<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>WIENER &#187; Burgtheater</title>
	<atom:link href="http://www.wiener-online.at/tag/burgtheater/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.wiener-online.at</link>
	<description>Die offizielle Webseite des Wiener</description>
	<lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 20:45:32 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.4</generator>
<cloud domain='www.wiener-online.at' port='80' path='/?rsscloud=notify' registerProcedure='' protocol='http-post' />
		<item>
		<title>Mensch genug</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/11/mensch-genug/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/11/mensch-genug/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Nov 2011 15:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Thomas Pesl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Wiegold]]></category>
		<category><![CDATA[Burgtheater]]></category>
		<category><![CDATA[Lem]]></category>
		<category><![CDATA[Solaris]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=28950</guid>
		<description><![CDATA[Wieder einmal erweist sich die kleinste Spielstätte des Burgtheaters als Geburtsstätte besonders inspirierter Theaterarbeit. Nach Bastian Krafts „Dorian Gray“ und Carina R&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/mensch-genug/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Solaris.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28954" title="Solaris" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Solaris-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><strong>Wieder einmal erweist sich</strong> die kleinste Spielstätte des Burgtheaters als Geburtsstätte besonders inspirierter Theaterarbeit. Nach Bastian Krafts „Dorian Gray“ und Carina Riedls „Stroszek“ versucht nun Alexander Wiegold, seit 2009 Regieassistent am Haus, den technisch eingeschränkten Möglichkeiten des kleinen Raums an die Grenzen zu gehen, und zwar mit einer furiosen Adaption von Stanis?aw Lems berühmtem philosophischem Sci-Fi-Roman „Solaris“ (<a title="wiener-online: Solaris" href="http://www.wiener-online.at/2011/09/zum-90-geburtstag-von-stanislaw-lem-solaris/">vom WIENER bereits geblitzbildet</a>).</p>
<p>Aus einer schlicht aussehenden, aber technisch versierten Bühnenkonstruktion (Stefanie Grau) mit Spiegelwänden, Fernsehschirmen und raumfüllenden Projektionen erwächst eine schiere Weite des Alls. In über zwei Stunden, die unleugbar anstrengend sind, ein unterschwellig durch einen entsprechend subtilen, metallischen Soundtrack potenziertes Gefühl, wird die pessimistisch-düstere Essenz von Lems Vision definitiv präziser wiedergegeben als in den beiden bekanntesten, vom Autor selbst nicht besonders geschätzten Verfilmungen von Andrej Tarkowskij bzw. <a title="wiener-online: Contagion" href="http://www.wiener-online.at/2011/10/contagion/">Stephen Soderbergh</a>.</p>
<p>Das ist vor allem dem faszinierenden, brillant geführten Ensemble zu verdanken, dem die Zuschauer, längs im Raum verteilt, ziemlich auf der Pelle hocken. So hat man zum Beispiel endlich einen Blick aus der Nähe auf das undurchschaubare Gesicht des großen Ignaz Kirchner, der als Doktor Sartorius nicht nur deshalb perfekt besetzt ist, weil er mit Brille und weißem Kittel an diese eine Figur aus „Futurama“ erinnert. Den Snaut spielt Marcus Kiepe beklemmend ambivalent, eine Bebilderung der Romanfigur, wie sie beim Lesen unmöglich wirkt. Christiane von Poelnitz weint viel (wie immer), hält aber mit ihrer mädchenhaften Art in ihrem Bann. Als Projektion der Erinnerung ihres Mannes ist ihre Harey kein Mensch, aber doch Mensch genug, um damit zu hadern.</p>
