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	<title>WIENER &#187; Netzleben</title>
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	<description>Die offizielle Webseite des Wiener</description>
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		<title>Scheiss Internet</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 06:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wolfgang Lorenz Gedenkpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Wolo]]></category>

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		<description><![CDATA[Den Wolo  gibt’s inzwischen schon seit drei oder, wenn man das  Gründungsjahr  mitzählt, vier Jahren. Er ist gleich alt wie die  deutschsprachige  Version von Facebook. Gemessen dar&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/scheiss-internet/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29274" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a></p>
<p><strong>Den Wolo  gibt’s inzwischen</strong> schon seit drei oder, wenn man das  Gründungsjahr  mitzählt, vier Jahren. Er ist gleich alt wie die  deutschsprachige  Version von Facebook. Gemessen daran, wieviele  Start-Ups in diesem  Zeitraum geboren, gehypt und begraben werden, macht  ihn das in der  Webszene zum Opa. Der Wolo  – das ist der “Wolfgang  Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten”.  Benannt ist er –  erraten! – nach ORF-Programmdirektor und Agent  Provocateur Wolfgang  Lorenz, der mit seinem “Scheiss Internet”-Sager  (<a title="Der Standard: Lorenz schimpft" href="http://derstandard.at/1226250784159" target="_blank">Graz, 2008</a>) im Handumdrehen zum österreichischen Kulturerbe avancierte.  Ja, so sind wir hierzulande.</p>
<p>Gestiftet wurde der Wolo vom Künstlerkollektiv <a title="monochrom" href="http://www.monochrom.at/" target="_blank">monochrom</a>. Er ist die <a title="Wikipedia: Golden Raspberry Award" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Golden_Raspberry_Award" target="_blank">“Goldene Himbeere”</a> unter den Web-Awards und wird vergeben für – ja für was eigentlich?<br />
Der  Ehrlichkeit halber: Ich sitze seit zwei Jahren in der Jury und weiß  es  immer noch nicht genau. Denn im Gegensatz zu den etwa zeitgleich   abgefeierten <a title="Big Brother Awards Österreich" href="http://bigbrotherawards.at/2011/" target="_blank">Big Brother Awards</a> will der Wolo  nicht (bzw. nicht nur) die Datenrüppel und -sünder  abmahnen. Er ist  thematisch breiter aufgestellt, das ist seine Stärke  und Schwäche  gleichermaßen. monochrom  definiert ihn als  “Lobesschwanengesang auf die  kommunikationstechnologiefeindlichsten und  kulturpessimistischsten  Distinktionsgewinnler!” Schon mal gut, denn da  passt jeder rein, der  sich durch die digitale Kluft profilieren oder,  schlimmer, von ihr  profitieren will.<br />
Dass  diese nämlich existiert, stellt niemand in Abrede. Bloß braucht man  sich an ihr ja nicht aufzugeilen. <a title="Helge.at" href="http://www.helge.at/2011/10/die-telekom-austria-bedroht-die-freiheit-des-internets/" target="_blank">Gell, liebe Telekom Austria?</a></p>
<p>Auch dass  dieses “Internet-Dings” nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen  ist, sondern  kritischer Auseinandersetzung bedarf, ist klar. Der Wolo   aber fragt nach der Art, WIE diese Auseinandersetzung geführt wird:   Differenziert à la <a title="Wikipedia: Peter Glaser" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Glaser" target="_blank">Peter Glaser</a> oder anbiedernd plump, wie es etwa  Wolo-Nominee Anitra Eggler in ihrem Buch <a title="Amazon" href="http://www.amazon.de/Mail-macht-krank-Mail-Wahnsinn-Sinnlos-Surf-Syndrom/dp/3950324100" target="_blank">“E-mail macht dumm, krank und  arm”</a> vorexerziert? Gastgeber Johannes Grenzfurthner bringt es auf den   Punkt: “Natürlich ist das Internet ein Problem. Aber dass manche Leute   völlig an dem Problem vorbei problematisieren, ist eben auch eines.”</p>
<p>Und  genau deshalb wird er uns noch ein Zeiterl erhalten bleiben, der  gute  Wolo: Weil die Zahl der “Am Problem vorbei Problematisierer”  zunimmt  statt abnimmt: <a title="Nominierungsrede / Wolo 2011" href="https://teichenberg.wiki.zoho.com/Wolo-2011.html" target="_blank">Der Papst besinnt sich</a> auf kirchliche Kernkompetenzen und  will dem Internet per Exorzismus <a title="Satanismus im Internet" href="http://www.kath.net/detail.php?id=30847%29" target="_blank">den Teufel austreiben</a>. Das  Bundeskanzleramt launcht um kolportierte 180.000 Euro Steuergeld eine  Website, die <a title="Leyrer: Bundeskanzler IT-Fail" href="http://martin.leyrer.priv.at/2011/10/index.html#Warum_ist_oesterreich_beim_e-Government_eigentlich_noch_immer_fuehrend" target="_blank">gegen die technische Richtlinien für Behördenwebsites  verstößt</a>. Wer diese Richtlinien erlassen hat? Sie selber. Hach, man käme  gar nicht mehr aus dem Nominieren raus…</p>
<p>Heuer  ging er übrigens an “Anonymous Austria” für ihre Umdefinition  von  Hacker-Ethik. Nächstes Jahr werden die Karten neu gemischt.  Vorschläge  per Elektropost an <a title="Mail an Wolo" href="mailto://internetfreie.minuten@monochrom.at">internetfreie.minuten@monochrom.at</a></p>
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		<title>Sir Tim</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Nov 2011 11:50:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Netzleben]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Tim Berners-Lee]]></category>

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		<description><![CDATA[Der englische Ausdruck “Serendipity” wurde vor nicht all zu langer  Zeit in die Liste der zehn schwerst übersetzbaren Worte gewählt. Er hat  ein bissl was mit glücklicher Fügung zu&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/sir-tim/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Kolisch_neu1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28900" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Kolisch_neu1-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>Der englische Ausdruck “Serendipity”</strong> wurde vor nicht all zu langer  Zeit in die Liste der zehn schwerst übersetzbaren Worte gewählt. Er hat  ein bissl was mit glücklicher Fügung zu tun; damit, dass – wie die Oma  zu sagen pflegte – der liebe Gott woanders ein Fenster aufmacht, wenn  irgendwo eine Tür zugeht.</p>
<p>Mein Fenster ist in einer verregneten Oktoberwoche aufgegangen. In  Form eines PDF-Files, das inmitten einer hoffnungslosen Türzu-Nacht in  meine Inbox flatterte. Unter dem etwas spröden Titel “Internet und  Demokratie in Europa” (schnarch) luden die Präsidentin des Nationalrates  (schnarch) und der Generalssekretär der Industriellenvereinigung  (doppel scharch) ins Parlament. Man hätte dort einen englischen  Gentleman als Gast, den Informatiker und Physiker <a title="Wikipedia: Tim Bernes-Lee" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Tim_Berners-Lee">Sir Tim Berners-Lee</a>.</p>
<p><strong>Heiliger Doppel-Espresso!</strong> Auf einmal war ich wach.</p>
<p>Für uns Geeks ist Berners-Lee ja so etwas wie Weihnachten. Also nicht  bloß die alljährliche Familienaufstellung mit Tanne, sondern das  Original-Weihnachten zu Bethlehem. Er ist der Erfinder des WWW – nö,  nicht des <em>Internets</em>, wie die Kollegen gerne schreiben, aber  doch der wesentlichsten Inkarnation des selben. Ohne Berners-Lee könnten  Sie vielleicht E-Mails schicken. Sonst könnten Sie nicht viel. Sie  müssten unweigerlich “Die große Chance” gucken anstatt auf  Mentos-Cola-Videos auszuweichen. So aber haben Sie Alternativen. Sie  haben (meist) freie Medien- und Informationswahl als Teil jener Vision,  die den langen Engländer 1989 am CERN-Server herumschrauben ließ. So  einer ist er, der Sir Tim! Und wenn Ihnen der Name bislang nichts gesagt  hat: Schnell Wikipedia befragen! (Das geht ja auch Dank ihm.)</p>
