Date mit Verführung

by Harald Havas on 08/10/09 at 12:00 am

Date mit Miss Verführung: Eine Salzburger Edelprostituierte verrät auf Twitter intime Details ihres Lebens. Der WIENER hat die 23-Jährige getroffen – und eine außergewöhnliche junge Frau kennengelernt.

Sie kommt im kleinen Schwarzen. So wie einst Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“. Sehr schlank, trotz der High Heels immer noch zierlich. Und sie ist sehr, sehr attraktiv. Auf Twitter nennt sie sich „Verführung“ und verführerisch ist das „23-jährige Callgirl aus Leidenschaft“ zweifellos. Und, das wird sofort klar, sie ist absolut authentisch, in jeder Hinsicht. Alles, was sie in ihren 720 Tweets beschreibt, ist wahr, jeder Zweifel darüber ist im ersten Moment der Begegnung, Pardon, verpufft.

Sie ist also tatsächlich das autonome und selbstständige junge Callgirl mit Lust an ihrem Beruf, als das sie sich im Internet präsentiert. Und deren private und berufliche Einsichten und Erkenntnisse von rund 1.000 registrierten Followern auf Twitter verfolgt werden. „Eher mehr Deutsche als Österreicher, eher mehr Männer als Frauen, aber ziemlich gemischt“, beschreibt sie ihre Gefolgschaft. Und besonders Frauen, auch gerade die verheirateten mit Kindern, melden sich oft, sind neugierig, wollen mehr über ein Leben erfahren, das von ihrem Dasein so weit, weit weg ist.twitt1

Miss Verführung ist zweifellos außergewöhnlich. Sie wirkt ein wenig scheu wenn sie lächelt – als ob es ihr peinlich wäre, von einem Mann angesprochen zu werden. Sie zittert leicht wenn sie über ihren Beruf spricht, bei manchen Episoden geht ihr Atem um eine Nuance schneller. Man ahnt einen Hauch von Erregung unter ihrer vibrierenden Bauchdecke. In diesem bittersüßen Geschöpf nehmen so ziemlich alle Mannerfantasien Fleisch und Gestalt an, die Gott und tugendhafte Damen verboten haben: Lolita. Unschuldige Hure. Geile Elfe. Ungezähmtes Freiwild. Ist sie das – die perfekte Prostituierte, die saubere, selbstbewusste, so tabulose wie gut bezahlte Gespielin ohne jeden Makel von Drogen und Kriminal?

Die junge Lady weiß wie sie wirkt – die Prostitution will sie keinesfalls verherrlichen, sagt sie. Es gebe auch Kolleginnen, die Not und Zwang ausgesetzt wären. Aber bei ihr ist das eben alles etwas anders. Schon im Teenageralter, rund um die Zeit der ersten sexuellen Erfahrungen, war die gut behütet und bürgerlich aufgewachsene Salzburgerin von der Prostitution fasziniert. Und auch davon, es selber einmal zu probieren. Aber dann kamen doch verschiedene Bildungs- und Ausbildungswege, eine Zeit als Animateurin in Ferienclubs. Aber der Gedanke blieb. Bis sie mit 20 auf eine Anzeige eines Escort Services stieß, sich bewarb und sofort genommen wurde. Doch schon nach ein paar Wochen war ihr klar, dass die Arbeit für andere ihre Sache nicht ist. Die Arbeit an sich aber schon…

Seitdem bewirbt sie sich selbst im Internet mit Kleinanzeigen, in Foren, in Kontaktbörsen, managt sich selbst, vom Erstkontakt, der immer über E-Mails läuft, bis zum finanziellen Teil. Und sie wählt selbst aus. Ein Teil der Interessenten wird schon von ihren Preisen abgeschreckt.

