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	<title>WIENER &#187; Dirk Stermann</title>
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	<description>Die offizielle Webseite des Wiener</description>
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		<title>Auf dem Kriegspfad</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 19:36:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Indianer spielen als Kinder nicht Cowboy und Indianer. Indianer spielen als Kinder Wikinger. Meine indianischen Freunde Max Trouble in Front, Woody No Ears und Milo Running Sta&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/12/auf-dem-kriegspfad/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29281" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/12/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a><strong>Indianer spielen als Kinder</strong> nicht Cowboy und Indianer. Indianer spielen als Kinder Wikinger. Meine indianischen Freunde Max Trouble in Front, Woody No Ears und Milo Running Standing Hairs haben mir diese erstaunliche Information gegeben. Die drei gemütlichen Sioux kommen aus einem heruntergekommenen Reservat in Süd-Dakota und sind Spitzentypen. Ihr Reservat Pine Ridge sieht aus wie die Nachgeburt der Erde. So trist, dass selbst hartgesottene Kerle beim Anblick losheulen müssen. Alle arbeitslos und alle Alkoholiker. Die meisten beides.</p>
<p>Max, Woody und Milo hab’ ich in der No Name City kennengelernt, wo sie mit zwei verfeindeten Indianerstämmen aus Niederösterreich die Friedenspfeife rauchten. Sie tingeln seit Jahren mit ihrer Holzpfeife von Hobbyindianerstamm zu Hobbyindianerstamm, und für 1.000 Euro begraben sie feierlich jedes Kriegsbeil. Nach der Zeremonie graben sie es sofort wieder aus, weil der nächste Konflikt schon wartet. Da die drei Lakota zu betrunken zum Autofahren waren, hab’ ich sie durchs kriegerische Indianerland Österreich gefahren, von Marterpfahl zu Marterpfahl. Ich hab’ sie alle besucht: den Buffalo Club Hallein, die Golden Eagles Leoben, den Vienna Western Club, die Waldviertler Träumer, die Irokesen Imst, Old Manitou Ybbs und Tashuunka Salzburg/Land, wo Häuptling Jochen meinen drei Ureinwohnern erklärt hat, wo der Indianerbartel den Most holt.</p>
<p>Jochen erläuterte ihnen die Bedeutung des Büffels für die Prärievölker, während Max Trouble in Front sich in Häuptling Jochens Tipi übergab. Woody No Ears, Milo Running Standing Hairs und ich mussten uns zwischen sie werfen, denn der Häuptling wurde wütend und brüllte in seinem Pongauer Dialekt wüste Beschimpfungen. Schließlich war es ein indianisches Originalzelt, gegen dessen Wand der Originalindianer gespieben hatte. Wir fuhren ab, ohne das Kriegsbeil zwischen den Komantschen aus Kufstein und den Apachen aus Kühtau begraben zu haben. Später lasen wir in der Tiroler Tageszeitung, dass drei der verfeindeten Tiroler Indianer mit Pfeilen im Bauch und abgeschnittenem Haar gefunden worden waren.</p>
<p>Häuptling Jochen war Musiklehrer aus St.Wolfgang. Sein dünnes, blondes Haar war zwar untypisch für einen Indigenen, aber er fühlte sich als Wiedergeburt von „Tatanka Iyotanka“, dem legendären Sitting Bull. Meine betrunkenen Lakota und ich mussten sehr lachen, wenn der schmalbrüstige Jochen zum Kriegstanz ansetzte und dabei seine randlose Brille verrutschte. „Warum wollen die alle so gern Indianer sein?“ fragte ich einmal Milo Running Standing Hairs. „Keine Ahnung. Ich würd’ sofort mit jedem von euch Bleichgesichtern tauschen“, antwortete Milo. „Auch mit Häuptling Jochen?“ fragte Max Trouble in Front. „Nein“, sagte Milo. „Dessen Tipi stinkt!“ Wir lachten und ich kaufte ihnen an der Tankstelle noch ein paar Flaschen Jägermeister.</p>
<p>„Und jetzt? Zu welchem Stamm fahren wir jetzt?“ erkundigte ich mich. „Nach Hennersdorf. Zum Verein für kulturelle Inkompetenz!“ Woody No Ears, der so hieß, weil einem seiner Vorfahren ein Bär seitlich in den Kopf gebissen hatte, gab mir die Broschüre vom Trommeltipi Hennersdorf. Der Verein für interkulturelle Kompetenz hatte ein tolles Programm im Trommeltipi im Angebot: „Schminken, Speckstein schnitzen, eine Kette basteln, ein Lied in Zeichensprache lernen und gemeinsam mit dem Indianer tanzen“. Für Kinder kostet’s 8, für Erwachsene 6 Euro Eintritt. Woody hatte den Job übers Internet bekommen. Zwölf Stunden lang mit Hennersdorfer Kindern tanzen für 250 Euro. Als wir ankamen und die Türen meines Wagens sich öffneten, wehte eine ordentliche Jägermeisterfahne zum Trommeltipi. Die Interkulturellen Kompetenzler waren schockiert. „Noch nie einen betrunkenen Indianer gesehen oder was?“, lallte Max Trouble in Front. „Gib mal her“, blaffte er ein Kind an und nahm ihm die selbstgemachte Kette aus der Hand. „Was soll das sein? Eine Original- Indianerkette? Aus Plastik? Wo bitte wächst Plastik in Süd-Dakota, kannst du mir das mal sagen oder einer von den anderen inkompetenten Schwachköpfen hier?“ Ich sah es kommen. Er begann zu würgen und dann kotzte er gegen die Außenwand des Trommeltipis. Die Kinder weinten und ich verlor langsam die Lust an dieser Art von Tagesgestaltung. Ich brachte sie zurück zur No Name City. Das letzte, was ich von ihnen hörte, war, dass sie im ORF bei „Die Große Chance“ als A3-Doubles aufgetreten sind.</p>
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		<title>Meine Familie</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 07:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anlässlich meines neuen Kabarettprogrammes „Stermann“ werden die Stimmen lauter, die mich wie Karel Gott bei Biene Maja umsäuseln, mit der immer gleichen Aufforderung: „Ster&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/11/meine-familie/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28458" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a>Anlässlich meines neuen</strong> Kabarettprogrammes „Stermann“ werden die Stimmen lauter, die mich wie Karel Gott bei Biene Maja umsäuseln, mit der immer gleichen Aufforderung: „Stermann, erzähle uns von dir!“</p>
<p>Also gut. Viel weiß ich nicht. Mein Großvater Herrmann Stermann war bis zu seinem Tod Trucker. Er war fast 90 und ist noch mit hochgefährlicher und explosiver Ladung durch Europa gebrettert. Er hat den Fahrtenschreiber manipuliert, so musste er nicht die vorgeschriebenen Pausen machen. Aber irgendwann fing’s an, dass er ständig aufs Klo musste. Er ist dann zum Urologen gegangen.</p>
<p>Im Ultraschall hat man riesige Blasensteine gefunden. Richtige Blasenbrocken, die man mit einem Presslufthammer hätte zerstören müssen, aber versuchen Sie das mal im Genitalbereich. Jedenfalls wurde es nicht deutlich besser nach der OP. Für meinen Großvater hieß das, dass er die Währung gewechselt hat. Er ist von Euro auf die Toilettenvoucher von den deutschen Autobahnklos Sanifair umgestiegen. Klogutscheine. 70 Cent kostet ein Voucher, dafür darf man einmal pinkeln und sich dann für 50 Cent was in der Raststätte kaufen. Als mein Großvater starb, haben wir Toilettenvoucher im Wert von 25.000 Euro zwischen seinen Windeln gefunden.</p>
<p>Ich selber war ein Kaiserschnitt. Ich wurde während eines Fußballspiels geboren. Pokalfinale Bayern München – MSV Duisburg. Es wurde live im Fernsehen gezeigt und meine Mutter bestand darauf, dass ein Fernseher in den Kreissaal gestellt wurde. Sie liebte Franz Beckenbauer, weil der so elegant spielte. Immer mit dem Außenrist, immer mit Effet. Sie nannte das den „Kaiserschnitt“.</p>
<p>Das Spiel stand auf des Messers Schneide. Meine Mutter fieberte mit. Und dann, in der 87. Minute des Spiels kam ich. Meine Mutter versuchte noch, mich wieder zurückzudrücken, aber die Ärzte hatten mich schon gesehen. Sie ist noch heute sehr sauer auf mich, weil sie die letzten drei Minuten des Spiels wegen mir versäumt hat. Ich bin seit damals MSV Duisburg-Fan. Duisburg- Fan zu sein, das ist so, als wär’ man der optimistische Vater eines adipösen Kindes beim Schulsportfest.</p>
<p>Sie ist eine tief religiöse Frau. Fußballfan und erzkatholisch. Sie sagte einmal mit Tränen in den Augen: Dirk, wie furchtbar, denk dir nur, Jesus ist an einem Freitag gestorben. Ja, Mama, an einem Karfreitag sogar, sagte ich. Und was heißt das, fragte mich meine Mutter? Das heißt ja, er konnte Samstags die „Sportschau“ gar nicht schauen! Ich tröstete sie dann: Mama, hör auf zu weinen. Er ist doch Montags wieder auferstanden, dann konnte er sich immer-hin noch den „Kicker“ kaufen und alles nachlesen! Wie denn, schrie sie mich dann an. Am Ostermontag ist Feiertag, da erscheint der Kicker nicht!</p>
<p>Meine Mutter war auch Psychotherapeutin. Beckenbauer- und Freud-Fan. Jeden Morgen musste ich beichten, was ich geträumt hatte. Wenn ich von Bleistiften oder Zucchinis geträumt hatte, galt das als verdächtig. Unterleib und Unterbewusstsein, das war ihr Ding. Also eigentlich war mein Ding ihr Ding. „Das männliche Glied findet symbolisch Ersatz durch Dinge, die ihm in der Form ähnlich sind.“ Diesen Freud-Satz hat sie verinnerlicht. Sie hat in allem ein Phallussymbol gesehen. In meinem Wick–Nasenspray, dem Handstaubsauger und je älter mein Vater wurde sogar im Waschlappen.</p>
<p>Mein Vater hat sie oft betrogen, vielleicht deshalb. Der war in der SPD, aber im Grunde kein Sozialdemokrat, sondern eher ein Sexualdemokrat, der hat mit jeder Genossin geschlafen. Orgasmus mit menschlichem Antlitz, das war seine Vision.</p>
