicht mal ein Early Adopter sein? Trotzdem: Vor Foursquare hab ich keine Angst. Zu läppisch.<br />
Ich habe Angst vor Stasi-VZ (pardon, <a href="http://www.studivz.net/">Studi-VZ</a>) und Facebook. Bei letzterem heißt der Bürgermeister Mark Zuckerberg. Er hat das <a href="http://www.zib21.com/netzzeit/herr-zuckerberg-ich-will-meine-privatsphare-zuruck/">Zeitalter der Privatsphäre für tot erklärt</a> und bastelt an einer ganz ähnlichen, geobasierten Erweiterung für sein Reich. Ein kleines Geschenk anlässlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1984_%28Roman%29">George Orwells</a> 60. Todestag&#8230;</p>
<blockquote><p>Erschienen im WIENER, Ausgabe 343 / März 2010</p></blockquote>
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		<title>Hosenfreier Sonntag</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 22:24:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[Miscellany]]></category>
		<category><![CDATA[NetzLESEN]]></category>
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		<description><![CDATA[Hose runter - U-Bahn fahren! 
Der jährliche "No Pants Subway Ride" wird zum globalen Phänomen. Am 10. Jänner ist es wieder so weit - und Wien ist mit dabei!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_911" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/01/improv-everywhere-no-pants1.jpg"><img class="size-medium wp-image-911" title="improv-everywhere-no-pants" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2010/01/improv-everywhere-no-pants1-300x199.jpg" alt="Foto: ImprovEverywhere" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: ImprovEverywhere</p></div>
<p>Am 10. Jänner ist es wieder so weit: Die U-Bahn gehört den Hosenlosen! Und zwar weltweit. Was als kleiner Aktionismus einer subkulturellen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Flashmob">Flashmob</a>-Truppe begann, ist inzwischen zu einer wohlgelittenen Tradition geworden und (will man bösartig sein) selber schon fast Teil eines alternativen Establishment: Der <a href="http://improveverywhere.com/missions/the-no-pants-subway-ride/">&#8220;Annual No Pants Subway Ride&#8221;</a>.</p>
<p>Findet übrigens immer im Jänner statt. Dann, wenn es in New York, dem beinfreien Point of Origin, garantiert am Kältesten ist und die Gänsehaut auf den Wadeln der TeilnehmerInnen gut zur Geltung kommt&#8230;  Scherz beiseite. Die U-Bahn ist ohnedies beheizt. Warum also nicht?<br />
Wenn Sie Sonntag noch nichts vorhaben, lassen Sie doch einfach Ihre Hose zuhause.</p>
<p>Und keinesfalls kann es schaden, zuvor noch mal rasch die Backgroundstory über Flashmob-Chef <a href="http://www.mrcharlietodd.com/">Charlie Todd</a> und seine wackeren Mannen nachzulesen: <a href="http://www.wienerpost.at/2009/10/improveverywhere/">Findet sich in unserem Archiv.</a></p>
<p>Don&#8217;t forget:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;THIS IS A PARTICIPATORY EVENT.  DO NOT SHOW UP UNLESS YOU PLAN TO TAKE YOUR PANTS OFF.&#8221; </strong>(Charlie Todd)<strong><br />
</strong></p></blockquote>
<p>Ach ja: Ich nehm die U3 &#8211; und Sie?</p>
<p><a href="http://www.facebook.com/event.php?eid=231256860940">Anmeldung &amp; Information via Facebook</a></p>
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		<title>Memes &#8216;R Us</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 20:42:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[04 Digital World]]></category>
		<category><![CDATA[Digital World]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn’s jeder tut und keiner weiß warum, dann hat mal wieder ein Mem zugeschlagen. Nirgendwo sonst liegen Euphorie und Gehirntod derart nahe beisammen.