Denn die sind hoch, sehr hoch sogar. Für eine Stunde verlangt sie Preise jenseits der 250 Euro. „In Wien habe ich fast keine Kunden“, sagt sie, „hier ist die Konkurrenz zu hoch und das Preisniveau zu niedrig.“

Alles gut und schön. twitt2Wieso aber darüber Twittern? Zuerst gab es einen privaten Account, wie der Millionen an­derer. Dann die Erkenntnis, dass ihre andere Seite vielleicht interessanter wäre, ihr anderes Leben. Nie ging es darum, Kunden zu angeln, sie wollte aus dem Milieu berichten, mit Klischees aufräumen oder sie auch bestätigen, vielleicht Vorurteile abbauen. Außerdem: „Ich schreibe generell sehr gerne, Schreiben ist etwas Befreiendes. Es tut gut, gewisse Dinge auf Twitter abzuladen, mir von der Seele zu schreiben. Und es macht auch einfach viel Spaß, sich mitzuteilen und Fragen zu beantworten!“ Das bringt ihr durchgehend positives Feedback einer treuen Community.

Miss Verführung hat für ein Callgirl ein teilweise erstaunliches Selbstverständnis. „Dieser Job gibt mir persönlich sehr viel“, erzählt sie, „nicht nur das Finanzielle, sondern es gibt mir auch für mein Selbstbewusstsein sehr viel. Ich fühle mich durch das, was ich tu’, sehr stark. Wenn ich bei einem Kunden bin oder von einem Treffen komm’, hab’ ich das Gefühl, ich bin unbesiegbar, ich kann alles schaffen. Es ist einfach ein sehr wichtiger Teil meines Lebens.“ Nach eine Pause und einer „normalen“ Beziehung im Sommer, macht sie seit kurzem wieder weiter: „Die Leidenschaft ist doch noch wichtiger.“

Aber sie will die Branche nicht verherrlichen. Sie weiß, dass ihr Job Gefahren birgt, und sie weiß, dass es schwer ist, diese Welt wieder zu verlassen: „Gerade für mich ist das wie eine Sucht. Das Geld, die Scheinwelt, die schöne Kleidung, die Treffen mit meist niveauvollen Männern, Essen gehen, gute Gespräche führen, einen schönen Abend verbringen.“ Nachsatz: „Aber es ist auch ein einsames Leben.“ Manchmal macht sie sich schon Gedanken, ob sie rechtzeitig den Absprung schaffen wird, denn dass sie irgendwann abspringen wird, steht für Miss Verführung fest.

Frauen, die überlegen in dieses Business einzusteigen, rät sie, dies nicht nur wegen des schnellen Geldes zu tun: „Es kann schon viel kaputt machen in einem.“ Bei ihr zwar noch nicht, aber „man gibt jedes Mal, wenn man mit jemandem schläft, etwas von sich her, selbst wenn man versucht, das rein mechanisch zu machen.“ Wichtig in dem Job wären jedenfalls ein starke Persönlichkeit, sich nix gefallen zu lassen, sich durchsetzen zu können. Ebenso wichtig seien bestimmte Prinzipien, sich nicht auf Feilschen einzulassen, nicht auf Kondome zu verzichten. Und schon bei der Auswahl der Kunden aufpassen. „Denn Risiko ist immer dabei.“

Text: Harald Havas / Fotos: ©Marco Rossi

@Verfuehrung-Tweets zum Nachlesen:

Heut Abend geht‘s zu einem Stammkunden. Schickes Pent­house, ausgelassene Stimmung… Jedesmal Urlaub vom Alltag für mich. 2/11/2009 15:08

Immer diese Anfragen betr. Blowjobs im Auto. Ist das nicht billig? Einsteigen. Blasen. Aussteigen. Fertig. :-# 2/27/2009 21:50

Auf zum Treffen mit T. Er klang ganz sympathisch am Telefon, meinte aber auf „ausdauernden Sex“ zu stehen. Das klingt nach Arbeit. ;-) 3/2/2009 17:34

Ich mag diese Stundenhotels nicht. Bunte Bettwäsche, zusammengewürfeltes Mobiliar, muffeliger Geruch. Wie bei Tante Gertrud im Schlafzimmer. 3/2/2009 21:47

Monogamie eine Illusion? Wenn ich „meinen“ Männern so zuhöre scheint es mir so. In meinem Job wird man Realist. 3/2/2009 23:33