<p>Mein Bruder lebt in Mexico City. Dort sind die Gehsteige sehr verdreckt, deshalb gibt es jetzt eine Anordnung der Stadtverwaltung: Man darf Kaugummis nicht mehr auf die Straße spucken, sondern muss sie runterschlucken. Liebe Wiener Hundebesitzer, das wäre doch auch was für unsere Städte! Man könnte aber natürlich auch Blinde nehmen, um die Stadt sauber zu halten. Man spitzt deren Blindenstöcke einfach nur an und auf den Straßen ist weniger Müll. Im Blindenheim macht dann irgendein Zivi einfach den Müll vom Stecken ab. So kann man Blinde prima in die Gesellschaft integrieren. Für Blinde gibt es eigene Blindenhunde. Für Sehende gibt es aber nichts besonderes, hundemäßig. Am ehesten Seehunde. Aber die haben mit meiner Familie beim besten Willen nichts zu tun.</p>
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		<title>Ich will pinkeln! Ich will pinkeln!</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 06:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In diesem Sommer habe ich nicht viel erlebt. Ich war vier Wochen in Frankreich. Cote d’Azur mit Woody Allen und Paris mit Charlotte Casiraghi. Die beiden ödeten mich an. Deswegen h&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/09/ich-will-pinkeln-ich-will-pinkeln/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/09/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-27328" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/09/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a><strong>In diesem Sommer</strong> habe ich nicht viel erlebt. Ich war vier Wochen in Frankreich. Cote d’Azur mit Woody Allen und Paris mit Charlotte Casiraghi. Die beiden ödeten mich an. Deswegen hatte ich vor, nach England zu  fliegen, um dort zwischen <a title="wiener-online: Beds are burning" href="http://www.wiener-online.at/2011/08/beds-are-burning/">brennenden Autos und eingeschlagenen Fenstern</a> eine Art Kick zu erleben. Ich buchte einen Flug von Paris nach Dublin. Ich irrte mich, ich weiß.</p>
<p>Dublin ist nicht in England, hätt’ ich selbst draufkommen können. Aber ich war durch die unglaublich fade Zeit mit Woody und Charlotte dermaßen hirntot, dass ich nicht nachgedacht hab. Können Sie sich das vorstellen? Ich hatte 22 Tage mit der schönen Tochter von Caroline von Monaco in einem plüschigen Pariser Liebesnest verbracht, vorm Hotel auf der Straße campierten Hunderte von Männern, alle verliebt in Charly, wie ich sie nenne. Sie stand nackt und verführerisch vor mir und lag nackt und verführerisch auf mir und hockte nackt und verführerisch neben mir, aber mir war einfach nur langweilig. Paris ist die „Stadt der Liebe“, ich weiß. Aber ich hatte auf dem Weg zu unserer Orgasmushölle im Quartier Latin Miriam Lahnstein und Isa Jank gesehen. Deswegen war Paris für mich die „Stadt der verbotenen Liebe“. Ich bin seit 4.000 Folgen als Zuschauer dabei und hab’ Miriam Lahnstein deshalb sofort erkannt. Arm in Arm mit Charly sagte ich: „Schau, Charly. Das ist Miriam Lahnstein. Sie ist seit Folge 109 das Serienbiest Tanja von Lahnstein. Sie sieht aus wie eine Nachrichtensprecherin vom NDR, ist aber ein Serienstar!“„Aha“, sagte die Prinzessinnentochter angeödet. Scheinbar kann man „Verbotene Liebe“ in Monaco nicht empfangen.</p>
<p>„Und die Dame daneben, das ist Isa Jank, sie spielt das Serienbiest Clarissa von Anstetten. Sie war am Anfang dabei, hat dann aber 10 Jahre pausiert und spielt seit heuer wieder mit. Findest du nicht auch, dass sie aussieht wie eine gealterte ZDF-Nachrichtensprecherin, Charly?“</p>
<p>Aber „Verbotene Liebe“ interessierte sie nicht. Wenn man so reich ist wie Charly hat man nichts übrig für öffentlich- rechtliches Fernsehen. Da hat man Pay-TV, Free-TV ist für die Angestellten. Ich hätt’ mich gern mit Charly über die beiden Serienbiester unterhalten, oder über Prinz Gregor I. Ritter von der Waldenau und Luise Fürstin von Waldensteyck. Intrigenadel – das war doch Charlies Welt, aber sie hatte überhaupt keine Ahnung, worüber ich sprach, also wurde es schnell unergiebig, mit ihr zu diskutieren. „Sieh mal, Dirk“, hauchte sie mir ins Ohr. „Das sind Schauspielerinnen. Die sind nicht wirklich adelig. Die tun nur so, alles klar? Komm“, sagte sie und zog mich in unser Hotel d’amour. Sie zog sich einfach nur wieder aus und schaute verführerisch, aber ich hatte zu so einer oberflächlichen Beziehung keine Lust.</p>
<p>Schon <a title="wiener-online: Midnight in Paris" href="http://www.wiener-online.at/2011/08/midnight-in-paris/">Woody Allen</a> wollte nie mit mir gemeinsam in Nizza im Radisson Hotel am Boulevard des Anglais im Vorabendprogramm ARD schauen. Und da heißt’s immer, Allen sei filmverrückt. Also ließ ich die nackte und verführerische Charlotte in unserer sündhaft teuren Sündenauberge zurück um der Eintönigkeit gen England zu entfliehen. Stunden später saß ich in der Air France Maschine Paris-Dublin. Einige Reihen vor mir saß vom Fenster- bis zum Gangplatz der etwa 600 Kilo schwere Gerard Depardieu. Die Maschine rollte los, plötzlich hörte man Depardieu brüllen: „Ich will pinkeln, ich will pinkeln!“ Eine Flugbegleiterin versuchte den Schauspielerkoloss zu beruhigen. Er müsse nur noch kurz warten, bis die Maschine in der Luft sei. „Ich kann nicht warten“, brüllte der angetrunkene Depardieu und erhob sich von seinem Platz. Meine Sitznachbarin, eine deutsche Touristin, die mir sehr sympathisch war, weil sie in einer „Verbotene Liebe“-Fanzeitschrift blätterte, rief entgeistert: „Der wird doch nicht?“ – „Nein, nein. Keine Sorge“, beruhigte ich sie in den Worten von Charlotte Casiraghi. „Der ist Schauspieler, der muss nicht wirklich pinkeln. Der tut nur so.“</p>
<p>Und dann ist Gerard Depardieu aufgestanden und hat auf den Boden gemacht.</p>
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		<title>Achtung, Zug fährt ab</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Aug 2011 23:59:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[ÖBB]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich saß im Zug. In meinem Abteil saßen zwei Damen, die wütend aus dem offenen Fenster starrten. Die eine Dame sagte: „Könnten Sie das Fenster schließen? Draußen ist es kalt!“ Die an&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/08/achtung-zug-fahrt-ab/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/08/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-26460" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/08/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a><strong>Ich saß im Zug.</strong> In meinem Abteil saßen zwei Damen, die wütend aus dem offenen Fenster starrten. Die eine Dame sagte: „Könnten Sie das Fenster schließen? Draußen ist es kalt!“ Die andere antwortete: „Wenn ich das Fenster schließe, wird’s draußen auch nicht wärmer!“ Ich schlug mich, wie immer, auf die Seite der Frierenden. 2 zu 1 fürs Fensterschließen. Wir saßen im IC „Erlebnis Demokratie“ nach Graz und die Alte musste in den sauren Apfel der Minderheit beißen.</p>
<p>Wenn man schon Züge braucht, um Werbung für eine Staatsform zu machen, dann stimmt was nicht. Noch dazu, wenn’s ein Zug der ÖBB ist. Wie kommt das wohl bei demokratiekritischen Skinheads in Bruck an der Mur an, wenn der IC „Erlebnis Demokratie“ 30 Minuten zu spät kommt? Da müssen Christoph Fälbl und Ciro de Luca viele TV-Spots aufnehmen, um das wieder wettzumachen. Ich saß einmal im EC „Europäischer Computer Führerschein“ zusammen mit einem angetrunkenen FPÖ-Gemeinderat aus Vorarlberg, der auf die EU schimpfte. Er musste mit dem Zug fahren, weil man ihm den Führerschein abgenommen hatte. „Ich hatte 1,5 Prozent“, erklärte er mir. „Sie meinen Promille?“ verbesserte ich ihn. „Nein, Prozent. Mit 1,5 Promille ist man ja nüchtern. Scheiß EU“, lallte er. „Früher wär ich mit dem Gendarm auf ein Stamperl gegangen, aber in der EU bist du sofort den depperten Lappen los. ‚Europäischer Computer Führerschein’“, sagte er angewidert und spuckte mir auf meinen englischen Maßschuh, der den Wert eines Kleinwagens hat. Aber als ORF-Moderator kann ich es mir leisten. Ich lächelte den betrunkenen Nationalisten an. Ich hatte vorher nämlich im IC „Rote Nasen“ gesessen und ich wollte mir die dort erworbene gute Stimmung nicht von dem blauen Schluckspecht zerstören lassen.</p>
<p>Im IC „Rote Nasen“ kontrollierten Klinik-Clowns. Zwei Jugendliche waren in meinem Abteil beim Schwarzfahren erwischt und festgenommen worden. Die Klinik-Clowns führten sie ab und erzählten den 15-Jährigen dabei Witze, über die schon Fünfjährige nicht mehr gelacht hätten. Ich musste deshalb sehr lachen. Der Vorarlberger hatte vom Saufen eine rote Nase, erzählte aber immerhin keine Witze. „In Deutschland, diese evangelische Bischöfin Margot Käßmann, die ist auch mit 1,5 Promille erwischt worden“, sagte ich. „Prozent!“ Er war wütend, dass ich den Unterschied nicht begreifen wollte. „1,5 Promille, da hast du vielleicht als Bischöfin einen Damenspitz, aber ich brenn’ meinen Schnaps selbst, seit ich in der Volksschule bin. Nach fünf Dopplern gewinn ich dir noch bei jedem Mikadospiel!“ „Jedenfalls ist die damals zurückgetreten“, sagte ich. Er starrte mich wütend an. „Zurücktreten?“ Plötzlich packte er mich am Kragen meines teuren italienischen Anzugs und warf mich aus dem Abteil. Er jagte mich durch die Gänge des EC „Europäischer Computer Führerschein“ und prügelte mich in Kufstein aus dem Zug.</p>
