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Oldies But Goldies

Pandora graut davor, für immer sexuell aktiv bleiben zu müssen. Und plädiert mit aller gebotenen Härte dafür, Liebesspielchen spätestens mit 66 für immer bleiben zu lassen.

PandoraJetzt ist es schon so weit – Pandora inspiriert geile Pensionisten. Kein Spaß, mein Verleger erzählte mir beim letzten Meeting im Café Korb (bestehend aus wechselseitigen Panikattacken, gewürzt mit gutem Größenwahn meinerseits) von einer Dame fortgeschrittenen Alters, die ebenfalls ihre amourösen Abenteuer publiziert. Tatsache, die Dame hat sogar noch vor mir veröffentlicht, aber ohne beleidigt klingen zu wollen: Sie verfügt auch sicher über mehr Tagesfreizeit. Aber anyway: Frau Elfriede Vavrik, mittlerweile 80, erzählt in ihrem Erstlingswerk „Nacktbadestrand” laut Pressetext über „Sex im Alter, Liebe mit fünfzig Jahre jüngeren Männern, die Veränderungen der Lust in den Jahrzehnten und die erotischen Fantasien einer Seniorin“. Ermutigt dazu soll ich sie haben, meint jedenfalls der Verleger (das kann allerdings auch ein Trick gewesen sein, um mein Ego auf Hochglanz zu polieren, was wiederum dazu führen könnte, dass ich „Pandoras Best Of“ zeitgerecht abliefere).

Aber vielleicht will ich ihm ja gar nicht Glauben schenken: Allein der Gedanke daran, dass Menschen über 60 koitieren und noch dazu mit Gleichaltrigen, provoziert mein Mittagessen zu einem Comeback. Wäre ich Königin, Kaiserin oder ganz generell an der Macht, gäbe es nach Geschlechtern getrennte Altersheime. Omas und Opas haben apfelbäckig und gütig zu sein, und nach Gugelhupf zu duften, sie sollen nicht – und ich wiederhole: nicht und niemals – aneinander lecken. Händchenhalten im Park, ja. Blowjobs ohne Gebiss, nein.

Ich weiß, ich weiß: das ist krank und gemein. Denn – so versicherte es mir einmal mein Erzeuger – der Körper welkt, der Geist bleibt geil. Auf den ersten Blick eine wahrlich grauenvolle Vorstellung. Werde auch ich, die Sexgöttin a. D., eines Tages meine Runzeln ins Freibad schleppen um den knackigen Jungs nachzusabbern, zu Tode betrübt und knochentrocken? Werde ich in der U-Bahn die Frage, ob ich mich setzen möchte, mit einem anlassigen „Klar, auf dich gerne“ beantworten? Oder werde ich meinem ebenfalls runzeligen Gespielen eine Viagra einflößen, meinen faltigen Leib in Gleitcreme baden um dann den unheilsvollen Akt der geriatrischen Liebe zu zelebrieren? Granny Frisch statt Granny Smith?

Laboriere ich an Jugendwahn? Kann nicht sein, mein ältester Kerl sah aus wie 60, war aber 50 und dabei sehr, sehr sexy, Sean-Connery-Style eben. Habe ich etwa Angst vor der Vergängnis? Kann nicht sein, denn mein Vermächtnis halten Sie ja in Händen. Habe ich meine Eltern mal im Bett erwischt? Ja, aber ich denke in der Situation war uns allen dreien langweilig. Bin ich ein Mann – ist das des Rätsels Lösung? Immerhin kenne ich nur wenig reife Kerle, die sich gerne mit ebenso reifen Damen vergnügen wollen, da werden peter-panische Abstriche an Hirn und Herz gemacht, die nicht selten untragbar sind. Aber keine Sorge: Ich bin und bleibe ein Weib, ein volles noch dazu. Ha, jetzt hab ich’s. Die große Dagmar Koller hat es ja schon so trefflich formuliert: „Irgendwann muss genug sein!“ Und recht hat sie. Mir graut davor, für immer sexuell aktiv bleiben zu müssen, so simpel ist es. Die Geister, die ich rief, sie mögen bitte irgendwann verstummen. Lasst mich gut essen und sehr früh schlafen gehen.

Lasst mich mein Haar graublau färben und ungestraft Unmassen an Pillen schlucken. Verbrennt die Laufbänder und die Designer-Jeans. Lassen wir es einfach gut sein, so mit 66 Jahren. Darauf einen Granny Smith. Püriert meinetwegen.

Erschienen im WIENER 346 / Juni 2010

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Tuesday, 07.02.2012, 10:23 Uhr

Autorenprofil Pandora

Pandora
Janina Lebiszczcak ist Society-Redakteurin der Zeitschrift News. Für den WIENER schreibt sie unter dem Pseudonym Pandora Reithermann seit vielen Jahren ihre Kolumne »Pandoras Box«. Prädikat: Nicht jugendfrei.

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