Glaubt man Richard Dawkins, so stellt ein Mem die kleinste (übertragbare) kulturelle Informationseinheit dar. Das Mem nistet sich im Gehirn ein und drängt dort zum Vollzug. Ansteckend? Hochgradig!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><em>Wenn’s jeder tut und keiner weiß warum, dann hat mal wieder ein Mem zugeschlagen. Nirgendwo sonst liegen Euphorie und Gehirntod derart nahe beisammen.</em></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/meme11.jpg"><img class="size-full wp-image-878 aligncenter" title="meme1" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/meme11.jpg" alt="meme1" width="500" height="382" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Glaubt man <a href="http://richarddawkins.net/">Richard Dawkins</a>, so stellt ein Mem die kleinste (übertragbare) kulturelle Informationseinheit dar. Das Mem nistet sich im Gehirn ein und drängt dort zum Vollzug. Ansteckend? Hochgradig! Das zeigt sich nicht zuletzt an der <a href="http://www.uni-muenster.de/PeaCon/phantawi/extro/Memetik/memetik.html">Memetik</a> selbst: Einst ein evolutionsbiologisches Konzept zur Erklärung von Vogeldialekten, hat sie längst die naturwissenschaftlichen Fesseln gesprengt und feiert fröhliche Urständ’ in sämtlichen Bereichen des täglichen Lebens. Am heftigsten im Internet.</p>
<p>Da hat einer eine Idee. Nicht einmal eine gute, aber wurscht. Schon pflanzt sich das Mem ein und evoziert den Dominoeffekt. Online Marketing-Fuzzis freuen sich dann oft über unbezahlbare virale Effekte; manche User aber erleiden schleichenden Gehirntod.</p>
<p>Etwa durch <a href="http://icanhascheezburger.com/">LOLcats</a>. Mag sein, dass es tatsächlich <em>irgendwann </em>lustig war, in Onlineforen Bilder von Katzen zu posten, versehen mit orthografisch fragwürdigen Untertiteln. Samstags natürlich, denn „saturday is CATurday“. Schmerzt? Nicht nur das: Über kurz oder lang ist der Witz einfach tot. Spätestens, wenn er zum Multi-Million-Dollar-Geschäft mutiert: Bücher, Poster, eine Website, die unappetitlich teuer verkauft wird – das ist kein Runnig Gag mehr, das ist Big Business.</p>
<p>Oder Rickrolling, Geißel aller YouTube-Nutzer. Rickrolling, das ist eine Art elaborierter Aprilscherz, bei dem nichtsahnende Opfer durch das plötzliche Abspielen eines Rick Astley Videos erschreckt werden. Spezifisch: „Never Gonna Give You Up“ (das mit dem schlammfarbenen Trenchcoat). Sie klicken also ein Video an, was weiß ich, „Heinz von Foerster für Fortgeschrittene“ oder „XXX Gruppensex mit Friseusen“ – aber statt den konstruktivistischen Stylistinnen tanzt Ihnen nach spätestens einer Minute Herr Astley entgegen und dreht Ihnen die virtuelle lange Nase.</p>
<p>Wobei ich mir nie sicher bin, ob mir der Verbreitungsgrad dieses Mems nebst Aggressionen nicht auch ehrfurchtsvolles Staunen abringt, zumal selbst Nancy Pelosi, alt-ehrwürdige Sprecherin des Weißen Hauses, die Seher ihres <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wtOW1CxHvNY">YouTube Channels gerickrolled</a> hat. Hoch offiziell. Sicher, Obama ist der Social Media Präsident, aber ist denn nie Schluss mit (halb)lustig?</p>
<p>Das berüchtigte Diskussionsforum <a href="http://www.4chan.org/"><em>4chan</em></a> gilt gemeinhin als „Meme Factory“, als Geburtsstätte der meisten Internet Meme. Warum vermag nicht einmal <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/4chan#moot.27s_identity">„moot“</a>, <em>4chans</em> Betreiber und Gründer, so recht zu erklären. Die Genese eines Mems sieht er jedoch so: Erstens – poste etwas, das zumindest entfernt lustig sein könnte. Zweitens – wiederhole es ad nauseam. Drittens – get lucky!</p>
<p>Mutiere ich gerade zur stänkernden Kulturpessimistin? Na gut, ich gebe zu, dass ich auch nicht immun bin. Das auf Facebook grassierende Record-Thingy-Spiel, bei dem erfundene Plattencover von erfundenen Bands gephotoshopt wurden, habe ich verzückt mitgetragen. Und kleine freundliche Twitter-Meme, wie den <em>Follow Friday</em> für User-Empfehlungen, finde ich eigentlich charmant.</p>
<p><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/orly.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-876" title="orly" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/orly-300x299.jpg" alt="orly" width="300" height="299" /></a>Aber ist das echt lustiger als LOLcats? Nervt das weniger als Rickrolling? Nö. Eine Verträglichkeitschart für Meme gibt es nicht.</p>
