Alaba sei mit uns!
Der FC Bayern hat Ribéry, Robben, Klose, Lahm, Gomez. Und David Alaba, 17. Der begnadete Dribbler könnte Österreichs erster Weltstar werden. Auch weil er auf eine Karriere als Prinz in Afrika verzichtet. Und lieber mit dem Zug zur Mama nach Stadlau fährt.

cc by Steindy
Er wollte nie einer von denen werden. Jetzt ist er stolz darauf. David Alaba, 17 Jahre alt, Profifußballer. Nicht irgendwo, sondern beim FC Bayern München. Dem meistgehassten Fußballklub Mitteleuropas. Und dem erfolgreichsten. Der junge Mann komprimiert auf 173 cm Körpergröße die Hoffnungen von Millionen Österreichern, es könnte irgendwann einmal besser werden mit unserem Fußball. Er ist ein Kind der Globalisierung: Der Vater ein Musiker aus Nigeria, die Mutter eine Philippinin, und er selbst ist in Wien-Stadlau aufgewachsen. Der Vater ist in einem Stamm in Afrika eine Art Prinz.
David ist der jüngste österreichische Fußball-Nationalspieler aller Zeiten und er ist die größte Aktie in der Jugendabteilung des FC Bayern, die eine der besten des Planeten ist. Louis van Gaal gilt als einer der unnahbarsten Trainer der Welt. Seine Töchter müssen ihn siezen, weil sie sonst seinen Respekt untergraben würden. Der Niederländer gilt als kalt und grob – zu grob für den alterden Weltmeister Luca Toni, dem Liebling der Münchner Schickeria. Den schickte er ins Ausgedinge nach Rom. Wenn Louis van Gaal etwas gar nicht mag, dann ist es Schwärmen. Schon gar nicht von jungen Fußballern, Teenagern, die glauben, sie könnten mit ihrer Art, die Kugel zu bedienen, den Erdball erobern. Wenn Louis van Gaal von David Alaba spricht, schwärmt er trotzdem. Er sagt: „Neben Franck Ribéry und Arjen Robben ist Alaba der einzige echte Dribbler in der Mannschaft.“ Ribéry und Robben würden für jede Weltauswahl nominiert werden, David Alaba ist 17, ein Kind aus Stadlau.
„Manchmal danke ich Gott für diese Gabe“, sagt David. Seit Jänner trainiert er in der Kampfmannschaft des Rekordmeisters mit, so früh hat seit Menschengedenken kein Spieler mehr den Sprung in die Elite-Auswahl geschafft. 9 von 10 Teenagern würden abheben, ein bisschen durchknallen und sich – ehe sie die Führerscheinprüfung machen – einen Ferrari kaufen. David Alaba sagt Sätze wie „Ich will immer besser werden“ und fährt in jeder freien Minute heim zu den Eltern nach Wien. Mit dem Zug.

