<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>WIENER &#187; Kolumne</title>
	<atom:link href="http://www.wiener-online.at/tag/kolumne/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.wiener-online.at</link>
	<description>Die offizielle Webseite des Wiener</description>
	<lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 20:45:32 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.4</generator>
<cloud domain='www.wiener-online.at' port='80' path='/?rsscloud=notify' registerProcedure='' protocol='http-post' />
		<item>
		<title>Unheilig: Die heiligen drei Könige</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/12/unheilig-die-heiligen-drei-konige/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/12/unheilig-die-heiligen-drei-konige/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 07:01:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eberhard Forcher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forcher]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Buddy Holly]]></category>
		<category><![CDATA[Elvis]]></category>
		<category><![CDATA[Jerry Lee Lewis]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=29382</guid>
		<description><![CDATA[Um gleich einmal mit einem Missverständnis aufzuräumen: die drei Könige, um die es hier geht, heißen weder Kaspar, Melchior noch Balthasar. Hätte auch nicht viel Sinn gemacht, s&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/unheilig-die-heiligen-drei-konige/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/wiener-kol.forcher04.07-final-neu-149x300.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-29383" title="wiener-kol.forcher04.07-final-neu-149x300" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/wiener-kol.forcher04.07-final-neu-149x300.jpg" alt="" width="149" height="300" /></a><strong>Um gleich einmal mit einem Missverständnis aufzuräumen:</strong> die drei Könige, um die es hier geht, heißen weder Kaspar, Melchior noch Balthasar. Hätte auch nicht viel Sinn gemacht, sich derartig bescheuerte Künstlernamen zuzulegen, wo doch Elvis, Buddy und Jerry Lee bis dahin noch gar nicht in Verwendung waren.</p>
<p>Bei Elvis begann alles recht unübersichtlich. Als er noch ein Baby war, zogen seine Eltern von Tupelo nach Memphis. Gottseidank fand Klein-Elvis schnell ihre neue Adresse heraus und kroch ihnen alsbald munter hinterher. In seinem neuen Zuhause angekommen, widmete er sich sofort der Musik und erst später den Drogen. Viele behaupten ja, Elvis sei hoffnungslos drogenabhängig gewesen, andere wiederum sagen, er habe einfach nur unbändige Lust gehabt, das Zeug tonnenweise in sich hineinzustopfen. Andererseits war er musikalisch bald unantastbar. In den frühen 1950-ern standen fast alle Konkurrenten im Schatten des jungen Presley. Allerdings nicht so sehr in seinem Schatten wie 20 Jahre später, als Elvis so fett war, dass er bei seiner Ankunft in Las Vegas fast eine Sonnenfinsternis ausgelöst hätte.</p>
<p>Einer der musikalischen Buddies des frühen Elvis hieß erstaunlicherweise auch so: Buddy. Buddy Holly. Und der wollte auch Rock’n’Roller werden. Zu diesem Zweck wandte er sich an den berüchtigten Star-Konsulenten Rob Perlenmann. Der erinnert sich: „Ich riet dem Jungen, sich zuallerst eine schicke Hornbrille in Übergrösse zu kaufen. ‚Macht mich das schon zum Star, Mr.Perlenmann?’ fragte er. Nein, du Dumpfbacke, aber es wird dich wahrscheinlich in Zukunft  davon abhalten, mit dem Kleiderständer zu sprechen. Buddy bedankte sich und rannte prompt mit dem Kopf gegen die Tür und sagte nur noch ‚Oh Boy’. Worauf ich ihm riet, gleich einen Song mit diesem Titel zu machen.“</p>
<p>Buddy Holly tat genau das und der Rest ist Geschichte. Fehlt nur noch der dritte im Bunde: Jerry Lee Lewis. Genannt der „Killer“, obwohl er keiner Fliege etwas antun konnte. Nur auf der Bühne, da kannte der gute Mann kein Erbarmen. Er malträtierte sein Klavier mit Fäusten und Füssen, zerdepperte mit dem Mikroständer das Schlagzeug, schlug mit einer Axt die Bühne kurz und klein, verschüttete zur Krönung noch einen Kanister Kerosin und setzte dann alles in Brand. Nach so einem Wahnsinns-Act hatten es die Bands, die nach ihm gebucht waren, natürlich besonders schwer. Vor allem, weil sie ja keine Bühne mehr vorfanden, die sie bespielen hätten können. Privat bespielte Mr.Lewis hauptsächlich Frischfleisch. Seine Ehe mit einer 13-jährigen hielt allerdings nicht lange, weil sie sich partout nicht selber die Schnürsenkel binden wollte. Er betrog sie darauf in mit einer älteren Frau, der 15-jährigen Babysitterin seiner Gemahlin. Schmutziger, schmutziger Rock’n’Roll (Morak).</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/12/unheilig-die-heiligen-drei-konige/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die schönste Frau von Wien</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/12/die-schonste-frau-von-wien/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/12/die-schonste-frau-von-wien/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 08:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Glavinic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glavinic]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Glavinic]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=29351</guid>
		<description><![CDATA[Neulich in einem Wiener Café: Ich lese Zeitung. Als ich dem Kellner winke, kreuzt mein Blick den einer sehr gut aussehenden jungen Frau. Ich schaue weg und lese weiter. Wie unter ei&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/die-schonste-frau-von-wien/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Glavinic-Kolumne.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29352" title="Glavinic Kolumne" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Glavinic-Kolumne-149x300.jpg" alt="" width="149" height="300" /></a><strong>Neulich in einem Wiener Café:</strong> Ich lese Zeitung. Als ich dem Kellner winke, kreuzt mein Blick den einer sehr gut aussehenden jungen Frau. Ich schaue weg und lese weiter. Wie unter einem Zwang schaue ich nach einer Minute wieder auf, sie schaut her, ich schaue weg. Ich versuche mich auf meine Zeitung zu konzentrieren, aber das gelingt mir nun überhaupt nicht mehr. Ich schaue wieder zu der Frau, sie schaut mich an. Ich senke den Blick nicht und warte, was jetzt kommt. Sie senkt den Blick auch nicht. Ich merke, dass mein Herz schneller zu schlagen beginnt.</p>
<p>Diese Frau ist nicht sehr gut aussehend, diese Frau ist wirklich schön. Sie hat einen festen, starken Blick, sie hat dunkles Haar und dunkle Augen, sie hebt mit eleganten kleinen Bewegungen ihre Kaffeetasse oder greift nach ihrem Handy. Ihre Kleidung ist edel und dennoch nicht protzig, die Uhr an ihrem Handgelenk war eindeutig teuer, ist ebenso wenig protzig und passt perfekt zu ihr. Diese Frau strahlt jenes Selbstvertrauen aus, das mit Arroganz nichts zu tun hat. Sie ist sich ihrer selbst bewusst, sie weiß, wer und was sie ist und verlangt dasselbe auch von einem Mann. Gleichberechtigte Partnerin, starke Frau, sexuell unbeschwert und agil. Einer solchen Frau muss man nicht lange erklären, welche Vorlieben man hat, bei so einer Frau gibt es keine Bedenken, die Beziehung könnte sich in Positionskämpfen erschöpfen, denn sie weiß, was sie will, und sucht jemanden, der weiß, was er will. Genau solche Frauen sind es, in die man sich verlieben muss. Man denkt nicht an Sex – oder nicht nur –, man denkt darüber hinaus. Diese Frau könnte es sein, die einem den Glauben wiedergibt, der man vertraut, mit der man alt werden will, mit der man auf der einsamen Insel leben könnte, der man seine innersten Schwächen zu enthüllen wagt, mit der man wüsten Sex haben wird und sich am nächsten Tag beim Frühstück dennoch für nichts schämt, was man in der Nacht an gottlosen Schweinereien veranstaltet hat. So eine sitzt gerade mir gegenüber, keine drei Meter, sollen es vier sein, sie sitzt da und rührt in ihrer Tasse und tippt zuweilen etwas auf ihrem iPad.</p>
<h4>Wildheit im Ausdruck</h4>
<p>Auf diese Weise vergehen zehn Minuten, zwanzig Minuten, vergeht eine halbe Stunde, eine Dreiviertelstunde. Ich bin zu schüchtern, um sie anzusprechen. Ich gehöre nicht zu denen, die fremde Leute belästigen, und wenn das Balzverhalten aller Menschen meinem gliche, wäre die Menschheit bereits ausgestorben. Es kann sein, dass ich mich lieber verliebe als Sex habe, aber das ist eine andere Geschichte. Ich sitze da und bestelle Kaffee und Mineralwasser und noch einen Kaffee und noch ein Mineralwasser und frage mich, ob ich schon jemals so eine elegant geschwungene Nase gesehen habe, so einen scharfen, durchdringenden Blick, so eine Wildheit im Ausdruck. Nebenbei wähle ich aus dem Menü das Gulasch, denn etwas anderes gibt es kurioserweise um diese Tageszeit nicht mehr auf der Karte. Die Frau und ich, wir wechseln Blicke, ab und zu lächelt einer von uns, mehr passiert da nicht. Als mein Essen kommt, geht die Frau zur Toilette. Bei ihrer Rückkehr sieht sie ein wenig anders aus, der Ausschnitt ist ein weniger tiefer, und ich habe erstmals Gelegenheit, ihre Beine zu sehen. Mir fällt beinahe die Gabel aus der Hand. Die Frau lächelt mir zu, ihre Lippen formen lautlos „Guten Appetit“.</p>