<p>Berners-Lee beginnt seine Vorträge gerne bescheiden: “Als ich das Web  erfunden habe…” Kann man ihm nicht vorwerfen. Wer ist schon in der  Lage, derartiges von sich zu behaupten? Wie das aber nun mal ist mit der  Vaterschaft, so will man doch, dass was Anständiges wird aus dem  Bankert. Sir Tim passt auf sein Web auf. Fuchsteufelswild wird er (im  Rahmen seiner britischen Möglichkeiten), wenn wer der Freiheit und  Neutralität des Sprosses an den Kragen will. Und er weiß, dass Daten  nichts können, solange sie in schicken Websites einzementiert sind, aber  alles, wenn man sie frei verknüpft. Genau deshalb war er in Wien, denn  in Sachen Informationsfreiheitsgesetze und Open Data Richtlinien stellt  Österreich das <a title="RTI Rating" href="http://rti-rating.org/results.html" target="_blank">Schlusslicht im internationalen Ranking</a> dar. Platz 89, weit hinter Uruguay. Als Staatsbürgerin ist mir das so  peinlich, dass ich mich nicht getraut hab, ihm die Hand zu schütteln.</p>
<p>Aber als Groupie ist mir natürlich gar nichts peinlich! Gibt jetzt  ein klassisches Fan-neben-Sir-Foto von uns. Kursiert auch irgendwo in  “seinem” Web. Ich schau drein wie eine Ente auf Dope… Hach. Serendipity  ist schön.</p>
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		<title>Yes, we leak!</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Nov 2011 07:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sylvia Margret Steinitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[Was bisher geschah: Es sieht schlecht aus für das gallische Dorf. Fischhändler Assange und Dorfschmied Domscheit-Berg haben sich zerstritten, das Rezept für den Zaubertrank,&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/yes-we-leak/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28514" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>Was bisher geschah:</strong> Es sieht schlecht aus für das gallische Dorf. Fischhändler Assange und Dorfschmied Domscheit-Berg haben sich zerstritten, das Rezept für den Zaubertrank, ein 58-Buchstaben-Passwort, ist durch die Eitelkeit eines Geschichtsschreibers den Römern in die Hände gefallen. Erstmals erwächst tatsächlich Gefahr für die Verbündeten der Gallier, vielfach wird gemutmaßt, das Ende des Widerstands wäre nah: <a title="Wikileaks" href="http://wikileaks.org/" target="_blank">Wikileaks</a> ist tot. Ist das Experminent deshalb gescheitert? We don’t think so.</p>
<p>Was hat WikiLeaks bis jetzt bewirkt? Unter anderem, dass Journalisten ihre Ideale hinterfragen und sich auf ihre Wurzeln besinnen. Dass Investigativjournalismus bei Jugendlichen plötzlich als Berufswunsch auftaucht. Dass Herr Kovacs aus dem Facility Management weiß, was “Whistleblowing” ist. Dass Menschen ihre eigene Verantwortlichkeit für den Zustand der Welt erkennen. Und auch wissen: Das bloße Aufzeigen von Missständen allein bedeutet noch nicht ihre Beseitigung, sondern nur den ersten Schritt zur Veränderung. Und vielleicht studieren Cable-Süchtige künftig auch mal den Politikteil ihrer Tageszeitung&#8230;</p>
<p>Ob allein Computergeeks die Welt verbessern können, dürfen wir getrost verneinen. Der <a title="Süddeutsche: &quot;Der Streit wurde so absurd&quot;" href="http://www.sueddeutsche.de/digital/daniel-domscheit-berg-ueber-wikileaks-der-streit-wurde-so-absurd-1.1180910" target="_blank">Zickenkrieg</a>, den WL-Gründer <a title="wiener-online: Krieger des Lichts" href="http://www.wiener-online.at/2010/09/krieger-des-lichts/" target="_blank">Julian Assange</a> und sein ehemaliger Mitstreiter <a title="wikipedia: Domscheit-Berg" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Domscheit-Berg" target="_blank">Daniel Domscheit-Berg </a>einander seit Monaten liefern, beweist: People are people.<br />
Aber wir brauchen die Techies und Nerds, die oft anonymen, ungehobelten Hacktivisten, die per Tastatur die Welt aufmischen..</p>
<p>Wir brauchen Wikileaks als etablierte, weltweit bekannte Marke. Mag sein, nicht in Österreich. Hier funktioniert das System <a title="Florian Klenk" href="http://www.florianklenk.com/" target="_blank">Klenk</a>-<a title="News: Kurt Kuch Buch" href="http://www.news.at/articles/1110/510/291394/ein-aufdecker-news-chefreporter-kurt-kuch-buch-land-diebe" target="_blank">Kuch</a> und lässt neuerdings die Worm’sche Tradition wieder aufleben. Aber in Staaten wie China und Indien &#8211; Staaten, deren Bedeutung unsere bald übersteigen wird. Denn wo die <em>Publikative</em> nicht als Kontrollorgan, sondern als Hofberichterstattung dient, wird eine weithin sichtbare Anlaufstelle der Wahrheitsfindung unumgänglich.</p>
<p>Gegen WikiLeaks als globale Whistleblowing-”Marke” spricht der autokratische Führungsstil Julian Assanges. Und sein tief verwurzeltes, gegen Autorität per se gerichtetes Wesen, das nicht zwischen “guter Führung” und “böser Diktatur” unterscheidet. So what? Auch <a title="wiener-online: Im Rausch der Tiefe" href="http://www.wiener-online.at/2011/11/im-rausch-der-tiefe/">Sigmund Freud</a> galt bei Zeitgenossen als umstritten. Sein Pioniergeist hat manchem Patienten mehr geschadet als geholfen. Dennoch hat seine Psychoanalyse unsere Welt bleibend verändert. Klar, vieles, was Freud anfangs behauptete, ist längst wiederlegt. Aber seine Rolle in der Schaffung eines neuen Bewusstseins für das Unterbewusste erkennt man heute rückhaltlos an.</p>
<p>Die Rolle Assanges in der Schaffung eines neuen Bewusstseins für kollektive Verantwortung mag dereinst ähnlich beurteilt werden. Oder auch nicht. Das ist egal: Der Ball liegt ohnehin bei uns. <a></a></p>
<hr /><strong>Julian Assange in der WIENERIN:</strong></p>
<ul>
<li><a title="typischich: Unter Verdacht" href="typischich.at/home/gesundheit/psyche/612926/Unter-Verdacht" target="_blank">Unter Verdacht</a></li>
<li><a title="typischich: Jukian Assange" href="http://typischich.at/home/leute/614588/Julian-Assange" target="_blank">Ganz die Mama</a></li>
</ul>
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		<title>Circle Training</title>
		<link>http://www.wiener-online.at/2011/09/circle-training/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Sep 2011 19:27:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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		<description><![CDATA[„Bist du schon drin?“ ist nicht nur die schale Pointe des wohl ältesten Dirty Jokes, es war auch die am häufigsten gestellte Frage der letzten Wochen. Jedenfalls im Webiversum. „D&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/09/circle-training/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/09/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-26878" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/09/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>„Bist du schon drin?“</strong> ist nicht nur die schale Pointe des wohl ältesten Dirty Jokes, es war auch die am häufigsten gestellte Frage der letzten Wochen. Jedenfalls im Webiversum. „Drin“ bezeichnete in diesem Fall <a title="wiener-online: Social Google" href="http://www.wiener-online.at/2011/07/social-google/">google+</a>, die – will man den Statistiken der ersten Wochen Glauben schenken – eierlegende Wollmilchsau unter den sozialen Netzwerken: Facebook made by Google. Nur besser, weil … naja, weil halt Google.</p>
<p>„Drin“ – das ist man bei google+ relativ schnell, aber auch wer „drin“ ist, ist evtl. immer noch draußen. Denn Google hat das Kastensystem ins Online-Zeitalter herübergerettet und eine Struktur geschaffen, die es erlaubt, Menschen nach gewissen Merkmalen zu sortieren: In sogenannte Circles. Kurz: Schubladendenken 2.0. Nicht jeder ist in jedem erlauchten Kreis willkommen; sollte etwa Medwedew einen „Inner Circle“ anlegen, sind Sie da garantiert auch nicht drin…</p>
<p>In Anlehnung an Groucho Marx kann man all das recht locker sehen: „Ich möchte gar nicht Mitglied in einem Kreis sein, der mich als Mitglied haben will.“ Man kann es auch von der praktischen Seite betrachten: Dass berufliche Kontakte nicht mit privaten in einen Topf zu werfen sind, dass man mit der Tante Erni andere Informationen teilt als mit seinen Saufkumpanen, ist ein Manko, das an Facebook schon lange bemängelt wurde. Zu recht erfreut sich die Selbsthilfegruppe „Hilfe, meine Mama ist auf Facebook“ regen Zulaufs. (Kein Schmäh. Die gibt’s.) Eben hier setzt Google an. Erfordert mitdenken, erspart dafür massig Unannehmlichkeiten.</p>
<h4>Let the games begin</h4>