<p>Lieblings-Medienwissenschafterin <a href="http://digiom.wordpress.com/">Jana Herwig</a> bringt es auf den Punkt: „Meme lassen sich nicht als globales Phänomen erfassen. Damit man angesteckt wird, bedarf es der passenden (kulturellen wie individuellen) Disposition.“</p>
<p>Bei mir ist diese Disposition klar umrissen: LOLcats – nein danke. Lustige Eulen – garantiert nicht. Chuck Norris Witze – ok, manchmal.</p>
<p>Letzen Endes kann man sich ja auch nicht gänzlich entziehen. Herwig stellt die Vermutung an, dass „das Individuum aus der gesellschaftlichen Isolation befreit wird durch telemedial<br />
vermitteltes, gemeinsames Agieren.“ Starker Tobak, denn somit wäre ein mem-loses Dasein einfach nur traurig.</p>
<p>Ich halt besser mal Ausschau nach <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZOU8GIRUd_g">Rick Astley</a>.</p>
<p>(erschienen im WIENER Nr.342 / Jänner 2010)</p>
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		<title>Gepflegte Beziehungen</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 06:30:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Lesestoff]]></category>
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		<description><![CDATA[Riese BMW hat’s vorgehüpft, die Klein-Unternehmer ziehen nach: Social Media Marketing als neue Wunderwaffe. Braucht jetzt jede Firma eine Facebook-Seite? Der WIENER hat sich umgesehen und nachgefragt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Riese BMW hat’s vorgehüpft, die Klein-Unternehmer ziehen nach: Social Media Marketing als neue Wunderwaffe. Braucht jetzt jede Firma eine Facebook-Seite? Der WIENER hat sich umgesehen. (Printversion erschienen im WIENER Nr.342/Jänner 2010)</p></blockquote>
<p>„Tarte ist gut, Crème brûlée ist gut, Nougat ist gut. Wie gut muss dann erst eine Nougat-Crème-brûlée-Tarte sein? In zwei Stunden werden wir es wissen.“ twittert <a href="https://www.xing.com/profile/Michael_Vesely">Michael Vesely</a>. Und um ganz sicher zu gehen, dass nun wirklich jeder seiner <a href="http://twitter.com/reisingers">600 Follower</a> auf die Tastatur sabbert, stellt er noch rasch einen Schnappschuss auf Facebook: <a href="http://twitpic.com/bsoo8">„Das Warten der Schokopuddinge auf die Mittagsgäste“</a>. Mehr kann man wirklich nicht tun.</p>
<p><a href="http://www.cafe-reisinger.at/">Reisinger’s</a> ist ein winziges Lokal im Textilviertel. Mit zwanzig Gästen ist es bereits überfüllt. Dass sich diese zwanzig hier regelmäßig einfinden, dafür sorgt Wirt Vesely mit Charme, Humor und Social Media Marketing. „Wer, wenn nicht Lokale sollen twittern?“, sagt er, „Wir twittern unser Mittagsmenü und haben so zumindest einmal täglich etwas Sinnvolles mitzuteilen. Das ist mehr als viele andere.“</p>
<div id="attachment_836" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/socialmedia.jpg"><img class="size-medium wp-image-836 " title="socialmedia" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/socialmedia-300x198.jpg" alt="Beziehungspflege online (Foto: knallgrau / Marketing Review St. Gallen)" width="300" height="198" /></a><p class="wp-caption-text">Beziehungspflege online (Grafik: vi knallgrau / Marketing Review St. Gallen)</p></div>
<p>Veselys Geheimnis? Authentizität, denn glatt gebügelte Corporate-Speak-Ergüsse interessieren niemanden: Social Media Marketing ist Dialog, nicht Keilerei. Das klar definierte Ziel: Kundenbindung vor Kundengewinnung. Wer das beherzigt, knackt nicht gleich den Jackpot, hat aber zumindest mal einen Fuß in der Tür.</p>
<p>„Durch Twitter, Facebook und Co. haben wir einen konstanten Dialog mit unseren Gästen. Wir forcieren das auch, etwa durch Abstimmungen bezüglich Speiseplan oder Veröffentlichen von Rezepten auf Gästewunsch.“</p>
<p>Gerade für Klein- und Mittelunternehmen, für Nahversorger wie Reisinger’s ist Social Media Marketing attraktiv: es kostet nichts, ist aber – richtig genutzt – effektiv.</p>