<p>Aber wie menschlich ist er eigentlich selbst? Oliver Masucci in der Hauptrolle des Ich-Erzählers Kris Kelvin leistet Unglaubliches. Fast immer einen halben Meter vor der ersten Reihe trägt er, körperlich und stimmlich die wummernde Depressivität der Geschichte aufrechterhaltend, den Abend. Trotz des surrealen Settings sind Situation und Charakter bei ihm ständig präsent.</p>
<p>Diese Aufführung ist wie eine Expedition zu einem anderen Planeten: unter Dauerspannung, irgendwie irreal und doch, zwangsläufig, zeitlich ausgedehnt. Vor allem aber ziemlich aufregend. „Solaris“ im Vestibül: betörendes Theater-Slow-Food.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/11/mensch-genug/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Professionelles Premieren-Prosit</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/01/professionelles-premieren-prosit/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2011/01/professionelles-premieren-prosit/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 02 Jan 2011 23:58:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Thomas Pesl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Burgtheater]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Hartmann]]></category>
		<category><![CDATA[Silvester]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=10016</guid>
		<description><![CDATA[Silvester, das heißt für die Theater, möglichst gut gelauntes Programm zu bieten und dabei auch sympathisch rüberzukommen. Dann auch noch eine Premiere zu liefern, heißt: noch&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/01/professionelles-premieren-prosit/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_10056" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-10056" title="Der Parasit (Burgtheater)" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/01/parasit_II-300x199.jpg" alt="Der Parasit (Burgtheater)" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Potztausend! Michael Maertens wickelt als &quot;Parasit&quot; Johann Adam Oest um den Finger. (C) Reinhard Werner</p></div>
<p><strong>Silvester, das heißt für die Theater,</strong> möglichst gut gelauntes Programm zu bieten und dabei auch sympathisch rüberzukommen. Dann auch noch eine Premiere zu liefern, heißt: noch mehr zum Feiern zu haben. Matthias Hartmann wollte in seinem <a href="http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/index.php">Burgtheater</a> nicht nur das neue Jahr doppelt feiern, sondern auch gleich Weihnachten und setzte also innerhalb einer guten Woche zwei Premieren an: Shakespeares <a title="Burgtheater Spielplan: Was Ihr Wollt" href="http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=1167037">„Was ihr wollt“</a> und Schillers <a title="Burgtheater Spielplan: Der Parasit" href="http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=1184312">„Parasit“</a> auf derselben Bühne (der großen), teilweise mit denselben Schauspielern (vor allem Michael Maertens) – und mit demselben Regisseur: ihm selbst.</p>
<p><strong>Das ist einigermaßen seltsam</strong>, denn diese beiden Abende haben thematisch, zeitlich,  sprachlich und ästhetisch nichts miteinander gemein. Es handelt sich in beiden Fällen um klassische Komödien, die das Publikum am Ende in tosenden Applaus ausbrechen lassen. Das ist wichtig, ja, denn man will, man muss etwas zu feiern haben. Aber dispositorisch und organisatorisch muss so ein Unterfangen – paralleles Proben nämlich – einen Regisseur gehörig fordern, um nicht zu sagen: durcheinanderbringen, und den künstlerischen Fokus permanent zerstören. Wie passt das alles zusammen, fragte man sich gespannt, und wie bereichert wird der Chef aus seiner Multitasking-Herausforderung emporsteigen?</p>