<p>Außerdem: Spaß ohne Ende. Erwähnte ich das schon? Ja, ja. Pubertären, kleinmütigen Ätschi-Bätsch-Spaß. So what? Die Mit-User sehen nämlich nicht, wo sie „eingekreist“ werden. – <a title="Sascha Lobo: google+ Status" href="https://plus.google.com/112716356719620674952/posts/exkH2AXjfCg" target="_blank">„Wenn Ihr wüsstet, in was für dämlich benamte Circles ich Euch reinsortiere“</a>, provoziert <a title="Sascha Lobo" href="http://saschalobo.com/ich/" target="_blank">Sascha Lobo</a>, punkköpfige Salome Pockerl der Webszene, „Ich habe einen Circle namens Deppen, einen Möchtegern-Wannabes, Politclowns, Internet fixierte und einen ,Schon bei Facebook nervig‘-Circle“.</p>
<p>Das bleibt nicht ungestraft. Lobo wird prompt selbst einsortiert. Unter Seltsame Frisuren. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass google+ ein wunderbares Sozialexperiment ist. Das Bewusstsein, sich bei Bedarf in seinen engsten Kreis zurückziehen zu können, macht das mit einem Mal gar nicht mehr so notwendig. Da herrscht ein kindlicher Pionier- und Aufbruchsgeist – und die neue (Wahl-)Freiheit treibt schräge Blüten: „Kann ich bitte in den Pupst-abendsimmer- Bolero-von-Ravel-Circle?“, fragt eine Userin. Das ist gaga und doch immer wieder erstaunlich realitätsnah, wie der grüne Landtagsabgeordnete <a title="Michel Reimon" href="http://reimon.net/" target="_blank">Michel Reimon</a> beweist: <a title="Michel Reimon: Twitter Status" href="http://twitter.com/#!/michelreimon/status/87153209373769728" target="_blank">„Ich habe alle Grünen in einen Arbeitskreis gesteckt.“</a> <strong>Kinder, wir werden noch viel Spaß haben!</strong></p>
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		<title>Beds are burning</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 08:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sonntag,  7. August 2011. Vor dem Schlafengehen werfe ich den üblichen Blick auf meine  Twittertimeline und will schon das Licht abdrehen, als ich sehe:  Enfield wird hier als &#822&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/08/beds-are-burning/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/08/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-26109" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/08/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>Sonntag,  7. August 2011.</strong> Vor dem Schlafengehen werfe ich den üblichen Blick auf meine  Twittertimeline und will schon das Licht abdrehen, als ich sehe:  Enfield wird hier als &#8220;Trending Topic&#8221;, als heißdiskutiertes Thema der  Stunde gelistet. &#8220;Enfield?&#8221;, denke ich, &#8220;Was zum Teufel&#8230;?&#8221;</p>
<p>Ich  kenne Enfield. Dagegen ist Gramatneusiedl eine pulsierende Metropole.  In Enfield wohnt meine Tante &#8211; und das ist bereits das absolut  aufregendste an dem Kaff. Wie kann das &#8220;trending&#8221; sein? Ein Klick zeigt  mir die dazugehörigen Wortmeldungen an: Randale, Plünderungen, dazu ein  paar Schnappschüsse vom abgeriegelten Bahnhof. Nicht rasend  beunruhigend, aber die Tante ist 92. Vielleicht sollte sie besser  zuhause bleiben? Ich versuche die Tweets zu verifizieren, aber bis auf  eine Minimeldung der Enfielder Lokalzeitung (Grundtenor: &#8220;Wir wissen  auch nix&#8221;) findet sich nichts in den klassischen Medien. Njente. Ich geh  mal telefonieren. Sicher ist sicher&#8230;</p>
<p><strong>Als  ich zurückkomme, ist Twitter explodiert:</strong> Augenzeugenberichte im  Sekundentakt. Inzwischen auch Videos von Brandbomben, Überfällen. <em>It’s not pretty</em> &#8211;  aber das Puzzle setzt sich zusammen. Wer ein bißchen Gespür für Twitter  hat, merkt rasch, welche Accounts vertrauenswürdig und tatsächlich vor  Ort, welche <a title="wiener-online: Hashtag, ja bitte" href="http://www.wiener-online.at/2009/11/hashtag-ja-bitte/">Hashtags</a> der Ariadnefaden durch das Meldungslabyrinth  sind. Schnell wird deutlich: Tottenham, Enfield&#8230; das ist erst der  Anfang.</p>
<p><strong>Verdammt,  denke ich. Wo sind die Medien?</strong> Schickt endlich einen Reporter hin!<br />
Aber es  ist Sonntag Nacht. Das schlimmste, was eine Revolte machen kann, ist an  einem Wochenende loszugehen. Noch dazu in der Nacht! Da sitzen die  zuständigen Ressortleiter bei einem Glas Port. Und die  Ein-Mann-Nachtschicht-Besetzung der Redaktion ist längst über der  zwanzigsten Partie Solitär weggemützt. Die Welt hat sich bitte dem  Erscheinungsrhythmus anzupassen, nicht der Erscheinungsrhythmus der  Welt!</p>
<p>Bloß:  In Enfield, in Brixton, in Edmonton, in Hackney (und wie sie alle  heißen) sieht man das anders. Da wird berichtet, wenn nicht via BBC,  dann eben auf alternativen Kanälen. Ist ein menschlicher Reflex, zu  sagen: “Jabistdudeppat, was ich da grad erlebt hab&#8230;” Weil es der  Betroffenheit entspringt, ist es auch authentisch und ja, es ist  relevant!</p>
<p>Im Radio rocken <em>Midnight Oil</em>:  “<a title="YouTube: Beds Are Burning" href="http://youtu.be/jpkGvk1rQBI" target="_blank">How do we sleep while our beds are burning</a>?” Der  Ein-Mann-Nachtbesetzung ist echt kein Vorwurf zu machen. Redaktionen  sind ebenso chronisch unterbesetzt, wie Redakteure chronisch  überarbeitet. Aber die Reporter, die auf “unserer” Seite fehlen, <em>die  gibt es da draußen.</em> In Tausendschaften.</p>
<p>Wenn  Enfield brennt, kann ich’s meiner Tante sagen. Denn es steht auf  Twitter &#8211; lange bevor sie es im Fernsehen sehen kann, lange bevor <em>Telegraph</em> oder <em>Observer</em> die Story aufgreifen. “The time has come to say fair’s fair!”, singen Midnight Oil. <em>Ita est.</em> Wir haben tolle Reporter. Hören wir endlich auf, elitär die Nasen zu rümpfen!</p>
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		<title>Knete</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 05:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Ignorance is bliss“ sagen die Engländer und bringen damit recht gut zum Ausdruck, wie ich mich fühle: Ich weiß, dass ich nichts weiß und ich genieße das ohne Ende. Ich kenn mich ja i&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/07/knete/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/07/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-25043" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/07/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>„Ignorance is bliss“</strong> sagen die Engländer und bringen damit recht gut zum Ausdruck, wie ich mich fühle: Ich weiß, dass ich nichts weiß und ich genieße das ohne Ende. Ich kenn mich ja in Finanzdingen nicht aus. Ich spekuliere nicht an der Börse. Ok, ich mache meine Umsatzsteuererklärung selber, weil 20% ausrechnen krieg ich grad noch hin. Aber damit hat sich’s auch schon. Jede weitere Transaktion treibt mir Schweißperlen auf die Stirne. Da häng ich lieber im Internet ab, wo‘s bekanntlich anarchisch-wildwuchernde Gratiskultur gibt. (Das hab ich zumindest im Handelsblatt gelesen, wird dann wohl stimmen.)</p>
<p>Aber plötzlich ging die Währung online: <a title="Bitcoins" href="http://www.bitcoin.org/" target="_blank">Bitcoins.</a> Ein virtuelles Zahlsystem, der neue heiße Scheiß, jeder tuschelt hinter vorgehaltener Hand, jeder muss sie haben, weil, he, wir Web-AktivistInnen haben bereits die <a title="wiener-online: Wider die Ohnmacht" href="http://www.wiener-online.at/2011/01/wider-die-ohnmacht/">Demokratie</a>, die Musikindustrie und – via <a title="wiener-online: Wer ist Anonymous?" href="http://www.wiener-online.at/2010/12/wer-ist-anonymous/">Anonymous</a> – auch die (Selbst-)Justiz supergummigut verbessert. Jetzt ist der Finanzmarkt dran!</p>
<p>Ist ja auch wirklich sexy: Eine virtuelle Währung, die sich jeglicher Kontrolle durch nationale und internationale Instanzen entzieht. Aber nicht wie man das aus „Second Life“ kennt, wo virtuelle Linden Dollar gegen virtuelle Produkte getauscht werden, sondern weltweit akzeptiert beim Drogen- und Waffenhändler Ihres Vertrauens. Damit kann man richtig was anfangen.</p>
<h4>Gefährliche Binär-Gulden</h4>
<p>Bitcoins (kurz: BTC) sind fälschungssicher, sie werden via Peer-to-Peer-Technologie verteilt, sie sind anonym wie Bargeld. Einmal erstanden, lassen sich ihre Bewegungen am Markt nicht zum Käufer zurückverfolgen. Außerdem: Seit zahlreiche Medien Bitcoins als das „gefährlichste Open Source Projekt aller Zeiten“ betitelt haben, als Bedrohung für Regierungen und Volkswirtschaften, war der Run auf die Binär-Gulden nicht mehr zu stoppen. Ein kleiner Goldrausch ließ im Mai 2011 den Kurs derart in die Höhe schnellen, dass sogar ich gedacht hab: Na? Vielleicht ein paar kaufen als Pensionsvorsorge?</p>