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Bemerkenswert an David Alaba ist, dass er ein sympathischer und unbeschwerter Junge ist. Weder verbissen noch leichtsinning. Er ist einer der wenigen Künstler, die es schaffen, auch außerhalb ihrer Bühne verspielt zu wirken. Und nicht unter der Lawine der Erwartungen anderer zu zerbrechen. Wenn Hermann Gerland, seit Jahrzehnten erfolgreicher Nachwuchs-Förderer des FC Bayern, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung über den deutschen Nationalspieler Piotr Trochowski spricht, redet er plötzlich von einem anderen: „Auf einen aus unserer Jugend freue ich mich jetzt schon. David Alaba heißt der. Der macht mir jetzt schon gute Laune.“ Van Gaal: „Er ist nicht gut. Er ist sehr gut.“
David hat die richtige Mischung aus Gottvertrauen und dem eigenen Wissen, wo es lang geht. Die Entscheidungen, die er schon treffen musste, sie erinnern eher an Fantasien pubertierender Jungen. Vor zwei Jahren wurde er nach dem Nike-Cup in Manchester von Vertretern von Arsenal, Manchester United, Liverpool und Chelsea angesprochen. „Ein Angebot hätte uns sofort zu Millionären gemacht“, sagt Vater George Alaba. Doch der Nigerianer, der mit 24 wegen eines WU-Studiums nach Wien kam und mit seiner Dancepopgruppe „Two in One“ einen Hit landete, hat im Musikbusiness eines gelernt: „Wenn du gut bist und dich durchsetzt, dann kommt das Geld ohnehin von alleine. Groß zu kassieren, bevor du deine Leistung erbracht hast, ist unseriös.“
So entschied sich David, der schon mit 15 im Kader der Austria Wien stand, für die Bayern. Obwohl er mal keiner von denen werden wollte: „Die hatten bei Jugendturnieren immer so ein Auftreten. Ich habe die Bayern gehasst. Sie sind mit den schönsten Anzügen gekommen und mit dem dicksten Bus und haben sich feiern lassen.“ Aber die Bayern haben auch eine zweite Seite: „Der Club ist von innen wie eine große Familie.“ Eine Familie, die ihn fördert. Keiner wurde in den letzten Monaten so gepusht wie Alaba, der im Jänner sogar mit ins Trainingslager nach Dubai durfte. Und beim Testspiel in der Säbener Straße gegen Ingolstadt für einen gewissen Franck Ribéry eingewechselt wurde. Ralf Muhr, einst als Leiter der Nachwuchsakademie in Hollabrunn Förderer Alabas, war Augenzeuge: „Es war ein tolles Gefühl zu sehen, wie die beiden abklatschten. Der Bursche ist echt angekommen in der großen Fußballwelt.“ Muhr ist fasziniert vom Tempo des Alaba’schen Karriereverlaufs: „In der Akademie war er anfangs nicht überragend, aber mit 15 ist er explodiert. Da hat er alle anderen überholt. Auffallend: Er hatte nie Leistungsschwankungen, wie sie sonst bei jungen Spielern normal sind. Egal ob in der Halle oder auf dem Feld, ob gegen ältere oder gleichaltrige – er war immer gut.“
Vielleicht auch, weil die Eltern wenig Druck machen. Hannes Kropik, Sportmagazin-Journalist, hatte die Familie schon 1998 kennengelernt – weil er eine Story über den Hitparadenhöhenflug des Vaters schrieb: „Aber der eigentliche Star war ein Knirps im Bayern-München-Dress, der unaufhörlich Kunststücke mit seinem Ball machte. Damals ging er in die erste Klasse Volksschule.“ Der Bub träumte davon, Fußballer zu werden, später weniger: Als Achtjähriger zog er sich im ersten Training für den SV Aspern eine Leistenzerrung zu, dann wollte er nichts mit Vereinsfußball zu tun haben. Er spielte lieber bis Sonnenuntergang auf der Wiese.
Aber er hatte zuviel Talent, die Asperner holten ihn zurück. Das ist keine zehn Jahre her. Jetzt trainiert er Tag für Tag mit Robben, Ribéry, Lahm, Klose oder Gomez. Und mit dem Ex-Barcelona-Star Mark van Bommel. Er ist im Moment sein Idol: „Er hat schon soviel vorzuweisen in seiner Karriere und ist doch so bodenständig. Und er gibt immer wieder Vollgas.“ Mit den Profis des FC Bayern zu trainieren, ist wie eine Ausbildung in Harvard: „Ich lerne jeden Tag in allen Bereichen dazu: taktisch, spielerisch, alles.“
Für Ralf Muhr ist er „der letzte Universalspieler. Den kannst du überall hinstellen und er wird immer seine Leistung bringen. Egal ob links hinten, in der Innenverteidigung, defensiv oder offensiv.“ David Alaba hat die Gene, den Geist und das Genie zur Weltkarriere.
DIE FAKTEN
David Alaba
Seine Herkunft: Der Vater ist aus Nigeria (jetzt DJ im Beverly Hills), die Mutter von den Philippinen. David wird am 24. Juni 1992 in Wien geboren, wächst mit seinen Eltern in Stadlau auf.
Seine Fussssball-Biograraphie: Von 2000 bis 2002 beim SVSV Aspern, dann bis 2008 bei Austria Wien (inkl. Frank-Stronach-Akademie in Hollabrunn). Seit 2008 bei Bayern. Erstes Spiel für die A-Mannschaft im August 2009 in einem Test. ÖFB-Teamdebüt am 14.10.09 gegen Frankreich.
Erschienen im WIENER 343 / März 2010









[...] zwei Österreicher. Marko Arnautovic, 21 Jahre jung, auf Seiten der Italiener und der 17-jährige David Alaba, der das Trikot der Bayern überstreifen wird. Die beiden Wiener mit Migrationshintergrund sind [...]