<h4>Die Mutter meiner Kinder?</h4>
<p>Kein Zweifel, vor mir sitzt die faszinierendste Frau von ganz Wien. Mit roten Ohren esse ich. Ich weiß, dass ich sie nach dem Essen ansprechen werde. Mir völlig egal, ob sie mich abblitzen lässt, ich muss es versuchen. Da drüben sitzt womöglich die Mutter meiner Kinder, und so wie sie mich ansieht, könnte alles, was mit dem Zeugungsvorgang einhergeht, ziemlich viel Spaß machen. Ich schiebe den Teller zur Seite, wische mir gründlich den Mund ab, schaue die Frau erwartungsvoll an, sammle mich, räuspere mich. Aber sie kommt mir zuvor. „Und, kaunn des Gulasch wos? Woars eh ned zach? Do herinn kochens ned so guad aus, find i. Aum Sunnti muasst kummen, da homs a Beuschl.“</p>
<p>Zu mehr als einem starren Nicken bin ich nicht fähig. Nicht nur, was sie sagt, sondern vor allem wie sie es sagt, lässt mich weniger an Zeugungsvorgänge als an eine Quietschente denken. Ich rufe nach der Rechnung. Mir ist meine alte Biologielehrerin eingefallen, der ich die einschüchternde Information verdanke, dass die Vaginas von Enten im Uhrzeigersinn gewunden sind.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/12/die-schonste-frau-von-wien/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auf dem Kriegspfad</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/12/auf-dem-kriegspfad/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/12/auf-dem-kriegspfad/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 19:36:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Stermann]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Stermann]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Schlusspunkt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=29280</guid>
		<description><![CDATA[Indianer spielen als Kinder nicht Cowboy und Indianer. Indianer spielen als Kinder Wikinger. Meine indianischen Freunde Max Trouble in Front, Woody No Ears und Milo Running Sta&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/auf-dem-kriegspfad/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29281" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a><strong>Indianer spielen als Kinder</strong> nicht Cowboy und Indianer. Indianer spielen als Kinder Wikinger. Meine indianischen Freunde Max Trouble in Front, Woody No Ears und Milo Running Standing Hairs haben mir diese erstaunliche Information gegeben. Die drei gemütlichen Sioux kommen aus einem heruntergekommenen Reservat in Süd-Dakota und sind Spitzentypen. Ihr Reservat Pine Ridge sieht aus wie die Nachgeburt der Erde. So trist, dass selbst hartgesottene Kerle beim Anblick losheulen müssen. Alle arbeitslos und alle Alkoholiker. Die meisten beides.</p>
<p>Max, Woody und Milo hab’ ich in der No Name City kennengelernt, wo sie mit zwei verfeindeten Indianerstämmen aus Niederösterreich die Friedenspfeife rauchten. Sie tingeln seit Jahren mit ihrer Holzpfeife von Hobbyindianerstamm zu Hobbyindianerstamm, und für 1.000 Euro begraben sie feierlich jedes Kriegsbeil. Nach der Zeremonie graben sie es sofort wieder aus, weil der nächste Konflikt schon wartet. Da die drei Lakota zu betrunken zum Autofahren waren, hab’ ich sie durchs kriegerische Indianerland Österreich gefahren, von Marterpfahl zu Marterpfahl. Ich hab’ sie alle besucht: den Buffalo Club Hallein, die Golden Eagles Leoben, den Vienna Western Club, die Waldviertler Träumer, die Irokesen Imst, Old Manitou Ybbs und Tashuunka Salzburg/Land, wo Häuptling Jochen meinen drei Ureinwohnern erklärt hat, wo der Indianerbartel den Most holt.</p>
<p>Jochen erläuterte ihnen die Bedeutung des Büffels für die Prärievölker, während Max Trouble in Front sich in Häuptling Jochens Tipi übergab. Woody No Ears, Milo Running Standing Hairs und ich mussten uns zwischen sie werfen, denn der Häuptling wurde wütend und brüllte in seinem Pongauer Dialekt wüste Beschimpfungen. Schließlich war es ein indianisches Originalzelt, gegen dessen Wand der Originalindianer gespieben hatte. Wir fuhren ab, ohne das Kriegsbeil zwischen den Komantschen aus Kufstein und den Apachen aus Kühtau begraben zu haben. Später lasen wir in der Tiroler Tageszeitung, dass drei der verfeindeten Tiroler Indianer mit Pfeilen im Bauch und abgeschnittenem Haar gefunden worden waren.</p>
<p>Häuptling Jochen war Musiklehrer aus St.Wolfgang. Sein dünnes, blondes Haar war zwar untypisch für einen Indigenen, aber er fühlte sich als Wiedergeburt von „Tatanka Iyotanka“, dem legendären Sitting Bull. Meine betrunkenen Lakota und ich mussten sehr lachen, wenn der schmalbrüstige Jochen zum Kriegstanz ansetzte und dabei seine randlose Brille verrutschte. „Warum wollen die alle so gern Indianer sein?“ fragte ich einmal Milo Running Standing Hairs. „Keine Ahnung. Ich würd’ sofort mit jedem von euch Bleichgesichtern tauschen“, antwortete Milo. „Auch mit Häuptling Jochen?“ fragte Max Trouble in Front. „Nein“, sagte Milo. „Dessen Tipi stinkt!“ Wir lachten und ich kaufte ihnen an der Tankstelle noch ein paar Flaschen Jägermeister.</p>
<p>„Und jetzt? Zu welchem Stamm fahren wir jetzt?“ erkundigte ich mich. „Nach Hennersdorf. Zum Verein für kulturelle Inkompetenz!“ Woody No Ears, der so hieß, weil einem seiner Vorfahren ein Bär seitlich in den Kopf gebissen hatte, gab mir die Broschüre vom Trommeltipi Hennersdorf. Der Verein für interkulturelle Kompetenz hatte ein tolles Programm im Trommeltipi im Angebot: „Schminken, Speckstein schnitzen, eine Kette basteln, ein Lied in Zeichensprache lernen und gemeinsam mit dem Indianer tanzen“. Für Kinder kostet’s 8, für Erwachsene 6 Euro Eintritt. Woody hatte den Job übers Internet bekommen. Zwölf Stunden lang mit Hennersdorfer Kindern tanzen für 250 Euro. Als wir ankamen und die Türen meines Wagens sich öffneten, wehte eine ordentliche Jägermeisterfahne zum Trommeltipi. Die Interkulturellen Kompetenzler waren schockiert. „Noch nie einen betrunkenen Indianer gesehen oder was?“, lallte Max Trouble in Front. „Gib mal her“, blaffte er ein Kind an und nahm ihm die selbstgemachte Kette aus der Hand. „Was soll das sein? Eine Original- Indianerkette? Aus Plastik? Wo bitte wächst Plastik in Süd-Dakota, kannst du mir das mal sagen oder einer von den anderen inkompetenten Schwachköpfen hier?“ Ich sah es kommen. Er begann zu würgen und dann kotzte er gegen die Außenwand des Trommeltipis. Die Kinder weinten und ich verlor langsam die Lust an dieser Art von Tagesgestaltung. Ich brachte sie zurück zur No Name City. Das letzte, was ich von ihnen hörte, war, dass sie im ORF bei „Die Große Chance“ als A3-Doubles aufgetreten sind.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/12/auf-dem-kriegspfad/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Leit(planken)kultur</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/12/leitplankenkultur/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/12/leitplankenkultur/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 14:42:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Hiess</dc:creator>
				<category><![CDATA[Depeschen aus der Provinz]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Hiess]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=29245</guid>
		<description><![CDATA[Es glaubt mir ja keiner – aber ich habe einen Führerschein. Schon mein halbes Leben lang. Als ich aber (nach der dritten Prüfung, bei der ich endlich auch den praktischen Teil scha&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/leitplankenkultur/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/wiener_kolumne03.05_01.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29246" title="wiener_kolumne03.05_01" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/wiener_kolumne03.05_01-151x300.jpg" alt="" width="151" height="300" /></a><strong>Es glaubt mir ja keiner</strong> – aber ich habe einen Führerschein. Schon mein halbes Leben lang. Als ich aber (nach der dritten Prüfung, bei der ich endlich auch den praktischen Teil schaffte) tatsächlich fuhr, entdeckte ich voller Grauen, wer außer mir noch alles einen Führerschein hat: Wahnsinnige. Desorientierte. Gewalttäter. Der Zeichentrickfilm, in dem der friedliche Goofy sich am Steuer seines Autos in ein zähnefletschendes Monster verwandelte, war keineswegs übertrieben. Ich beschloss also, das Auto bleiben zu lassen und mich dem Konsum bewusstseinsverändernder Substanzen hinzugeben. Vielleicht würde ich so auch diesen Zustand völliger Selbstvergessenheit erreichen, der Motorisierte ergreift, sobald sie das Lenkrad berühren…</p>