<p>Hab ich aber nicht. Viel zu faul für so was. Schweißperlen, wie gesagt.<br />
Mein Kokain heißt Red Bull. Ich kauf’s im Sechser-Pack beim Zielpunkt. Da muss ich keine Gehirnzellen und keinen Festplattenplatz investieren.</p>
<p>Und dann vermeldete die Bitcoin-Börse Mt. Gox eine Sicherheitslücke; Passwörter und Usernamen von 60.000 BTC-Spekulanten wären unabsichtlich „geleakt“. Man kennt das ja von Sony. Aber im Geldbörsel will man’s noch weniger haben. Fazit: Die Auswirkungen auf den Kurs waren ähnlich desaströs wie Dauerregen für den Umsatz des Stadionbads.</p>
<p>In das geh ich jetzt übrigens. Mit meiner Red Bull Dose. Und lass mir jenen Körperteil bräunen, an dem mir all diese Dinge vorbeigehen. Ignorance is bliss.</p>
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		<title>Grumpy Old Men</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jul 2011 04:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein bissl tun sie mir leid. Alte Grantscherm, überfordert durch das Tempo der Veränderung, durch das Aufbrechen tradierter Machtstrukturen. Wenn man über 35 ist und sich schon m&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/07/grumpy-old-men/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/07/Kolisch_neu1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-25126" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/07/Kolisch_neu1-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>Ein bissl tun sie mir leid.</strong> Alte Grantscherm, überfordert durch das Tempo der Veränderung, durch das Aufbrechen tradierter Machtstrukturen. Wenn man über 35 ist und sich schon mal daran gewöhnt hat, wo am Globus oben und unten zu verorten ist, dann fällt das Umstellen schwer. Ein Sündenbock muss her, damit man’s besser aushält.</p>
<p>„Hmmm … blöd“, denkt Richard David Precht, „als linker Intellektueller darf man nicht auf Ausländer oder Andersgläubige dreschen.“ – „Right!“, sagt Nicholas Carr, „das kommt schlecht an bei der Zielgruppe. Da müssen wir uns schon was Schickeres einfallen lassen.“ – „Wie wär’s denn mit Algorythmenschreibern?“ schlägt Frank Schirrmacher vor. „Oder gleich Maschinen?“</p>
<p>Im Ludditen-Bunker macht sich zustimmendes Raunen breit. Man wollte sich zurückziehen, in elitärem Kreis mit einem guten Buch und einem schicken iPad den fatalen Wirrungen der Digitalisierung trotzen. Doch nun zeigt sich ein Hoffnungsschimmer: der fühlende Mensch gegen die drohende Maschinenherrschaft. Das hat Sex. Das ist der Stoff, aus dem Dystopien seit Anbeginn des Genres gewebt sind! Mit fast 100%-iger Erfolgsgarantie, wohlgemerkt, weil Angstmachen klappt immer.</p>
<p>Bernhard Heinzelmeier nickt andächtig. Wenn du’s nicht verstehen oder unterwerfen kannst, verteufle es einfach. Also ehrlich, so ein bisschen kulturpessimistischen Alarmismus hätte er alleine auch zustande gebracht, aber etwas derart Fetziges? Niemals! Neidig blickt der Österreicher auf seine Schuhspitzen; hat halt seine Gründe, warum nicht er FAZ-Herausgeber ist … Wurscht: Wo’s an eigenen Ideen fehlt, kann man immer noch ertragreich abkupfern!</p>
<p>Denn Ertrag – das ist das Viagra der alten Männer. Das Internet nimmt das Wissensmonopol? Ende der Knappheit und die ganze Scheiße? Na, das werden wir ja sehen! Wir machen einfach kräftig Kasse mit Horror. Wir adeln unsere B-Movie-Drehbücher durch Druckerschwärze und bestsellern uns einen ab.</p>
<p>Neu ist der Ansatz freilich nicht: Sokrates verteufelte die Schrift, weil sie das Gedächtnis schwächt; Malesherbes die Zeitung, weil sie Leser isoliert. Ist halt so, dass neue Medien stets von Lern- und Aushandlungsprozessen begleitet sind, die zwischen schmerzhaft und schmerzhaft dumm mäandern.</p>
<p>Oder, wie Douglas Adams anmerkt: Alles, was zum Zeitpunkt unserer Geburt in der Welt existiert, wird als normal empfunden. Alles, was zwischen unserer Geburt und unserem 35. Geburtstag erfunden wird, ist ungemein aufregend und kreativ. Alles, was danach kommt, ist gegen die natürliche Ordnung der Dinge und markiert das Ende der Zivilisation – zumindest zehn Jahre lang, bis wir uns daran gewöhnt haben und es langsam für okay halten.</p>
<p>Hey, Leute, die zehn Jahre sind längst um. Bitte geht doch in Pension.</p>
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		<title>Tarnumhang</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jun 2011 18:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wozu noch darüber schreiben? Alle Messen sind gesungen. Der österreichische Nationalrat hat das Gesetz zur Vorrats-datenspeicherung (VDS) beschlossen. Was geholfen hätte?&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/06/tarnumhang/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/06/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-24011" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/06/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>Wozu noch darüber schreiben?</strong> Alle Messen sind gesungen. Der österreichische Nationalrat hat das Gesetz zur Vorrats-datenspeicherung (VDS) beschlossen. Was geholfen hätte? Protest. Eine deutliche Unmutsäußerung von Bürgern, die beschließen, sich bei der nächsten Wahl daran zu erinnern, wer ihre Grund- und Freiheitsrechte gekappt hat. Denn es klappt ja nur über die schwarze Pädagogik des Stimmentzugs, also vergessen Sie das mit dem „zwanglosen Zwang des besseren Arguments“ und der „kooperativen Wahrheitssuche“ schnell wieder. Ha! Da sitzen keine Diskurstheoretiker im Haus am Ring. Da sitzen Österreicher.</p>
<p>Österreicher, die ein bissl konfliktscheu sind, die lieber in vorauseilendem Gehorsam vor einer strittigen EU-Richtlinie buckeln, als da mal aufzustampfen und einen gestreckten Mittelfinger gen Brüssel zu richten – wie es, wohlgemerkt, viele andere Staaten inzwischen getan haben. Mit denen könnte man Allianzen suchen. Aber warum sollte man? Hinter dem „Wir können ja nix dafür, aber wir müssen“ lassen sich die eigenen Begehrlichkeiten so trefflich verstecken. Mei, hätte der Metternich gerne eine EU für sein Image gehabt!</p>
<p>Protest gab’s eh. Von der Web-Community. „Netzaktivisten“ <a title="Standard: Netzaktivisten gegen Vorratsdaten" href="http://derstandard.at/1302745223455/Netzaktivisten-machen-gegen-Vorratsdatenspeicherung-mobil" target="_blank">schreibt der Standard</a>. Mit Verlaub, ich glaub, ich kenn’ die alle persönlich – womit das Thema Breitenwirksamkeit auch abgehakt wäre. Es kommt totalitären Novellen halt zugute, wenn sie sich im Tech-Ghetto verstecken können. Der Nimbus der Technik ist ein Hogwarts’scher Tarnumhang für unliebsame Beschlüsse. Dort traut sich niemand hinschauen, weil (O-Ton) „da versteh ich nix davon.“ Ein Spitzel, der hinterherschleicht, der jede Bewegung und jedes Gespräch notiert, fällt auf. Das würden wir uns nicht gefallen lassen. Aber das bissl <a title="ORF: Vorratsdatenspeicherung" href="http://help.orf.at/stories/1676648/" target="_blank">IMSI, IMEI und Cell-ID?</a></p>
<p><strong>„Man hatte sich nicht gerade viel Mühe gemacht,</strong> die Aufmerksamkeit darauf zu lenken“, <a title="THHGTG: Original Zitat" href="http://www.planetclaire.org/quotes/hitchhikers/" target="_blank">vermerkt Arthur Dent</a> in Per Anhalter durch die Galaxis, „Ich meine, dass man’s jemandem gesagt hätte oder so.“</p>
<p>„Aber die Pläne lagen aus …“</p>
<p>„Lagen aus? Ich musste schließlich erst in den Keller runter …“</p>
<p>„Da werden sie immer ausgehängt.“</p>
<p>„Mit einer Taschenlampe.“</p>
<p>„Tja, das Licht war wohl kaputt.“</p>
<p>„Die Treppe auch.“</p>
<p>„Aber die Bekanntmachung haben Sie doch gefunden, oder?“</p>
<p>„Jaja“, sagt Arthur, „ja, das habe ich. Ganz zuunterst in einem verschlossenen Aktenschrank in einem unbenutzten Klo, an dessen Tür stand: Vorsicht! Bissiger Leopard!“</p>
<p><strong>Die VDS brauchte keine Leoparden-Warnung</strong>, um ungehindert den Nationalrat passieren zu können. Sie wurde uns als „Technik-Thema“ verkauft. Wirksameres Fernhalten geht nicht. Wozu also noch darüber schreiben? Damit der Tarnumhang langsam löchrig wird.</p>