<p><strong>Nicht, ist die Antwort.</strong> Irgendwie schlicht nicht. Hartmann verlässt sich in beiden Fällen erleichtert aufatmend auf das komische Talent seiner Schauspieler und die jeweilige Spezialität seiner beiden, ebenfalls sehr unterschiedlichen Bühnenbildner: Während Johannes Schütz für den „Parasiten“ auf weiß und simpel setzt, entfaltet Stéphane Laimé bei „Was ihr wollt“ eine entzückend farbenfrohe Opulenz mit einem sorgsam symmetrisch mit Rosen gespickten Teppich und einer zur Rampe vorfahrenden Bühne, die zwar reichlich bespielt werden können, aber – wie so oft bei Laimé, dem Hausbühnenbildner von Jan Bosse – auch eigene Star-Momente haben. In diesem Fall verschafft die allmähliche Entfaltung des großen Panoramaschauvergnügens der Inszenierung sogar so etwas wie eine runde Dramaturgie: Es baut sich auf und allmählich wieder ab, bis am Ende nichts mehr übrig ist und Joachim Meyerhoff als Malvolio auf einer ebenso leeren Bühne seinen ironischen Abschluss zaubern kann wie Sven-Eric Bechtolf den Auftakt in der Rolle das abgebrühten Narren.</p>
<p><strong>Die Schauspieler</strong> spielen alle für sich, als wären sie beim Intendantenvorsprechen auf der Schauspielschule. Sie reizen die Grenze zur Schmiere auf jeweils eigene Weise aus, was wieder einmal einen Einblick ins handwerkliche Repertoire der Größen des Burgensembles zeigt: Maria Happel (Maria) hampelt und kichert, präsentiert ihre groteske Körperlichkeit auf dem Silbertablett. Joachim Meyerhoff schafft seine eigene Figur durch Aufweichung der Textgenauigkeit und eine gewisse lächerliche Humorlosigkeit des Strebers vom Dienst Malvolio, der sich einbildet, das Herz seiner Herrin durch Pflichtbewusstsein erobern zu können. Faszinierend: Nicholas Ofczarek, der seinen vom verständlicherweise unkonzentrierten Regisseur gebotenen Freiraum nutzt, indem er für seinen Spiegeltrinker Sir Tony besondere körperliche und sprachliche Präzision erarbeitet. Ob seine mittels Schnurrbarts und hoher Stirn erzeugte Ähnlichkeit mit der ORF-Legende Franz Suhrada nun Absicht ist oder nicht: Lustig ist es allemal, dass man den Mann kaum wiedererkennt. Vielleicht steckt dahinter ja auch eine gewisse Distanzierung gegenüber der offenkundigen Konzeptlosigkeit von Hartmanns Inszenierung.</p>
<p><strong>Eine Woche war nach der ersten Premiere Zeit</strong>, den zweiten Komödiencoup fertig vorzubereiten. Umso enttäuschender, dass Hartmann, der Schillers einzige ausgewiesene Komödie „Der Parasit“ nach Bochum und Zürich nun zum dritten Mal einer eigenen Neubetrachtung unterzog, nicht wirklich etwas dazu zu sagen hat. Es geht hauptsächlich ums Geschäftliche, daher sind die Schauspieler in Anzüge gekleidet und turnen durch ein Bühnenbild aus verschieden hohen Türen in weißen Wänden, um aus dessen Schlichtheit das kompliziertest (und lustigst) Mögliche herauszuholen. Spaß macht es, dem feinsinnigen Liebenden Gerrit Jansen und der von ihm unglücklich geliebten, verwöhnten Ministertochter Yohanna Schwertfeger zuzusehen. Die anderen komischen Talente (Udo Samel, Kirsten Dene, Johann Adam Oest, Oliver Stokowski, André Meyer, Dirk Nocker) verlassen sich getrost (und durchaus zurecht) auf ihr Handwerk. Für jedes Beiseite zwingt die Regie die Akteure, über einen Grenzbalken in ein besonders kaltes Licht zu treten, was die Partie häufig ein bisschen aufhält und das eine oder andere Timingproblem des Abends offenlegt.</p>
<p><strong>Hartmann wartet</strong> zweieinhalb Stunden, bis er einen ersten Akzent setzt, und der ist recht plakativ. Unter Verwendung von bereits gehörten Texten aus dem Stück werden nämlich dem ursprünglichen Happyend noch zwei weitere Alternativschlüsse gegenübergestellt. Um halt zu zeigen, dass die Parasiten dieser Welt mittlerweile ja doch siegreich sind. Das Heutigste an diesem etwas verstaubten Moralstück ist aber eigentlich die fast sarkastisch anmutende Prämisse, der Minister selbst sei ein moralisch integrer, im tiefsten Herzen privat wie beruflich rechtschaffener Mensch. Und der vielbeschäftigte <a title="Wikipedia: Michael Maertens" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Maertens">Michael Maertens</a>? Ihm geht es gut: Im Shakespeare hat er eine vergleichsweise Nebenrolle, in der er den belämmerten Trottel raushängen lassen kann. Dafür ist er in seiner Hauptrolle, dem Schleimer und Hochstapler Selicour, bereits doppelt Hartmann-erprobt, wobei ihm diese Selbstrevisionsübung eindeutig besser bekommt als seinem Regisseur: Dieser Maertens, dem man ja in jeder Konstellation erlaubt, ganz extrem den Maertens zu spielen, scheint für diese Rolle eine eigene Körperlichkeit, eine gewisse ungewohnte Präzision entwickelt zu haben.</p>
