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Alles porno, Baby!

PANDORA FESTSPIELE AUF WIENERPOST (Teil 3): Diesmal: Pandora wagt eine Studienreise in die Welt der Schmuddelfilmer. Und stellt dabei fest: Manche Vorurteile lassen sich tatsächlich erhärten.

PandoraIch, Pandora in persona, bin zwar nicht gerade das, was man einen
Porno-Head nennt. Aber ab und an gilt es doch die eine kurze erotische Durststrecke zu übertauchen. Pornos – und die Rede ist hier von guten Pornos, nicht der Rammel-Liga – können dabei helfen, amüsant, kreativ und ziemlich geil sein. Männer beherrschen in diesen Streifen Frauen: Baumlange schwarze Kerle versenken ihre baumlangen schwarzen Schlongs in bibbernde Jungfrauen. Dreckige Schufte in Lederjacken besorgen es hilflosen Zimmermädchen von hinten, ungefragt. Es wird gefesselt, geschnürt, gebraucht, missbraucht, dominiert und kräftige Schläge landen auf Hinterteilen. Some of them want to use you, some of them want to get used by you. Gut so! Denn im wahren Leben kann man die Männer, die das weibliche Begehr, nach Dienstschluss Weibchen sein zu wollen, für gut befinden, an einer Hand abzählen. Meine Schlussfolgerung: Dort, wo Pornos gedreht werden, lass dich nieder. Pornografen sind nie zwider. Dass ich beim Chatten einen Holländer namens Arie kennen gelernt hatte, dessen Brotberuf es ist, in Madrid gut budgetierte Sexfilme zu drehen, war somit Fügung des Schicksals. Wir verstanden uns auf Anhieb. Er schickte mir ein Foto. Ich reservierte ein Flugticket. Drei Wochen später berauschten wir uns in seiner Finca an Kaffee mit Wermut, dann zog er mir das Höschen aus, schleuderte es mir gen Haupt und nahm mich am Couchtisch, während im Garten seine Doggen jaulten.

Porno, Baby, Porno. Arie war schlicht und ergreifend sexbesessen. Ein glücklicher Mensch, hatte er doch sein Hobby zum Beruf gemacht. Nach zwei Nächten in seinem Haus allerdings wurde ich langsam wund. Außerdem stand mir der Sinn nach Abwechslung.
Ich wollte mehr von der wilden Welt der Pornomacher sehen als die verschiedenen Perspektiven ihrer Inneneinrichtung. Arie reagierte sensibel. Er nahm mich mit an den Set von „Extreme Girls Gone Wild“ (Teil 4) und versprach mir klassische Momente.

Vor Ort dann: die erste Ernüchterung. Ich fand mich in einem übel riechenden Sumpfgebiet wieder. Die Extreme Girls sollten laut Script in einer Art paramilitärischem Sex-Bootcamp ordentlich geschändet werden und ich klatschte mir wie besessen Moskitos von den Schenkeln. Außerdem: Fremde Menschen beim Sex live zu beobachten hat mir nie sonderlich viel Vergnügen bereitet, immer zerrt da diese Frage „Was tun: Mitmachen? Wegsehen?“ an meinem Nervenkostüm.

In der Drehpause lernte ich Anika und Paul kennen, ein Pärchen, beide Darsteller, er ein auftrainierter, zu kurz geratener Pole, sie eine zierliche Lettin mit dem unvermeidlichen Arschgeweih-Tattoo. Ich belästigte sie mit allerlei klischeetriefenden Fragen: Treiben sie es privat auch so wild? Herrscht Eifersucht beim Dreh mit anderen? Stimmt es, was man über Intim-Piercings und Oralverkehr sagt? Viel rauszubekommen war nicht aus dem Porno-Pärchen. Anika starrte mir minutenlang auf den Mund und schnurrte dann: „You are verrrrrry prrrretty.“

Rückzug. Nichts gegen ein gepflegtes Sandwich, aber der Belag macht den Geschmack. Diesen traf ich am selben Abend bei der Drehschluss-Party in Form von Erika. Erika Lust, Künstlername versteht sich. Schwedin, ungelogen, und vor allem: Pornoproduzentin.
Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, die weibliche Zielgruppe zu erobern. Ihre Freunde, alles Rollkragenträger mit kreativen Brillengestellen, schwule Maskenbildner und miniberockte Galeristinnen, hatten sich in ihrer Stadtwohnung zur Begutachtung ihres Erstlingswerkes versammelt. Die klassische Geschichte vom Pizzaboy, der nicht nur die Pizza liefert.
Aber das perfekt inszeniert. Bis zum Bezug des Sofas. Als Backgroundmusik plätscherte statt Bontempiorgel-Gedudel „Beautiful Day“ von U2 dahin. Sehr geschmackvoll. Sehr … geil. Ich war ehrlich begeistert. Arie auch, ich ließ mich beim Abspann müden Auges von ihm befummeln. Mir stand aber der Sinn mehr nach Erika. Sie hatte viel für die Sache der Frau geleistet. Mehr als Alice mit ihrem Schmöker wahrscheinlich.

Taschentücher raus! Den Rest vom Fest müsst ihr euch denken. Ich möchte nämlich zwei so wunderbare Menschen nicht arbeitslos machen. Stay hard. Besitos, Pandora.

Erschienen im WIENER, Nr.307

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Tuesday, 07.02.2012, 10:10 Uhr

Autorenprofil Pandora

Pandora
Janina Lebiszczcak ist Society-Redakteurin der Zeitschrift News. Für den WIENER schreibt sie unter dem Pseudonym Pandora Reithermann seit vielen Jahren ihre Kolumne »Pandoras Box«. Prädikat: Nicht jugendfrei.

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