<p>Ja klar, oft grenzt es an Selbstausbeutung, was Zeit und persönliches Engagement anbelangt, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. In Schulungen zum Thema wird an dieser Stelle dann immer gerne auf das Bilderbuch-Beispiel <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Gary_Vaynerchuk">Gary Vaynerchuk</a> verwiesen. Tun wir hiermit auch: Herr Vaynerchuk leitet einen Online Weinhandel (<a href="http://winelibrary.com/">winelibrary.com</a>). Keine sonderlich originelle Idee, denn das Netz beheimatet Millionen zunächst hoffnungsvoller, dann hoffnungsloser Weinhändler. Aber die „Wine Library“ ist anders: Sie hat innerhalb der letzten fünf, sechs Jahre den Umsatz verzehnfacht. Wie? Durch <a href="http://tv.winelibrary.com/">Wine Library TV</a>, einem weinseligen Video-Podcast, der Dank seiner täglichen Updates zum Community-Magneten avancierte. Kostenpunkt? Null. Bilanz: 50 Millionen Dollar.</p>
<p>„Das Potential ist enorm“, weiß Social Media Profi <a href="http://www.sierralog.com">Dieter Rappold</a> (siehe untenstehendes Interview bzw. Videointerview <a href="http://www.wienerpost.at/2009/11/interview-mit-dieter-rappold-teil-2/">hier</a>), „Aber der deutschsprachige Raum ist da sehr konservativ und zurückhaltend.“ Das Problem liegt jedoch weniger darin, dass Facebook und Konsorten hier unbekannt wären, als in einer Scheu, sich in diesem neuartigen Ökosystem zu bewegen. Das Tool muss letztlich auch zur Unternehmenskultur und zum Selbstverständnis eines Betriebs passen. Wer versucht, im Web 2.0 auf die gleiche Art und Weise zu kommunizieren, wie in der „alten Welt“, in der Welt des klassischen Marketings wird scheitern. Denn das ist nicht mehr, was Konsumenten wollen. Dialog auf Augenhöhe heißt die Zauberformel – und daran beißen sich oft gerade die Werbe-Yuppies und PR-Tussen die gebleachten Zähne aus. Rappold: „Wenn ich aber möchte, dass sich jemand für meine Arbeit interessiert, muss ich mich grundlegend verändern.“</p>
<p>Eine platte, massenmediale Botschaft, mittels Hilti in Zielgruppenhirne gebohrt, wird von Webcommunities im besten Fall ignoriert. Gesucht wird Content statt Slogans. Will ich als Firma im Social Web mitspielen, muss ich bereit und fähig sein, diesen relevanten Content anzubieten: <em>Something to talk about.</em> Das ist der Anfang; der Rest ist Beziehungspflege.</p>
<p>Beziehungen sind es, die Content Gehör verschaffen.</p>
<p>Denn tatsächlich steht Content (und durchaus auch relevanter) im Netz unbegrenzt zur Verfügung. War früher der mediale Platz zur Vermittlung von Botschaften eng und entsprechend umkämpft, so lässt der Onlinebereich aufatmen: Platzprobleme unbekannt. Begrenzt ist hingegen die Aufmerksamkeit der User &#8211; rar und ausschließlich durch Beziehungspflege zu erreichen.</p>
<div id="attachment_830" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/himbeertarte.jpg"><img class="size-medium wp-image-830   " title="himbeertarte" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/himbeertarte-300x225.jpg" alt="Himbeertarte auf Facebook. Das ist irgendwie.... gemein... " width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Himbeertarte auf Facebook. Das ist irgendwie.... gemein...  (Foto: ©Reisingers)</p></div>
<p>„Sollen wir dir ein Stück Himbeer-Tarte samt Prosecco für heute Abend reservieren, Kerstin?“ fragt Vesely via Facebook einen Stammgast und liefert gleich den Augenzeugenbericht aus Reisingers Küche: „Noch wabbelt die heiße Füllung ein bisserl, aber in einer knappen Stunde ist sie schnittfest.“ Beziehungspflege in Reinkultur. Ein Händchen dafür braucht es halt. Es liegt nicht jedem.</p>
<p>Gegenbeispiel gefällig?</p>
<p><a href="http://www.jack-wolfskin.com">Jack Wolfskin</a>, Hersteller von Outdoor- und Trekking-Bekleidung, wurde jüngst zum Buhmann der Szene. Ein Elefant im Glasfaserleitungsladen. Was war geschehen? Einige User hatten ihre selbstgestrickten Mützen und Co. auf einem Amateur-Handarbeitsportal zum Verkauf angeboten. Dabei war das Strickmuster ein Tierpfotenabdruck, in dem Jack Wolfskins Rechtsanwälte meinten, das Firmenlogo wiederzuerkennen. Mehr war nicht nötig, um die geballte Maschinerie an <a href="http://www.werbeblogger.de/2009/10/17/jack-wolfskin-eroeffnet-den-abmahn-herbst/">Abmahnungen, Klagdrohungen und anderen Grauslichkeiten</a> loszutreten. Sprich: So ziemlich das Gegenteil von Dialog auf Augenhöhe.</p>
<p>Das Ergebnis fiel jedoch etwas anders aus, als von der Anwaltsarmee erwartet: Schneller als man „tweet this“ sagen kann, organisierte sich ein breit angelegter Protest. Wer „Jack Wolfskin“ in Google eingab, erhielt auf den ersten Ergebnisseiten Dutzende sehr negative Meldungen über die Marke und den Umgang mit Kunden. Am Ende des Tages sah sich Jack Wolfskin gezwungen, zurückzurudern und sich mit den Betroffenen zu einigen.</p>
