Welttag des Buches / Andreas Bernards “Vorn”: Mehr als ein Adieu
Der Welttag des Buches setzt den lange überfälligen Startschuss für eine neue Kategorie auf wienerpost: Bücher! Diesmal: Andreas Bernhards Hommage an eine ganze Journalisten-Generation wird zum pragmatischen Abgesang auf eine wilde, eine verrückte Zeit.
“Es wurde in diesen Runden allein über Journalismus geredet, über die Qualität des aktuellen Heftes, über neue Themen, Reaktionen auf bestimmte Artikel, die Texte von befreundeten Autoren. Die Atmosphäre war dabei getragen von der Begeisterung über die eigene Arbeit; sie feierten sich selbst.” Was Andreas Bernhard über die Arbeit beim fiktiven Magazin “Vorn” (unschwer als “jetzt”, die legensäre Beilage der Süddeutschen Zeitung identifizierbar) notiert, beschreibt die Aufbruchsstimmung, ja, das Lebensgefühl einer ganzen Journalisten-Generation, die in den frühen 1990er Jahren das Heft in der Hand hatte.
In irritierend distanziertem Ton erzählt Bernhard, selbst jahrelang “jetzt”-Redakteur (heute beim Magazin der Süddeutschen tätig), die Geschichte Tobias Lehnerts, der in seiner Arbeit für “Vorn” auf-, oder besser: verloren geht. Bis er entdeckt, dass das wahre Leben, die echte Liebe, mehr ist als eine perfekte, flott inszenierte Pointe. Und trotzdem ist der Roman nicht nur persönliche Bilanz, nicht nur sentimentales Adieu. Er ist auch – vielleicht – unfreiwilliger Abgesang auf eine wilde, eine verrückte Zeit: Goodbye schiere Begeisterung, hello kosteneffizienter Pragmatismus. Im Jahr 2002 wurde das “Vorn”-Vorbild “jetzt” eingestellt. Aus Kostengründen.









Userkommentare