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		<title>Zucki and the Beast</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 06:01:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die jüngste Erweiterung der Facebook-Familie heißt Beast und ist die Knuddelausführung eines ungarischen Schäferhundes. Verglichen mit Beast war selbst der selige Eisbär Kn&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/04/zucki-and-the-beast/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/04/Kolisch_neu1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-21630" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/04/Kolisch_neu1-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a>Die jüngste Erweiterung der Facebook-Familie heißt Beast und ist die Knuddelausführung eines ungarischen Schäferhundes. Verglichen mit Beast war selbst der selige Eisbär Knut ein grobschlächtiger Klotz, ehrlich: Süßer geht’s nicht. Der Welpe gehört <a title="wiener-online: Mark Zuckerberg" href="http://www.wiener-online.at/2010/09/der-social-fall/">Mark Zuckerberg</a> und Langzeit-Freundin Priscilla Chan &#8211; und wer dem weißen Wusel nicht verfällt, hat kein Herz oder zumindest kein Oxytocin in sich. Es nimmt daher kaum Wunder, dass Beast bereits über 98.000 Fans auf <a title="Beast on Facebook" href="http://www.facebook.com/beast.the.dog" target="_blank">seiner Facebook Seite</a> hat, das schlägt Obamas Hund <a title="Vimeo: Bo's First Day" href="http://www.vimeo.com/4155750" target="_blank">“Bo”</a> um Längen.</p>
<p>Nur dass Beast <em>überhaupt</em> eine Facebook Seite hat, das wundert schon ein bißchen. Ich weiß nicht, ob Mark Zuckerberg die <a title="Facebook: AGB" href="http://www.facebook.com/terms.php" target="_blank">Allgemeinen Geschäftsbedingungen</a> von Facebook kennt. Ich meine, man kann es ihm nicht verübeln &#8211; wer liest sowas schon? Aber da steht ganz klar, dass Personen unter 13 Jahren das Portal nicht nutzen dürfen. Und mit dem angegebenen Geburtsdatum (10. Jänner 2011) hat der Flokati auf Facebook nichts verloren.</p>
<p>Es kommt aber noch schlimmer: “Du wirst nur ein persönliches Profil erstellen” verlangen die AGB. Hat Wunderhund Beast das, in bester Lassie- oder Benji-Manier, tatsächlich selber geschafft? Zuckerberg war’s wohl nicht, denn “ohne Erlaubnis ein Profil für jemand anderes erstellen” verbietet Punkt 4.1 der AGB.</p>
<p>Ich weiß schon, was Sie jetzt denken: Klar passt es ganz wunderbar zu seinem Besitzer, die Privatsphäre anderer zu kompromittieren, aber Zucki ist doch nicht blöd! Will er riskieren, dass er suspendiert und sein Account gelöscht wird? Punkt 5.1. (“Du wirst keine Inhalte auf Facebook posten, welche die Rechte einer anderen Person verletzen”) ist zwar ein Gummiparagraph, aber ich denke schon, dass folgender Statusmeldung ein sehr privater Charakter nicht abzusprechen ist: “Ich hab ein Häufchen gemacht. Das war prächtig!” &#8211; Gepostet von Beast (oder wem auch immer) am 8. März.</p>
<p>Jetzt kommen natürlich die Spitzfindigkeiten: Ist Beast &#8211; wie Facebook behauptet &#8211; eine Person des öffentlichen Interesses, spätestens jetzt, wo der WIENER über ihn berichtet? Ist sein Profil folgerichtig eine “Fanpage”, daher gerechtfertigt? Machen wir den Gegentest: War Beast eine Person des öffentlichen Interesses BEVOR er eine Facebook-Seite hatte? Eben.<br />
Das ist ein bisschen wie Dschungelcamp mit C-D-E-Promis, die erst durch ihre Camp-Teilnahme zu solchen werden. Bloß sind die zumindest einverstanden und im Dienste der eigenen Agenda unterwegs. Beast ist weder noch.</p>
<p>Die Agenda ist die Zuckerberg’sche und sie ist schmerzhaft offensichtlich. Gerade in letzter Zeit hat’s wieder viel Kritik gehagelt, was seinen Umgang mit User-Privacy anbelangt. Zucki reagiert, in dem er selbst mehr von sich preisgibt, Offenheit demonstriert; schaut her, wie harmlos das ist! Ich zeig euch meinen Hund, ihr verratet mir eure detaillierte <a title="Wikipedia: Sinus Milieu" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sinus-Milieu" target="_blank">Sinus-Milieu-Typologie</a>. Noch Lust auf Kuddeln?</p>
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		<title>Bernd, der Dodel</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Apr 2011 05:57:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[Beantworten Sie folgende Fragen, um Ihre Medienkompetenz unter Beweis zu stellen: 
1) Welche Aussage stimmt?
a) Jeder kann im Internet schreiben, was er will.
b) Texte im Interne&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/04/bernd-der-dodel/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/04/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-19633" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/04/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>Beantworten Sie folgende Fragen, um Ihre Medienkompetenz unter Beweis zu stellen: </strong></p>
<p><strong>1) Welche Aussage stimmt?</strong><br />
a) Jeder kann im Internet schreiben, was er will.<br />
b) Texte im Internet werden von dem Kontrollamt auf Richtigkeit überprüft.</p>
<p><strong>2) Was versteht man unter einem Blog im Internet?</strong><br />
a) Blog ist der englische Fachausdruck für eine spezielle Computersprache. Alle Wörter werden in Blöcke gesetzt.<br />
b) Unter einem Blog versteht man das Logbuch eines Schiffskapitäns im Internet.<br />
c) Ein Blog ist so etwas ähnliches wie ein persönliches Tagebuch im Internet.</p>
<p><strong>3) Welche Aufgaben hat der Journalist? Es können mehrere Antworten richtig sein. Kreuze diese an.</strong><br />
a) Informationen beschaffen<br />
b) Informationen bewerten<br />
c) Geschichten erfinden<br />
d) Texte aus dem Internet abschreiben.</p>
<p>Das ist ein Ausschnitt aus jenem Material, das vom Bayrischen Unterrichtsministerium zur Verfügung gestellt wird, um Grundschüler einen differenzierten Umgang mit Medien &#8211; allen voran den neuen &#8211; zu lehren. Unter dem Motto “Schau genau hin!” warnt der schlaue Fuchs Felix vor der allseits drohenden Gefahr der Falschinformation, ähnlich wie dereinst Helmi vor rasenden Raudis. Mich frustriert das, denn ich merke, wie mies es um meine persönliche Medienkompetenz bestellt ist:  Mit den Antworten tu ich mir nämlich schwer, zumal ich obige Testbeispiele “aus dem Internet abgeschrieben” habe. Ist das künftig meine Aufgabe als Journalistin? (Merke: JournalistINNEN gibt es in Bayern scheinbar gar nicht, aber lassen wir großzügig die Gender-Keule im Sack).<br />
Auch lese ich vorrangig Polit-Blogs, die ich weder als Tagebuch, noch als Schiffsmeldung einzuordnen vermag. Und ich schreibe, beruflich wie privat, im Internet. Dabei leider selten “was ich will”.</p>
<p>Puh. Zum Glück gibt es Anschauungsmaterial, das mir aus der Patsche hilft. Dem Test liegt ein Comic bei, der anhand eines Handtaschenraubs den Weg der Nachricht zum Leser schildert (LeserINNEN? No way!). Während der Journalist recherchiert und Information zum Tathergang bei der Polizei einholt, setzt sich Blogger Bernd an seinen Rechner &#8220;und schreibt, was ihm zum Überfall so einfällt&#8221;.</p>
<p>Oh du holde Überlegenheit! Das Fellner Imperium ist quasi rehabilitiert und, fein, wir können die Mär vom Qualitätsjournalismus der Zeitungen, der im krassen Gegensatz zu einem qualitativ minderwertigem Netz-Journalismus <em>sans principes</em> steht, schon 8-jährigen einpflanzen. Der Spiegel fasst es schön zusammen: “Im Internet steht Quatsch.”</p>
<p>Seien Sie also glücklich, dass Sie beim WIENER-Lesen gemeinhin Gedrucktes in Händen halten, denken Sie nicht darüber nach, welcher Berufsverband den Test erstellt hat und schicken Sie mir eine Brieftaube, wenn Sie die beiden Fehler im Text gefunden haben.</p>
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		<title>Fleischlaberl</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 06:59:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wikipedia]]></category>