<p>Tja, Pech: Kunden, die sich organisieren können, haben Macht. Interaktionen, die nicht auf Hausverstand und Menschlichkeit basieren, können im Netz entsprechend viel Schaden für eine Marke anrichten. Aber getreu dem Sprichwort „one man&#8217;s trash is another man&#8217;s treasure“: wo abmahnen versagt, funktioniert mitspielen.</p>
<p>„Fight H1N1 &#8211; esst mehr Schweinefleisch!“, twittert Vesely. Und kann sich darauf  verlassen, dass die Kunden dieser Aufforderung nachkommen werden. In <a href="http://www.cafe-reisinger.at">seinem Lokal</a>.</p>
<hr size="2" /><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_832" class="wp-caption alignleft" style="width: 213px"><strong><strong><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/rappold-dominik.jpg"><img class="size-medium wp-image-832" title="rappold-dominik" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/rappold-dominik-203x300.jpg" alt="Dieter Rappold in seiner Agentur (Foto: Dominik Gubi)" width="203" height="300" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Dieter Rappold in seiner Agentur (Foto: Dominik Gubi)</p></div>
<p><strong>Interview: „<em>BEING CONNECTED</em> IST DIE NEUE KILLERAPPLIKATION“</strong></p>
<p>Er betreut BMW, MINI und die Voestalpine: New-Media-Profi <a href="http://www.sierralog.com/">Dieter Rappold</a> über einen unterschätzen Wachstumsmarkt. (Das <span style="text-decoration: underline;"><a href="../2009/11/interview-mit-dieter-rappold-teil-2/">Video zum Interview finden Sie hier</a>)</span></p>
<p><strong>Kann man den Zeit- und Geldaufwand einer Social Media Kampagne abschätzen? </strong></p>
<p>Man muss Social Media Maßnahmen immer im Kontext sehen, z.B. indem man sich anschaut, was man bereits heute in anderen Kanälen investiert: Wie viel Werbemittel? Wie viel Zeit? Wie viel erreicht man damit?<br />
Erst dann würde ich Schritt für Schritt verschiedene Pilotprojekte im Bereich Social Media machen und versuchen, einen Vergleich zu ziehen: Was kommt an messbarem Erfolg dabei heraus? Kann ich das Ergebnis in Beziehung setzen zu meinen alten Währungen, zu meinen klassischen Investitionen?</p>
<p><strong>Wie ist denn der Erfolg messbar?</strong></p>
<p>Der Erfolg ist vor allem dann messbar, wenn ich mir über meine Ziele bewusst bin. Die Ziele können sehr unterschiedlich sein &#8211; Markenbekanntheit oder Bekanntheit für ein Produkt steigern, mein Kundenservice verbessern etc.<br />
Wenn ich meine Ziele klar definiert habe, kann ich Kennzahlen entwickeln, anhand derer sich der Erfolg messen lässt. Geht es z.B. darum, die Bekanntheit zu steigern, dann wäre es sinnvoll, zu schauen, wie oft in Google nach meiner Marke gesucht wird. Zwei Monate später – nach Einsatz der Maßnahmen – schaue ich mir an, wie sich das Volumen der Suchmaschinenzugriffe verändert hat. Das ist ein guter Indikator, um Erfolg messbar zu machen.</p>
<p><strong>Internationale Konzerne wie Ikea oder Coca Cola inszenieren massive Social Media Kampagnen. Verschläft Österreich diese Entwicklung?</strong></p>
<p>Österreich hinkt im Bereich Online-Werbung generell sehr stark hinterher. Wir hatten 2008 etwa 3,5% Spendings im Onlinebereich. Das ist sehr wenig, wenn man bedenkt, dass Märkte wie Großbritannien hier bereits bei 25% liegen. Dort waren sogar erstmals die Online Spendings größer als die TV Spendings. Das kommt einem Erdbeben gleich: Das Geld geht dorthin, wo die Aufmerksamkeit der User ist.<br />
Die Menschen in Großbritannien sind aber nicht viel anders als hier. Das heißt über kurz oder lang müssen sich auch in Österreich mehr Budgets in Richtung online verschieben. Selbst wir mehr Beharrungswiderstände haben und bei uns alles ein bisschen länger dauert&#8230;</p>
<p><strong>Aber Online Werbung ist nicht gleichbedeutend mit Social Media&#8230;</strong></p>
<p>Nein, das Geld geht auch in klassisches Banner Advertising und in Suchmaschinenmarketing.<br />
Aber es gibt eine Studie aus den USA, die besagt, dass der Bereich Social Media Marketing bis zum Jahr 2014 der am stärksten wachsende Bereich sein wird – mit einer jährlichen Wachstumsrate von 30%. Da geht es um Milliardenbeträge.</p>