<p>Als der Zug den Bahnhof verließ, sah ich, wie er von innen gegen die Tür spucken wollte, aber die Spucke blieb ihm am Mund hängen. Er sah aus wie an Tollwut erkrankt. Und irgendwie war er das ja auch. Ich blieb am Bahnsteig in Kufstein stehen, bis mit 60-minütiger Verspätung der EC „HANDL TYROL SPECK“ einrollte. Leider mit einem Triebwerkschaden. Traurig stand ich da. Es begann zu regnen. Ein Rollstuhlfahrer bot mir an, dass ich mit ihm unter einen Schirm kniee. Ich nahm dankbar an. Die Festung Kufstein starrte uns an. Am gegenüberliegenden Bahnsteig fuhr ein der IC „Unser soziales Österreich“. Ein Kind glotzte aus dem Fenster und bohrte in der Nase. Das Kind sah aus wie Christoph Fälbl mit 5. Unheimlich. Fälbl und de Luca grinsten von einem ÖBB-Plakat. „Ich bin vom IC ,ROCO Modellbahnträume‘ überfahren worden. War meine Schuld“, sagte der Rollstulfahrer. „Das tut mir leid“, antwortete ich. Der Regen wurde stärker. „Wurscht. Ich arbeite im Call-Center. Sitzende Tätigkeit. Für mich hat sich wenig geändert. Ich hab mich nie viel bewegt.“ Ich nickte und lächelte ihn an.</p>
<p>„Auf Gleis 2 fährt der EC ,Österreichisches Bundesheer‘ ein. Achtung! Zurücktreten!“ „Soll ich Ihnen beim Einsteigen helfen?“ fragte ich den Rollstuhlfahrer. „Nein, nein. Ich fahr nicht mit dem Zug. Soweit bin ich noch nicht. Bahnsteig geht schon, aber näher trau ich mich nicht ran“, sagte er. „Noch nicht. Mein Therapeut sagt, das dauert noch. Man muss warten. Wie auf die ÖBB!“ Ich gab ihm die Hand und stieg ein. „Eigentlich fahr’ ich wirklich gern mit dem Zug“, dachte ich mir, während ich einen freien Platz suchte. Und nicht fand.</p>
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		<title>Mein Frisör hat’s schwör</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 06:58:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Hitlers verkehrtem Scheitel und Straches gegelter Halbglatze, von einem Skihead mit Hare-Krishna-Matte und Vorne-Kuh-und-hinten-Lama-Typen, von anderen Warzen und ei&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/07/mein-frisor-hat%e2%80%99s-schwor/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-25515" title="Stermann_neu1-148x300" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/07/Stermann_neu1-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" />Von Hitlers verkehrtem Scheitel und Straches gegelter Halbglatze, von einem Skihead mit Hare-Krishna-Matte und Vorne-Kuh-und-hinten-Lama-Typen, von anderen Warzen und einem armen Hund, der eine Trabi-Attacke locker-flockig überlebte. Kurz: Diesmal wird’s echt haarig.</p>
<p><span id="more-25514"></span></p>
<p><strong>„Strache hat einen so hohen Haaransatz, dass ich von einer Halbglatze sprechen würde“</strong>, sagte ein befreundeter Friseur zu mir. Wir saßen in meinem Trabi, den ich einen Tag vor dem Mauerfall von einem Ostdeutschen gegen eine Banane getauscht habe. Das war Pech  für den Ossi. Am nächsten Tag hätte er selbst ganze Stauden kaufen können, aber er war so bananengeil, dass ich seit 1989 den knatternden Zweitakter fahre. Mein Friseur fährt auch einen Trabi. „Aus Trabition fahr ich Trabi“, sagt er. „Also gelt er sich die Glatze?“ fragte ich den Fachmann. „Was?“ schrie er. Im Inneren des Trabis lärmte es wie in der Hölle. Bei der Konstruktion des Trabanten gab es keine Sounddesigner und Geruchsdesigner gab’s auch nicht. Der Trabant ist im Vergleich zu einem heutigen Auto etwa so wie ein Punkt-Punkt-Komma-Strich-fertig-ist-das-Mondgesicht im Vergleich zu einem fotorealistischen Werk von Gottfried Helnwein. Mein Trabi hat Ähnlichkeit mit einem Auto, ist aber keins.</p>
<p><strong>Hairgott, diese Namen!</strong></p>
<p>„Strache sieht aus wie einer der Baldwin-Brüder. Und zwar wie der, der immer auf den Bildern ganz rechts steht“, sagte mein Bekannter, dessen Frisiersalon „Ein haariges Unterfangen“ heißt. Ein so bescheuerter Name, dass ich mehrere Jahre lang jeden Kontakt mit ihm abbrach. Schließlich wurde ich altersmilde und mir wurde klar, dass Friseure sich pseudokreative Salonnamen ausdenken müssen, weil ihre eigentliche Arbeit furchtbar ist. Schuppige Kopfhäute massieren, fettige Splisszöpfe bürsten, graue Haarnester auseinanderreißen, Glatzen wie Halbglatzen aussehen lassen. Ohrenhaare zwischen Schorf und Eiter kürzen, Augenbrauenbüschel von schwitzenden Stirnen wischen. Wer das machen muss, tagein, tagaus, der muss sich „Hairgott“ nennen.</p>
<p>Mein Bekannter hat Warzen auf dem rechten Daumen und dem rechten Mittelfinger, weil beide Finger seit Jahren in<br />
der Schere stecken. Die Schere reibt die Haut, die sich mit Blasen wehrt, die dann zu Warzen werden. Durch die Chemie,<br />
die er den Kunden ins Haar schmiert, ist die Haut seiner Hände chronisch gerötet. Seine Hände sehen aus, als wären sie in einen Senfgasangriff geraten. „Vokuhila“, sagte er. „Vorne kurzsichtig, hinten langweilig!“ „Vorne Kuh, hinten Lama“, antwortete ich und er nickte mit ernstem Blick, als hätte unser kleiner Dialog irgendeinen Sinn gehabt.</p>
<p>„Ich hab einen Skinhead frisiert. Er wollte kahlgeschoren werden, ich hab ihm aber hinten ein Büschel Haare stehen lassen!“ „Wow“, sagte ich anerkennend. „Du bist ja so was wie die Sophie Scholl der Friseure. Du hättest Hitler wahrscheinlich den Scheitel andersrum gekämmt. Respekt!“ „Der Skinhead sah aus wie eine Hare Krishna-Jünger. Nur<br />
ohne gelben Umhang.“ „Naja, Hare-Krishna-Typen haben auch ganz selten Springerstiefel.“ Es rumpelte. Ich war über einen Hund gefahren. Ich habe hinten an meinem Trabi einen Aufkleber: „Ich bremse nicht für Tiere“, man kann mir also nichts vorwerfen. Traurig drehte sich der Friseur nach dem überfahrenen Hund um. „Dem Hund ist nichts passiert. Der steht schon wieder“, sagte er. „Das ist der Vorteil vom Trabi. Du kannst mit einem Trabi niemanden verletzen. Der Wagen tut nichts.“ Er nickte wieder traurig vor sich hin und fuhr sich mit seiner knallroten Chemiehand durchs Haar.</p>
<p>„Hast du dir nie überlegt, mit Handschuhen zu arbeiten?“ fragte ich ihn. „Doch. Jeden verdammten Tag überleg ich’s mir. Jeden verdammten Tag.“ „Und?“ „Dann wasch ich sie doch ohne Handschuhe. Das ist blöd. Aber was willst du machen? Trabition ist Trabition!“</p>
<p>Ich hielt, indem ich kein Gas mehr gab. 400 Meter lang rollte der Wagen aus. Der pfiffige Bananenossi hatte damals die<br />
Bremse ausgebaut, bevor er mir den Trabi verkaufte. Vorm „Ein haariges Unterfangen“ blieben wir stehen. Er gab mir<br />
die knallrote Hand und seine Warzen taten mir weh. „Danke“, sagte er. „Morgen ist mein Trabi fertig. Dieser Skinhead<br />
hat mir fotorealistisch HC Strache auf den Trabi gesprayt. Ich hab’s übermalen lassen.“ „Was für ein Motiv?“ „Punkt<br />
Punkt-Komma-Strich-fertig-ist-das-Mondgesicht.“ Er stieg aus und betrat das haarige Unterfangen.</p>
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		<title>Laetitia Pizzis Aschenbecher</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Jun 2011 05:56:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit 13. Und 14. Und 12. Und 11. Und 10. Da fuhren wir in den Sommerferien nach Italien, an die Adria, nach Senigallia, ins Hotel Excelsior. Mit Hollywoodschaukel und eigenem Strand&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/06/laetitia-pizzis-aschenbecher/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/06/Stermann_neu1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-24395" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/06/Stermann_neu1-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a>Mit 13. Und 14. Und 12.</strong> Und 11. Und 10. Da fuhren wir in den Sommerferien nach Italien, an die Adria, nach Senigallia, ins Hotel Excelsior. Mit Hollywoodschaukel und eigenem Strand. In dem Hotel wohnten überwiegend Italiener. Ganze Familien. Ohne Väter, die arbeiteten in der heißen Stadt. Die Mütter und ihre Kinder verbrachten den Sommer am Meer. Auch Laetitia Pizzi. Ihr Vater war Schuhfabrikant, vielleicht auch nur Schuhverkäufer in Perugia. Ich fand, die 12-jährige Laetitia sähe aus wie die damals schönste Frau der Welt, Prinzessin Caroline von Monaco.</p>
<h4>Caroline von Monaco, mein Mädchen</h4>
<p>Das fand ich mit 11. Das fand ich mit 12. Und mit 13 fand ich das auch. Sie brachte mir mein erstes italienisches Wort bei: portacenere – Aschenbecher. Nicht sehr romantisch, aber praktisch. Mit der Zeit lernte ich von ihr immer mehr Wörter. Schon bald konnte ich am Strand beim Kicken zu den Italienern sagen: „Lascia il mio fratello!“ „Lass meinen Bruder in Ruhe!“ Laetitia saß auf der Promenadenmauer und nickte mir zu. Das schönste Mädchen der Welt. Eine Freude. Ich hab mit 11 und 12 und 13 italienisch gelernt, weil ich in Laetitia Pizzi verknallt war. Als ich 14 war, kamen wir an einem heißen Julitag im Hotel Excelsior an. Mittags: keine Laetitia Pizzi. Beim Abendessen: keine Laetitia Pizzi. Also fragte ich meinen vermeintlich Vertrauten, den langjährigen Barmann, mit meinem schlechten Laetitia-Pizzi-Italienisch, wo Laetitia Pizzi sei, ob die Pizzis dieses Jahr etwa nicht da wären? Leise fragte ich ihn. Vertraulich. Von Mann zu Mann.</p>
<p>Und er? Schrie durchs ganze Foyer zum ganzkörperbehaarten Rezeptionisten: „Weißt du was? Der Kleine ist verknallt in Laetitia Pizzi! Weißt du, ob sie schon da ist?“ Mit knallroter Birne lief ich zum Aufzug. Um 20 Uhr legte ich mich ins Bett. Der Barmann war ein Arschloch, der Rezeptionist auch und ich konnte in diesen Ferien unmöglich das Bett verlassen. Ich hab das Bett dann doch verlassen. Die Pizzis kamen nicht.</p>
<h4>Stephanie von Monaco, mein Trost</h4>
<p>Ich lernte Sara Ninno kennen. Sie kam aus Perugia. Ihr Vater war auch in der Schuhbranche, aber sie sah leider nur so aus wie Carolines Schwester Stephanie. Sie war beeindruckt, dass ich wusste, was Aschenbecher auf Italienisch heißt. Von ihr hab ich kein italienisches Wort gelernt. Aber Rauchen. Ich war 14. Und es war das letzte Mal, dass ich mit meinen Eltern und meinem kleinen Bruder nach Italien fuhr.</p>