<p>In Wien erntet man oft seltsame Blicke, wenn man sich kein Kraftfahrzeug mit zugehörigem Werkstatt-Abo, Park- und Autobahnpickerl hält, sondern sein Geld lieber für Schampus und lockere Weiber ausgibt. Aber eigentlich ist es ja wurscht; schließlich gibt’s auch Tramway, Taxis und Trottoir – obwohl einen dort gern grauhaarige Berufsjugendiche mit ihren Tretrollern zusammenführen. Dort, wo ich jetzt wohne (oder vielmehr oben in den Hügeln), ist statistisch gesehen jeder dritte Lastwagenfahrer; 25 Prozent der männlichen Bevölkerung arbeiten als Automechaniker oder -händler, während ihre Frauen in der Zubehörbranche flauschige Lenkradhüllen verscherbeln; vier Fünftel der hiesigen Gesamtbevölkerung schauen Formel 1; und ca. 30 Prozent besitzen ein Auto, ein Motorrad UND einen Traktor. Das heißt, zusammengefasst: alle außer mir.</p>
<p>Deshalb werde ich auch nur mehr selten als reale Person wahrgenommen. Lerne ich jemanden kennen, dann fragt mich der nach PS und Vierradantrieb, Servolenkung und tiefergelegtem Auspu  mit Hyperraum-Booster. Weil ich darauf nichts zu antworten weiß, legt er mir den Kopf auf die Brust und lauscht. Und wenn dann kein Motorengeräusch ertönt, bin ich für ihn nicht gestorben, sondern habe nie gelebt. Unsichtbar sitze ich dann mit den Hügelbewohnern am Tisch und höre zu, wie sie stolz von ihren Unfällen berichten – in einem erotisch aufgeladenen Tonfall, der an den Blech-und-Kunstleder-Fetischismus im Cronenberg-Film „Crash“ erinnert: „Dreimal hab i mi übaschlogn, und dann war i im Graben eiklemmt!“ Wie sie einander leise die Markennamen, Profiltiefen und Druckwerte ihrer neuen Winterreifen zuschnurren. Und ich stelle mir vor, wie sie manchmal, wenn der Ehepartner friedlich schlummert, ihre nackten Oberkörper mit Motoröl einreiben und sich in die Garagen schleichen, die so geräumig sind wie Einfamilienhäuser, um im Dunkeln ihre Autos zu streicheln. Vielleicht habe ich ja doch was versäumt als Autoverweigerer, zumindest sexuell. Oder einfach nur die falschen Drogen genommen…</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/12/leitplankenkultur/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Scheiss Internet</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/12/scheiss-internet/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/12/scheiss-internet/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 06:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Netzleben]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[monochrom]]></category>
		<category><![CDATA[Scheiss Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Lorenz Gedenkpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Wolo]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=29273</guid>
		<description><![CDATA[Den Wolo  gibt’s inzwischen schon seit drei oder, wenn man das  Gründungsjahr  mitzählt, vier Jahren. Er ist gleich alt wie die  deutschsprachige  Version von Facebook. Gemessen dar&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/scheiss-internet/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29274" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a></p>
<p><strong>Den Wolo  gibt’s inzwischen</strong> schon seit drei oder, wenn man das  Gründungsjahr  mitzählt, vier Jahren. Er ist gleich alt wie die  deutschsprachige  Version von Facebook. Gemessen daran, wieviele  Start-Ups in diesem  Zeitraum geboren, gehypt und begraben werden, macht  ihn das in der  Webszene zum Opa. Der Wolo  – das ist der “Wolfgang  Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten”.  Benannt ist er –  erraten! – nach ORF-Programmdirektor und Agent  Provocateur Wolfgang  Lorenz, der mit seinem “Scheiss Internet”-Sager  (<a title="Der Standard: Lorenz schimpft" href="http://derstandard.at/1226250784159" target="_blank">Graz, 2008</a>) im Handumdrehen zum österreichischen Kulturerbe avancierte.  Ja, so sind wir hierzulande.</p>
<p>Gestiftet wurde der Wolo vom Künstlerkollektiv <a title="monochrom" href="http://www.monochrom.at/" target="_blank">monochrom</a>. Er ist die <a title="Wikipedia: Golden Raspberry Award" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Golden_Raspberry_Award" target="_blank">“Goldene Himbeere”</a> unter den Web-Awards und wird vergeben für – ja für was eigentlich?<br />
Der  Ehrlichkeit halber: Ich sitze seit zwei Jahren in der Jury und weiß  es  immer noch nicht genau. Denn im Gegensatz zu den etwa zeitgleich   abgefeierten <a title="Big Brother Awards Österreich" href="http://bigbrotherawards.at/2011/" target="_blank">Big Brother Awards</a> will der Wolo  nicht (bzw. nicht nur) die Datenrüppel und -sünder  abmahnen. Er ist  thematisch breiter aufgestellt, das ist seine Stärke  und Schwäche  gleichermaßen. monochrom  definiert ihn als  “Lobesschwanengesang auf die  kommunikationstechnologiefeindlichsten und  kulturpessimistischsten  Distinktionsgewinnler!” Schon mal gut, denn da  passt jeder rein, der  sich durch die digitale Kluft profilieren oder,  schlimmer, von ihr  profitieren will.<br />
Dass  diese nämlich existiert, stellt niemand in Abrede. Bloß braucht man  sich an ihr ja nicht aufzugeilen. <a title="Helge.at" href="http://www.helge.at/2011/10/die-telekom-austria-bedroht-die-freiheit-des-internets/" target="_blank">Gell, liebe Telekom Austria?</a></p>
<p>Auch dass  dieses “Internet-Dings” nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen  ist, sondern  kritischer Auseinandersetzung bedarf, ist klar. Der Wolo   aber fragt nach der Art, WIE diese Auseinandersetzung geführt wird:   Differenziert à la <a title="Wikipedia: Peter Glaser" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Glaser" target="_blank">Peter Glaser</a> oder anbiedernd plump, wie es etwa  Wolo-Nominee Anitra Eggler in ihrem Buch <a title="Amazon" href="http://www.amazon.de/Mail-macht-krank-Mail-Wahnsinn-Sinnlos-Surf-Syndrom/dp/3950324100" target="_blank">“E-mail macht dumm, krank und  arm”</a> vorexerziert? Gastgeber Johannes Grenzfurthner bringt es auf den   Punkt: “Natürlich ist das Internet ein Problem. Aber dass manche Leute   völlig an dem Problem vorbei problematisieren, ist eben auch eines.”</p>
<p>Und  genau deshalb wird er uns noch ein Zeiterl erhalten bleiben, der  gute  Wolo: Weil die Zahl der “Am Problem vorbei Problematisierer”  zunimmt  statt abnimmt: <a title="Nominierungsrede / Wolo 2011" href="https://teichenberg.wiki.zoho.com/Wolo-2011.html" target="_blank">Der Papst besinnt sich</a> auf kirchliche Kernkompetenzen und  will dem Internet per Exorzismus <a title="Satanismus im Internet" href="http://www.kath.net/detail.php?id=30847%29" target="_blank">den Teufel austreiben</a>. Das  Bundeskanzleramt launcht um kolportierte 180.000 Euro Steuergeld eine  Website, die <a title="Leyrer: Bundeskanzler IT-Fail" href="http://martin.leyrer.priv.at/2011/10/index.html#Warum_ist_oesterreich_beim_e-Government_eigentlich_noch_immer_fuehrend" target="_blank">gegen die technische Richtlinien für Behördenwebsites  verstößt</a>. Wer diese Richtlinien erlassen hat? Sie selber. Hach, man käme  gar nicht mehr aus dem Nominieren raus…</p>
<p>Heuer  ging er übrigens an “Anonymous Austria” für ihre Umdefinition  von  Hacker-Ethik. Nächstes Jahr werden die Karten neu gemischt.  Vorschläge  per Elektropost an <a title="Mail an Wolo" href="mailto://internetfreie.minuten@monochrom.at">internetfreie.minuten@monochrom.at</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/12/scheiss-internet/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Psycho Killers</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/12/psycho-killers/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/12/psycho-killers/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 20:32:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franz J. Sauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sauers Fahrtenbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Motor]]></category>
		<category><![CDATA[Sauer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=29186</guid>