<p><strong>Oft erklärt Matthias Hartmann</strong> in Interviews, wie gerne er scheitert. Jetzt hat er zwei Stücke gleichzeitig inszeniert und bringt mit beiden seine Burgtheater-Zuschauer zum Jubeln. Schlecht gescheitert.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2011/01/professionelles-premieren-prosit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Denn sie wissen, was sie tun</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2010/09/denn-sie-wissen-was-sie-tun/</link>
		<comments>http://www.wiener-online.at/2010/09/denn-sie-wissen-was-sie-tun/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 21 Sep 2010 19:33:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Thomas Pesl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Burgtheater]]></category>
		<category><![CDATA[Carina Riedl]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Krisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Theaterkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Tier]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Herzog]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wiener-online.at/?p=6915</guid>
		<description><![CDATA[In das enge, dekorativ überladene Vestibül des Burgtheaters hat das Künstlerteam „plums and peaches“ ein weißes Zelt gebaut. Auch die an einen Leierkasten erinnernde Einlassm&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2010/09/denn-sie-wissen-was-sie-tun/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_6933" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-6933" title="stroszek" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/09/stroszek-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Stroszek (Foto: Burgtheater Wien / Facebook)</p></div>
<p><strong>In das enge, dekorativ überladene Vestibül</strong> des <a href="http://www.burgtheater.at">Burgtheaters</a> hat das Künstlerteam „plums and peaches“ ein weißes Zelt gebaut. Auch die an einen Leierkasten erinnernde Einlassmusik weckt zirzensische Assoziationen. Und prompt gibt Peter Matic mit Hut und Frack den Direktor. Zu Beginn von Carina Riedls Inszenierung „Stroszek“, einer Bühnenfassung des gleichnamigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stroszek">Films von Werner Herzog</a>, präsentiert er den Marktschreiermonolog aus Büchners „Woyzeck“. Bei Büchner wird ein kostümierter Affe vorgeführt, hier ist es „der Bruno“, wie Stroszek gerne von sich selbst spricht, Musiker, sozial verwahrloster Alkoholiker und Gefängnisinsasse bei der Entlassung, gespielt von Johannes Krisch.</p>
<p><strong>Im Laufe der Geschichte</strong> wird Bruno in eine Kneipe einkehren, eine ebenfalls am Rand der Gesellschaft stehende Prostituierte namens Eva (<a href="http://www.fuhrmannmanagement.com/damen/petra_morze/">Petra Morzé</a>) in seine Wohnung aufnehmen, und, nachdem deren Zuhälter (ebenfalls dargestellt von Morzé mit Hilfe zweier Handpuppen) ebendiese Wohnung verwüstet haben, mit ihr und dem greisen Nachbarn Herrn Scheitz (Matic) nach Amerika auswandern, um dort allerdings auch nicht glücklich zu werden. So viel zur Handlung, die hier – wie auch schon bei Werner Herzog – eher Nebensache bleibt.</p>