<h4>Philippe Junot, das Arschloch</h4>
<p>Caroline von Monaco heiratete in diesem Sommer das Arschloch Philippe Junot. Ich war fassungslos. Ich fühlte mich betrogen. Ich zündete mir eine Zigarette an und schluckte den Rauch hinunter, wie ich es von Sara Ninno gelernt hatte. Deshalb war sie also nicht ins Hotel Excelsior gekommen. Weil sie dieses Playboyschwein geheiratet hatte. Ich wünschte dieser Ehe nur das Schlechteste. 2 Jahre später wurde die Ehe zwischen Caroline und Philippe Junot geschieden. Ich war 16 und im Sommerurlaub in Ungarn. Ich lernte Dzsenifer kennen. Sie kam aus Györ und trug Sandalen. Sie sah aus wie die damals schönste Frau der Welt, Nasstasja Kinski.</p>
<p>Wir sprangen gemeinsam nackt in den arschkalten Balaton. Mein 16-jähriges Gemächt zog sich erschreckt zusammen. Als ich auftauchte, lachte sie. Und brachte mir mein erstes ungarisches Wort bei: Törpe. Seit damals warte ich darauf, dass ich irgendwann einmal gefragt werde, was Zwerg auf ungarisch heißt. Ich weiß es.</p>
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		<title>Grazer Feinstaub</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jun 2011 20:02:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beinahe würd’ ich heute beim „Grazer“ schreiben, statt in Ihrer Lieblingsschmonzette WIENER. Ich hatte Angebote vom „Linzer“ und vom „Hühnergeschreier“ bereits abgelehnt, b&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/06/grazer-feinstaub/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/06/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-23527" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/06/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a>Beinahe würd’ ich heute beim „Grazer“ schreiben, statt in Ihrer Lieblingsschmonzette WIENER. Ich hatte Angebote vom „Linzer“ und vom „Hühnergeschreier“ bereits abgelehnt, beide längst und zu Recht in Vergessenheit geratene oberösterreichische Männer- und Mostzeitschriften. Beim „Zwentendorfer“ hatte ich kurz überlegt, Kolumnist zu werden, aber irgendein japanisches Arschloch hat mit der Gazette „Fukushimaer“ die Idee des „Zwentendorfer“ abgeschossen, nämlich ein Männer- und Opamagazin für Mittelaltgebliebene auf den Markt zu werfen.</p>
<p>Dann kam der Anruf vom „Grazer“. Ich hob ab und hörte einen Hund am anderen Ende der Leitung. Tatsächlich hatte mich der Terrier des Herausgebers angerufen. Er kläffte eine Zeit lang in den Hörer, ich verstand kein Wort, war als Tierfreund aber zu höflich aufzulegen. Endlich kam sein Herrchen an den Apparat. „Na? Spitzenterrier, was? Hören Sie, Stermann, Sie sind spitze. Ich zahl Ihnen das Doppelte, wenn Sie zum „Grazer“ wechseln!“ „Das Doppelte wovon?“ fragte ich vorsichtig. Ich war damals arbeitslos. „Von allem, was Sie wollen. Wir machen hier eine Spitzenzeitung. Für Männer und gehbehinderte Kinder. Zielgruppe mit Zukunft, was sagen Sie? Spitze?“ „Naja“, murmelte ich. Es war 1986. Kurz zuvor war mein Volontariat in Tschernobyl vom „Tschernobyler“ abgebrochen worden, weil die Tastaturen unserer Schreibmaschinen unter uns schmolzen wie Eis in der Sonne. Was hatte ich also zu verlieren? Männer und gehbehinderte Kinder – das hatte was. Ich wusste zwar nicht genau, was, aber meine finanzielle Situation erlaubte mir keine kritischen Zwischentöne.</p>
<p>„Ja, gut“, sagte ich ins Telefon und dann kläffte es zurück. Der Herausgeber des „Grazer“ hatte das Telefon wieder seinem Terrier gegeben.</p>
<p>Im Mai 1986 fuhr ich als blinder Passagier auf einem Mähdrescher von Wien nach Graz. Das war ein Laster, auf dem illegale Ziegenkämpfe stattfanden. Die Ziegen wurden nach Strich und Faden verdroschen, deshalb nannte man diese Trucks „Mähdrescher“. Gelangweilte reiche Wiener setzten Geld darauf, wie lang die Ziegen es aushielten, verdroschen zu werden. Schließlich sprang ich unterhalb des Grazer Uhrturms vom Wagen und machte mich auf den Weg zu meinem neuen Arbeitgeber. Aber ich konnte das Verlagsgebäude nicht finden, weil in Graz dichter Feinstaub herrschte. So dicht, dass man die Hand vor Augen nicht sehen konnte. Man sagt, Graz sei hübsch. Aber dieses Urteil basiert auf Hörensagen, weil noch niemand die Stadt gesehen hat. Was dort unter „Feinstaub“ läuft, nennt man im Ruhrgebiet „Schwermetall“. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin in Duisburg, unter Tage aufgewachsen und war die ersten 12 Jahre meines Lebens durchgehend schwarz vor Ruß – außen als auch innen, aber gegen einen normal umweltbelasteten Tag in Graz war jeder Tag im Bergwerk ein Kuraufenthalt. Grazer knattern beim Atmen, ihre Atemwege sind verstopft wie die Wiener Südosttangente und die Bronchien rasseln knirschend Todesmelodien.</p>
<p>Bei einem gesunden Wiener treiben die Bronchien aus wie Bäume: hier ein Ast und dort ein Ast, verzweigt, verzweigt. Ein frischer Atemwald, so sehen gesunde Wiener Bronchien aus. Bei Grazern dagegegen herrscht durchgehend Steirischer Herbst. Äste ohne Blätter, Waldsterben, Atemwege für Dead Men Walking. Wenn das Jahr erst wenige Sekunden alt ist, hat Graz bereits alle Obergrenzen für die jährlich erlaubte Höchstgrenze für Luftverschmutzung nicht nur übertreten, sondern überrannt, überstürmt. Die Steirer bellen nicht, sie husten! In Wien dagegen: duftet’s wie im Kinderpopo, auch wenn außer ein paar Priestern niemand weiß, wie es dort riecht. Jedenfalls empfangen unsere Näschenhaare Gerüche wie sanfte Feenküsse. Alpenveilchen stinken verglichen mit der guten Wiener Luft.</p>
<p>Im Mai ’86 rannte ich gegen Mauern, Kirchen, das Rathaus und fiel mehrfach in die Mur. Dort lagen viele, denen es wie mir ergangen war. Auch ein gutaussehender Herr aus Wien mit Geld wie Heu. Ich erklärte ihm, warum ich hier sei und er fragte, was das genau sei: ein „Magazin“. Er war begeistert, fand aber, dass gehbehinderte Kinder finanziell zu uninteressant seien als Zielgruppe, Männer aber hätten Geld wie Heu, da könnt’ man schönes Geld verdienen. Wir fuhren nach Wien zurück und er nannte die Zeitschrift WIENER. Damit Sie auch mal wissen, wieso das Ding in Ihrer Hand so heißt, wie es heißt. Graz sei Dank.</p>
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		<title>Der Gehilfe mit der Gehhilfe</title>
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		<pubDate>Fri, 13 May 2011 06:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Ich möchte niemals so alt werden, wie du aussiehst“, hatte ich einem Mitschüler gesagt, der in der Schule der Gesichtsälteste war. Michael war erst 16, hatte aber das Gesicht ein&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/05/der-gehilfe-mit-der-gehhilfe/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/05/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-22179" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/05/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a><strong>„Ich möchte niemals so alt werden, wie du aussiehst“</strong>, hatte ich einem Mitschüler gesagt, der in der Schule der Gesichtsälteste war. Michael war erst 16, hatte aber das Gesicht eines verkniffenen Greises. Große Opaohren, unheimlich geformt, wie Ohrenzeugen einer längst vergessenen Zeit, mit haarigem Strubbelgewächs, das aus ihnen wuchs, wie Spinnweben aus dem Hirn winkend, tattergreisig. Er ging gebeugt, als wir alle vor Potenz strotzten und einer aufrechter als der andere wie ein Hahn über den Schulhof stolzierte. Da kroch er bereits wie ein gerupftes Billighuhn vom Hofer lahmarschig an uns Jungen vorbei. Im Blick grauen, grünen, blauen und schwarzen Star, während wir grüne, blaue und schwarze Gürtel im Judo machten. Wir schulterten einander mit großem Vergnügen gegenseitig und er eine Last, die ihm überlegen war. Er sah aus wie der neue alte Freund meiner Oma, die wieder solo war, nachdem mein Opa „in die Gletscherspalte gefallen war“, wie man in meiner Familie sagte. Damit meinte man, mein Opa sei emotional derart vergletschert gewesen, dass die Oma ihn irgendwann aus ihrem Leben schmiss.</p>
<h4>Hugh Hefner und die Frauen</h4>
<p>Wenn man 16 ist und wie 160 aussieht, kommt man sexuell sehr schwer in die Gänge. Kaum eine Frau liebt einen alten Mann, noch dazu, wenn er das Einkommen eines 16-Jährigen hat. <a title="wiener-online: Hugh Hefner" href="http://www.wiener-online.at/2011/02/5-x-hugh-hefner/">Hugh Hefner</a> hätte auch weniger Frauen in seiner Nähe, wär’ er 12 und säh’ so aus wie er aussieht. Nämlich wie etwas, das aus den Regalen zu nehmen vergessen wurde. Abgelaufen. Kaum jemand beißt herzhaft in schimmliges Brot, das mit ranziger Butter bestrichen ist.</p>
<h4>In den Ohren mindestens 2.000 Haare</h4>
<p>Wer heute auf die Welt kommt, hat statistisch eine Lebenserwartung von um die 80, bald schon werden die Menschen im Schnitt 90 oder 100, es sei denn, die Gewalt in den U-Bahnen und S-Bahnen bekommt man nicht in den Griff. Das aber heißt, wir alle werden irgendwann so aussehen wie mein armer 16-jähriger Mitschüler. Mit nach vorn gewölbten Hängeschultern und verwachsenen Zehennägeln irren wir durch die Stadt und versuchen unsere Gehhilfe einzuholen. Mein vergletscherter Opa übrigens hat einen Gehilfen, der auch schon in die Jahre gekommen ist und sich auch eine Gehhilfe zugelegt hat. Der Gehilfe mit der Gehhilfe. Beide schauen aus wie die jüngeren Brüder meines damaligen Schulkollegen. Zusammen haben sie 20 aschfahle, durchsichtige Haare auf dem Kopf. In den Ohren mindestens 2.000. Opa und sein Gehilfe mit der Gehhilfe haben knöchrige, von Gicht zerfressene Finger, die aussehen, als wären sie aus Wachs oder Holz sehr schlecht nachgebaut worden.</p>