		<description><![CDATA[Es ist vier Uhr nachmittags. Die Verkehrslawine rollt gemächlich über die Tangente, knapp unterhalb des erlaubten Tempolimits, es geht also was weiter. Ich werde meinen Termin&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/psycho-killers/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/wiener_kolumne03.05_02.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29187" title="wiener_kolumne03.05_02" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/wiener_kolumne03.05_02-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><strong>Es ist vier Uhr nachmittags.</strong> Die Verkehrslawine rollt gemächlich über die Tangente, knapp unterhalb des erlaubten Tempolimits, es geht also was weiter. Ich werde meinen Termin in der Stadt um halb erreichen, so der Verkehrsfluss auf der Stadteinfahrt weiterhin flüssig bleibt. Mit anderem ist schließlich nicht zu rechnen, ausser es unfallt irgendwo.</p>
<h4>Raindrops keep falling on my head</h4>
<p>Oder aber es beginnt zu regnen. Sofort schleift sich der typische Wiener Autofahrer ein, als wäre ihm ein Elch vor den Kühler gehirscht. Vollbremsungen finden statt, erste Auffahrunfälle passieren, die aus dem Verkehrsfunk bekannten „Schaulustigen“ reissen an den Zügeln ihrer Vehikel. Mit einem Mal steht alles. Stau. Unfall. Blaulicht. Nix geht mehr. Der Kollege, der mit dem Henkel zum Termin fuhr und zehn Minuten nach mir die Redaktion verließ, ist pünktlichst vor Ort. Ich hab den zu treffenden Künstler gerade noch beim Saalverlassen erlebt. Und freue mich auf eine stimmungsvolle, stundenlange Heimfahrt im Schritttempo. Mit knurrendem Magen – das Buffet war freilich längst leergeräumt.</p>
<h4>Das Nasse-Fahrbahn-Monster</h4>
<p>Wir wechseln gerade von 2011 auf 2012, die Reifenentwicklung ist mittlerweile derart fortgeschritten, dass selbst die ältesten Vulkanisate, die sich um in Betrieb befindliche Autofelgen wutzeln, zumindest im innerstädtischen Bereich genauso gut auf nasser Fahrbahn haften wie auf trockener. Gerade auf Schneefahrbahn ist mit älteren Sommerreifen wohl die Bremssicherheit beeinflusst, aber auch derlei hat im auf durchschnittlich höchstens 30 km/h beschränkte Innenstadt-Tempo kaum Relevanz. Warum also hat es der Wiener Autofahrer im Stammhirn verankert, bei nasser Fahrbahn bloß nurmehr höchstens im Schritttempo dahinzuzuckeln? Wovor hat er Angst? Wer könnte ihm was tun? Verliert man bei Regen stantepede zwei Drittel seiner Zylinder? Ist ein gemütlicher Sommerregen (derzeit nicht lieferbar, gebe ich zu &#8230;) mit der Glatteishölle am Polarkreis zu vergleichen? Oder beißt das Nasse- Fahrbahn-Monster einem gar den Frontspoiler weg, wenn man mit mehr als gefühlten 3,5 km/h über es hinwegrollt? Ruhig Blut Freunde und Mitverkehrsteilnehmer: Seid beruhigt. Fahrt einfach ganz normal weiter, wenn es zu regnen beginnt. Auch ein paar Schneeflocken in der Luft sind noch kein Grund dafür, endgültig die Nerven wegzuwerfen. Erst wenn Ihr Eure Karre in der Früh vor lauter Schneehaufen nicht mehr findet, könnt Ihr das rohe Ei hinter das Gaspedal legen, also in den Großstädten höchstens ein, zwei Mal im Jahr. An all den anderen Tagen ist es gefährlicher, nässebedingt dahinzuschleichen, glaubt mir. Vielleicht fahre nämlich gerade ich hinter Euch her, verliere endgültig die Contenance und morphe zu Michael Douglas in „Falling Down“ &#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/12/psycho-killers/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zeit ist relativ</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/12/zeit-ist-relativ/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/12/zeit-ist-relativ/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 22:05:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp Pelz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zeitzone]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Uhren]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=29171</guid>
		<description><![CDATA[Ja, ich darf behaupten, mich mit Uhren auszukennen. Seit fast 20 Jahren beschäftige ich mich beruflich mit Zeitmessern der feineren Sorte. Mechanische Meisterwerke, umhüllt v&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/zeit-ist-relativ/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Pelz.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29172" title="Pelz" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Pelz-181x300.jpg" alt="" width="181" height="300" /></a><strong>Ja, ich darf behaupten,</strong> mich mit Uhren auszukennen. Seit fast 20 Jahren beschäftige ich mich beruflich mit Zeitmessern der feineren Sorte. Mechanische Meisterwerke, umhüllt von edlen Materialien. Was für eine Freude! Doch erst, als pünktlich zum 40er ein als Midlife Crisis beschriebenes Nachdenken über die eigene Existenz und das unbekannte Ablaufdatum selbiger einsetzte, fing ich an, über meine persönliche Zeit nachzudenken. „Carpe diem“ trifft es eigentlich am besten, was mir, und natürlich nur mir, in unendlicher Weisheit dazu eingefallen ist. Nun ja.</p>
<p>Und dann steht man mal wieder in einem dieser unsäglichen Busse, die einen am Flughafen zum, hoffentlich, deutlich schnelleren Verkehrsmittel führen sollen. Jeder von Ihnen, der im Laufe eines Jahres verschiedenste Shuttlebusse dieser Welt kennenlernen darf, weiß: Einstein hatte Recht! Zeit ist relativ!</p>
<p>Ein ähnliches Gefühl der nicht verstreichen wollenden Zeit verspürte ich neulich nur im Kino mit meinen beiden Töchtern, 3 und 7 Jahre alt. „Prinzessin Lillifee“ riss mit ihrem Zauberstab ein ebenso großes Schlagloch ins Zeitkontinuum wie die rollenden Zeitfresser.</p>
<h4>Warum habe ich keinen Privatjet?</h4>
<p>Wieso lassen die einen so früh einsteigen? Wann geht’s endlich los? Warum habe ich keinen Privatjet? Doch was macht man ganz unweigerlich in so einer Situation? Man blickt ungefähr zehnmal so oft auf seine Uhr wie sonst. Selbst die an sich fließende Bewegung des Sekundenzeigers einer mechanischen Uhr wirkt auf einmal träge und zäh. Alleine aus diesem Grund sage ich immer wieder gerne: Die Uhr Ihrer Wahl sollte Ihnen jedes Mal Freude bereiten, wenn Sie sie betrachten. Wenn sich dann auch noch Beobachtenswertes am Zifferblatt abspielt, könnte sich durchaus ein Umkehreffekt einstellen.</p>
<p>Wie, zum Beispiel, beim Lange 1 Tourbillon. Allein der Blick auf das harmonische Zusammenspiel der winzigen Bestandteile des Herzens der Uhr beruhigt die durch Sicherheitskontrollen, Verspätungen und, natürlich, dem Bus verursachten Puls-Rasereien. Um eine Gesundheitsgefährdung rechtzeitig erkennen und vermeiden zu können, empfiehlt sich das Tragen einer Uhr mit Pulsmessfunktion. Die Suunto „Vector HR“ beherrscht neben dieser Funktion noch einige andere Gimmicks, die für manche beschleunigend auf die Zeitwahrnehmung wirken können.</p>
<h4>Beistand für den Piloten</h4>
<p>Mit dem eingebauten Kompass etwa kann man kontrollieren, ob der Pilot mal wieder falsch abgebogen ist und ihm beratend zur Seite stehen. Man wird es Ihnen danken! Besonders schön anzuschauen ist der neue Baume et Mercier Chronograph im Retrostil. Der Stopper mit Flyback-Funktion stellt die im Bus verbrachte Zeit objektiv dar. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihre innere Uhr eine Abweichung von mehreren Stunden feststellt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/12/zeit-ist-relativ/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sex ist Leben</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/11/sex-ist-leben/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/11/sex-ist-leben/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 07:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Glavinic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glavinic]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Glavinic]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28992</guid>
		<description><![CDATA[Später Vormittag im Zug. Außer mir sitzen drei Passagiere im Großraumabteil. Ein älterer Herr, Typ Geschäftsmann, der wieder und wieder dieselbe Seite im Standard liest, eine ä&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/sex-ist-leben/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Glavinic-Kolumne.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28993" title="Glavinic Kolumne" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Glavinic-Kolumne-149x300.jpg" alt="" width="149" height="300" /></a><strong>Später Vormittag im Zug.</strong> Außer mir sitzen drei Passagiere im Großraumabteil. Ein älterer Herr, Typ Geschäftsmann, der wieder und wieder dieselbe Seite im Standard liest, eine ältere Dame, die ihr Strickzeug bearbeitet und aussieht wie Dagmar Koller, sowie eine schöne Frau um die Dreißig. Ich habe fünf Tage Lesungen in unzugänglichen Ecken von Österreich und Deutschland hinter mir. Ich weiß, mit solchen Urteilen mache ich mich unbeliebt, aber für mich ist es ein unumstößliches Faktum, dass die Menschen in der Provinz weniger attraktiv sind als die in der Großstadt. Womit auch immer das zu tun haben mag. Ich habe ja die etwas einfach klingende Theorie, dass alles, was auf dem Land auch nur einen Hauch von Lebens- und Bildungshunger verspürt, so schnell wie möglich in die Stadt übersiedelt und so außerhalb urbaner Zentren nur Menschen verbleiben, deren Bildungs- und Lebenshunger durch Blasmusikkonzerte und Trachtenmodeschauen gestillt werden kann. Aber nicht jede Theorie, die einfach klingt, muss deshalb falsch sein, das nur noch dazu. Egal. Ich habe fünf Tage hinter mir, die ich als eher grau erlebt habe, und deshalb beobachte ich seit zehn Minuten verstohlen und mit einer gewissen Unruhe die Frau, die sich schräg gegenüber von mir durch einen Stoß Zeitungen blättert.</p>
