Hausmitteilung / Juli 2010
Mediengeschichte hat viele Facetten – der WIENER an sich ist eine davon. In der aktuellen Ausgabe präsentieren wir ihnen noch eine weitere; eine die stets auf der uns entgegengesetzten Seite des Meinungsäquators lag: Richard Nimmerrichter, demnächst 90 Jahre alt und Jahrzehntelang als „Staberl“ der Hof-Kolumnist von „Krone“-Herausgeber Hans Dichand.
Es wurden schon viele Etiketten für ihn und seine früheren Ergüsse gebraucht, von chauvinistisch bis faschistoid, die treffendste davon ist wohl „Hausmasters Voice“; er war die selbstbewusste Stimme des Kleinkaros, seine Kolumnen „Krone“-Folklore im Lande Dichands zu Zeiten als man noch annehmen konnte, gesellschaftlicher Druck sein in Österreich ausschließlich eine Sache von Papier. Nach dem Interview, das wir mit „Staberl“ in dessen Kärntner Domizil führten, fügen wir der Liste noch ein weiteres Attribut hinzu: erstaunlich.
Erstaunlich ist, dass er – sei es nun Altersmilde oder sein spätes liberales Coming out – uns mit keiner Silbe reaktionären Geist vermittelte, sondern nur unermüdliche Diskussionslust und eine erfrischende Unbekümmertheit, was political correctness betrifft. Erstaunlich ist auch, wie sehr sich die Bedingungen journalistischer Arbeit vor wenigen Jahren noch von den heutigen unterscheiden konnten. Ob man es nun mochte oder hasste, Nimmerrichter tat sein Arbeitsleben lang nichts anderes, als seine Gedanken aufzuschreiben. Er lieferte Inhalt im reinsten Sinn, seinen Inhalt, klar gekennzeichnet und unzensiert. Hans Dichand hatte ihm sogar vertraglich zugesichert, seinen Kolumnen weder etwas hinzuzufügen noch etwas davon wegzustreichen. Der Mann mit dem einzigartigen Verleger-Instinkt vertraute dem Publikumsinstinkt seines Starschreibers, und das war eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.
Und er bezahlte ihn gut, auch das kann man in der Epoche von Gratis-Content und geizigem Verlagsopportunismus als erstaunlich bezeichnen. Dichand entlohnte Nimmerrichter nicht nur mit einem stattlichen Monatssalär sondern darüberhinaus, wegen des Riesenerfolgs, mit einer Beteiligung am „Krone“-Gewinn in Höhe von 1,43%. Was bescheiden klingt, brachte dem „Staberl“ jährlich etwa sechs Millionen Schilling ein, wie er uns verriet. Geld, das er in Gemälde, vor allem in Meister des 19.Jahrhunderts investierte.
Natürlich war Richard Nimmerrichter eine Ausnahmeerscheinung, deshalb gehört er ins Licht: als Leuchtturm für das, was möglich ist – nicht für das, was geschrieben werden sollte. Aber ja: Es war ein großes Vergnügen, mit ihm zu sprechen. Lesen Sie es ab Seite 34 nach.
Noch eine Ausnahmeerscheinung, noch ein großes Vergnügen: unser Zusammentreffen mit Viktor Gernot, der nicht nur aussieht wie Peter Alexander sondern sich sich gerade anschickt, dessen Nachfolge als Allround-Entertainer und vor allem Publikumsliebling anzutreten. Kennen Sie jemanden, der Gernot nicht mag? Wir haben keinen gefunden, warum lesen Sie in unserer Cover-Story ab Seite 14.
Dann haben wir noch ein echtes Anliegen: Wie unser Kolumnist Walter Gröbchen überzeugend darlegt, gibt es in Österreich wieder hochinteressante Musik, die auch international gehört wird. Warten Sie nicht, bis sie auf dem Umweg übers Ausland auf den Playlists der heimischen Radiosender landet, fragen Sie im Fachhandel nach der CD „Wien Musik 2010“, dann sind Sie früher dran am erfreulichen Trend. Zehn davon verlosen wir auf www.wiener-online.at, ein paar mehr davon sollten Sie kaufen, schließlich müssen die hochbegabten Herrschaften auch von etwas leben.
Weiterhin schönen Sommer!
Helfried Bauer









[...] Oder können mit etwas Glück eines von zehn Exemplaren gewinnen, die der WIENER verlost (siehe Hausmitteilung). Bevor mir jetzt aber die Verlagsleitung ein Kündigungsschreiben wegen Schleichwerbung [...]