<h4>Opas traurige Altersgurke</h4>
<p>Vor kurzem stand mein gefühlskalter Opa neben mir am Pissoir eines Lokals, blickte an sich hinunter und sagte: „Mein armer alter Herr Gesangsverein. Mann, hängt der verzweifelt da rum!“ Und dann blickte er mich an und sagte: „Mann, du bist aber auch alt geworden. Weißt du wie du aussiehst? Wie dieser Schulfreund von dir, der so alt aussah. So alt siehst du aus! Mann, du siehst wirklich alt aus!“ Mein Opa lachte laut, schüttelte den Kopf und sein Gemächt und packte seine traurige Altersgurke gemächlich wieder ein.</p>
<h4>Michael sah noch älter aus</h4>
<p>Meine Oma hatte Recht. Mein Opa war wirklich in die Gletscherspalte gefallen. Ich kam auch aus dem Klo und da standen sie. Er, der Gehilfe mit der Gehilfe und Michael, mein ehemaliger Schulkollege. Alle drei lachten und zeigten mit dem Finger auf mich. Ich hatte Michael mehr als 20 Jahre nicht mehr gesehen. Er war der Enkel des Gehilfen meines Opas. Er sah unverändert, aber noch älter aus. Ich nickte ihm zu. Er sah mich feindselig an. „Blödmann“, murmelte er. Und: „Blöde Sau!“ Offensichtlich hatte er nicht vergessen, wie gemein ich damals zu ihm war. Manche Leute merken sich so etwas ein Leben lang. Deshalb war sowieso schon alles egal. „Ich möchte niemals so alt werden, wie du aussiehst“, wiederholte ich meinen gemeinen Satz nach über 20 Jahren noch einmal – und zwar ohne mit der Wimper zu zucken. Ich sah mir die drei Knallchargen vor mir an. „Du bist sogar hier der Gesichtsälteste!“ sagte ich, nahm meine Sporttasche und verließ das Lokal. Ich ging zum Judotraining und schulterte einen 16-Jährigen.</p>
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		<title>Osterhasen-Freakshow</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Apr 2011 06:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wann immer ich Osterhasen sehe oder streichle &#8211; und ich sehe und streichle Osterhasen ganzjährig, nicht nur zu Ostern -, denke ich unweigerlich an Barbara Ursler. Wer jema&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/04/osterhasen-freakshow/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/04/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-20815" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/04/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a><strong>Wann immer ich Osterhasen sehe oder streichle</strong> &#8211; und ich sehe und streichle Osterhasen ganzjährig, nicht nur zu Ostern -, denke ich unweigerlich an Barbara Ursler. Wer jemals einem Hasen sein Fell über die Ohren gezogen hat oder mit der Nase so nah ans Hasenfell gekommen ist, dass das Hasenfell die Schleimhäute kitzelt, für den wird das Hasenhaar unvergesslich bleiben. Stellen Sie sich einen Hasen ohne Fell vor. Wen sehen Sie? Stellen Sie sich den Hasen ohne Fell, aber mit Seitenscheitel und randloser Brille im grauen Anzug vor. Jetzt stellen Sie sich vor, er steht auf zwei Beinen vor Ihnen und hat sich die Ohren operativ verkleinern lassen. Er war beim Kieferorthopäden und hat jahrelang eine Klammer getragen, er sagt Dinge wie &#8220;Ach, Sie wissen nicht, was die Abkürzung ,asap&#8217; bedeutet? As soon as possible, mein Herr.&#8221;</p>
<p>Sie merken schon: Sie selber sind der Osterhase, beziehungsweise: Der Osterhase steckt in jedem von uns. Sie müssen kein Freak sein, um das zu begreifen. Freak bedeutet im Englischen Einfall oder Laune. Barbara Ursler war, was Engländer &#8220;freak of nature&#8221; nennen, eine Laune der Natur, wie der Osterhase, wie die roten Haare von Boris Becker oder die Ortstafelmanie von Jörg Haider oder der Schal von HC Strache, der operativ entfernt werden müsste.</p>
<p>Barbara Ursler wurde 1633 in Augsburg geboren und sie war mit dem Schausteller Van Beck verheiratet, der sie in ganz Europa zeigte. Warum er sie zeigte? Warum die lieben Europäer zahlten, um sie zu sehen? Warum sie sowohl beim Publikum als auch bei Wissenschaftlern für großes Aufsehen sorgte? Könnte ich jetzt auch einmal antworten oder wird das Ganze hier zu einer <a title="wiener-online: Ei, Ei!" href="http://www.wiener-online.at/2011/04/ei-ei/">ostereiersuchartigen</a> Rätselrallye?</p>
<p>Soll ich Ihnen erzählen, was ein gewisser John Evelyn 1657 in sein Tagebuch schrieb? Ja. &#8220;Ich hatte die behaarte Frau schon vor 20 Jahren gesehen, als sie ein Kind war. Ihre Augenbrauen waren nach oben gekämmt und ihre Stirn war so dicht und gleichmäßig mit Haaren bedeckt, wie es sonst auf dem Kopf einer Frau wächst. Sie war nett gekleidet, eine sehr lange Locke kam aus jedem Ohr. Sie hatte auch einen sehr langen Bart und lange Locken wuchsen ihr aus der Mitte der Nase, genau wie bei einem Island-Hund in hellem Braun, fein wie gesponnener Flachs. Sie war sehr gut gebaut und spielte gut auf der Zither.&#8221;</p>
<p>Sie wurde 35 Jahre alt. Barbara Ursler war ein Haarmensch. Sie wissen, dass die Überbehaarung dadurch entsteht, dass das embryonale Wollhaar nicht, wie sonst üblich, abgestoßen wird, sondern zu wachsen beginnt. Vielleicht kennen Sie auch die Geschichte von Jo-Jo? Jo-Jo der Pudelmensch hieß eigentlich Fedor Petrov und galt, wie alle Haarmenschen um die Jahrhundertwende, als Missing Link zwischen Mensch und Tier. Und als Wiener kennen Sie sehr wahrscheinlich die traurige Geschichte der Julia Pastrana. &#8220;Ein warm empfindendes, denkendes, geistig sehr begabtes Wesen mit gefühlvollem Herzen, sinnend und zartfühlend, wissbegierig.&#8221;</p>
<p>Die mexikanische Kreolin mit dem Affengesicht wurde 1832 geboren und starb 1860. Sie führte auf Jahrmärkten spanische Tänze vor und sang mexikanische Lieder, eine frühe Form von Starmania. Um den Effekt ihres Auftritts zu erhalten, ließ ihr Entdecker und Manager sie wenig unter Menschen. Sie litt unter der Einsamkeit, während ihr Manager reich wurde. Sie wurde, wohl von ihm, schwanger. Mutter und Kind starben bei der Geburt. Er ließ sie einbalsamieren und stellte sie dann mehrere Wochen in seinem Museum in Petersburg aus, bis die Körper zu faulen begannen. Nun ließ er Frau und Kind skalpieren und ausstopfen und verkaufte sie an den Wiener Prater. Ein Besucher erinnerte sich an sie: &#8220;In einem rotseidenen Flitterkleidchen stand sie da, mit dem schrecklichen Leichengrinsen auf dem Gesicht, ihr Kind in einem ebensolchen Flitterkleidchen auf einer Stange neben ihr, wie ein Papagei.&#8221;</p>
<p>Denken Sie an Julia Pastrana, die unglücklich und ausgestopft im Wiener Prater stand, still und stumm. Behaart, wie der Osterhase, der vielleicht eine Frau ist. Denken Sie daran. Und schenken Sie sich mal zu Ostern keine Schokohasen, sondern das Buch <a title="Amazon: Show Freaks &amp; Monsters" href="http://www.amazon.de/Freaks-Monster-Sammlung-Felix-Adanos/dp/3770107330" target="_blank">&#8220;Show Freaks &amp; Monster&#8221; von Hans Scheugl</a>.</p>
<p><strong>Na, dann. Frohe Ostern.</strong></p>
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		<title>Norbert Darabos und ich warten auf Erlösung</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 20:16:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Norbert Darabos]]></category>
		<category><![CDATA[Praterdome]]></category>
		<category><![CDATA[Saturday Night]]></category>

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		<description><![CDATA[Mehl, Ei, Panier. An diese Reihenfolge muss sich halten, wer ein  gutes Wiener Schnitzel machen will. Wer mit der Panier beginnt und dem  Mehl endet, wird sein Schnitzel nicht mal me&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/03/norbert-darabos-und-ich-warten-auf-erlosung/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Stermann_neu1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-19490" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Stermann_neu1-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a><strong>Mehl, Ei, Panier.</strong> An diese Reihenfolge muss sich halten, wer ein  gutes Wiener Schnitzel machen will. Wer mit der Panier beginnt und dem  Mehl endet, wird sein Schnitzel nicht mal mehr im Schweinestall los.  Schlatzig und grauslich wird’s. Aber MEP garantiert Erfolg.</p>
<p>Wir <a title="wiener-online: Sie müssen der Esel sein" href="http://www.wiener-online.at/2011/02/sie-mussen-der-esel-sein/">Esel</a> brauchen solche Brücken und Abkürzungen machen das Leben leichter. Norbert Darabos und ich zum Beispiel waren beide nicht beim Heer, weil wir bei der  Musterung gescheitert sind. Wir wollten beide hin, es war unser  sehnlichster Wunsch, weil wir beide noch mit 18 mit Zinnsoldaten  gespielt haben, aber wir waren körperlich ungeeignet und wurden beide  als KAGV eingestuft. KAGV: im Kriegsfall als Geisel verwendungsfähig. Da  kann man in der Bauerndisco in der Saturday Night bei der klassischen  ATV-Braut nicht punkten.</p>
<h4>Deutschland, Burgenland – alles gschert</h4>
<p>„Du bist voll urbehindert, Oida. Ur. Bist du eine depperte Ziege,  Oida? Wie bei der Heidi der Peter, der wos auf die Geiseln  aufpasst?&#8221;„Nein, nicht Geissenpeter, Tara. Geisel. Gegen meinen eigenen  Willen werd’ ich von meinen eigenen Leuten an den Feind ausgeliefert,  obwohl der mich gar nicht will.&#8221; – „Ur oarg, Norbert. Und des haaßt  KAGV? Oiso, nix mit Schnackseln, oder wie? Oarg. Ur. Pfoh.Ur. Ka  Geschlechtsverkehr. Wie findst du mein Kleid? I find’s urgeil, am  geilsten find ich, dass man meinen Arsch sieht.Schau, Jaqueline, der  Norbert, muss mit Ziegen ficken, uroarg.&#8221; Das kränkt.<br />