<p><strong>Ihr Kunde BMW gilt diesbezüglich als Best Practice Beispiel: Was wurde da gemacht?</strong></p>
<p>BMW hat 2005 begonnen, erste Projekte im Blog Bereich zu machen. Blogs sind ja die Urform und Wurzel dessen, was wir heute unter Web 2.0 zusammenfassen. Die Themen wurden dann weiterentwickelt via Podcasting, Videocasting – die gesamte Breite in Richtung Social Media. Da sind Dutzende Projekte entstanden; etwa der <a href="http://www.youtube.com/BMWSauberF1">YouTube-Channel von BMW</a>, der inzwischen der weltweit erfolgreichste unter den Automobilmarken ist. In den letzten zwei, drei Jahren sind etwa 300 Online-Spots für diesen Kanal produziert worden. Der nächste Schritt ist jetzt, unsere Aktivitäten auf Facebook und Twitter auszubreiten. Von der Zentrale klar gesteuert, aber in Integration und Kommunikation mit den Märkten und einzelnen Händlern lokal vor Ort. Gerade für ein Unternehmen wie BMW gibt es enorme Potentiale. Man darf nie vergessen: „Being Connected“ ist <em>DIE</em> neue Killerapplikation. Warum sind 300 Millionen Nutzer auf Facebook? Weil es um Connection, um Verknüpfung geht. Wer diese Kernfunktion gut nützt, gewinnt.</p>
<blockquote><p><strong>DIE FAKTEN</strong></p>
<p><strong>Dieter Rappold</strong>, 31, Geschäftsführer von <a href="http://www.knallgrau.at">VI Knallgrau</a>, Agentur für New Media Solutions. Wunderwuzzi, „High Potential“ und Web2.0-Prediger. Bloggt unter <a href="http://www.sierralog.com">www.sierralog.com</a></p>
<p><strong>Michael Vesely</strong>, 52, ist Eigentümer, <a href="http://www.cafe-reisinger.at">Wirt</a> und IT-Profi (u.a. Präsident von <a href="http://www.future-network.at/">&#8220;Future Network&#8221;</a>, Netzwerk für IKT und Business-Entscheider)</p></blockquote>
<p>Nachtrag: Am 22. Dezember zeigt Reisinger&#8217;s wie Social Media Marketing &#8220;in real life&#8221; funktioniert und lädt Twitterer und solche, die es werden wollen zu einem &#8220;Twittagessen&#8221;.<br />
Anmelden kann man sich <a href="http://twittagessen.de/events/496">hier</a>.</p>
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		<title>Zeit, zurück zu reden!</title>
		<link>http://www.wienerpost.at/2009/12/zeit-zuruck-zu-reden/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 21:28:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internes]]></category>
		<category><![CDATA[NetzLESEN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Web20]]></category>

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		<description><![CDATA[wienerpost ist vor allem einmal eines: Ein Experimentierfeld, ein Platz, gemeinsam Dinge auszuprobieren. Gemeinsam - das bedeutet für uns aber nicht nur etwaige kollaborative Autorenschaft, sondern das heißt auch: Mit den Lesern und Leserinnen. Mit Ihnen also.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>wienerpost</em>  ist vor allem einmal eines: Ein Experimentierfeld, ein Platz, gemeinsam Dinge auszuprobieren. Gemeinsam &#8211; das bedeutet für uns aber nicht nur etwaige kollaborative Autorenschaft, sondern das heißt auch: Mit den Lesern und Leserinnen. Mit <em>Ihnen</em> also.</p>
<p><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/twitter-hashtag-image.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-743" title="twitter-hashtag-image" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/twitter-hashtag-image-228x300.jpg" alt="twitter-hashtag-image" width="137" height="180" /></a>Wer den WIENER in letzter Zeit aufmerksam verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass sich am Ende des einen oder anderen Artikels <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Twitter#Hashtag">Twitter-Hashtags</a> befinden. In erster Linie beziehen sich diese auf Themen, die in unseren Augen prädestiniert sind für Anschlusskommunikation im Netz  &#8211; einfach weil sie selber das Netz und seinen bunten Haufen an Bewohnern zum Thema haben.</p>
<p>Die Idee ist denkbar einfach: Wer einen Artikel kommentieren will, muss sich nicht erst mühsam die <a href="mailto://redaktion@wiener-online.at ">Redaktions E-Mail Adresse</a> heraussuchen, um einen Leserbrief zu schreiben, sondern kann seine Meinung einfach twittern. Wir freuen uns, wenn diese Tweets an <a href="http://twitter.com/wiener_tweet">@wiener_tweet</a> gerichtet sind (dann übersehen wir nämlich keinen!), aber im Grunde ist das egal: Dank Hashtag finden wir sie auch so, per Google, per <a href="http://search.twitter.com/">Twittersuche</a> oder <a href="http://tweetbeep.com/">Tweet Beep</a>&#8230; was immer uns gerade Spaß macht eben.</p>