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		<description><![CDATA[Haben Sie 10 Jahre Wikipedia gebührend gefeiert? Recht so, denn wenn das kein Grund zum feiern ist, dann weiß ich auch nicht. Hand aufs Herz: Können Sie sich ein Leben ohne Wikipedi&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/03/fleischlaberl/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Kolisch_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13860" title="Kolisch_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Kolisch_neu-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a><strong>Haben Sie 10 Jahre Wikipedia gebührend gefeiert?</strong> Recht so, denn wenn das kein Grund zum feiern ist, dann weiß ich auch nicht. Hand aufs Herz: Können Sie sich ein Leben ohne Wikipedia vorstellen? Ich nicht. Bei mir stehen zwar noch 25 in Leder gebundene Folianten der Enzyklopedia Britannica im Regal, aber auch nur, weil man darin gut Kleeblattfunde pressen kann. Nachschlagbares Wissen hol ich mir von Jimmy “Jimbo” Wales. Schon deshalb, weil mir da nicht so viele Kleeblätter entgegenfallen.</p>
<p>Bei all den Feierlichkeiten sollte jedoch nicht übersehen werden, dass uns heuer noch ein anderes, zugegeben kleineres, Jubiläum ins Haus steht: 10 Jahre deutsche Wikipedia. Sie meinen, das wäre das selbe und man könnte es in einem Aufwasch abfeiern? Ride into the Dangerzone, Baby!</p>
<h4>Germanische Löschmafia</h4>
<p>Böse Zungen behaupten ja, <a title="Tweet von der bösen Zunge @leyrer" href="http://twitter.com/#!/leyrer/status/20200619692265472" target="_blank">das „de“ in de.wikipedia.org stünde für „deprecated“</a> und man sollte prinzipiell nur in der “enhanced” (&#8220;en&#8221;) Version nachschauen. Nur die Deutschen meinen immer noch, es stünde für „deluxe“. Dabei kann man den Unterschied zählen: 3 Millionen Artikel finden sich in der “Original Wiki”, in der deutschen sind es 1,2 Millionen. Nicht weil deutsche Wikipedianer schreibfaul wären. Geschrieben wird genug, aber gelöscht noch wesentlich mehr. Denn hier herrscht ein strenges Regement und für jeden, der die Relevanzkriterien der germanischen Löschmafia nicht erfüllt, heisst’s Tschüss mit Ü!</p>
<p>Wikipedia selbst illustriert die Relevanzhürde mit einem <a title="Relevanzhürde" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kaninhoppning-king_of_joyride.jpg" target="_blank">hürdenspringenden Hauskaninchen</a>. Kein Schmäh. Bildunterschrift: “Für über 99,9 % der Bevölkerung unüberwindbar.” Dabei ist das Wiki-System per se ein kulantes: Als “unnötig” eingestufte Einträge könnten auch schlicht umgeleitet (“redirect”) oder mit anderen Themen zusammengeführt (“merged”) werden. <a title="Notabilia" href="http://notabilia.net/" target="_blank">Die Praxis zeigt </a>aber, dass Löschen mit 68 Prozent der häufigste Urteilsspruch ist, während “merge” und “redirect” mit etwa 4 und 2 Prozent stark unterrepräsentiert sind. Es geht also ums nackte Überleben, was uns zum Thema Fleischlaberl führt.</p>
<h4>Relevanz und Kulturimperialismus</h4>
<p>In meiner Küche höchst relevant, auf Wikipedia bei Ersteintrag<a title="Wikipedia: Löschkandidaten Diskussion" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/31._August_2006#Faschierte_Laibchen_.28bleibt.29" target="_blank"> heiß umfehdet, wild umstritten</a>. Denn im Hoheitsgebiet der Frikadelle, gelten Fleischlaberln als Löschkandidaten. Zwar gibt es die Kulanten (“Lass den Ösis doch ihr Fleischlaberl!”) und die Diplomatischen (“Schlage vor, sowohl das österreichische &#8220;Fleischlaberl&#8221; als auch die preußische &#8220;Frikadelle&#8221; auf das bayerische &#8220;Fleischpflanzerl&#8221; zu redirekten”), aber die Diskussion zeigt klar, wie eng Relevanz und Kulturimperialismus zusammenhängen: “Für korrektes Einarbeiten in Frikadelle und einen Redirect. Hackbratlinge aller Länder vereinigt euch!” &#8211; “Äusserst schwieriger Fall! Eine Einarbeitung unter den Begriff Frikadelle erscheint sogar mir als Europäer ganz und gar unmöglich!” &#8211; “Wer definiert denn, dass Fleischlaberl eine Unterart der Frikadelle ist? Vielmehr ist die Frikadelle eine deutsche Abart des Fleischlaberls!” Da capo al fine. Wie <a title="Unvorstellbar öde Diskussionen" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Magadan/Unvorstellbar_%C3%B6de_Diskussionen" target="_blank">eine IP so treffend schrieb</a>: Gott schütze Österreich vor Wikipedia! Happy Birthday, ein Cevapcici auf ihr Wohl!</p>
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		<title>Weib 2.0</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Dec 2010 07:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Casanovas Aufriss-Schmäh ist landläufig bekannt: Er sagte den Schönen, sie wären klug und den Klugen, sie wären schön. Der konstruierte Gegensatz vermochte sich über Jahrhund&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2010/12/weib-2-0/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-9612" title="nic by tim" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/12/nic-by-tim.jpg" alt="" width="183" height="228" /><strong>Casanovas Aufriss-Schmäh</strong> ist landläufig bekannt: Er sagte den Schönen, sie wären klug und den Klugen, sie wären schön. Der konstruierte Gegensatz vermochte sich über Jahrhunderte zu halten. Erst Melanie Griffith wagte, ihn aufzulösen als sie Harrison Ford ins Ohr hauchte, sie hätte einen Kopf fürs Geschäft und einen Körper für die Sünde. Parade-Blondchen Goldie Hawn war da weniger mutig. Sie hielt ihre MENSA-Mitgliedschaft geheim. <a title="NY Times: &quot;Making Ignorance Chic&quot;" href="http://www.nytimes.com/2010/10/20/opinion/20dowd.html?_r=1&amp;WT.mc_id=OP-SM-E-FB-SM-LIN-MIC-102010-NYT-NA&amp;WT.mc_ev=click">Was können, kam nicht gut an.</a> Aber ein Wandel ist im Gange, denn was den Nuller-Jahren ihre Metrosexuellen, das ist den 10er Jahren der Sapiosex. Richtig gelesen. <a title="Zeit im Blog 21: Die Sapiosexuellen" href="http://www.zib21.com/8550/mansax/sex-fur-fortgeschrittene-09-die-sapiosexuellen-oder-wie-geil-ist-gscheit/">Sapiosexuell</a> – das ist, wer das Bindewörtchen ausgetauscht und aus der Doktrin „g’scheit oder geil“ flugs „g’scheit ist geil“ gemacht hat. Und das Pin-Up der Sapios in unserer zunehmend technisierten Gesellschaft ist &#8211; das Geekgirl.</p>
<p><strong>Das Geekgirl</strong> (in einschlägiger Literatur oft auch „Girl Geek“) ist per Definition „weiblich, Geek, bloggt, bastelt an Computern rum, programmiert, designt und/oder lebt das Internet.“ Die dickrandige Tina-Fey-Brille ist eher Klischee als Regel, aber hey, jedem Sapio sei seine Fetisch-Fantasie vergönnt! Und damit mir niemand vorwerfen kann, ich konstruiere hier ein verdammt eigennütziges Weltbild, stammen die im folgenden gesammelten zweckdienlichen Hinweise ausnahmslos von Männern, die ihre Vorlieben verraten haben.  Ein Geekgirl ist nützlich. Es bringt Ihren Laptop oder Desktop dazu, sich anständig zu benehmen und sollte es selber mal Probleme haben, so weiß es, wie man informierte Fragen formuliert. „Da war plötzlich alles schwarz“ kommt einem Geekgirl nicht über die Lippen. Man muss ihm auch nicht sagen: „Schon mal Stecker ab- und wieder angesteckt?“ Das hat Miss Geek nämlich längst. Die Festplatte hat sie defragmentiert und das Virenprogramm hat sie auch drüber laufen lassen. Selbst wenn nicht jedes Geekgirl die skillz einer „Häckse“ im Cyberspace besitzt, die Basics sitzen allemal.  Markus: „Geekgirls sind super, weil sie Humor haben und die richtigen Prioritäten setzen: Neuer Mac geht über neue Heels. Unabhängigkeit und Intelligenz sind einfach anziehend. Geekgirls schauen nicht dümmlich und bitten dich um Hilfe, sie fragen Google.“ – „<a title="Marcel über Geek Girls und den sexuellen Wandel der Neuzeit" href="http://www.amypink.com/2010/02/fuck-yeah-geek-girls/">Außerdem sind Mädchen, die Nintendo zocken und “Batman” lesen einfach von Natur aus unglaublich sexy</a>“, sagt Marcel.</p>
<p><strong>Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen,</strong> fragen Sie die Auserwählte nach ihrem liebsten Yahoo-Chatroom. Nennt sie einen, dann Finger weg! <a title="Quelle: The Mens Guide To Dating Geek Girls" href="http://www.science20.com/science_amp_supermodels/mens_guide_dating_geek_girls_v_10">Echte Geekgirls treiben sich nie in Yahoo-Chatrooms herum.</a> IM- oder Skype-Chats sind aber okay. Mehr noch: Sie sind ein gutes Indiz dafür, dass das Geekgirl Sie mag: Nächtliches Philosophieren im Chat plus tonnenweise Mailverkehr übersetzt sich nicht mit „lass uns einfach Freunde sein.“  <a title="Quelle: Guide to Geek Girls" href="http://www.obn.org/guide/index.htm">Geekgirls lieben Herausforderungen und knifflige Rätsel. Halten Sie sich für eines? Schon mal gut.</a> Aber finden Sie zunächst heraus, welcher Star Wars Charakter Sie sind. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit steht sie entweder auf Han oder Luke. Will sie den einen, während Sie definitiv der andere sind, sollten Sie dem Boardcomputer Ihres X-Wing-Fighters ein anderes Ziel eingeben. Sie sind ja nicht Don Quichote.   Ködern Sie ihr Geekgirl mit Verständnis. Geeks verbeißen sich in Details, die Umstehenden oft irrelevant erscheinen. Ein nicht korrekt geschlossener HTML-Tag kann ihrer Holden den Schlaf rauben. Seien Sie mitfühlend – aber um Gottes Willen küssen Sie sie nicht, wenn sie gerade den Endtag sucht! Solange sie Firebug geöffnet hat, machen sie einen Bogen um sie.   Heben Sie sich ihre Küsse für später auf. Sie wird sie Ihnen mit mehr entlohnen.</p>