<p>Diese Frau da zeigt mir an, dass ich zurück unter den Menschen bin, und ich kann kaum noch woanders hinsehen. Mir ist das selbst nicht nur angenehm, zumal ich sie nicht belästigen will, aber ich kann nicht anders, denn genau das ist es, was ich in den vergangenen Tagen vermisst habe: diese Schwingungen, diese Signale, die man an einem gewöhnlichen Tag immer wieder auffängt.</p>
<p>Sex spielt sich ja zu einem überwältigenden Teil in unseren Köpfen ab. Sex haben wir ein paar Minuten, der eine oder andere Supersportler vielleicht eine Stunde oder zwei, aber die unbewusste Beschäftigung damit nimmt jedenfalls weit mehr Zeit in Anspruch. Bloß: Wo überhaupt keine interessanten Frauen mehr zu sehen sind, gibt es nicht einmal mehr theoretische Beschäftigung mit Sex, zumindest bei mir nicht. In Gradow-Teckenhetten bitten nach der Lesung nicht wohlgewachsene Frauen in schwarzen Strümpfen um Autogramme, sondern die mürrische Leiterin des örtlichen Singkreises und die zerstreute Vorsitzende des Bibliothekarverbandes, die beim Anblick des fremden Dichters nicht an sündige Abenteuer denken, sondern an Schiller. Und deshalb habe ich jetzt hier in meinem wie üblich verspäteten Zug nur noch Augen für diese Frau, die mir gerade wieder einen Blick zugeworfen hat.</p>
<p>Sie streicht sich durchs Haar, kontrolliert ihr Handy, befeuchtet einen Finger und blättert ihre Zeitschrift um. Sie setzt sich zurecht, ich sehe schlanke Beine unter einem kurzen Rock, ich sehe einen Ausschnitt. Ich bilde mir sogar ein, das Parfüm der Frau riechen. Das ist im Grunde schon alles, was ich in den letzten zehn Minuten erlebt habe, aber ich kann mich nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren.</p>
<p>Sex ist Leben, hat eine Ärztin von Ärzte ohne Grenzen gesagt, auf die Frage, womit sich die Helfer in Krisengebieten selbst helfen – wenn einem jeden Tag zehn Patienten wegsterben, bleibt den Ärzten nur das Bett. Und obwohl ich den Einsatz in einem afrikanischen Kriegsgebiet nicht mit Lesungen in weltabgewandten Orten Deutschlands vergleichen möchte, kann ich in diesem Moment sehr gut nachvollziehen, was sie gemeint hat. In diesem Moment möchte ein Teil von mir nichts anderes, als mit dieser Frau auf die Toilette gehen und Sex haben. Ach was, Toilette, schnickschnack. Es geht auch hier. Jetzt, sofort. Obwohl ich so etwas unbequem finde und denke, die meisten Leute, die von Sex an ungewöhnlichen Orten träumen, wissen einfach nicht, was sie da sagen, denn der Beischlaf ist garantiert im Bett angenehmer als neben einer Kreissäge oder auf einer muffelnden Kellerstiege. Ein anderer Teil von mir ist vernünftig. Der weiß, dass erstens diese Frau mit großer Wahrscheinlichkeit keine Lust hat, mit einem ihr Unbekannten Großraumabteilsex zu haben, und der weiß, dass ich selbst keine Lust habe. In Wahrheit will ich die Frau da ja gar nicht, ich habe nicht viel übrig für Sex mit Menschen, die ich nicht kenne.</p>
<p>Das ist es: In Wahrheit wollen wir zumeist nicht die Frau, die uns daran erinnert, dass wir sexuelle Wesen sind, wir wollen eine andere. Doch nach Stunden oder Tagen der Einsamkeit müssen wir jeder dankbar sein, die uns wieder aufnimmt, die uns zurückführt in die Welt der Blicke, des signalisierten Interesses, der Verheißungen und des Spiels. Sex ist nun mal das existenziellste Erlebnis, das wir im Alltag haben. Und an dem Tag, an dem mich der Gedanke an dieses Erlebnis nicht mehr berührt, wird mich tiefste Verzweiflung packen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/11/sex-ist-leben/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sir Tim</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/11/sir-tim/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/11/sir-tim/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2011 11:50:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Netzleben]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Tim Berners-Lee]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28899</guid>
		<description><![CDATA[Der englische Ausdruck “Serendipity” wurde vor nicht all zu langer  Zeit in die Liste der zehn schwerst übersetzbaren Worte gewählt. Er hat  ein bissl was mit glücklicher Fügung zu&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/sir-tim/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Kolisch_neu1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28900" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Kolisch_neu1-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>Der englische Ausdruck “Serendipity”</strong> wurde vor nicht all zu langer  Zeit in die Liste der zehn schwerst übersetzbaren Worte gewählt. Er hat  ein bissl was mit glücklicher Fügung zu tun; damit, dass – wie die Oma  zu sagen pflegte – der liebe Gott woanders ein Fenster aufmacht, wenn  irgendwo eine Tür zugeht.</p>
<p>Mein Fenster ist in einer verregneten Oktoberwoche aufgegangen. In  Form eines PDF-Files, das inmitten einer hoffnungslosen Türzu-Nacht in  meine Inbox flatterte. Unter dem etwas spröden Titel “Internet und  Demokratie in Europa” (schnarch) luden die Präsidentin des Nationalrates  (schnarch) und der Generalssekretär der Industriellenvereinigung  (doppel scharch) ins Parlament. Man hätte dort einen englischen  Gentleman als Gast, den Informatiker und Physiker <a title="Wikipedia: Tim Bernes-Lee" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Tim_Berners-Lee">Sir Tim Berners-Lee</a>.</p>
<p><strong>Heiliger Doppel-Espresso!</strong> Auf einmal war ich wach.</p>
<p>Für uns Geeks ist Berners-Lee ja so etwas wie Weihnachten. Also nicht  bloß die alljährliche Familienaufstellung mit Tanne, sondern das  Original-Weihnachten zu Bethlehem. Er ist der Erfinder des WWW – nö,  nicht des <em>Internets</em>, wie die Kollegen gerne schreiben, aber  doch der wesentlichsten Inkarnation des selben. Ohne Berners-Lee könnten  Sie vielleicht E-Mails schicken. Sonst könnten Sie nicht viel. Sie  müssten unweigerlich “Die große Chance” gucken anstatt auf  Mentos-Cola-Videos auszuweichen. So aber haben Sie Alternativen. Sie  haben (meist) freie Medien- und Informationswahl als Teil jener Vision,  die den langen Engländer 1989 am CERN-Server herumschrauben ließ. So  einer ist er, der Sir Tim! Und wenn Ihnen der Name bislang nichts gesagt  hat: Schnell Wikipedia befragen! (Das geht ja auch Dank ihm.)</p>
<p>Berners-Lee beginnt seine Vorträge gerne bescheiden: “Als ich das Web  erfunden habe…” Kann man ihm nicht vorwerfen. Wer ist schon in der  Lage, derartiges von sich zu behaupten? Wie das aber nun mal ist mit der  Vaterschaft, so will man doch, dass was Anständiges wird aus dem  Bankert. Sir Tim passt auf sein Web auf. Fuchsteufelswild wird er (im  Rahmen seiner britischen Möglichkeiten), wenn wer der Freiheit und  Neutralität des Sprosses an den Kragen will. Und er weiß, dass Daten  nichts können, solange sie in schicken Websites einzementiert sind, aber  alles, wenn man sie frei verknüpft. Genau deshalb war er in Wien, denn  in Sachen Informationsfreiheitsgesetze und Open Data Richtlinien stellt  Österreich das <a title="RTI Rating" href="http://rti-rating.org/results.html" target="_blank">Schlusslicht im internationalen Ranking</a> dar. Platz 89, weit hinter Uruguay. Als Staatsbürgerin ist mir das so  peinlich, dass ich mich nicht getraut hab, ihm die Hand zu schütteln.</p>
<p>Aber als Groupie ist mir natürlich gar nichts peinlich! Gibt jetzt  ein klassisches Fan-neben-Sir-Foto von uns. Kursiert auch irgendwo in  “seinem” Web. Ich schau drein wie eine Ente auf Dope… Hach. Serendipity  ist schön.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/11/sir-tim/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Loch in der Landschaft</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/11/loch-in-der-landschaft/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/11/loch-in-der-landschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 18:38:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Hiess</dc:creator>