Gerade, wenn man von Land kommt. Vom Burgenland noch dazu.  Deutschland, Burgenland, ich weiß wovon ich sprech’, alles letztlich  doch gschert. Und dann steht man da im Praterdome und glotzt Tara und  ihre Freundinnen an,  wie sie für die coolen Bundesheerler an der Stange  tanzen und Sätze sagen wie: „Ich nenn’ meine Brüste Babys, bei mir ist  alles Baby. Und wenn ich tanz’, starren mich all die urcoolen Typen an  und  wollen, dass meine Babies rausfallen. Tun’s eh.&#8221;</p>
<h4>Doktorspiele auf morallosem Terrain</h4>
<p>Da nimmt man dann die Brille ab, von der man glaubt, sie mache einen  cool, dabei waren’s doch nur Restposten beim Hartlauer und man wurde  vom Verkäufer reingelegt. Alle sagen, dass die Brille deppert ausschaut,  aber wir KAGVler haben irgendwo gelesen, dass Asiatinnen auf Männer mit  Brille stehen, weil die Brille ein Symbol für Belesenheit sei und  deshalb wirtschaftlichen Erfolg bedeutet. Bei Tara und ihren Freundinnen  kann man mit der Brille nicht punkten und Belesenheit scheint auch kein  Kriterium zu sein, um als Bettboy landen zu können.</p>
<p>„Lernen ist urfad. Ich kann auch ursuper Sachen machen, ohne  Abschluss oder so. Ich überlege in die Medizin zu gehen, weil in der  Medizin kann man auch urgut verdienen ohne Ausbildung.&#8221;</p>
<p>Bei so einem Satz ist man zwiegespalten. Ja, ihr Patient zu sein und  von ihr untersucht zu werden, Doktorspiele auf morallosem Terrain, da  rutscht die Brille auf der Nase vor feuchtem Verlangen ein wenig nach  vorn. Doch was, wenn man ernstlich krank ist? Traut man Tara von ATV  komplizierte Operationen am offenen Gehirn zu? Gerade ihr, die so  erfolgreich darin ist, ihr eigenes Gehirn vor der Welt zu verstecken?</p>
<h4>Norbert und ich warten auf Erlösung</h4>
<p>Und dann legt sich im Praterdome ein halbnackter Bundesheerler mit  Wochenendausgang und 10 Promille auf den Tanzboden und tut, als hätt er  ein urologisches Problem und Tara kommt angesprungen und die Babys  fallen heraus und auch Norbert sieht jetzt, ja, das mit dem Kleid  stimmt, man sieht den Po wirklich sehr gut und der Bundesheerler packt  die Tara und das ATV-Team begleitet beide aufs Damenklo. Und Norbert  steht alleine da, nur einen anderen KAGVler wie mich an seiner Seite.  Wir nicken uns zu. Jede Schlacht im Praterdome endet für uns in einer  Niederlage. Und während alle anderen Domebesucher, Soldaten und Bräute,  glücklich nebeneinander auf dem Parkplatz zwischen flachergelegten Autos  sich selbst gegenseitig flachlegen und fröhlich ins Gebüsch speiben,  warten Norbert und ich auf Erlösung und den Nachtbus.</p>
<p>„Wenn ich mal groß bin, werd ich Verteidigungsminister. Dann schaff ich denen ihr deppertes Heer ab.&#8221;  Trotzig wirkt der Darabos. Die Hartlauerbrillengläser verschliert,  sieht er eine Zukunft ohne Präsenzdienst.</p>
<p>In der Nacht buken und backten  wir Wiener Schnitzel. Nicht MEP sondern PEM. Grauslich. Wir warfen’s den Schweinen am Praterdomeparkplatz zum Fraß vor.</p>
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		<title>Angstsuppe</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 07:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Stermann]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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		<description><![CDATA[Mein Bett tropfte. Schweißgebadet wachte ich auf. Ich schwamm in meiner  Angstsuppe. Albträume sind ein Albtraum für mich. Es kann keinen Gott  geben, wenn man solche Dinge träumt&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/03/angstsuppe/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-17093" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a>Mein Bett tropfte. Schweißgebadet wachte ich auf. Ich schwamm in meiner  Angstsuppe. Albträume sind ein Albtraum für mich. Es kann keinen Gott  geben, wenn man solche Dinge träumt, dachte ich und trat noch vor dem  Frühstück aus der Kirche aus. Ich gurgelte beim Zähneputzen ein letztes  Mal mit Weihwasser, das ich aus Lourdes gemopst hatte und spuckte die  Zahnpasta ins Taufbecken, das ich am Jordan geklaut hab‘, wo Jesus von  Johannes dem Täufer so nass gemacht worden war, wie ich nach dem  Aufwachen war. Angst is not a Weltanschauung, aber sie wirkt. Deshalb  schüttete der Körper kübelweise Schweiß aus. Ganz dicht ist mein Körper  auch nicht, bemerkte ich und zog mich an, damit ich meinen Körper nicht  mehr sehen musste.</p>
<p>Ich hatte am Vorabend steirischen Käse gegessen und mich vorm  Einschlafen mehrmals übergeben. Wenn ich mich richtig erinnere, etwa 45  Mal. Aus meinen Ohren kamen leise Geräusche, wie das verzweifelte  Schnarchen eines sterbenden Asthmatikers. Das machte mich müde und ich  kuschelte mich unter meine Decke aus glücklichen, grünwählenden  Hühnerfedern. Fair Trade, no na. Die Hühner kriegen pro Feder 5 Euro.</p>
<p>Ich erinnere mich, kurz bevor ich einschlief, sah ich ein Foto von Josef Pröll,  der neben Nina Proll stand, vielleicht war es auch umgekehrt. Ich  schloss die Augen mithilfe eines Augenschließers, den ich am Naschmarkt  günstig von illegalen Inländern gekauft hatte. Der Käse gärte in mir,  die Bakterienkulturen verbreiteten sich in meinem Körper wie Schlamm.  Mir war schnell klar: diese Nacht wird unangenehm wie ein Zungenkuss mit  Baumeister<a title="Pandora über Lugner &amp; Co." href="http://www.wiener-online.at/2011/03/zahlen-bitte/ "> Richard Lugner</a>.  Wegen dieser Erkenntnis wahrscheinlich träumte ich, ich säße  kerzengerade vorm Fernseher und sähe „Chili“, was wir im ORF ja intern  nur noch „Mitten im Vierten“ nennen. Zwei nicht unbekannte ORF-Größen  wurden an den Nasenhaaren zusammengebunden und ich dachte noch: hübsche  Idee. Dann aber zwang mich Jan Demner von Demner &amp; Merlicek,  Werbetexter zu werden. Ihm hatte nämlich, im Traum, mein Slogan: „Toyota  – nichts ist unmöglich, außer bremsen“ so gut gefallen. Für den neuen  Werbekunden, ein Jesuiteninternat in<a title="Stermann: 2 deutsche Städte" href="http://www.wiener-online.at/2010/03/2-deutsche-stadte/"> Deutschland</a>,  sollte ich von Direct Mailing bis Corporate Design alles checken. „Das  pfeift“, sagte Demner, als er meinen ersten Werbespruch las. „Je Suiter,  desto geiler! School of Lust!“ Die Padres wollten mir als Dankeschön  ein Wellness-Wochenende zusammen mit ihnen in einer katholischen  Herrensauna schenken und obwohl ich ablehnte, sah ich mich im Traum auf  einer Geox-Holzbank sitzen, neben nackten Jesuiten.</p>
<p>Vielleicht, fantasierte ich im Traum, wussten sie, dass ich das  Taufbecken ihres Chefs ge–klaut hatte und jetzt müsste ich mich nach der  Seife bücken und werde anschließend in der Sauna zurückgelassen. Sie  sperren ab und drehen die Temperatur auf „Fegefeuer“ hoch. Mir fiel im  Traum ein, dass es Wissenschaftlern gelungen war, in einem  amerikanischen Teilchenbeschleuniger die höchste Temperatur zu erzeugen,  die es jemals gab. 4 Billionen Grad Celsius, 250.000 Mal heißer als im  Zentrum der Sonne. Plötzlich begannen die Jesuiten Englisch zu sprechen.  Ich schnappte auf „We will send him across the Jordan“. Sie hatten  furchtbaren Mundgeruch und Jan Demner erschien in der Saunatür, chic  gekleidet und sagte: „Stermann, können Sie Mundgeruch verkulten?  Schaffen Sie es, eine Kampagne zu entwerfen, so dass jeder Mensch auf  diesem Scheiß-Planeten gerne Mundgeruch haben will?“ Ich schüttelte den  Kopf, und er lächelte und schloss die Saunatür. Bis zu 3 Millionen Grad  Celsius hielt ich mich ganz gut, dann begann ich zu schreien und wachte  davon auf. Und lag in einem Night-Meer of Angst.</p>
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		<title>Sie müssen der Esel sein</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Feb 2011 07:01:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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		<category><![CDATA[Dirk Stermann]]></category>
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		<description><![CDATA[Manchmal bin ich so erschöpft, dass ich beim Zahnpastaauftragen auf die Zahnbürste mehrere Pausen einlegen muss. Das sind Tage, da seh’ ich so fertig aus, dass in der U-Bahn sogar&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/02/sie-mussen-der-esel-sein/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/02/Stermann_neu.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13055" title="Stermann_neu" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/02/Stermann_neu-148x300.jpg" alt="" width="148" height="300" /></a>Manchmal bin ich so erschöpft, dass ich beim Zahnpastaauftragen auf die Zahnbürste mehrere Pausen einlegen muss. Das sind Tage, da seh’ ich so fertig aus, dass in der U-Bahn sogar Rollstuhlfahrer für mich aufstehen. Ich muss ja fast 400 Tage im Jahr auf irgendwelchen Bühnen stehen, weil ich eine Agentur hab’, die mich zwingt, in jedem Bauernhof aufzutreten, der mehr als zwei Kühe im Stall stehen hat. Daneben muss ich irgendwie noch Fernsehsendungen und Radioshows moderieren und Bestseller schreiben und onanieren oder mir die Ohren putzen. Mit anderen Worten: es ist ganz normal, dass mir beim Einchecken an Hotelrezeptionen die Kraft fehlt, meinen vollen Namen zu schreiben. „Stermann“ und vor allem „Kettenbrückengasse“ rauben mir die letzten Kraftreserven. Selbst „Wien“ kommt mir in solchen Momenten sooo lang vor. So schreib ich meistens statt „Wien“ „Rum“ und statt „Kettenbrückengasse“ „Aug.“ und statt „Stermann“ „Wu“. Ich forme meine Augen zu Schlitzen, um der Rezeptionistin zu signalisieren, ich sei ein Austrochinese aus Rum in Tirol, der in der Augasse wohnt. Bei Beruf gebe ich „Abt“ an. Etwas Kürzeres fällt mir nicht ein.</p>
