Filmen house gemacht
Einer der letzten Bastionen im Film steht vor dem Fall. Nachdem die erste Hollywood-Produktion zur Gänze mit einer Spiegelreflexkamera gedreht wurde, findet eine neue Generation von Filmemachern nun bisher unbekannte Möglichkeiten vor.
Dass Spiegelreflexkameras auch Video in HD-Qualität produzieren können, ist nichts Neues mehr. Im elitären Zirkel der Cineasten und professionellen Filmemacher wurden diese Kameras jedoch stets mit einem müden Lächeln als Amateurspielzeug abgetan. Niemals würden diese Kameras an jene Qualität herankommen, die für die Produktion von hochwertigen Hollywood-Filmen und Fernsehserien notwendig ist. Doch das schallende Gelächter ist plötzlich verstummt und ein Raunen geht leise durch das gesamte Filmbusiness. Der Grund? Erstmals wurde eine komplette Folge einer Hollywood Serie mit Hilfe von digitalen Spiegelreflexkameras gedreht.
Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Billig-Serie aus dem US-amerikanischen Nachmittagsprogramm, sondern um die erfolgreichste TV-Serie der Welt: Dr. House. Die TV-Serie rund um einen ebenso brillanten wie exzentrischen Arzt läuft momentan in 66 Ländern und ist mit knapp über 80 Millionen Zuschauern die meistgesehenste Serie der Welt. Die Abschlussepisode der in den USA soeben zu Ende gegangenen sechsten Staffel wurde komplett mit der Canon 5D Mark II gedreht.
Wer glaubt, dass Hollywood tricksen musste, um die Bilder gegenüber der sonst üblichen teuren Hollywood- Ausrüstung konkurrenzfähig zu halten, der irrt. Für den knapp zehntägigen Dreh wurden drei handelsübliche Standard-Modelle verwendet. „Wir haben vorwiegend aus der Hand gedreht oder mit kleinen Stativen. Lediglich einmal haben wir für eine kleine Kamerafahrt auf einen Kamerawagen zurückgegriffen – aber eher aus Bequemlichkeit und nicht aus Notwendigkeit,“ bestätigte der Regisseur der Folge, Greg Yaitanes, in einem Interview. Die Verwendung von 18 Gigabyte großen Speicherkarten ermöglichte dem Team volle 22 Minuten Filmaufzeichnung. Fokussiert wurde per Hand, und der Kamermann konnte seinen Bildausschnitt über einen zusätzlich montierten Monitor kontrollieren.
„Natürlich hatten wir auch Probleme. Schon bei der Vorbereitung. Wir mussten unseren Sender FOX mit Testaufnahmen davon überzeugen, dass wir die gewünschte Qualität liefern können. Technisch war es sehr schwierig zu fokussieren, aber damit haben wir auch eine Optik erzeugen können, die Filmkameras gar nicht liefern können.“ Gerade beim Drehen in engen Räumen etwa konnte die kleine kompakte Kamera ihre Vorteile auspielen.
Für die Schauspieler konnten, statt der üblichen pompösen Sets, kleine, intime und natürliche Räume geschaffen werden. Die einfache Handhabung beschleunigte den Arbeitsprozess am Set – Umbauten, Wechsel von Filmrollen oder kompliziertes Einrichten der Kamera entfiel großteils. Dies erlaubte den Darstellern nicht nur mehr Freiheiten beim Spielen, sondern gestattete es ihnen auch „in der Szene zu bleiben“ anstatt zwischendurch immer wieder längere Zeit aus der Rolle zu fallen.
„Die erste große Hürde fällt damit endlich“, schwärmt Yaitanes, „denn junge ambitionierte Geschichtenerzähler scheiterten bislang oft am sündteuren Equipment. Die Tatsache, dass ich so eine Kamera um knapp unter 2000 Dollar kaufen und einfach loslegen kann, eröffnet ganz neue Möglichkeiten.“ Für ambitionierte Hobbyfilmer sind sogar schon Kameras von Canon und Nikon um knapp 700 Euro am Markt erhältlich. Kurzfilme, Videoclips und Self-Made-Dokumentationen schießen wie die Schwammerl aus dem Nährboden, den diese Weiterentwicklung gesäht hat – ein Ende ist nicht abzusehen.
Weiterlesen?
- Filmbeispiele, die mit digitaler Spiegelreflexkamera gedreht wurden
- Interview mit Independent-Filmer Dominik Gubi über Filmen mit der DSLR
DIE FAKTEN
CANON EOS 5d Mark II
Film und Fotografie in einer Kamera. Die Spiegelreflex mit 21,1 Megapixel kann Filme in Full-HD 1080p mit 24 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Dank der Wechselobjektive und der manuellen Kontrolle von Belichtung und Blende kann sich die 5D mit Filmkameras messen. Die 5D geht auch als erste digitale Kamera in die Geschichte ein, mit der das erste offizielle Pressefoto von US-Präsident Barack Obama geschossen wurde. www.canon.com










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