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Kolumnen

Happy Zapping

Total (b)anal: Pandora wechselt den Kanal. Und entert die letzte Bastion der Lust – obwohl ihr der Weg zum großen Finale einige Schmerzen bereitete.

PandoraKennen Sie Rimmen? Nein, das ist kein pittoreskes Dorf in der Oberpfalz, auch kein Überholmanöver beim Rudern. Rimmen ist wie Lecken, nur irgendwie ärger. Rimmen bedeutet, das Götz-Zitat nicht nur wörtlich, sondern auch körperlich zu nehmen. Ja. Dort. Genau dort. Lassen Sie mich raten – jetzt habe ich Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Denn: Kaum etwas erregt unser Gemüt mehr als die Zweckentfremdung des spektakulärsten Ausscheidungsorgans – „pfui, gack“, meinen die einen (und liegen damit gar nicht so falsch), „ja, gerne“, betteln die anderen.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich mich seit Jahren vor dem Dunstkreis des Analen drücke, aber ganz ehrlich: So kann man nicht mit reinem Gewissen auf tabuloses Luder machen. Reden wir also über Analsex. Sie wissen schon: Benkobox. Hinterstübchen. Auf gut Wienerisch: Zweier-Kanal. Jahrelang habe ich mich strikt geweigert zu zappen. Weil mein erstes Mal ordentlich in die Hose ging – nein, keine Bange nicht so, aber doch: schmerzhaft. Äußerst schmerzhaft.

Ich war achtzehn, schüchtern und unterstabil, er 19, betrunken und übergroß. Ich schloss dieses finstere Kapitel der Sexualität also mit einem Schmerzensschrei, an den sich noch manche Hietzinger Großmutter mit Schrecken erinnert. Ich wurde im Laufe der Jahre Profi im Hinternbacken-Zusammenkneifen, Zur-Seite-Drehen, Spontan-aus-dem-Bett-rollen. Da? Sicher nicht! Pfoten weg, Schwanz weg, Zunge weg – und überhaupt: Hau ab, Mann!

Also sammelte ich ausnahmsweise die Erfahrung der anderen: Freundin M. äußerte die Theorie, dass sich ausschließlich „dünne Weiber“ hinterrücks beglücken lassen. Warum – das könnte sie mir nicht erläutern, aber angeblich gibt es einen Zusammenhang zwischen Analsexbereitschaft und Body Mass Index. Hat was mit Askese zu tun und damit, dass man sich dann eben doch irgendwas reinschieben will. Freundin S. hingegen wiederum versteifte sich in die andere Richtung: Jede, die es nicht tut, ist verkrampft. Anal – das sei ein Basic Skill, wie der Engländer sagt.

Und Pandora? Hat noch nicht? Nun, was macht man nicht alles, um seinem schlechten Ruf gerecht zu werden: Man betüdelt seinen homosexuellen Bekanntenkreis. Doch die Regenbogen-Ratschläge fielen mehr als entmutigend aus, denn Nein und noch mal Nein: Eine Darmspülung, frei nach dem Motto „Klistier – zu dir oder zu mir?“ – passt in meinem Verständnis nicht zu einem Date. Also bemühte ich A., bei dem stimmt nicht nur der Anfangsbuchstabe, sondern auch das Weltbild.

Eine Flasche Rotwein und eine Tube Gleitgel später sollte es so weit sein. Schluss mit der sprichwörtlichen Büchse der Pandora, lass uns den Kanal wechseln. Ich atmete. Tief. Ich entspannte mich. Ich entkrampfte mich. Und verpaßte A. einen Bodycheck – mit Schmackes und der Folge, dass Jahre nach meiner verpatzten Deflorierung wieder ein Schmerzensschrei durch Hietzing gellte, allerdings in Bass-Bariton. Gut nur, dass sich manche Kerle nicht so schnell entmutigen lassen. An einem trüben Sonntagvormittag also enterte ich eine der letzten Bastionen der Lust. Oder ließ sie entern. Denn – bei all dem Spaß an der Freude: Sich von hinten, also von ganz hinten, nehmen zu lassen, ist und bleibt immer noch Vertrauenssache.

Männer lieben es, weil’s bekanntlich so schön eng ist und die Damen im Film damit auch kein Problem haben – im Gegenteil, dort trägt man seinen Anus zur Schau wie Bürgers-töchter ihre Tiffanyringe. Männer, die einen mögen, lieben es wegen der Sache mit dem Vertrauen. Und daran kann nichts falsch sein.

Erschienen im WIENER Nr.343 / März 2010

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Sunday, 05.02.2012, 03:37 Uhr

Autorenprofil Pandora

Pandora
Janina Lebiszczcak ist Society-Redakteurin der Zeitschrift News. Für den WIENER schreibt sie unter dem Pseudonym Pandora Reithermann seit vielen Jahren ihre Kolumne »Pandoras Box«. Prädikat: Nicht jugendfrei.

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