<p>Vor wenigen Tagen stand ich in Bremen in der Lobby eines Hotels, vor mir ein deutschstämmiger Musiker mit Wohnsitz in Bangkok und seine neuseeländische Frau. Beide waren Musiker und traten beim sinnlosen Bremer Stadtmusikanten- Festival auf. Als Hahn und Katze wahrscheinlich. Ich stand da und wartete, bis sie endlich fertig würden mit dem Ausfüllen ihres Meldescheins. Ich sah auf die Uhr. Es war 11.30 Uhr. Um 11.55 Uhr füllten sie noch immer aus. Inzwischen war mir klar, dass sie beide als Esel beim Bremer Stadtmusikanten- Festival auftreten würden. Zu blöd, Namen und Adresse hinzukritzeln? „Mann, soll ich Ihnen helfen? Ich möchte bis Mitternacht hier fertig sein!“, rief ich ungehalten, riss dem Musiker den Stift aus der Hand und riss einen frischen Meldeschein vom Block.</p>
<h4>„Also“, rief ich genervt, „Name?“</h4>
<p>„Ottovordemgentschenfelde. Bernd Ottovordemgentschenfelde.“ Er hatte eine angenehme, kratzige Stimme, wie die Synchronstimme von Robert de Niro. „Bernd Otto Vordemgentschenfelde? „Nein“, sagte er. „Bernd ist mein Vorname. Ottovordemgentschenfelde ist mein Nachname.“– „Wow“, sagte ich. „Ist ja ein irrelanger Name!“ – „Ja“, antwortete er. „Der längste Name Deutschlands. 24 Zeichen allein der Nachname. Meine Frau heißt Irihapeti. Das ist ein Maori- Name.“ „Da hat sie es ja gut. Schön kurz“, sagte ich. „Nein“, sagte er. „Sie heißt auch Ottovordemgentschenfelde. Irihapeti Ottovordemgentschenfelde.“ Ich nickte verständnisvoll und schrieb ihrer beider Namen. „Geburtsort?“ fragte ich. „Soll ich das nicht schreiben?“, bot er an, aber ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich mach’ das schon. Geht schneller“, sagte ich. „Also? Wo ist sie geboren?“ – „In Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. Das ist in Neuseeland. Übersetzt heißt das soviel wie: der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, den Berg hinabrutschte und seine Flöte für seine Geliebte spielte.“ Sie lächelte und gab ihm einen Kuss. „Ungefähr so ist die Bedeutung. Das ist der zweitlängste Ortsname der Welt. 85 Buchstaben.“</p>
<p>Ich starrte sie an. „Länger ist nur noch die Adresse meines Mannes. Geht’s noch? Also. Geboren wurde er in Wales. Auf der Insel Anglesey. Die Stadt heißt Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Oft wird der Ortsname einfach mit Llanfairpwllgwyngyll abgekürzt, aber in Hotels schreiben wir es immer aus. Jetzt kommt das Anstrengendste. Wir wohnen in Thailand. Sie kennen unseren Wohnort als Bangkok. Aber wir schreiben immer den offiziellen Thai-Namen. Geht’s?“, fragte sie.</p>
<p>Ich nickte mit starrem Blick. „Also. Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ajuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awathan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit. „168 Buchstaben!“ Ich hatte mitgezählt. Schweiß tropfte aufs Formular. Meine Hand schmerzte.„Ja, der längste Ortsname der Welt. Wollen sie auch noch den Beruf für uns eintragen? Das wäre nett. Wir sind beide Musiker. Unsere Band heißt Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis.“ – „Lassen Sie mich raten. Der längste Bandname der Welt?“ Beide lachten und strahlten mich an. „Und sie?“ fragten die zwei. „Sie müssen der Esel sein!“</p>
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		<title>Die Arschkarte</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Feb 2011 07:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Stermann]]></category>
		<category><![CDATA[Finnen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[Schade, dass Sie nicht sehen können, wie meine Schweißperlen auf die Tastatur fallen. Mein Schweiß riecht nach Eukalyptus und der Laptop glüht. In der Biosauna kann jeder eine Ko&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2011/02/die-arschkarte/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/02/Stermann.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11000" title="Stermann" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/02/Stermann-211x300.jpg" alt="Stermann" width="183" height="261" /></a><strong>Schade, dass Sie nicht sehen können</strong>, wie meine Schweißperlen auf die Tastatur fallen. Mein Schweiß riecht nach Eukalyptus und der Laptop glüht. In der Biosauna kann jeder eine Kolumne schreiben, dachte ich. 40 Grad? Lächerlich. Dazu leise Musik vom Eso-Wühltisch. Beruhigend? In Biosaunen läuft das überzählige Ohrenschmalz der Musikgeschichte. Mein Amboss schwillt und mein Steigbügel schlägt um sich. Für eine Biosauna gibt es nur eine einzige Funktion. Man kann das fertige Essen hineinstellen, um es warm zu halten. Den toten Tieren ist Meeresbrandung auf der Harfe gespielt einerlei. Und dem Gemüse auch.</p>
<p>Erzählen Sie mal einem Finnen, dass sie Biosaunagänger sind. Der jagt sie sofort in den Wald, aus dem die Finnen ja alle kommen, allerdings nachdem sie mit den Ungarn zusammen als Steppenvolk aus Asien nach Europa kamen. Der Überlieferung nach stand im heutigen Russland ein Wegweiser. Die Straße gabelte sich. Unter dem Pfeil, der nach links zeigte, stand: &#8220;Warm, Wein, schöne Frauen&#8221;, unter dem Pfeil nach rechts: &#8220;Kalt, dunkel, Wölfe, Depression&#8221;. Alle, die lesen konnten, leben heute in Ungarn. Der Rest ist Finne.</p>
<p>In Teilen Finnlands hat noch nie die Sonne geschienen. Dort lebt der blasse, fast durchsichtige Finne und trinkt traurig in sich hinein. Er träumt von seinen Verwandten, die bei Szegediner Krautfleisch und Wein mit Frauen im Arm an der Donau liegen. Frauen, die er nur aus ungarischen Pornoproduktionen kennt.</p>
<p>Der Finne hat stets die Arschkarte. Hunderte Jahre lag er einfach im Wald am Boden. Im Schnee, zugedeckt mit Elchen und Rentieren, die teilweise noch lebten und sich zur Wehr setzten. Eiszapfen fielen von den Bäumen und erschlugen viele der besten Finnen. Sie klapperten mit den Zähnen und bewegten sich melancholisch dazu, der Suomi-Tango war geboren, die einzige karge Freude, die unsere Finnen bis heute haben, neben dem Leeren aller Alkoholflaschen, derer sie habhaft werden.</p>
<p>Im 18. Jahrhundert kam dann ein Ungar vorbei, weil es in Budapest so viele schöne Frauen gab, die ihm den Hof machten. Er wollte sich anschauen, wie sich die Verwandten, die damals rechts abgebogen waren, so schlugen. Er fand sie halb erfroren, mit blutenden Wunden, in denen Elchgeweihe steckten, so blass, dass man sie im Schnee kaum sehen konnte. Sie taten ihm sehr leid. Darum baute er ihnen eine Sauna und eine Schanze. Seither haben die Finnen zwei Hobbys: Schwitzen und Skifliegen.</p>
<p>Bis zu 180 Grad kann eine finnische Sauna warm werden, hat mir Matti Nyämähänähänälä erklärt, den ich einmal für die Zeitschrift &#8220;Sad Faces&#8221; fotografiert habe. Das Foto ist nichts geworden, weil ich es dummerweise im Schnee gemacht habe und er sich einfach nicht vom Weiß abhob. Nyämähänähänälä erzählte, 180 Grad sei deshalb ideal, weil man einen Elch mitnehmen kann, der dann in der Sauna erschlagen wird und zwei Stunden vor sich hin schmort, während der Finne danebensitzt und auf den Elch tropft. So wie ich auf meinen Laptop.</p>
<p>Von Nyämähänähänälä hab ich gelernt, dass man die Sauna auch gut zum Wäschewaschen benutzen kann. Man stellt auf 90 Grad, legt die dreckigen Kleider auf den Boden und tropft zwei Stunden auf die schmutzige Wäsche. Finnisch Wäsche waschen, nicht EU-konform, aber das ist das harte Leben in Finnland auch nicht.</p>
<p>Dass der Laptop auf meinen Oberschenkeln schmilzt, ist sehr schmerzhaft, aber dass bin ich dem traurigen Nyämähänähänälä schuldig. Ihm und all den anderen Sad Faces, die sich für uns da oben im Norden den Arsch abfrieren, nur weil ihre Vorfahren nicht lesen konnten.</p>
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		<title>Sie wollen wissen…</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 07:05:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>

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		<description><![CDATA[[Feiertags-Stermann-Retrospektive, Teil 3] Sie wollen wissen, warum ich Weihnachten heuer in einer üblen Kammesche gefeiert habe? Na weil Schisiwi. Ich bin nämlich draufgek&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2010/12/sie-wollen-wissen/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-9781" title="stermann" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/12/stermann2-211x300.jpg" alt="" width="196" height="279" /><strong>[Feiertags-Stermann</strong>-<a title="wiener-online: Ergebnis der Leserumfrage" href="http://www.wiener-online.at/2010/12/alea-iacta-est/">Retrospektive</a>, Teil 3] Sie wollen wissen, warum ich <a title="Stermann über Weihnachten" href="http://www.wiener-online.at/2010/12/wiener-weihnacht/">Weihnachten</a> heuer in einer üblen Kammesche gefeiert habe? Na weil Schisiwi. Ich bin nämlich draufgekommen, dass ich nicht weiß, warum Weihnachten gefeiert wird. Hat sich Gott da geteilt? Oder ist Herodes in den Himmel aufgestiegen? Peinlich. Die Geschenke nehm ich aber doch. Ich bin streng katholisch erzogen worden, das ganze Jahr über trink ich nur Weihwasser und <a title="Stermann über Punsch" href="http://www.wiener-online.at/2010/12/wiener-punsch/">Punsch</a>. Bis zu meinem 10. Geburtstag hab ich mich ausschließlich von Hostien mit Nutella ernährt, auf meinem iPod war nur Orgelmusik, und gebenedeit war die Frucht jedes Leibes. Wahrscheinlich haben alle gedacht, dass jeder weiß, was an Weihnachten passiert ist. Manche Sachen werden als bekannt vorausgesetzt und nie mehr erklärt. Ein intelligenter Freund von mir hat bis zu seinem 40. Geburtstag ständig von &#8220;üblen Kammeschen&#8221; gesprochen, in denen er fürchterlich abgestürzt sei. Niemand fragte nach, weil ein jeder und eine jede dachte, der intelligente Herr mache wohl Sprachscherze. &#8220;Fantastische Kammesche! Da bin ich dann versumpert in einer Kammesche, herrlich!