<p><strong>Bruno S. war nicht nur Hauptfigur</strong>, sondern auch Hauptdarsteller des 1977 erschienenen Films. Der Straßenmusiker hatte Herzog derart fasziniert, dass er ihn zuerst als Kaspar Hauser und später (zur Entschädigung, weil den Woyzeck dann doch Klaus Kinski spielen durfte) als Star seiner eigenen Lebensgeschichte besetzte. Diesen Sommer hatte „Stroszek“ in den Nachrufen auf den in Vergessenheit verstorbenen Bruno kurz eine gewisse Medienpräsenz. Darüber hinaus ist dieser schräge, eher langatmige Streifen im halbdokumentarischen Stil nur ein Nebenwerk des berühmten Autorenfilmers. Warum sollte der Stoff also auf eine Theaterbühne kommen, vor allem, da er so unmittelbar mit dem Original-Bruno verbunden ist?</p>
<p><strong>Die Überraschung:</strong> Carina Riedl und ihr furioser Hauptdarsteller <a href="http://www.johannes-krisch.com">Johannes Krisch</a> liefern im intelligenten Zusammenspiel mit Ensemble, Musik (Arthur Fussy) und dem wandelbaren und doch ästhetisch der Farblosigkeit der Bühne verpflichteten Kostümbild (Dagmar Bald) eine klare Antwort: Weil ganz, ganz weit hinter dem Text existenzielle Fragen stecken, die 1977 vor lauter Voyeurismus angesichts Brunos unbedarfter Natürlichkeit niemand gesucht, geschweige denn gefunden hat: Was macht den Menschen aus? Was trennt und was verbindet ihn und das Tier? Wie viel Individualität, wie viel Sprache und wie viel Intellekt brauche ich, um wahrhaftig frei sein zu können? In genau gearbeiteten Szenen mit sehr unterschiedlichen Tempi, aber doch einem einzigen, ohrwurmhaft alle antreibenden Takt seziert Riedl diese Thematik, natürlich ohne dabei eine befriedigende Lösung zu finden. „Es hat was. Was Verrücktes, aber es hat was“, ließ ein betagter Gast im Anschluss an die Premiere hören.</p>
<p><strong>Johannes Krisch, sonst gern als Strizzi</strong> mit hartem Wiener Zungenschlag besetzt, zeigt sich von einer neuen Seite. Er hat den Film-Bruno penibel studiert. Mit präziser schweißtreibender Körperlichkeit gibt er dessen Versehrtheit wieder: der schief liegende Kopf, die zu Schlitzen gepressten Augen, die wie bei einem Blinden nie genau verraten, wie viel Aufmerksamkeit er einem gerade widmet; der irgendwie verschoben wirkende Sprechduktus, der nur erahnen lässt, was der Mann wirklich zum Ausdruck bringen wollte – und tapst auf buchstäblich berührende Weise der ersten Reihe fast auf die Zehen, ohne dabei die Art peinliches Mitleid zu erregen, das man den von Herzog mit viel kompliziertem Text geplagten Laiendarstellern entgegenzubringen geneigt war. Denn Krisch ist ein Profi, ein brillanter Techniker, seine Emotionen sind künstlich produziert, aber sie sitzen, und genau dieses Quäntchen Bewusstheit ergreift den Zuschauer intuitiv und sagt ihm, dass er im Rahmen dieser Freakshow durchaus auch sich selbst zu beschauen hat.</p>
<p><strong>„Die Gedanken sind frei &#8211; wer kann sie erraten?&#8221;</strong> &#8211; das alte Volkslied zieht sich durch den gesamten Abend. Unter anderem generiert ihn Johannes Krisch mit entzückender Unbeholfenheit auf Hackbrett und Kuhglocken. Es ist die Unbeholfenheit des Schauspielers, der Musikinstrumente erlernt hat, um eine Figur darzustellen, die ihrerseits auf dem Gebiet des Schauspiels strauchelt. Auch Matic und Morzé schillern konsequent zwischen Authentizität und Kunst und treffen mit Vorliebe einen Ton, der knapp daneben liegt, etwa wenn Herr Scheitz amüsante naturwissenschaftliche Theorien auswalzt und Eva spontan naives Interesse heuchelt. Das macht Spaß, weil wir wissen, dass sie wissen, was sie tun. Womit wir wieder beim Eingangsmonolog des Marktschreiers wären: „Sehn Sie die Kreatur, wie sie Gott gemacht: nix, gar nix. Sehn Sie jetzt die Kunst: geht aufrecht, hat Rock und Hosen, hat ein&#8217; Säbel!”</p>
<p><strong>Manches wird uns vor Augen geführt</strong>; vorgeführt wird bei diesem „Stroszek” hingegen höchstens das Vorführen selbst.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wiener-online.at/2010/09/denn-sie-wissen-was-sie-tun/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