<p>[Dank an Markus W., <a href="http://www.amypink.com/de/authors/marcel/">Marcel Winatschek</a>, <a href="http://www.scienceandsupermodels.com/">Cash Cash</a> und <a href="http://www.obn.org/">OBN.org</a>]</p>
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		<title>Konstantingate</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Nov 2010 07:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die handelnden Personen. Hier: Stefan Niggemeier, preisgekrönte Edelfeder unter den deutschen Bloggern. Stachel im Fleisch der Bildzeitung. Kämpfer für das Gute und Wahre, d&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2010/11/konstantingate/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-9054" title="nic by tim" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/11/nic-by-tim1.jpg" alt="" width="183" height="228" />Die handelnden Personen.</strong> Hier: <a href="http://stefan-niggemeier.de/lebenslauf.html">Stefan Niggemeier</a>, preisgekrönte Edelfeder unter den deutschen Bloggern. Stachel im Fleisch der Bildzeitung. Kämpfer für das Gute und Wahre, dabei aber der „nette Intellektuelle von Nebenan“ geblieben. Den mögen wir.  Dort: Konstantin Neven DuMont, Verlegersöhnchen, Kronprinz und Vorstand des Imperiums DuMont Schauberg, megamäßiger Big Player in der deutschen Medienbranche. Ferner: Mutmaßlich pathologischer Web-Troll (Holla! Unschuldsvermutung!), zumindest penetrante Quasselstrippe. Letzteres erwiesen. Kurz: Mit 40 könnte man schon besseren Stil haben.  Den mögen wir nicht.</p>
<p><strong>Was bisher geschah:</strong> Um Weihnachten herum war dem Konstantin fad und er kommentierte ein bisschen, na gut, ein bisschen viel in Niggemeiers Blog. So sehr, dass sich andere LeserInnen belästigt fühlten. So sehr, dass Niggemeier ihm <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ein-sandkasten-fuer-konstantin-neven-dumont/">eine eigene „Sandkiste“ einrichtete</a>, auf der sich der Herr Turbo-Kommunikator ungestört austoben konnte. So sehr, dass es in Papas Firma nicht gut ankam. Image-Gau. Geschäftsschädigung. Sie wissen schon. Der interne Rückpfiff ist nicht belegt, aber die Sandkiste blieb ab diesem Zeitpunkt DuMont frei.   Oder etwa nicht? Ein Blick auf die IP-Adressen von Kommentatoren ist oft aufschlussreich.  Niggemeier blickte und was er sah, wunderte ihn selber: „Ist es denkbar, dass einer der wichtigsten Medienmanager Deutschlands über Monate in diesem Blog unter einer Vielzahl wechselnder Pseudonyme eine dreistellige Zahl von teils irren Kommentaren abgibt, in denen er auf eigene Beiträge verweist, mich und seine Konkurrenz beschimpft, wüste Verschwörungstheorien strickt und seine verschiedenen Identitäten miteinander diskutieren lässt?&#8221;   Und all das unter ca. 100 Decknamen? Bis zu 33 Kommentare pro Tag? Besaß denn der arme nicht genug Medien, derer er sich bedienen konnte, um sich zu äußern? Musste er sich dafür als „Glotze“, als „Ordensschwester“, als „Himmlischer Friede“ ausgeben? Oder als seine eigenen Kinder („Oje, der Papi kommt!“)? Ich mein, wie gaga is’n das?</p>
<p><strong> Nun offensichtlich musste er</strong>, denn es ging nicht nur um Privatvergnügen. Es ging ums Diskreditieren der Mitbewerber. Systematische Störung. Ist halt schön, wenn der Herausgeber der „Frankfurter Rundschau“ die „Frankfurter Allgemeine“ anpöbeln kann und niemand sieht, dass er’s war. Noch schöner, wenn dann eine vermeintliche Hundertschaft ihm beipflichtet. Me, myself and I.  Niggemeier zog die Notbremse und wehrte sich nach Blogger-Art: Er bloggte darüber. DuMont stritt ab. <a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/neven-dumont-antwortet-niggemeier_100030979.html">Er war’s nicht, sagt er</a>, da hätte sich wer an seinem Computer zu schaffen gemacht. Warum aber lässt ein Branchen-Titan seinen Computer ungeschützt? Eben. Dass er inzwischen seinen Rücktritt angeboten hat, scheint bei jeder Version berechtigt. Wir freuen uns also alle, dass der Troll besiegt ist.  Hach, wenn’s doch so leicht wäre, die Sache mit der Web-Ethik! Denn seit wann hat ein Troll kein Recht auf Datenschutz? Dürfen Blogger ihre Kommentatoren outen?</p>
<p><strong>„Das Recht auf Anonymität</strong> gilt unabhängig davon, ob der vermutete Verfasser prominent oder unbekannt ist“, <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4360/die-verlorene-ehre-des-stefan-niggemeier">vermerkt Spiegelfechter</a>, „Auch unabhängig davon, ob die Kommentare nun vom Blogbetreiber als anspruchsvoll oder als »teils irr« eingestuft werden.“  Hier also nimmt unsere Posse die überraschende Wendung: Niggemeier, so die Befürchtung, könnte mit seinem „Zwangs-Outing“ ein Exempel statuiert haben, das schlechte Schule machen wird. Wenn nämlich aus vermeintlicher Notwehr Selbstjustiz wird. Wenn Persönlichkeitsschutz dem vermuteten „öffentlichen Interesse“ zum Opfer fällt. Wir kennen das zu Genüge aus Printmedien. In der Blogosphäre kannten wir’s bislang nicht. Ziehen wir uns warm an.</p>
<p>[Dieser Text entspricht der Version im Print-WIENER. Die Fortsetzung der DuMont-Saga können Sie <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,730613,00.html">hier</a> und <a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/jetzt-geht-dumont-auf-springer-los_100031646.html">hier</a> lesen]</p>
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		<title>Wir Webkommunisten</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 06:54:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Freiheit der Presse ist bedroht. Und nicht etwa in Eritrea oder Gambia, wo das Inhaftieren von Journalisten so gängig ist wie die alljährliche Erdnussernte. Nicht etwa, weil&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2010/11/wir-webkommunisten/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-8427" title="nic by tim" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/11/nic-by-tim.jpg" alt="" width="177" height="221" /><strong>Die Freiheit der Presse ist bedroht.</strong> Und nicht etwa in Eritrea oder Gambia, wo das Inhaftieren von Journalisten so gängig ist wie die alljährliche Erdnussernte. Nicht etwa, weil heuer bereits <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/">26 Reporter</a> in Ausübung ihres Dienstes ermordet wurden. I wo! Wenn man <a href="http://www.axelspringer.de/artikel/Lebenslauf-Dr.-Mathias-Doepfner_40430.html">Mathias Döpfner</a>, dem Vorstandsvorsitzenden des Axel-Springer-Verlags, zuhört, wird man rasch eines besseren belehrt: Das Internet ist schuld. Es frisst die Pressefreiheit auf: „Von innen.&#8221;</p>
<p><strong>Döpfner bemüht große Worte.</strong> Von „digitalem Maoismus“ ist da die Rede, von üblen „Web-Kommunisten“, die es für eine gute Sache halten, Wissen und Information kostenlos für jedermann zur Verfügung zu stellen, eine – wie er es nennt &#8211; &#8220;beinahe parareligiöse Heils-Ideologie&#8221;. Kinder, seht ihr denn nicht, was ihr mit eurem Open-Access-Blödsinn anrichtet? Ihr nehmt uns glatt die Butter vom Brot! Ja, das mit dem freien Internet, das war eine Zeit lang ganz lustig. Nicht zuletzt für uns Journalisten, weil wir hemmungslos Wikipedia abkupfern und von Bloggern klauen konnten. Aber jetzt muss einmal Schluss sein mit der ewigen „Gratis-Kultur“. Denn nur, „indem wir uns der Gratis-Kultur im Internet widersetzen, verteidigen wir unabhängigen Qualitätsjournalismus, verteidigen wir die Freiheit der Presse.&#8221;</p>