M. alias Dirty Talk will mich heute sehen. Treffen nur des Geldes wegen und somit meinen Prinzipien untreu werden? Unmotiviert. Lustlos. 3/4/2009 05:38

Tiroler hatte heute keine Lust zu verhüten. Nach dem zweiten nicht akzeptierten Nein bin ich aufgestanden und hab das Hotelzimmer verlassen. 3/5/2009 03:00

In diesen Mittagspausen Quickies kommt sowieso kaum Stimmung auf. Zeitdruck. Auf Befehl geil sein. Ok, vergessen. Das ist mein Job. Richtig? 3/6/2009 09:27

Wurde heute gefragt, ob man sich in diesem Job auch verlieben kann. Ja. Passiert. Auch mir. #Berufsrisiko 3/8/2009 23:41

Ein Geschäftsmann meldet sich immer per SMS und erwartet dann, dass ich 10 Min. später bei ihm im Büro bin. Sorry, Callgirl ist flugunfähig. 3/9/2009 12:55

Freier K. riecht immer extremst nach Schweiß. Kein Sex, er will sich nur an mir reiben. Danach stinke ich genauso schlimm wie er. #Vollbad 3/9/2009 19:44

Wie kann man(n) seinen Schwanz nur Jadestab nennen? :-O 3/10/2009 16:55

Gerade 30 Min. mit Stammkunde telefoniert. Auch er will nicht mehr mit Kondom. Männer, was ist nur mit euch los? So geht das einfach nicht. 3/13/2009 16:58

Kunde von gerade eben hat noch mal angerufen. Seit unserem Telefonat hätte er einen Steifen. Und Kondom geht nun doch in Ordnung, sieh an. 3/13/2009 17:40

In einer Stunde treffe ich mich mit F., ein Hotelier. Auch ich profitiere vom österreichischen Tourismus. 3/15/2009 11:46

@liebendig Dabei bin ich die Unsicherheit in Person. Ich verdränge es nur. 3/15/2009 23:10

G. wollte heute dreimal, hat jedoch nach dem zweiten Höhenflug eingesehen, dass das wohl nichts mehr wird. Ich war ihm sehr dankbar. 3/16/2009 17:03

Follower meinten, Stundenhotel würde sich immer so „dreckig“ anhören. Für jene bestimmten Häuser ist dieser Ausdruck passend. Leider. 3/16/2009 17:15

Damals… „Geh vor die Tür, nackt, läute an. Stell dich als schüchterne Nachbarstochter vor die ihr Paket abholen will.“ #Rollenspiele 3/16/2009 20:29

Sollte ich es eigenartig finden, wenn ein Kunde das benutzte Kondom als „Souvenir“ behalten möchte? 3/18/2009 17:12

14:00 Uhr Neukunde T. Beschreibt sich selbst als attraktiven, offenen, reifen Herren. Also ein alter Perversling mit Stirnglatze. 3/26/2009 11:38

Hab mich getäuscht. T. war ein charismatischer, gutaussehender Mittvierziger, der mich gekonnt zum Orgasmus geleckt hat. Danke T. 3/26/2009 16:58

Jedoch schaffte G. innerhalb einer gefühlten Minute, alleine durch seine Zunge, dass ich 2x kam. Ist nicht mal meinem Ex geglückt. Sorry M. 3/29/2009 01:49

Jeder Hausbesuch bei einem neuen Kunden birgt ein großes Risiko. Ich weiß nie ob mir mein Traummann oder ein Massenmörder die Tür öffnet. 4/6/2009 13:54

One Response to “Date mit Verführung”

  1. Alexandra

    Nov 12th, 2009
    Comment Link

    Tolles Interview!

    Als Frau würde ich mir wünschen, dass viel mehr meiner Geschlechtsgenossinnen etwas selbstbewußter mit ihrem Körper umgehen und ned dauern dem aktuellen Schönheitsideal nachlaufen.

    Jedenfalls viel Glück der jungen Dame und möge sie lange Spaß an ihrem Job haben.

    LG Alexandra

Leave a Reply