<p>Ein Rückkanal im Print. Leserbiefe in Echtzeit.<br />
<a href="http://macx.de/journal/der-ruckkanal-im-print/">David Maciejewski</a>, der diese feine Idee ursprünglich für das Webstandardsmagazin entwickelte, schreibt:</p>
<blockquote><p>Der Leser kann Artikel im Internet beispielsweise durch eine Blogfunktionalität direkt kommentieren. So kann er seine Meinung hinterlassen und der Autor erhält direktes Feedback. Printmagazine jammern, dass es einen Rückkanal (zum Autor) erst gar nicht gibt. Mit dem Internet können wir aber genau diesen herstellen.</p></blockquote>
<p>Und genau das tun wir seit zwei Ausgaben. Unsere Hashtags setzen sich aus Heft- und Seitennummer zusammen. Sie haben &#8211; bevor das jetzt noch weitere fünf mal moniert wird ;) -  einen kleinen Schönheitsfehler eingebaut: einen Schrägstrich nämlich, der beim Twittern natürlich nicht &#8220;mitgetragen&#8221; wird. Aber das macht uns letztlich die Suche nach Ihren Kommentaren leichter.<br />
Einfach ausprobieren &#8211; wir freuen uns über Feedback und denken infolge (sprich: ab einer relevanten Anzahl von LeserInnenkommentaren) darüber nach, sie auf einer Twitterwall zu sammeln&#8230;</p>
<p>Gute Ideen anderer sind also eine feine Sache, aber letztlich wollen wir ja auch unsere eigenen austesten. Daher freuen wir uns, Sie mit unserem <em>wienerpost</em>-Formspring bekannt zu machen.<br />
Fragen Sie uns einfach etwas &#8211; und wir werden sehen, was da so zusammenkommt!</p>
<p><iframe src="http://www.formspring.me/widget/view/wienerpost?&#038;size=large&#038;bgcolor=%23FFFFFF&#038;fgcolor=%23333333" frameborder="0" scrolling="no" width="400" height="275" style="border:none;"><a href="http://www.formspring.me/wienerpost">http://www.formspring.me/wienerpost</a></iframe></p>
<p>Warum <a href="http://www.formspring.me/">Formspring</a>? Nun, in den letzten Tagen war an den Hype schlicht nicht mehr vorbeizukommen. Mag es auch viel Lärm um Nichts sein und nur ein weiterer Zwischenstopp im Leben der SM-Junkies (Social Media, heißt das. Nicht, was Sie schon wieder denken!), so scheint Formspring als Rückkanal doch <a href="http://www.baeck.at/blog/2009/12/11/formspring-rueckkehr-der-anonymen-meinungsaeusserung/">seine Qualitäten</a> zu haben.<br />
Wir probieren es hiermit einfach aus. Dafür ist <em>wienerpost</em>  ja da&#8230;</p>
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		<title>Weihnachtswunder 2.0</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 21:36:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[04 Digital World]]></category>
		<category><![CDATA[Digital World]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Web20]]></category>

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		<description><![CDATA[Per Twitter  machte Drew Olanoff seine Krebserkrankung zum Sündenbock für alles und jeden. Jetzt ist er wieder gesund - Dank Chemo und Social Media. Und wir feiern Weihnachten 2.0]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für die aktuelle Print-Ausgabe des WIENER wollte ich eigentlich etwas über Meme schreiben. Ist ja auch nicht ganz unweihnachtlich, wo doch beispielsweise <a href="http://twitter.com/andreasklinger/status/6147825447">Andreas Klinger gerade erst meinte Last Christmas wäre das Rickrolling des gemeinen Bürgers</a>.<br />
Hat was.</p>
<p>Letztlich ist es dann aber anders gekommen: Vor ein paar Wochen ist ein Weihnachtswunder geschehen. Zugegebener Maßen frühzeitig, aber deshalb nicht minder großartig. Und ehrlich, was kann einer Kolumnistin um diese Jahreszeit besseres passieren als ein Weihnachtswunder? Eben. Die Meme müssen warten.</p>
<div id="attachment_567" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/2798583718_56626fb57d.jpg"><img class="size-medium wp-image-567" title="2798583718_56626fb57d" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/2798583718_56626fb57d-225x300.jpg" alt="cc-by Drew Olanoff" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">cc-by Drew Olanoff</p></div>