				<category><![CDATA[Depeschen aus der Provinz]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Landleben]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Hiess]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28723</guid>
		<description><![CDATA[Du schaust in den Spiegel, mit zusammengekniffenen Augen. Du  fragst dich, wann deine Bartstoppeln so weiß geworden sind. Und du  presst unwillig einen Satz aus dem Mundwinkel, de&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/loch-in-der-landschaft/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/wiener_kolumne03.05_01.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28724" title="wiener_kolumne03.05_01" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/wiener_kolumne03.05_01-151x300.jpg" alt="" width="142" height="283" /></a>Du schaust in den Spiegel,</strong> mit zusammengekniffenen Augen. Du  fragst dich, wann deine Bartstoppeln so weiß geworden sind. Und du  presst unwillig einen Satz aus dem Mundwinkel, den du gar nicht  aussprechen wolltest: &#8220;Manche Leute vertrotteln, wenn sie aufs Land  ziehen.&#8221;</p>
<p>Damit meinst du nicht, dass auf dem Land mehr Trottel leben. Im  Gegenteil: Wenn man optimistisch von einem globalen  Idiotendurchschnitt von 99,5 Prozent ausgeht, dann dürfte deren  Anhäufung in städtischen Ballungsgebieten weitaus höher sein als  anderswo &#8211; weil sich Trottel bekanntlich gern zusammenballen.</p>
<p>Nein, es sind die unverbauten Räume und die völlig anderen  Zeitabläufe, die du als Städter nicht gewöhnt bist. Sie wirken  desorientierend und weisen den Weg in die eventuelle Verblödung. Das  fängt schon mit der viel zu weitläufigen Natur an. Früher hast du ja  Parks für den Höhepunkt der Spaziergehkultur gehalten &#8211; solange man  dort nicht den Rasen betreten durfte. Jetzt lagern dort halbnackte  Drecklock-Hippies, krakeelende Jungfamilien und grillende Horden.  Deswegen bist du ja auch weggezogen. Trotzdem fehlt dir manchmal der  Rhythmus der Großstadt, diese Hektik, die keinen Leerlauf zulässt,  die instinktive Ablehnung von Slow-Food oder Unfug wie der  &#8220;Entdeckung der Langsamkeit&#8221;. In der Provinz ist nichts so dringend,  dass es sofort sein muss.</p>
<p>Um nicht komplett dem sabbernden Irrsinn zu verfallen, richtest du  deinen übertrainierten Verstand also auf anderes. Zum Beispiel beim  Besuch in einem nahen Dörfchen, wo du mit ein paar anderen im Hof  eines Bauernhofs &#8211; also einem Bauernhofhof &#8211; herumhängst und Bier aus  Flaschen trinkst. Alle stehen rund um eine Grube, die mitten in den  Hof gegraben wurde, und tun so, als wäre nichts. Wenn du fragst, wozu  diese Grube da ist, erwidern sie bass erstaunt: &#8220;Welche Grube?&#8221; Und  wenn du insistierst, blicken Sie aus halbgeschlossenen Augen gen  Himmel und stoßen einen dünnen, kaum hörbaren Pfeifton aus. Plötzlich  fühlst dich, als stecktest du mitten in einer Lovecraft-Geschichte,  irgendwo in Innsmouth, wo unaussprechliche Geheimnisse die Bewohner  in bedrohliche Sonderlinge verwandelt haben.</p>
<p>Du trinkst dein Bier aus und dann noch ein paar. Dann fährst du  zurück, dorthin, wo du jetzt wohnst, und kommst durch Gemeinden, in  denen stämmige Werktätige riesige Gruben am Straßenrand ausheben. Und  als du das nächste Mal auf der Autobahn unterwegs bist, merkst du,  dass auch sie von neuen, mit Beton ausgekleideten Gruben von  unirdischer Geometrie gesäumt ist. Du bleibst stehen und schaust die  Arbeiter fragend an. Wie auf ein Zeichen aus den Tiefen des Alls  rollen sie die Augen nach oben und geben diesen blasphemischen  Nicht-Ton von sich. Du fragst dich, ob du nur vertrottelst. Oder ob  es noch viel schlimmer ist.</p>
<p>Tekeli-li! Tekeli-li!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/11/loch-in-der-landschaft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ein Platz im Himmel</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/11/ein-platz-im-himmel/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/11/ein-platz-im-himmel/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 07:26:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Steiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Modezirkus]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Steiner]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28617</guid>
		<description><![CDATA[Eine Woche in der Hölle eines Moderedakteurs startet kurioserweise  mit einer Party. Viele Bekannte, Smalltalk, Alkohol &#8211; da ist die Welt  also noch in Ordnung. Ausnahmswe&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/ein-platz-im-himmel/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Christoph_Kolumne.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28618" title="Christoph_Kolumne" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Christoph_Kolumne-137x300.jpg" alt="" width="137" height="300" /></a><strong>Eine Woche in der Hölle</strong> eines Moderedakteurs startet kurioserweise  mit einer Party. Viele Bekannte, Smalltalk, Alkohol &#8211; da ist die Welt  also noch in Ordnung. Ausnahmsweise habe ich nicht am Morgen, sondern  am Nachmittag danach das Aufstehen bereut. Von 15 bis 22 Uhr  präsentierten heimische Designer, was sie sich unter Mode vorstellen.  Eine Woche lang, jeden Tag die selbe Prozedur mit neuen optischen  Grausamkeiten im Stundentakt. Dazwischen gerade genug Zeit für eine  Zigarette. Ich bin während der Zeit übrigens zum Kettenraucher  mutiert. Erstens aus verständlichem Todeswunsch nach den Shows und  zweitens, weil es während des temporären Schockzustands die  Gelegenheit gibt, um höfliche Worte für das Martyrium zu finden. Es  erfordert viel Courage solche Fetzen überhaupt einem Publikum zu  präsentieren.</p>
<p>Die Beschreibung &#8220;Fetzen? bezieht sich übrigens  wirklich auf die Verarbeitung. Nur weil man eine Nähmaschine neben  den Fernseher ins Wohnzimmer stellt und seine Wohnung fortan als  Atelier bezeichnet, ist man noch lange kein begnadeter Designer. Eine  Grundvoraussetzung wäre zum Beispiel, dass man diese auch benutzen  kann. Einige Teile haben sich quasi noch auf dem Laufsteg aufgelöst.  Die gezählten 50 Schritte überlebt so ein Unikat knapp, nach weiteren  100 steht man vermutlich nackt da.</p>
<p>&#8220;Nackt&#8221; ist übrigens ein gutes  Stichwort, dank der einwöchigen Feldstudie kann ich sämtliche Models  anhand ihrer Brustwarzen erkennen. Im kollektiven Rausch &#8211; eine  andere Erklärung gibt es nämlich nicht &#8211; hat die heimische Szene  offensichtlich beschlossen, Transparenz zum wichtigsten Trend zu  küren. Das ist nicht neu und funktioniert nur in Maßen. Leider nicht  bei Männern und noch weniger bei Frauen, die eigentlich immer einen  Sport-BH tragen sollten. Wenn also ein verhältnismäßig üppiges Model  mit Latex-Suspenders und Highheels über den Laufsteg wackelt, wirkt  der transparente Mantel aus Organza nur noch nuttig. Da wundern einen  Kuriositäten wie Turbane und Masken eigentlich auch nicht mehr. Warum  eine Designerin beschlossen hat, um die Taille der Models auch noch  einige Lagen Frischhaltefolie zu wickeln, bleibt mir trotzdem ein  Rätsel. Peinlich auch die Tatsache, dass ihre Show von einer  Schuhmarke unterstützt wurde und weder Models noch die besagte  Designerin selbst mit den hohen Hacken halbwegs gerade gehen konnte.</p>
<p>Glücklicherweise ist mir auch einiges entgangen, aus den hinteren  Reihen sieht man nämlich nicht besonders gut. Dorthin wurde die  Presse verbannt, vorne saßen weder Prominente noch Einkäufer, dafür  aber Freunde und Familie. Die hatten zumindest die verwandschaftliche  Verpflichtung zu applaudieren. Nebst Lungenkrebs bekomme ich von  solchen Abartigkeiten auch noch Sorgenfalten. Überhaupt bin ich auf  der Odyssee nach wahren Talenten um Jahre gealtert. Petrus kann mir  schon mal einen Platz reservieren (diesmal bitte in der Frontrow),  denn in nur fünf Tagen habe ich alle meine bisherigen Sünden  abgebüßt. Immerhin ist mir jetzt der Platz im Himmel sicher!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/11/ein-platz-im-himmel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Endlich dreissig!</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/11/endlich-dreissig/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/11/endlich-dreissig/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 23:42:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franz J. Sauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Sauers Fahrtenbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Motor]]></category>