<p><strong>Das gute alte Totschlagargument</strong> „Qualitätsjournalismus“. Gut, Herr Döpfner, reden wir über Qualität im Journalismus. Die BILD-Zeitung wird von Ihnen verlegt, nicht wahr? Ok, das war jetzt gemein von mir. Gehen wir’s anders an: Reden wir über Qualität im Journalismus – und reden wir darüber, dass es sie nur dort geben kann, wo JournalistInnen anständige Arbeitsverhältnisse und eine faire Entlohnung gewährt wird. Reden wir darüber, dass ausnahmslos jeder, der das hehre Wort „Journalistisches Qualitätsprodukt“ im Munde führt und es nicht mit der Lebensqualität der Produzenten verknüpft, ein bigotter Lügner ist.</p>
<p><strong>Wie war das <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/wer_liberal_ist_verteidigt_geistiges_eigentum_1.7549626.html">neulich in der NZZ</a>?</strong> Man könne, so schreiben Sie in ihrem Gastbeitrag, Tarifverhandlungen der Journalistengewerkschaften „abschaffen wenn alle Inhalte kostenlos verteilt werden.“ Das kann man sich sehr leicht übersetzen: He, Gewerkschaftsheinis! Helft mir, meine Leistungsschutz-Pauschalabgabe durchzusetzen oder ihr könnt euch eure Forderungen sonstwo hinstecken! „Wer liberal ist, verteidigt geistiges Eigentum“, heißt es in dem selben Beitrag. Oh, Döpfner, lassen sie mich milde in Ihre angstgeweiteten Augen blicken und erwidern: Wer reaktionär ist, klammert sich an veraltete Wertschöpfungsketten. Wir erleben eine Zeit der Veränder- und Verlagerungen. Da nützt es wenig, die alte Krämerseele damit zu trösten, dass <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article9680627/Smartphones-sind-die-Zeitungen-der-Zukunft.html">wenigstens der iPad-App-Verkauf </a>noch Verlagsrenditen bringt. Da muss man schon ein bisschen größer denken&#8230;</p>
<p><strong>Für den Anfang</strong> empfehle ich den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Serres">französischen Wissenschaftsphilosoph Michel Serres</a> (siehe Anmerkung): „Das Verbrechen der Wissensmonopolisierung in allen seinen Varianten verlangt nach Wiedergutmachung; diese funktioniert jedoch nicht nach dem traditionellen paternalistischen Modell (&#8230;), sondern kommt von der Peripherie“, hat dieser bereits 1997 (!) in <a href="http://agora.qc.ca/textes/serres.html">einem Interview mit <em>Revue Quart Monde</em></a><em> </em>prophezeit. Da hatten Sie vermutlich noch nicht einmal ein Modem, Herr Döpfner. Die Schmarotzer, die Webkommunisten, die Piraten sind es, die das paternalistische Modell von Wissen (und letztlich von Macht – den was wäre Wissen anderes?) gerade ein wenig aufmischen.</p>
<p><strong>„Der Pirat des Wissens</strong> ist ein guter Pirat“, sagt Serres <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/3/3602/1.html">an anderer Stelle</a>, „Wenn ich noch einmal jung wäre, dann würde ich ein Schiff bauen, das so hieße: Pirat des Wissens.“ Hisst die Segel, Genossen!</p>
<hr size="1" />
<ul>
<li>[Anmerkung 1] Mein Dank gebührt dem Kollegen <a href="http://twitter.com/gsohn">Gunnar Sohn</a>, der diese Assoziation vor mir hatte; <a href="http://gunnarsohn.wordpress.com/2010/09/16/dopfner-und-der-nutzen-des-parasiten/">siehe HIER</a></li>
<li>[Anmerkung 2] Der Preis monatlicher Erscheinungsweise ist, dass es meist verwehrt bleibt, auf tagesaktuelle Entwicklungen einzugehen, selbst wenn sie einem noch so unter den Nägeln brennen. Im Fall Döpfner und seiner, äh, interessanten Gedankengänge sei hier aber <a href="http://www.zib21.com/13349/ebelau/des-dopfners-schone-neue-welt-ist-eine-illusion/">auf diesen Beitrag</a> verwiesen, praktisch eine Fortsetzung&#8230;<em><br />
</em></li>
</ul>
<p><em><br />
</em></p>
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		<title>David vs. Goliath</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 07:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole Kolisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe vor kurzem eine Jacke bei Kleiderbauer gekauft. Das bereue ich inzwischen. Am liebsten würde ich sie zurückbringen. An der Jacke liegt es nicht, die ist unbestritten coo&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2010/09/david-vs-goliath/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-6992" title="nic by tim" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/09/nic-by-tim.jpg" alt="" width="173" height="215" /> <strong>Ich habe vor kurzem</strong> eine Jacke bei Kleiderbauer gekauft. Das bereue ich inzwischen. Am liebsten würde ich sie zurückbringen. An der Jacke liegt es nicht, die ist unbestritten cool. Es liegt an Kleiderbauer. Kleiderbauer ist uncool. Puh, jetzt hab ich’s gesagt. Bleibt zu hoffen, dass sie mich aufgrund dieser Behauptung nicht auf’s Existenzminimum klagen. Anschließend dann noch den <strong>WIENER</strong>, der meine Meinung veröffentlicht hat – und Sie, werter Leser, sollten sich auch zwei Mal überlegen, ob sie jemandem von dieser Kolumne erzählen, weil am Ende erfüllt auch das den Tatbestand der üblen Nachrede und dann Gnade Ihnen Graf!</p>
<p><strong>Na gut. Alle  Polemik</strong> mal beiseite lassend, hier ein „Was bisher geschah“:  Der österreichische <a href="http://www.diewahrheit.at">Video-Blogger Jörg Wipplinger</a> veröffentlicht auf seinem Blog ein Interview mit dem Anwalt eines jener militanten Tierschützer, die seit Frühjahr dieses Jahres wegen Sachbeschädigung und Gründung einer kriminellen Vereinigung (nach dem sogenannten <a href="http://derstandard.at/1253596467411/Rechtsexperten-kritisieren-Mafia-Paragrafen">„Mafia-Paragraphen“</a>) vor Gericht stehen. In dem Video äußert der Interviewte Vorwürfe gegen die Geschäftsführer des Unternehmens Kleiderbauer, Werner und Peter Graf.</p>
<p><strong>Stantepede verklagen diese</strong> – erraten – Jörg Wipplinger, weil er als „Medieninhaber“ das Interview veröffentlicht hat, auf eine Entschädigung von 50.000 Euro (Dritthaftung), was für Wipplinger den sicheren Privatkonkurs bedeutet. Das Kostenrisiko ist zu hoch; Wipplinger einigt sich auf einen Vergleich und sitzt nun auf 5000.- Euro Schulden. Plus Anwaltskosten. <a href="http://diewahrheit.at/video/blogger-in-not">In einem Video gesteht er ein</a>, dass er, Hobbyblogger wie die meisten, zwar eine Link-, aber keine Rechtsabteilung hat und folgert: „Wir brauchen möglichst bald eine rechtliche Regelung für all die Blogger da draußen, im Moment ist es zu einfach, uns mit Monstersummen aus dem Weg zu räumen. Wir brauchen Lösungen, die die Meinungsfreiheit schützen, die Rücksicht nehmen auf eine neue Kommunikationslandschaft, in der nicht jeder, der was zu sagen hat, auch eine juristische Kriegskasse hat.“</p>
<p><strong>Natürlich ist es eine Grauzone.</strong> Natürlich muss es Schutz gegen Rufschädigung geben. Aber ebenso natürlich braucht es Hausverstand und Augenmaß im Umgang mit der Blogosphäre. „Fair Use“, wenn Sie so wollen. Wenn aber die Betroffenen zu blöd und zu unreif dafür sind, liegt’s am Gesetzgeber, klare Richtlinien zu schaffen. Denn die Abmahnungs- und Klagewelle rollt ungebremst. Jörg Wipplinger ist bloß eines ihrer Opfer.  Was haben u.a. Jack Wolfskin, Jako, Grander Wasser, Kleiderbauer und die Diözese Regensburg gemeinsam? Einen erwiesenen Mangel an eben jenem Hausverstand und Augenmaß.   „SLAPP“ heißt das übrigens: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Strategic_lawsuit_against_public_participation">„strategic lawsuit against public participation“</a>, eine bewusste Strategie, um Kritiker einzuschüchtern und mundtot zu machen, indem man sie mit Prozesskosten niederknüppelt.</p>
<p><strong>In manchen Ländern</strong> gibt es bereits Gesetze dagegen. Hierzulande strafen sich die SLAPPer selber: Das Geld, das sie sich erstreiten, können sie gleich wieder in die Krisen-PR investieren, denn Blogger verklagen ist Gift für das Image. Googlen Sie einmal den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt">„Streisand Effekt“</a>&#8230;</p>
<p><strong>Das bisschen Revanchismus</strong> hilft Jörg Wipplinger jetzt allerdings auch nicht. Solange es keine vernünftige Regelung gibt, bleibt Bloggen ein gefährlicher und teurer Spaß. Oder, um es mit dem deutschen Grimmepreis-Träger Stefan Niggemeier zu sagen: <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ueber-abmahnungen/">„Ich warte auf den Tag, an dem mich jemand verklagt, weil ich ihn klagefreudig genannt habe.“</a></p>
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