&#8221; Irgendwann sagte aber doch mal jemand zu ihm: &#8220;Meinst du Kaschemme?&#8221; Und da war die Überraschung groß. So erklär ich mir mein Weihnachtsproblem. Pfingsten ist auch ein Problem, das viele haben. Sagen Sie mal ganz schnell, was Pfingsten ist! Da tun Sie sich schwer, nicht? Ich war in einem orthodoxen Kindergarten, geleitet von Opus-Dei-Mitarbeitern, die sich und uns mit Dornengürteln kasteiten. Aber dass irgendeiner von diesen Brüdern mal gesagt hätte: Weihnachten, das war &#8211; weiß der Kuckuck, was. Ich weiß es ja nicht. Vielleicht, weil ich als Kind ins Punschfass gefallen bin.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Ich war vor kurzem in einer Kirche in Simmering.</strong> Neben der Kirche ist ein Friedhof, der eingeschlossen ist zwischen einem Kraftwerk oder einer Müllverbrennungsanlage und Eisenbahnschienen. Bei der Beerdigung donnerten Züge mehr oder weniger übers offene Grab, dem Pfarrer flog der Hut weg und man verstand kein Wort. Nach jedem Zug, der vorbeirast, müssen alle Kreuze wieder aufgestellt werden. Der Pfarrer sprach dazwischen über die Verstorbene und alle Menschen, die im Leben der Verstorbenen gestorben sind. Und der Pfarrer sagte: &#8220;Tja, es war ein Kommen und Gehen in ihrem Leben und jetzt ist sie auch gegangen.&#8221; Ich setzte mir meinen alten iPod auf und hörte lieber Orgelmusik.</p>
<p><strong>In der Kirche reichten sich plötzlich</strong> alle Trauernden die Hände. Ich nahm meinen iPod ab und gab einer zerknitterten Frau die Hand, die mir völlig unbekannt war. Sie murmelte etwas Unverständliches, also murmelte ich etwas Unverständliches zurück. Dann drehten sich die von der Bank vor mir zu mir nach hinten und gaben mir auch die Hand. Wieder murmelten die etwas, was ich nicht verstand, und ich murmelte so etwas wie: &#8220;Schisiwi.&#8221; Es war ein nicht enden wollendes Händegeschüttele und Herumgenuschele. Alle anderen schienen zu wissen, was zu sagen war, aber mir hat kein Schwein was erklärt. Und während eines Trauergottesdienstes zu fragen: &#8220;Hä? Was sagen Sie, sprechen Sie doch bitte deutlicher, ich versteh kein Wort!&#8221;, erschien mir unpassend und eitel. Werd ich also auch nie herausfinden, was das &#8220;Schisiwi&#8221; tatsächlich hieß.</p>
<p><strong>Die letzte Beerdigung</strong>, bei der ich war, da wurde ein schizophrener Verwandter beigesetzt, der seit dem 2. Weltkrieg in einem Heim lebte und aufgehört hatte zu sprechen. Der Pfarrer sagte: &#8220;Erinnern wir uns an sein erfülltes Leben, an all die schönen Dinge, die er zu Lebzeiten gesagt hat.&#8221; Ich hätte sagen können: &#8220;Er hat nicht gesprochen. Und sein Leben war auch nicht erfüllt.&#8221; Aber ich tat&#8217;s nicht, darum glaubt der Pfarrer wahrscheinlich heute noch, dass er da einen kreuzfidelen Partytypen beerdigt hat. Ich hab mir damals auch lieber den Kopfhörer aufgesetzt. Fällt Ihnen auf, dass ich jetzt &#8220;Kopfhörer aufgesetzt&#8221; geschrieben habe, ein paar Zeilen vorher aber noch &#8220;iPod aufsetzen&#8221;? Sehen Sie, ich stehe im Moment an einem <a title="Stermann über Punsch" href="http://www.wiener-online.at/2010/12/wiener-punsch/">Punschstand</a>, während ich schreibe, und die nette Punschstanddame hat mir über die Schulter geschaut und zu mir gerade gesagt: &#8220;Man setzt keinen iPod auf, sondern nur den Kopfhörer. Das sähe ganz schön dämlich aus, wenn man sich den iPod aufsetzt!&#8221; Sehen Sie? Da hab ich was gelernt, weil jemand mir was erklärt hat, was eigentlich ganz logisch ist. Aber die hübsche junge Dame weiß leider auch nicht, was der Anlass für Weihnachten ist, obwohl sie in eine Nonnenschule gegangen ist und eine Nonnenuniversität besucht hat. Ist ja auch egal. Ich lass sie jetzt mithören. Jetzt teilen wir uns den iPod und die Kopfhörer, hören Orgelmusik und trinken leckeren Punsch dazu. Köpfchen an Köpfchen. Herrlich. Wenn das Weihnachten ist, soll&#8217;s mir recht sein.</p>
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		<title>Wiener Punsch</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Dec 2010 07:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Stermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Feiertags-Stermann-Retrospektive, Teil 2] Es klingt unglaubwürdig, aber ich habe meinen ersten Punsch mit Barack Obama in den 80erJahren gekocht und ausgetrunken. Ich war i&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2010/12/wiener-punsch/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-9763" title="stermann" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/12/stermann1-211x300.jpg" alt="" width="196" height="279" /><strong>[Feiertags-Stermann</strong><a title="wiener-online: Ergebnis der Leserumfrage" href="http://www.wiener-online.at/2010/12/alea-iacta-est/">-Retrospektive</a>, Teil 2<strong>] </strong>Es klingt unglaubwürdig, aber ich habe meinen ersten Punsch mit Barack Obama in den 80erJahren gekocht und ausgetrunken. Ich war in Chicago, ein Stipendium des Landes Kärnten für überdurchschnittliche Verdienste um die Karawanken hatte mir den Aufenthalt ermöglicht. Ich studierte an der Humorhochschule Internationale Komik. Der Geldbetrag aus Kärnten war überschaubar und so lebte ich als Obdachloser in einem Papphaus beim Bahnhof. Aber ich hatte einen Laptop mit eigener Homepage. Immerhin, dachte ich, wenn ich meine Nachbarn betrachtete, die sich an brennenden Ölfässern wärmten und gar nichts hatten.</p>
<p><strong>Nicht mal das brennende Fass,</strong> das musste man leasen. Barack &#8211; oder &#8220;Obi&#8221;, wie ich ihn nennen durfte &#8211; war Sozialarbeiter in Chicago. Gerade im Winter ist Chicago für Obdachlose eine ungemütliche Stadt, Temperaturen von unter 100 Grad sind keine Seltenheit, die gefühlte Kälte ist durch den scharfen Wind noch weit schlimmer. Haare brechen ab, Wimpern und Augenbrauen, manchem fällt vor Kälte die Nase ab, deshalb sieht man oft homeless people mit Mohrrüben im Gesicht. Nur einmal war es in Chicago in der kalten Jahreszeit erträglich: 1871, als am 31. Oktober die ganze Stadt abbrannte. Da konnte man sich kurz aufwärmen, aber sonst ist Chicago a living refrigerator, wie wir Auskenner sagen.</p>
<p><strong>Übrigens wurde die gesamte abgebrannte Innenstadt</strong> in den Michigan-See geschüttet. Das wäre so, als würde in Wien der 1. Bezirk abbrennen und im Donaukanal entsorgt werden. Deswegen treiben im Michigan-See, der so groß ist wie die Adria, immer noch Lampenschirme, Sofas und Nachttöpfe. Aber auch Bücher und so ein Buch hab ich damals beim Schwimmen gefunden. Es war ein burgenländisches Punschrezeptbuch. Chicago ist ja die größte burgenländische Stadt der Welt, fast alle weißen Männer sehen exakt aus wie der sympathische Landeshauptmann Niessl. Überhaupt ist das Burgenland eines der freundlichsten Länder Europas. Mehrsprachige Ortstafeln gibt es hier überall, viele Burgenländer haben sogar mehrsprachige Namensschilder an der Tür. In bis zu 25 Sprachen. So weltoffen sind sie, die liebenswerten Burgenländer. Als Wiener sollte man immer wieder mal hinfahren. Ein Katzensprung in Kilometern, aber ein Luftsprung fürs Herz.</p>
<p><strong>Von den 9,5 Mio. Einwohnern Chicagos</strong> haben fast 5 Mio. Vorfahren aus Eisenstadt oder Eisenstadt Umgebung. &#8220;Alkohol ist keine Lösung, aber ein Anfang&#8221; stand als Widmung in dem Buch, das ich aus dem Michigan-See gezogen hatte. Geschrieben hatte es ein gewisser Johannes Jovan Giovanni Gutdobrebuono. Im Vorwort schrieb der gute Gutdobrebuono, dass er ein alter Mann sei, sich lange überlegt habe, um was es im Leben wirklich gehe, und nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen sei, dass ein guter Punsch der Sinn des Lebens sei. Lässt sich drüber streiten, ich weiß natürlich, andere würden Pilates sagen oder Schlitten fahren oder den Hund bürsten, aber der Mensch ist individuell. Das Buch heißt auch schlicht <a title="wiener-online über Punsch" href="http://www.wiener-online.at/2010/12/hollentrip-zu-weihnachten/">&#8220;Punsch&#8221;</a> und es ist nur ein Rezept. Ich möchte es Ihnen unverfälscht wiedergeben: &#8220;Punsch&#8221; von Johannes Jovan Giovanni Gutdobrebuono: Zucker, Tee, Rotwein, Rum. Prost.</p>
<p><strong>Dieses Buch zeigte ich meinem Sozialarbeiter</strong> Obi, weil ich wusste, dass er sich für Literatur interessiert. Er war begeistert; und die Schlagersängerin Michelle, die ja vor kurzem ihre Karriere beendet hat, war damals schon Baracks Freundin und schlug vor, in einem der brennenden Fässer den Punsch nachzukochen. Da Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, besorgten Michelle und Obi 1 Tonne Zucker, 4 Hektoliter Tee, 1 Glas Rotwein und 1 Stamperl Rum. Ich überredete sie, das Verhältnis umzudrehen: 1 Stamperl Tee, 1 Hektoliter Rum, 1 Tonne Rotwein und 1 Glas Zucker.<br />
Noch nie hat man so fröhliche Obdachlose im strengen Chicagoer Winter gesehen. Seit damals sind Obi und ich uns einig, wenn man uns nach dem Sinn des Lebens fragt. Der Punsch ist&#8217;s.</p>
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