		<category><![CDATA[Sauer]]></category>
		<category><![CDATA[Tempolimit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28583</guid>
		<description><![CDATA[Schön, wenn man von einer aufmerksamen Stadtregierung immer wieder Themen für die wutmenschige Autokolumne aufgelegt bekommt, auf dass einem nicht fad wird. Grad noch haben wi&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/endlich-dreissig/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/wiener_kolumne03.05_02.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28584" title="wiener_kolumne03.05_02" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/wiener_kolumne03.05_02-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><strong>Schön, wenn man von einer aufmerksamen Stadtregierung</strong> immer wieder Themen für die wutmenschige Autokolumne aufgelegt bekommt, auf dass einem nicht fad wird. Grad noch haben wir uns an dieser Stelle über die <a title="Super-Sheriff!" href="http://www.wiener-online.at/2011/08/super-sheriff/">unnötigen Parksheriffs</a> aufgeregt (schnell zwei Pantoloc gegen die Magensäure), bekommen wir schon das nächste Hölzel geworfen, auf dass wir uns den Säureblocker in die Venen stessen dürfen. Stichwort (schnell noch eins eingeworfen) Tempo 30 in ganz Wien.</p>
<h4>Die große Frage</h4>
<p>Nein, es folgt nun nicht die verzweifelte Schimpfkanonade des frustrierten Motoristen in Richtung der viertelgrünen Stadtregierung. Es geht viel mehr um die Frage: Was bringt ein rot umrandetes, rundes Taferl mit einem feschen Dreissiger in der Mitte, wenn nicht gleich dahinter der nicht minder fesche Herr Inspektor mit der frisch angeschafften Laserknarre auf einen lauert?</p>
<h4>Bestechend ehrlich</h4>
<p>Der autobewaffnete Irre, der innerstädtisch im dreistelligen Stundenkilometerbereich herumhoolt und so Kinder oder alte Leute vom Zebrastreifen räumt, wird von mehr Dreißiger-Zonen kaum bekehrt werden. Und wer in den nämlichen Straßenzügen bislang mit einem entspannten 60er dahinmurgelte, wird das auch weiterhin tun. Es geht also nicht um mehr Sicherheit in der Stadt, sondern um mehr Kohle im Staatssäckel. Und wenn uns das Organ – das übrigens auch lieber im Kommissariat Fidschigogerln spielen würde als draußen in der Kälte Lasersheriff zu spielen – mal wieder für einen gemächlichen 45 km/h-Inzident auf der knapp dreispurigen Ketzergasse in Wien-Liesing 70 Euro abknöpft, hat ein weiteres, unnützes Tempolimit in unserer schönen Stadt seinen Job perfekt erledigt.</p>
<p>Gelegentlich verhaspeln sich sogar die ungeschickteren Öffentlichkeitsarbeiter des Polizeiapparates; immer dann, wenn so viele neue Radargeräte angeschafft wurden, dass das eine Presseaussendung wert wäre, ist bestechend ehrlich von einer „Umsatzsteigerung“ die Rede, die durch die neuen, tollen Geräte erzielt werden könne. Und damit bringt sich der Irrsinn der ganzen Chose herrlich selbst auf den Punkt. Denn eigentlich sollten Verkehrsstrafen die Einhaltung der jeweiligen Tempolimits sanktionieren, nicht irgendwem irgendwelche Umsätze bescheren.</p>
<h4>Na so wirst ned oid</h4>
<p>Pantoloc gibt’s jetz übrigens auch mit Erdbeergeschmack. Schon probiert? Ich sollte jenen Polizisten ernst nehmen, der mich letztens in einer der neuen 30er- Zonen mit 48 laserte und mich, nachdem ich ihm meinen ganzen diesbezüglichen Frust auf die uniformierten Schultern lud, mit einem freundlichen Knuff auf die Schulter straffrei weiterfahren ließ. Mit den Worten: „Regen’s Ihna ned so vüü auf. Sonst werd’n S’ ned oid…“</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/11/endlich-dreissig/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Meine Familie</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/11/meine-familie/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/11/meine-familie/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 07:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Stermann]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Stermann]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28456</guid>
		<description><![CDATA[Anlässlich meines neuen Kabarettprogrammes „Stermann“ werden die Stimmen lauter, die mich wie Karel Gott bei Biene Maja umsäuseln, mit der immer gleichen Aufforderung: „Ster&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/meine-familie/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28458" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a>Anlässlich meines neuen</strong> Kabarettprogrammes „Stermann“ werden die Stimmen lauter, die mich wie Karel Gott bei Biene Maja umsäuseln, mit der immer gleichen Aufforderung: „Stermann, erzähle uns von dir!“</p>
<p>Also gut. Viel weiß ich nicht. Mein Großvater Herrmann Stermann war bis zu seinem Tod Trucker. Er war fast 90 und ist noch mit hochgefährlicher und explosiver Ladung durch Europa gebrettert. Er hat den Fahrtenschreiber manipuliert, so musste er nicht die vorgeschriebenen Pausen machen. Aber irgendwann fing’s an, dass er ständig aufs Klo musste. Er ist dann zum Urologen gegangen.</p>
<p>Im Ultraschall hat man riesige Blasensteine gefunden. Richtige Blasenbrocken, die man mit einem Presslufthammer hätte zerstören müssen, aber versuchen Sie das mal im Genitalbereich. Jedenfalls wurde es nicht deutlich besser nach der OP. Für meinen Großvater hieß das, dass er die Währung gewechselt hat. Er ist von Euro auf die Toilettenvoucher von den deutschen Autobahnklos Sanifair umgestiegen. Klogutscheine. 70 Cent kostet ein Voucher, dafür darf man einmal pinkeln und sich dann für 50 Cent was in der Raststätte kaufen. Als mein Großvater starb, haben wir Toilettenvoucher im Wert von 25.000 Euro zwischen seinen Windeln gefunden.</p>
<p>Ich selber war ein Kaiserschnitt. Ich wurde während eines Fußballspiels geboren. Pokalfinale Bayern München – MSV Duisburg. Es wurde live im Fernsehen gezeigt und meine Mutter bestand darauf, dass ein Fernseher in den Kreissaal gestellt wurde. Sie liebte Franz Beckenbauer, weil der so elegant spielte. Immer mit dem Außenrist, immer mit Effet. Sie nannte das den „Kaiserschnitt“.</p>
<p>Das Spiel stand auf des Messers Schneide. Meine Mutter fieberte mit. Und dann, in der 87. Minute des Spiels kam ich. Meine Mutter versuchte noch, mich wieder zurückzudrücken, aber die Ärzte hatten mich schon gesehen. Sie ist noch heute sehr sauer auf mich, weil sie die letzten drei Minuten des Spiels wegen mir versäumt hat. Ich bin seit damals MSV Duisburg-Fan. Duisburg- Fan zu sein, das ist so, als wär’ man der optimistische Vater eines adipösen Kindes beim Schulsportfest.</p>
<p>Sie ist eine tief religiöse Frau. Fußballfan und erzkatholisch. Sie sagte einmal mit Tränen in den Augen: Dirk, wie furchtbar, denk dir nur, Jesus ist an einem Freitag gestorben. Ja, Mama, an einem Karfreitag sogar, sagte ich. Und was heißt das, fragte mich meine Mutter? Das heißt ja, er konnte Samstags die „Sportschau“ gar nicht schauen! Ich tröstete sie dann: Mama, hör auf zu weinen. Er ist doch Montags wieder auferstanden, dann konnte er sich immer-hin noch den „Kicker“ kaufen und alles nachlesen! Wie denn, schrie sie mich dann an. Am Ostermontag ist Feiertag, da erscheint der Kicker nicht!</p>
<p>Meine Mutter war auch Psychotherapeutin. Beckenbauer- und Freud-Fan. Jeden Morgen musste ich beichten, was ich geträumt hatte. Wenn ich von Bleistiften oder Zucchinis geträumt hatte, galt das als verdächtig. Unterleib und Unterbewusstsein, das war ihr Ding. Also eigentlich war mein Ding ihr Ding. „Das männliche Glied findet symbolisch Ersatz durch Dinge, die ihm in der Form ähnlich sind.“ Diesen Freud-Satz hat sie verinnerlicht. Sie hat in allem ein Phallussymbol gesehen. In meinem Wick–Nasenspray, dem Handstaubsauger und je älter mein Vater wurde sogar im Waschlappen.</p>
<p>Mein Vater hat sie oft betrogen, vielleicht deshalb. Der war in der SPD, aber im Grunde kein Sozialdemokrat, sondern eher ein Sexualdemokrat, der hat mit jeder Genossin geschlafen. Orgasmus mit menschlichem Antlitz, das war seine Vision.</p>