<p>Es ist nämlich so, dass Drew Olanoff gesund ist. Das Geschwür in seinem Nacken hat sich aufgelöst. Das Geschwür in seinem Brustkorb und das in seinem Bauch ebenfalls. Neun mal Chemo und der Kampf war gewonnen.</p>
<p>Aber es war nicht allein die Chemie, die den Kampf gewonnen hat. Es war Drew. Es war Social Media. „My cancer is social“ hatte Drew von Anfang an gesagt und er hat vorgelebt, wie’s geht.</p>
<p>Als Drew vor einigen Monaten mit Hodgkin-Lymphom diagnostiziert wurde, war er verdammt sauer.  Irgendjemand musste doch schuld an dieser ganzen, pardon my French, Scheiße sein! Es musste doch jemanden geben, dem man das alles in die Schuhe schieben konnte: die Angst, die Übelkeit, die Schweißausbrüche, den pinkfarbenen Urin.</p>
<p>Drew beschloss das Naheliegendste: Er gab seinem Krebs die Schuld. Und zwar jegliche. Autoschlüssel verloren? „I blame Drew’s Cancer!“ Zu spät im Büro? „I Blame Drew’s Cancer!“ James Blunt hat eine neue Single? Ratet mal, wer daran schuld ist&#8230;</p>
<p>Das funktionierte, denn es machte Drews Leben leichter. Tiefschwarzer Humor, sicherlich. Aber besser als dumpfes Brüten und nach Innen gerichtete Verzweiflung. <a href="http://twitter.com/DRew">Drew twitterte</a> seine Schuldzuweisungen, er <a href="http://blamedrewscancer.com/">aggregierte sie als Stream auf seiner Website</a>, er gründete eine Facebookgruppe. Und er bot seinen neugefundenen Sündenbock der ganzen Welt an: Was immer euch quält, Folks, lastet es meinem Krebs an!</p>
<p>Ein Hashtag ging um die Welt: #BlameDrewsCancer. Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben 14077 Menschen ihre Alltagswehwehchen mit diesem Hashtag gekennzeichnet und an Drews Krebs kollektiv Dampf abgelassen. Vom verschütteten Beaujolais bis zum Krach mit der Freundin.<br />
Und Drew war nicht untätig, er hat sich auf Sponsorsuche gemacht: Für jeden geposteten #BlameDrewsCancer-Tweet wird demnächst eine Spende an <a href="http://www.livestrong.org">„Livestrong“</a> gehen, die Lance Armstrong Foundation zur Unterstützung von Krebskranken.<br />
Dazu kommt der Verkauf von <a href="http://thropic.com/shop/view/id/14">#BlameDrewsCancer T-Shirts</a>, ein Spendenmarathon („Blame-A-Thon“) in Philadelphia und und und.</p>
<p>Drews Erfindungsgeist und Tatendrang, was das Auftreiben neuer Spendengelder anbelangt, war und ist schier unbegrenzt. Dazwischen hatte er Sinnkrisen, Schwindelanfälle, Taubheit in den Gliedmaßen. Er kotzte sich die Seele aus dem Leib, nicht nur buchstäblich, sondern auch in je 140 Buchstaben, denn er twitterte<br />
darüber. Krankheit im Scheinwerferlicht. Privat war gestern.</p>
<p>Schlägt mir da Empörung der Generation Armin Thurnher entgegen? Dann seid gemittelfingert. Ich war nämlich unlängst Gast in einer Brustkrebs-Selbsthilfegruppe.  Dort lautete der Tenor: Das Furchtbarste ist die Geheimniskrämerei. Dass man sich nicht traut, es jemandem zu sagen. Dass man niemanden belasten will.</p>
<p>Nun, Drew hat das Gegenteil bewiesen. Man kann darüber reden. Das Wort „sozial“ steckt nicht zu Unrecht in Social Media, denn ohne seinen Sozius ist der Mensch ein armer Hund. Ich – und Tausende Twitteruser – waren in den letzten Monaten Drews Soziae. Eine von uns hat er inzwischen geheiratet.</p>
<p><a href="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/drewproposal1.gif"><img class="size-medium wp-image-568 alignleft" title="drewproposal1" src="http://www.wienerpost.at/wp-content/uploads/2009/12/drewproposal1-300x170.gif" alt="drewproposal1" width="300" height="170" /></a></p>
<p>Wir anderen haben mit ihm geweint, haben Schuld zugewiesen, Geld gespendet, und auch ziemlich viel gelacht. Und es ist typisch Drew, dass er nicht aufhört zu kämpfen, bloß weil sein eigener Kampf gewonnen ist.</p>
<p>Das Duell Twitter vs. Krebs geht gerade erst in die zweite Runde.</p>
<p>Join the fight at <a href="http://www.facebook.com/BlameDrewsCancer">http://www.facebook.com/BlameDrewsCancer</a>!</p>
<p>Ach ja, das mit den Memen gibts dann eben im nächsten Heft<em>.</em></p>
<p><em>Erschienen (nicht wörtlich, aber fast) im WIENER #341/Dez. 2009<br />
</em></p>
<blockquote><p><em>EDIT:</em><br />
Ja, das schlimmste ist überstanden, aber Drews letzter ärtzlicher Check-Up macht ihm ein bißchen Sorgen&#8230;  Wir drücken ihm die Daumen!</p></blockquote>
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