<p>Mein Bruder lebt in Mexico City. Dort sind die Gehsteige sehr verdreckt, deshalb gibt es jetzt eine Anordnung der Stadtverwaltung: Man darf Kaugummis nicht mehr auf die Straße spucken, sondern muss sie runterschlucken. Liebe Wiener Hundebesitzer, das wäre doch auch was für unsere Städte! Man könnte aber natürlich auch Blinde nehmen, um die Stadt sauber zu halten. Man spitzt deren Blindenstöcke einfach nur an und auf den Straßen ist weniger Müll. Im Blindenheim macht dann irgendein Zivi einfach den Müll vom Stecken ab. So kann man Blinde prima in die Gesellschaft integrieren. Für Blinde gibt es eigene Blindenhunde. Für Sehende gibt es aber nichts besonderes, hundemäßig. Am ehesten Seehunde. Aber die haben mit meiner Familie beim besten Willen nichts zu tun.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/11/meine-familie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Es ist Zombie-Ball</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/10/es-ist-zombie-ball/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/10/es-ist-zombie-ball/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 16:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eberhard Forcher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forcher]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28408</guid>
		<description><![CDATA[Obwohl &#8230; Zombies sind ja von vornherein nicht unbedingt heiß aufs Tanzen, wie man hört. Die liegen lieber auf der faulen Haut. Für wilde Partys haben sie normalerweise nich&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/10/es-ist-zombie-ball/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/10/wiener-kol.forcher04.07-final-neu-149x3001.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-28410" title="wiener-kol.forcher04.07-final-neu-149x300" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/10/wiener-kol.forcher04.07-final-neu-149x3001.jpg" alt="" width="149" height="300" /></a><strong>Obwohl &#8230; Zombies sind ja</strong> von vornherein nicht unbedingt heiß aufs Tanzen, wie man hört. Die liegen lieber auf der faulen Haut. Für wilde Partys haben sie normalerweise nicht wahnsinnig viel übrig. So ersparen sie sich immerhin den Morgen danach sowie die mühsamen Überlegungen, wo sie denn nun den Kopf verloren haben. Meine Freundin hat mir gerade eben erklärt, sie würde niemals einen Club aufsuchen, in dem <a title="wiener-online: Zombies hautnah" href="http://www.wiener-online.at/2011/10/zombies-hautnah/">Zombies</a> verkehren. Alleine die Vorstellung, einer der fahlen Gesellen könnte ein Auge auf sie werfen macht sie schaudern. Brrrrr &#8230; Deckung!</p>
<h4>Faible für Untote</h4>
<p>Ich selbst habe ja seit meiner Kindheit ein gewisses Faible für die wieder zum Leben erweckten Untoten entwickelt. Alleine die Tatsache, dass sie ihrer Seele beraubt, völlig willenlos durch die Gegend torkeln mussten, erweckte in mir ein gewisses Mitgefühl. Immerhin ist mir in meiner ersten (und zugleich auch letzten) Tanzstunde ganz ähnliches Unbill widerfahren. So gesehen kein Wunder, dass ich mich auch in meiner musikalischen Sozialisierung vom Zombiethema ganz besonders angesprochen sah.</p>
<p>Da war etwa meine Erstbegegnung mit Screaming Jay Hawkins, den ich in der Fox Tönenden Wochenschau offenen Mundes dabei beobachten durfte, wie er in einem brennenden Sarg auf die Bühne gebracht wurde, dem er schließlich gemeinsam mit einem sprechenden Totelschädel entstieg. Dazu die unkoordiniert wirkenden Bewegungen und sein furchterregendes Organ. Damit hätte er durchaus auch als Synchronstimme bei George A. Romero anheuern können. Ja &#8230; der Mann war ganz nach meinem Geschmack, wenngleich noch kein echter Zombie.</p>
<p>Aber dann &#8230; durch Zufall entdeckte ich im Plattenschrank meines Freundes jene Platte, auf die ich insgeheim immer gehofft hatte. Ich meine, wenn eine Band sich  <strong>The Zombies</strong> nennt, was konnte da schon schiefgehen? Das Album trug den vielversprechenden Titel „Odessey And Oracle“ und war nur beim ersten Reinhören ein klein wenig enttäuschend, weil ich insgeheim auf eine Überdosis psychedelischer Gruseleffekte gehofft hatte. Davon gab es zwar herzlich wenige, dafür aber ein höchst faszinierendes Sammelsurium an herrlich ausgefallenen Rocksongs, denen geradezu verschwenderisch viel pure Magie anhaftete. Die Platte lief von da an tagein tagaus, rauf und runter und meine tollpatschigen Versuche, dazu zu tanzen, wären heute auf Youtube ein wahrer Clickbuster. Schön, dass ich nicht der einzige bin, der dieses Meisterwerk der Zombies bis heute in Ehren hält. Paul Weller benannte es als sein definitives Lieblingsalbum, die Foo Fighters haben es in ihren iPods auf Powerplay und für Tom Petty-Keyboarder Benmont Tench gibt es überhaupt nur zwei Alben: „Seargent Pepper“ und „Odessey And Oracle“. Mein Exemplar freut sich jetzt schon auf eine Ehrenrunde zu Halloween.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/10/es-ist-zombie-ball/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Under my wheel</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/10/under-my-wheel/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/10/under-my-wheel/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 18 Oct 2011 06:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Hiess</dc:creator>
				<category><![CDATA[Depeschen aus der Provinz]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Hiess]]></category>
		<category><![CDATA[Radfahrer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28065</guid>
		<description><![CDATA[Der Schoitl erwacht im Morgengrauen. Seine Beine zucken nervös. Er frühstückt ausgiebig: Speck mit Ei, einen Kübel Kakao, achtzehn Semmeln. Und Spam. Dann quetscht er seinen Le&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/10/under-my-wheel/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/10/wiener_kolumne03.05_01.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28066" title="wiener_kolumne03.05_01" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/10/wiener_kolumne03.05_01-151x300.jpg" alt="" width="151" height="300" /></a><strong>Der Schoitl erwacht im Morgengrauen.</strong> Seine Beine zucken nervös. Er frühstückt ausgiebig: Speck mit Ei, einen Kübel Kakao, achtzehn Semmeln. Und Spam. Dann quetscht er seinen Leib in eine hautenge Hülle von so exzentrischer Farbgebung, als wäre er unter Papageien aufgewachsen. Er schwingt sich behende auf sein Kampfrad, wie das Nashorn auf die Nashörnin, und macht sich auf den Weg, den großen Fluß entlang.</p>
<p>Und so kommt es, dass ich ihm frühabends begegne. Auf der Donaupromenade, wo meine Gefährtin und ich den schwindenden Tag genießen wollen, schweigend ins Gespräch vertieft. Plötzlich dringen von hinten Geräusche an mein Ohr, ich wende mich um – und da kommt er gefahren, schnurstracks auf uns zu. Mit einer gebieterischen Handbewegung bringe ich ihn zum Halten und deute auf die andere Seite des Weges, der in beiden Richtungen menschenleer ist. Worauf der Kerl, offenbar ein Holländer, mit einer Stimme wie Rudi Carrell auf Rohypnol radebrecht: „Gehen … muss … rechts!“</p>
<p>Ich kratze den letzten Rest meines Wiener Charmes zusammen und entgegne: „Wos is, Gschissener, kannst ned ausweichn?!“ Wenige Sekunden später strampelt er sich – nach beiderseitiger Androhung körperlicher Gewalt – auf den Horizont zu. Und lässt mich mit meinem wiedererwachten Zorn auf die Psychopathologie des Radfahrers zurück.</p>
<p>Gewiss gibt es zivilisierte Gegenden mit einer Radfahrkultur – vielleicht auf dem Saturn, wo gutgekleidete Veloisten elegant über die Ringe dieses schönen Planeten gleiten und sich nicht nur an die Verkehrsregeln, sondern auch an den intergalaktischen Anstand halten. Bei uns auf Erden kommt sowas nicht vor. Da gibt es bestenfalls die Notwendigkeits-Radler, meist Hausfrauen und Pensionisten, die in ländlichen Gegenden oder städtischen Außenbezirken zum Supermarkt fahren. Ihnen kann man nicht viel vorwerfen, außer eventuell, dass sie gern beim Tratschen Steg und Weg verstellen.</p>
<p>Zur psychiatrischen auffälligen Epidemie wurden Radfahrer erst durch die völlige Pervertierung des Freizeitgedankens. Man nehme nur diese Jungeltern, die ihre kugeligen Kinder zwischen Kebab und Konsole zur „körperlichen Ertüchtigung“ anhalten, als wäre die HJ noch am Ruder. Oder die sogenannten Aktiv-Urlauber, die ihre Ferien damit zubringen, sich auf dem Rade einen Infarkt herbeizutreten. Dabei tragen sie, damit ihr Popscherl nicht wund wird, eine Art Erwachsenenwindel unter ihrer grauenhaften Sportkleidung – und Helme, die aussehen, als hätte H. R. Giger den Eierschalenhut von Calimero entworfen.</p>
<p>Andererseits: Den Helm brauchen sie garantiert, sonst ziehen sie sich beim Sturz noch eine Kopfverletzung und bleibende mentale Schäden zu. Und dann dürfen sie nur mehr in Wien radfahren. Und grün wählen. Das wünscht man nicht einmal seinem schlimmsten Feind. (Oder eigentlich doch…)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/10/under-my-wheel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

